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1. Joh 3,18

Wenn wir einen Menschen taufen, dann erhält er in aller Regel auch einen Taufspruch zugesprochen. Es ist ein biblisches Wort, das den Lebensweg des Täuflings begleiten soll. Ich vermute mal, dass diejenigen unter uns, die getauft sind, alle einen solchen Spruch mitbekommen haben. Kennt jemand von Ihnen seinen Taufspruch?

Die allermeisten von uns werden ihn nicht kennen. Eher vielleicht den Konfirmationsspruch. Den hat man sich vielleicht selber aussuchen dürfen oder er war sehr eindrücklich, dass man ihn behalten hat. Viele Menschen der älteren Generation leben sehr mit ihrem Konfirmationsspruch, er ist zu einem bedeutsamen Wort des Lebens geworden. Dies hat sicherlich mit zunehmender kirchlicher Distanz abgenommen, aber vielleicht ist dieser heutige Morgen für manch einen von ihnen auch Anlaß, den Tauf- oder Konfirmationsspruch mal herauszusuchen und wahrzunehmen.

Was wollen diese Worte am Anfang des christlichen Lebens und zum Zeitpunkt der Konfirmation, wo wir unser persönliches Ja zur Konfirmation sprechen? Nun, Tauf- und Konfirmationssprüche wollen Lebensworte sein oder werden. Sie sollen das Leben prägen, oder zumindest einen Aspekt des Lebens als bedeutsam hervorheben. Sie wollen dem Empfänger dieses Spruches deutlich machen, dies ist wichtig in deinem Leben. Daran kannst du dich halten. Darin kannst du Ermutigung finden, es will dir Leitschnur sein im Leben.

Um die Leitschnur für das Leben von Fabienne soll es heute in diesem Gottesdienst gehen.

Ihr Taufspruch lautet: Laßt uns nicht lieben mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Dieses Wort steht mit auf der Hitliste der Taufsprüche. Er wird sehr gerne gewählt. Ich vermute einmal, es liegt daran, dass darin auch immer etwas über unsere Sicht des christlichen Glaubens ausgesagt wird, was viele Menschen kritisieren. Kirche redet gerne. Christen führen oft große Worte, vor allem die Pfarrer in ihren Predigten, doch wenn man dann auf die Taten schaut, dann muß man wohl selbstkritisch feststellen, dass dort sehr viel weniger zu sehen ist. So eben soll dann auch die Verbindung mit dem Christentum für den Täufling eben nicht sein. Nicht das Reden, sondern das Tun soll das Leben auszeichnen, die Taten sollen geprägt sein von den Gedanken des Glaubens. Ich kann das gut verstehen und deshalb kann ich es auch gut verstehen, wenn dieses Wort häufig als Taufwort von Eltern ausgesucht wird.

Nichtsdestotrotz will ich hier noch weitere Worte machen. Ich möchte schauen, was so alles in einem solchen Satz steckt, wenn wir ihn unter dem Gesichtspunkt Taufe verstehen.

Er beginnt mit den Worten: Laßt uns! Zwei wichtige Aspekte der Taufe tauchen hier auf. Zunächst einmal wird im Plural gesprochen. Es heißt nicht: liebe du, sondern Laßt uns lieben. Taufe führt in eine Gemeinschaft hinein. Ich stehe nicht allein in dieser Welt und in dem Glauben, in den ich hineingetauft werde. Andere stehen mir zur Seite. Es gibt Menschen, die mit mir mit gehen, Menschen die mir helfen, die mir Wege zeigen, die mich begleiten, die mich halten und tragen, die mir auch einmal die Meinung sagen, meine Gedanken bremsen, meine Taten kritisch sehen. Glaube, leben im Glauben, das Leben mit dem Glauben meistern, das gelingt im Grunde nur durch die Gemeinschaft der Glaubenden. Ich kann nicht immer nur alleine lieben, ich kann nicht immer nur alleine mit meinen Gedanken sein und leben, wir brauchen die anderen, wir brauchen den Austausch. Gerade der Glaube braucht den Austausch, die Anrede von außen, das Wort, das mich im Herzen trifft, das ich mir aber nicht selber sagen kann. Ich brauche die anderen Menschen, weil ich nicht immer nur alleine lieben kann, weil die christliche Liebe nicht etwas ist, was nur von einem einzelnen zu leisten wäre. Da sind wir alle gefordert. Darum heißt es: Laßt uns lieben.

Das zweite, was in diesem Satz liegt, ist die Aufgabe, jedoch eine Aufgabe, die von einer Gabe her kommt. Laßt uns. Das heißt, es steht etwas im Raum, von dem aus wir losgehen können und sollen, um es weiterzugeben. Für die Taufe bedeutet das: Gottes Nähe, Gottes Zuspruch steht im Raum. Du bist mein Kind! Du bist mir wichtig! Du bist mein Geschöpf, das in dieser Welt seinen Platz hat! Da darfst wissen, ich liebe dich, ich stehe auf deiner Seite, ich bin für dich da! Du, Täufling, befindest dich im Raum der Liebe, das ist dein Ausgangspunkt. Dies steht erst einmal so da, das ist das große Zeichen der Taufe. Das ist der großartige Hintergrund für die nun folgende Aufforderung: Laß uns lieben. Laßt uns diesen Zuspruch weitergeben, laßt ihn uns lebendig machen in der Welt. Laßt uns etwas weitergeben von dem, was wir empfangen haben. laßt uns diese Liebe und Zuwendung Gottes lebendig werden unter den Menschen.

Dies soll nun nicht geschehen mit Worten und mit der Zunge heißt es. Richtig daran ist sicher, dass Liebe nicht allein in Worten, allein mit dem Mund zum Ausdruck kommt. Über etwas reden - was dann bitte möglichst andere erfüllen sollen - oder leere Worte machen, die dann zu Schall und Rauch werden, oder von den Taten als nichtig erkannt werden, das ist sicher falsch und wird zurecht angeprangert. Aber was wäre eine Liebe, die nicht auch in Worten zum Ausdruck kommt. Wer von uns hört nicht gerne die Worte: ich liebe Dich. Wer möchte nicht gerne Liebes gesagt bekommen. Kommt ein Vergeben einer Lieblosigkeit wirklich ganz ohne Worte aus? Wie wichtig ist es doch, dass jemand sagt: es tut mir leid. Bitte entschuldige mein Verhalten. Und wie wichtig ist es auch, dass der andere dann sagt: ja, ich vergebe dir. Es ist schon in Ordnung. Du hast mir zwar weh getan, aber ich liebe dich. Die Umarmung, das Zeigen von Nähe, die Tat, all das ist wichtig, aber ebenso das Wort. Es ist oft erlösendes Wort, erlösenden Wort der Liebe. Das erste Wort nach einem Streit, das offene Wort in der Auseinandersetzung, das auf den anderen zugehende Wort, das gerade in einer Liebesbeziehung zuerst gesagte Wort: ich mag dich, all das sind ganz wichtige Worte der Liebe. Oder das Gespräch, das Wort des Trostes in schwieriger Situation, das Wort der Angst, oder das zurechtweisende Wort, all dies sind Worte der Liebe. Liebebezeugungen mit dem Wort und mit der Zunge.

Es ist richtig, wenn wir leere Worte ablehnen, wenn nichtssagende Worte gemacht werden, die wir an vielen Stellen des Lebens wahrnehmen, und wir sie als solche abtun. Und das gilt sicher auch für Worte des Glaubens, für Worte der Kirche. Aber ich möchte den Taufspruch von Fabienne dann doch auch nur so verstehen, und die liebenden Worte mit einschließen in das, was über die Tat und die Wahrheit gesagt wird.

Und ich denke, dass sie darin auch eingeschlossen sind. Laßt uns lieben mit der Tat und mit der Wahrheit. Die Tat, das ist ja eine Aktivität, die Aktivität des Aufeinanderzugehens. Das geschieht sicher in ganz aktivem Tun, in der hilfreichen Hand, in der Fürsorge für andere Menschen, die unsere Kraft und Hilfe brauchen. Aber es ist auch eine Tat der Liebe, diese Hilfe mit Worten zum Ausdruck zu bringen. Der Trauernde braucht selten helfenden Hände, er braucht hörende Ohren, sehende Augen, sprechende Zungen, um in seiner Situation Halt zu finden. Die Tat der Liebe ist dann auch das Wort. Denn man ist da, setzt sich aus, gibt sich in eine Situation hinein, läßt den Menschen nicht allein. Anders eben als das berühmte: man müßte, aber es geschieht dann nichts. Das sind die leeren Worte, die keine Taten sind. Und dies könnte man für viele Bereiche des Lebens durchspielen.

Zur Liebe gehört aber nicht nur die Tat der Liebe, sondern auch die Wahrheit der Liebe. Was ist Wahrheit? Die berühmte Frage des Pilatus steht im Raum. Wahrheit der Liebe, was heißt das? Nun ich denke aus christlicher Sicht heißt dies, die Welt, das Leben, die Menschen aus der Wahrheit des Glaubens verstehen und sehen. Sehr kurz gefaßt gehören dazu 3 Stichworte.

Das erste Stichwort heißt: Gott der Schöpfer. Die Welt von diesem Stichwort aus zu sehen, heißt: es ist eine gute, von Gott gewollte Welt, in der wir leben. Es ist eine Welt, die von diesem Gott auch erhalten und bereichert wird. Das hat auch Auswirkungen auf den Menschen. Er ist nur ein Geschöpf in der Welt, nicht Schöpfer, nicht Herrscher, sondern er steht in der Verantwortung vor Gott für den Umgang mit der Schöpfung.

Das zweite Stichwort heißt: Jesus Christus. Für den Umgang mit Menschen ist Jesus das Vorbild. Er zeigt, was es heißt, Menschen als von Gott gewollte und geliebte Menschen zu sehen. Nicht der äußere Schein, sondern die von Gott gegebene Würde des Menschen ist entscheidend für den Umgang, für die Liebe, die wir einander geben sollen.

Das dritte Stichwort heißt: Heiliger Geist. Im Geist Gottes zu leben, von Gott her zu leben, wir vor allem dort konkret, wo wir an die Grenzen des menschlichen Leben stoßen. Ich denke da vor allem an Schuld und an den Tod. Wahrheit der Liebe heißt: Wir werden als Menschen schuldig, wir stehen vor Gott und den Menschen als solche da, die ihnen oft nicht gerecht werden. Doch aus der Liebe Gottes heraus, aus seiner Vergebung können wir immer wieder neu anfangen, können wir anderen einen Neuanfang ermöglichen. Wahrheit der Liebe heißt im Blick auf den Tod: Gottes Liebe endet nicht im Tod, sie geht weiter, sie führt ins Leben, sei es durch den leiblichen Tod oder sei es durch den seelischen Tod. Der Glaube hofft darauf und läßt sich durch den Geist von dieser Wahrheit der Liebe im Leben bestimmen.

Und dies alles hat Bedeutung für das ganz alltäglich Leben, für den Umgang mit der Welt, mit den Mitmenschen, mit sich selber. Jeder für sich muß darin seinen Weg finden.

Wenn wir dies heute morgen angesichts der Taufe vom Fabienne so vor Augen stellen, dann mag das nach sehr viel klingen, vielleicht viel mehr, als sie beim Aussuchen dieses Taufspruches geahnt haben. Aber ich denke, soviel ist es gar nicht. Es ist eben einfach die Auseinandersetzung mit einer Liebe, die all unser menschliches Lieben umgreift und übersteigt. Sie als Eltern und Paten und wir als Gemeindemitglieder wollen Fabienne helfen, dieser Liebe zu begegnen, mit dieser Liebe zu leben. Wir wollen uns hineinnehmen lassen in das Wort, das wir Fabienne zusprechen wollen: Laßt uns nicht lieben mit Worten und mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. Lassen wir Fabienne an unserem Leben lernen, was das für sie bedeuten kann. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel - Begrüßung
Lied: 209, 1-4
Eingangsliturgie
Gebet des Tages: Barmherzige Gott und Vater.
Immer wieder vertrauen wir dir Leben an. Vor allem am Anfang, wenn wir Menschen taufen. Wir geben Sie in deine Hände, wünschen uns Dein Geleit. Aber auch sonst bitten wir dich um deine Fürsorge für die Menschen.

Wir bitten dich, höre du unsere Bitten, laß die Sorge für andere auch dein Sorge für sie und uns werden. Laß uns spüren, dass deine Liebe wirksam ist. Nimm du uns dazu in deinen Dienst. Ermutige uns dazu durch dein Wort.Das bitten wir .....

Lesung: 1 Joh 3, 18-24
Lied: 211,1-3
Taufe
Lied: 211, 4-5
Predigt
Lied: 419, 1-5
Fürbittengebet:

Allmächtiger und Barmherziger Gott!

Wir sind Gottes Kinder durch deine Liebe. Dafür sind wir dankbar, denn wir wissen, dass wir bei dir immer wieder Heimat finden, dass wir bei dir immer wieder Rückhalt fürs Leben finden.

So bitten wir dich, hilf uns, anderen deine Liebe weiterzugeben.

Laß uns dies nicht mit leeren Worten tun, sondern in der Zuwendung zum anderen, so wie er uns gerade braucht: mit Herzen, Mund und Händen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die deiner Liebe nichts zutrauen, die allein aus sicher heraus leben. Laß sie erkennen, dass deine Liebe mächtig ist in der Welt, gerade dort, wo wir sie nicht vermuten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die sich nach Liebe sehnen, nach Zuwendung und Hilfe. Laß ihre Bitten nicht ungehört, nimm dich ihrer an, führe du uns zu ihnen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle Kinder dieser Welt, dass sie Liebe erfahren, dass sie im Wissen um Liebe aufwachsen können. Und wir bitten für alle Kinder, die unter Lieblosigkeit zu leiden haben, dass sie das Vertrauen in die Liebe nicht verlieren, dass ihr Leben sich ändern möge. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für die Eltern, die von Gewalt an Kindern betroffen sind, die in Angst und Sorge oder tiefer Trauer leben. Mache uns fähig dazu, dennoch an der Liebe festzuhalten, mach uns fähig ihnen Liebe zu geben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser - Segen
Lied: 163

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt
  Taufgottesdienst

12.11.2000

Liturgischer
Ablauf
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