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1. Joh. 3,1

Am Weihnachtsfest stehen die Kinder im Mittelpunkt, das weiß jeder. Und es ist ja auch schön, die Spannung der Kinder mitzuerleben, die sich auf Weihnachten freuen, oder am Heiligen Abend in glänzende Augen zu sehen.
Was an Kindern so fasziniert, das ist ihr Unmittelbarkeit, die wir unter uns Erwachsenen oft suchen. Und manches Mal kann man sich dann der Vorstellung kaum entziehen, dass Kinder doch im Grunde die besseren Menschen sind. Zumindest steckt in dieser Vorstellung viel Wahres. Kinder leben in der Regel im Jetzt, Hier und Heute. Was gestern war und nachher ist, das ist in der Regel zweitrangig. Bei ihnen ist das Jetzt entscheidend. Wenn Kinder spielen, dann spielen sie oft so intensiv, dass sie sich kaum stören lassen. Der Ruf zum Essen ist uninteressant. Jetzt ist Spielen angesagt, Essen kommt dann, wenn der Hunger da ist und nicht wenn irgendwelche familiären Konventionen sagen, dass man jetzt hungrig sein müsste. Und dann die Offenheit der Kinder: da sitzt ein Mensch neben uns z.B. im Bus und der riecht unangenehm: „Mama, der Mann stinkt.“ Man möchte im Erdboden versinken oder wenigstens sagen: ich gehöre nicht dazu, es ist nicht mein Kind. Peinlich für die Erwachsenen. Aber ein Kind sagt, was es denkt, sagt zumindest am Anfang des Lebens noch die Wahrheit, selbst wenn es Nachteile einbringt.
Diese Offenheit macht uns oft Schwierigkeiten, aber sie ist eben auch faszinierend. Ebenso wie die Offenheit im Umgang mit anderen: Sympathie wird deutlich bekundet, sie gehen auf Menschen zu, lassen sich durch fremde Sprache z.B. oft nicht abschrecken. Von Kindern können wir oft sehr viel menschliches, ja echte Menschlichkeit lernen, auch dann wenn es in unseren Ohren peinlich und unangenehm klingt. Die Wahrheit ist es allemal und oft fehlt uns ja gerade die.
Was an Kindern weiter fasziniert, das ist die Tatsache, dass Kinder vor sich haben, was wir oft schon hinter uns haben. Sie haben mehr und andere Möglichkeiten, ja sie könnten vielleicht Chancen nutzen, die wir verpasst haben, sie könnten besser machen, was wir falsch gemacht haben. Darin steckt sehr viel Hoffnung, Hoffnung, dass die Welt durch sie besser werden könnte, wenn ihnen nur die Möglichkeiten gelassen würden.

Ob Kinder nun wirklich die besseren Menschen sind, mag manch einer von ihnen inzwischen ein wenig bezweifeln. Es mag ja vieles richtig sein von dem, was ich eben gesagt habe, aber wir erleben Kinder auch ganz anders. Wir erleben in der Offenheit von Kindern auch ganz viel Grausamkeit und Härte. Kinder haben noch nicht gelernt, dass man auch Zurückhaltung besitzen muss, wenn Menschlichkeit gelingen soll. Kinder müssen eben erst lernen, das Leben zu meistern. Sie müssen lernen, um die in ihnen liegenden Möglichkeiten zu entfalten, sie müssen es lernen von uns Erwachsenen. Unfertige Wesen sind sie, entwicklungsbedürftig. Aus Ihnen müssen eben erst noch Erwachsene werden.

Sind Kinder nun die besseren Menschen? Oder müssen sie erst zu richtigen Menschen werden? Ich denke, beides ist einseitig, aber in beidem steckt eine ganze Menge Wahrheit darin. Aber warum erzähle ich ihnen dies alles über die Kinder heute Morgen?
Ich möchte heute zu Weihnachten all dies mit der Aussage des Johannesbriefes in Beziehung setzen, die wir schon gehört haben: Seht welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch. Wir Christen werden angesprochen als Gottes Kinder. Und so wird auch all das, was ich eben über Kinder gesagt habe, unsere Gedanken zur Gotteskindschaft begleiten.
Wie sind wir uns als Kinder Gottes? Sind wir Christen, wie die Kinder, bessere Menschen? Oder sind wir unfertige Wesen? Sind wir solche, die eigentlich erst noch erwachsen werden müssten?
Zunächst einmal sind wir Kinder Gottes, weil wir von Gott angesprochen sind, weil Gott unser Leben begleiten will, weil wir von ihm kommen und er für uns da ist. Wir sind Kinder Gottes, weil wir Gott in unser Leben einbeziehen und weil wir seinen Willen in der Welt und für den Menschen nicht als gleichgültig ansehen für unser Leben. Wir sind Kinder Gottes als Menschen, die sich von Gott verändern, verwandeln lassen wollen, so wie das Kind in der Krippe sich in seinem Leben und in den Begegnungen Menschen verändert, verwandelt hat.
Dabei möchte ich nicht sagen, dass Christen nun deshalb bessere Menschen sind, das wäre sicher nicht richtig. Aber ich denke schon, dass christliches Leben sich anders gestaltet. Wo Menschen ihr Leben von Jesus Christus her gestalten, wo sie sich selber als Kinder Gottes verstehen lernen, da verändert sich etwas für das Leben und den Umgang mit anderen. Kind Gottes zu sein, das heißt doch, sein Leben zu sehen und zu leben, wie Kinder es in einer guten Familie tun. Kind Gottes zu sein, das heißt dann, sich selber annehmen zu können, weil wir um die Annahme Gottes wissen, es heißt sich geborgen zu wissen, auch wenn ich Fehler mache. Welches Kind wird schon aus der Gemeinschaft der Familie ausgestoßen, nur weil es einen Fehler gemacht hat. In der Regel haben Kinder Vertrauen zu sich selber, weil sie sich in der Familie geborgen fühlen können.
Kind Gottes zu sein, das heißt: zu wissen, dass da jemand ist, der für mich sorgt, der mein Leben trägt und erhält. Welches Kind sorgt sich schon wirklich um sich selber, wissend, dass doch Eltern da sind. Eher sorgen sie sich doch um die Eltern, dass denen nichts passiert.
Kind Gottes zu sein, das heißt dann auch, eine Orientierung zu haben, die nicht auf sich selber gründet, sondern von Gott her bestimmt ist. So wie Kinder sich zunächst an den Eltern orientieren.
Wie gesagt, das alles macht das Leben nach außen hin nicht besser, ja wir werden es vermutlich nicht einmal großartig spüren, dass unser Leben sich dadurch von anderen unterscheidet. Und doch verändert es das eigene Leben. Es bekommt andere Züge, andere Perspektiven und es wird offener; offener für die Wahrheit im Umgang mit mir selber und mit den Menschen, offener für die Menschen, die um mich leben, die auch Kinder Gottes sind. Ich sehe mich selbst anders, kann und darf z.B. mit Schuld leben und mich selber annehmen und kann von daher auch die anderen Menschen, die mir gegenüber schuldig werden, anders ansehen. Mir wird auch die Not anderer nicht gleichgültig sein, wenn ich mein eigenes Leben als ein von Gott reich beschenktes verstehe. Kind Gottes sein bedeutet auch in Geschwisterschaft mit denen zu leben, die von Gott gerufen sind.
Die Offenheit geht aber noch weiter. Das Leben wird offener für Veränderungen, weil nicht das äußere Leben der Lebenshalt ist, sondern die Beziehung zum lebendigen Gott. Als Kinder sind wir noch nicht fertig, sondern wir müssen uns entwickeln, werden im Leben und im Glauben müssen wir immer neu lernen. Gerade auch wir Christen müssen das, wenn unser Glaube lebendig bleiben soll und nicht ein leere Hülse bleiben soll, die - wie in der Schule Gelerntes - bei Nichtanwendung seine Bedeutung verliert.
Kind Gottes sein, das heißt eben auch den Weg des Erwachsenwerdens im Glauben zu gehen, in der Unterstützung von anderen und vor allem in der Unterstützung des Jesus von Nazareth und derer, die im Anfang auf ihn vertraut haben, Richtig erwachsen werden wir dabei sicher nie, Gott sei Dank. Wir bleiben Kinder Gottes, aber nicht als naiv gläubige, als kindlich träumende, sondern als solche, die sich kindlich Unfertiges nicht als Mangel anrechnen, sondern als Chance begreifen, als Chance immer neue Erfahrungen mit Gott zu machen. So wie wir als Erwachsene uns eben immer auch das Kindliche bewahren sollten als Chance neuer Lebensentdeckungen inmitten einer scheinbar fertigen, erwachsenen Welt ohne Möglichkeiten zu Veränderungen.
Mit all diesen Gedanken bekommt Weihnachten, liebe Gemeindeglieder, einen ganz anderen Charakter, als es sonst gewöhnlich in den Bildern von Licht und Dunkelheit, von Gottes Kommen in die Armut ausgedrückt wird. Weihnachten wird zu einem Symbol der Glaubens, in dem das Kind, in dem das Kindliche des Lebens seine Bedeutung entfaltet.
Und es geht auch noch einen Schritt weiter. Das Kind in der Krippe will nicht nur Vorbild sein, will gleichsam seine Kindschaft nicht nur für sich alleine behalte. Jesus überträgt die Kindschaft auch auf die, die mit ihm verbunden sind. Gottes Kinder sollen wir heißen, ja nicht nur heißen, sondern wir sind es auch. Wir werden dem Gottessohn gleichgestellt. Weil er Mensch geworden ist, darum können wir davon sprechen, dass wir in die Kindschaft Gottes hinein genommen sind. Weihnachten heißt also für uns Menschen: wir sind nicht mehr nur einfach Geschöpfe Gottes, wir sind mit einer noch viel größeren Würde ausgestattet: wir sind Kinder Gottes.
Menschwerdung heißt für uns Menschen daher nicht nur, dass wir Gott mitten unter uns leben haben, sondern dass wir Menschen, jeder einzelne von uns mit der göttlichen Würde der Kindschaft ausgestattet wird. Mit diesem Kind in der Krippe werden wir gleichgestellt. Und wenn ich es einmal übertrieben sagen darf, wir sind diejenigen, die da ebenfalls in der Krippe liegen und ganz der Fürsorge Gottes anvertraut werden.
In dem Kind fängt diese Wirklichkeit an, nicht fertig, nicht gleich erwachsen, nicht gleich vollkommen, aber doch in aller Offenheit, die in Kindern angelegt ist. So wie auch unsere Kindschaft Gottes wohl da ist, aber eben in Kindsgestalt, klein, unfertig, entwicklungsbedürftig, aber fähig sich zu entwickeln, größer zu werden, wirksamer nach außen für uns selber und für andere.
Seht auf Jesus Christus, das Kind in der Krippe, was da klein begonnen hat, hat große Wirkung gezeigt. Seht auf das Kind: diese Kindschaft gilt auch euch. Ihr seid nichts weniger als er. Euch das zu zeigen, ist er in die Welt gekommen, so wird uns heute gesagt. Seht welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen und wir sind es auch. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 54,1-3
Psalm 96 EG 738
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, unser Vater!
In einem Kind zeigst du deine Liebe. In dem Kind in der Krippe, liegt verborgen, was du für uns und deine Welt bereit hast. So lass uns werden, wie die Kinder. Lass uns offen auf dich zugehen, hoffnungsvoll erwartend, was du für uns bereitet hat. Lass uns deine väterliche und mütterlich Güte spüren an diesem Fest deiner Liebe und deines Friedens für alle. Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht in aller Finsternis, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: 1. Joh 3, 1-6
Nicänisches Glaubensbekenntnis EG 806
Lied: 43,1-4
Predigt
Lied 35, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel, wir sind deine Kinder, angenommen, geliebt, unendlich wichtig und bedeutsam. Ein jeder von uns. Dankbar hören wir diese Worte und lassen sie in uns ein. Wir vertrauen darauf, dass du deine Liebe niemals von uns nimmst.
Wir bitten dich, gütiger Vater, sei bei all denen, die am Weihnachtsfest diese Liebe vermissen, die sich danach sehnen angenommen zu sein, wie ein Kind. Lass die Einsamen und Verlassenen etwas spüren davon, dass sie DEINE Kinder sind und bleiben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, liebender Vater, sei bei allen Kindern dieser Welt. Sei bei denen, die mit Geschenken überhäuft wurden ebenso wie bei denen, die jeden Tag um ihr Überleben bangen müssen. Sei bei denen, die offen und fröhlich in ihr Leben ziehen können und bei denen, die voller Angst, Sorge und Bedrückung sind. Sie alle brauchen dich, um ihr Leben meistern zu können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, barmherziger Vater, sei bei allen, die dich gerade in diese Zeit suchen oder neu entdecken. Erfülle ihre Herzen mit kindlicher Freude. Und erwecke auch bei denen neuen Glauben, die dir schon immer verbunden waren. Lass dich entdecken, als Vater, der für sein Kinder da ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
All unsere Weihnachtsgedanken und -wünsche nehmen wir hinein in das Gebet des Kindes in der Krippe:
Vaterunser
Segen
44,1-3
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

26. 12. 2006

Liturgischer
Ablauf
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