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Am Weihnachtsfest stehen die Kinder im Mittelpunkt, das
weiß jeder. Und es ist ja auch schön, die Spannung der Kinder
mitzuerleben, die sich auf Weihnachten freuen, oder am Heiligen Abend in
glänzende Augen zu sehen.
Was an Kindern so fasziniert, das ist ihr Unmittelbarkeit, die wir unter
uns Erwachsenen oft suchen. Und manches Mal kann man sich dann der
Vorstellung kaum entziehen, dass Kinder doch im Grunde die besseren
Menschen sind. Zumindest steckt in dieser Vorstellung viel Wahres.
Kinder leben in der Regel im Jetzt, Hier und Heute. Was gestern war und
nachher ist, das ist in der Regel zweitrangig. Bei ihnen ist das Jetzt
entscheidend. Wenn Kinder spielen, dann spielen sie oft so intensiv,
dass sie sich kaum stören lassen. Der Ruf zum Essen ist uninteressant.
Jetzt ist Spielen angesagt, Essen kommt dann, wenn der Hunger da ist und
nicht wenn irgendwelche familiären Konventionen sagen, dass man jetzt
hungrig sein müsste. Und dann die Offenheit der Kinder: da sitzt ein
Mensch neben uns z.B. im Bus und der riecht unangenehm: „Mama, der Mann
stinkt.“ Man möchte im Erdboden versinken oder wenigstens sagen: ich
gehöre nicht dazu, es ist nicht mein Kind. Peinlich für die Erwachsenen.
Aber ein Kind sagt, was es denkt, sagt zumindest am Anfang des Lebens
noch die Wahrheit, selbst wenn es Nachteile einbringt.
Diese Offenheit macht uns oft Schwierigkeiten, aber sie ist eben auch
faszinierend. Ebenso wie die Offenheit im Umgang mit anderen: Sympathie
wird deutlich bekundet, sie gehen auf Menschen zu, lassen sich durch
fremde Sprache z.B. oft nicht abschrecken. Von Kindern können wir oft
sehr viel menschliches, ja echte Menschlichkeit lernen, auch dann wenn
es in unseren Ohren peinlich und unangenehm klingt. Die Wahrheit ist es
allemal und oft fehlt uns ja gerade die.
Was an Kindern weiter fasziniert, das ist die Tatsache, dass Kinder vor
sich haben, was wir oft schon hinter uns haben. Sie haben mehr und
andere Möglichkeiten, ja sie könnten vielleicht Chancen nutzen, die wir
verpasst haben, sie könnten besser machen, was wir falsch gemacht haben.
Darin steckt sehr viel Hoffnung, Hoffnung, dass die Welt durch sie
besser werden könnte, wenn ihnen nur die Möglichkeiten gelassen würden.
Ob Kinder nun wirklich die besseren Menschen sind, mag manch einer von
ihnen inzwischen ein wenig bezweifeln. Es mag ja vieles richtig sein von
dem, was ich eben gesagt habe, aber wir erleben Kinder auch ganz anders.
Wir erleben in der Offenheit von Kindern auch ganz viel Grausamkeit und
Härte. Kinder haben noch nicht gelernt, dass man auch Zurückhaltung
besitzen muss, wenn Menschlichkeit gelingen soll. Kinder müssen eben
erst lernen, das Leben zu meistern. Sie müssen lernen, um die in ihnen
liegenden Möglichkeiten zu entfalten, sie müssen es lernen von uns
Erwachsenen. Unfertige Wesen sind sie, entwicklungsbedürftig. Aus Ihnen
müssen eben erst noch Erwachsene werden.
Sind Kinder nun die besseren Menschen? Oder müssen sie erst zu richtigen
Menschen werden? Ich denke, beides ist einseitig, aber in beidem steckt
eine ganze Menge Wahrheit darin. Aber warum erzähle ich ihnen dies alles
über die Kinder heute Morgen?
Ich möchte heute zu Weihnachten all dies mit der Aussage des
Johannesbriefes in Beziehung setzen, die wir schon gehört haben: Seht
welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder
heißen sollen und wir sind es auch. Wir Christen werden angesprochen als
Gottes Kinder. Und so wird auch all das, was ich eben über Kinder gesagt
habe, unsere Gedanken zur Gotteskindschaft begleiten.
Wie sind wir uns als Kinder Gottes? Sind wir Christen, wie die Kinder,
bessere Menschen? Oder sind wir unfertige Wesen? Sind wir solche, die
eigentlich erst noch erwachsen werden müssten?
Zunächst einmal sind wir Kinder Gottes, weil wir von Gott angesprochen
sind, weil Gott unser Leben begleiten will, weil wir von ihm kommen und
er für uns da ist. Wir sind Kinder Gottes, weil wir Gott in unser Leben
einbeziehen und weil wir seinen Willen in der Welt und für den Menschen
nicht als gleichgültig ansehen für unser Leben. Wir sind Kinder Gottes
als Menschen, die sich von Gott verändern, verwandeln lassen wollen, so
wie das Kind in der Krippe sich in seinem Leben und in den Begegnungen
Menschen verändert, verwandelt hat.
Dabei möchte ich nicht sagen, dass Christen nun deshalb bessere Menschen
sind, das wäre sicher nicht richtig. Aber ich denke schon, dass
christliches Leben sich anders gestaltet. Wo Menschen ihr Leben von
Jesus Christus her gestalten, wo sie sich selber als Kinder Gottes
verstehen lernen, da verändert sich etwas für das Leben und den Umgang
mit anderen. Kind Gottes zu sein, das heißt doch, sein Leben zu sehen
und zu leben, wie Kinder es in einer guten Familie tun. Kind Gottes zu
sein, das heißt dann, sich selber annehmen zu können, weil wir um die
Annahme Gottes wissen, es heißt sich geborgen zu wissen, auch wenn ich
Fehler mache. Welches Kind wird schon aus der Gemeinschaft der Familie
ausgestoßen, nur weil es einen Fehler gemacht hat. In der Regel haben
Kinder Vertrauen zu sich selber, weil sie sich in der Familie geborgen
fühlen können.
Kind Gottes zu sein, das heißt: zu wissen, dass da jemand ist, der für
mich sorgt, der mein Leben trägt und erhält. Welches Kind sorgt sich
schon wirklich um sich selber, wissend, dass doch Eltern da sind. Eher
sorgen sie sich doch um die Eltern, dass denen nichts passiert.
Kind Gottes zu sein, das heißt dann auch, eine Orientierung zu haben,
die nicht auf sich selber gründet, sondern von Gott her bestimmt ist. So
wie Kinder sich zunächst an den Eltern orientieren.
Wie gesagt, das alles macht das Leben nach außen hin nicht besser, ja
wir werden es vermutlich nicht einmal großartig spüren, dass unser Leben
sich dadurch von anderen unterscheidet. Und doch verändert es das eigene
Leben. Es bekommt andere Züge, andere Perspektiven und es wird offener;
offener für die Wahrheit im Umgang mit mir selber und mit den Menschen,
offener für die Menschen, die um mich leben, die auch Kinder Gottes
sind. Ich sehe mich selbst anders, kann und darf z.B. mit Schuld leben
und mich selber annehmen und kann von daher auch die anderen Menschen,
die mir gegenüber schuldig werden, anders ansehen. Mir wird auch die Not
anderer nicht gleichgültig sein, wenn ich mein eigenes Leben als ein von
Gott reich beschenktes verstehe. Kind Gottes sein bedeutet auch in
Geschwisterschaft mit denen zu leben, die von Gott gerufen sind.
Die Offenheit geht aber noch weiter. Das Leben wird offener für
Veränderungen, weil nicht das äußere Leben der Lebenshalt ist, sondern
die Beziehung zum lebendigen Gott. Als Kinder sind wir noch nicht
fertig, sondern wir müssen uns entwickeln, werden im Leben und im
Glauben müssen wir immer neu lernen. Gerade auch wir Christen müssen
das, wenn unser Glaube lebendig bleiben soll und nicht ein leere Hülse
bleiben soll, die - wie in der Schule Gelerntes - bei Nichtanwendung
seine Bedeutung verliert.
Kind Gottes sein, das heißt eben auch den Weg des Erwachsenwerdens im
Glauben zu gehen, in der Unterstützung von anderen und vor allem in der
Unterstützung des Jesus von Nazareth und derer, die im Anfang auf ihn
vertraut haben, Richtig erwachsen werden wir dabei sicher nie, Gott sei
Dank. Wir bleiben Kinder Gottes, aber nicht als naiv gläubige, als
kindlich träumende, sondern als solche, die sich kindlich Unfertiges
nicht als Mangel anrechnen, sondern als Chance begreifen, als Chance
immer neue Erfahrungen mit Gott zu machen. So wie wir als Erwachsene uns
eben immer auch das Kindliche bewahren sollten als Chance neuer
Lebensentdeckungen inmitten einer scheinbar fertigen, erwachsenen Welt
ohne Möglichkeiten zu Veränderungen.
Mit all diesen Gedanken bekommt Weihnachten, liebe Gemeindeglieder,
einen ganz anderen Charakter, als es sonst gewöhnlich in den Bildern von
Licht und Dunkelheit, von Gottes Kommen in die Armut ausgedrückt wird.
Weihnachten wird zu einem Symbol der Glaubens, in dem das Kind, in dem
das Kindliche des Lebens seine Bedeutung entfaltet.
Und es geht auch noch einen Schritt weiter. Das Kind in der Krippe will
nicht nur Vorbild sein, will gleichsam seine Kindschaft nicht nur für
sich alleine behalte. Jesus überträgt die Kindschaft auch auf die, die
mit ihm verbunden sind. Gottes Kinder sollen wir heißen, ja nicht nur
heißen, sondern wir sind es auch. Wir werden dem Gottessohn
gleichgestellt. Weil er Mensch geworden ist, darum können wir davon
sprechen, dass wir in die Kindschaft Gottes hinein genommen sind.
Weihnachten heißt also für uns Menschen: wir sind nicht mehr nur einfach
Geschöpfe Gottes, wir sind mit einer noch viel größeren Würde
ausgestattet: wir sind Kinder Gottes.
Menschwerdung heißt für uns Menschen daher nicht nur, dass wir Gott
mitten unter uns leben haben, sondern dass wir Menschen, jeder einzelne
von uns mit der göttlichen Würde der Kindschaft ausgestattet wird. Mit
diesem Kind in der Krippe werden wir gleichgestellt. Und wenn ich es
einmal übertrieben sagen darf, wir sind diejenigen, die da ebenfalls in
der Krippe liegen und ganz der Fürsorge Gottes anvertraut werden.
In dem Kind fängt diese Wirklichkeit an, nicht fertig, nicht gleich
erwachsen, nicht gleich vollkommen, aber doch in aller Offenheit, die in
Kindern angelegt ist. So wie auch unsere Kindschaft Gottes wohl da ist,
aber eben in Kindsgestalt, klein, unfertig, entwicklungsbedürftig, aber
fähig sich zu entwickeln, größer zu werden, wirksamer nach außen für uns
selber und für andere.
Seht auf Jesus Christus, das Kind in der Krippe, was da klein begonnen
hat, hat große Wirkung gezeigt. Seht auf das Kind: diese Kindschaft gilt
auch euch. Ihr seid nichts weniger als er. Euch das zu zeigen, ist er in
die Welt gekommen, so wird uns heute gesagt. Seht welch eine Liebe hat
uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir
sind es auch. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 54,1-3
Psalm 96 EG 738
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, unser Vater!
In einem Kind zeigst du deine Liebe. In dem Kind in der Krippe, liegt
verborgen, was du für uns und deine Welt bereit hast. So lass uns
werden, wie die Kinder. Lass uns offen auf dich zugehen, hoffnungsvoll
erwartend, was du für uns bereitet hat. Lass uns deine väterliche und
mütterlich Güte spüren an diesem Fest deiner Liebe und deines Friedens
für alle. Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht in aller
Finsternis, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von
Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: 1. Joh 3, 1-6
Nicänisches Glaubensbekenntnis EG 806
Lied: 43,1-4
Predigt
Lied 35, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel, wir sind deine Kinder, angenommen, geliebt, unendlich
wichtig und bedeutsam. Ein jeder von uns. Dankbar hören wir diese Worte
und lassen sie in uns ein. Wir vertrauen darauf, dass du deine Liebe
niemals von uns nimmst.
Wir bitten dich, gütiger Vater, sei bei all denen, die am Weihnachtsfest
diese Liebe vermissen, die sich danach sehnen angenommen zu sein, wie
ein Kind. Lass die Einsamen und Verlassenen etwas spüren davon, dass sie
DEINE Kinder sind und bleiben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme
dich.
Wir bitten dich, liebender Vater, sei bei allen Kindern dieser Welt. Sei
bei denen, die mit Geschenken überhäuft wurden ebenso wie bei denen, die
jeden Tag um ihr Überleben bangen müssen. Sei bei denen, die offen und
fröhlich in ihr Leben ziehen können und bei denen, die voller Angst,
Sorge und Bedrückung sind. Sie alle brauchen dich, um ihr Leben meistern
zu können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, barmherziger Vater, sei bei allen, die dich gerade in
diese Zeit suchen oder neu entdecken. Erfülle ihre Herzen mit kindlicher
Freude. Und erwecke auch bei denen neuen Glauben, die dir schon immer
verbunden waren. Lass dich entdecken, als Vater, der für sein Kinder da
ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
All unsere Weihnachtsgedanken und -wünsche nehmen wir hinein in das
Gebet des Kindes in der Krippe:
Vaterunser
Segen
44,1-3
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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