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Am Ende unsere heutigen Predigtabschnittes aus dem 1. Johannesbrief
heißt es:
Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt
lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der
Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben,
ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit
ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.
Wenn man diese Gedanken hört, dann könnte man auf den Gedanken kommen,
das ein wahrhaft christliches Leben nur gelebt werden kann, wenn man
sich aus der Welt zurückzieht. Unsere Liebe soll nicht dieser Welt
gelten, nicht dem was in der Welt ist. Das würde also bedeuten:
Glaubensleben geschieht am besten außerhalb dieser Welt.
Solche Gedanken gab es schon sehr früh. Vor allem nachdem das
Christentum im Jahre 324 Staatsreligion wurde, gab es Menschen, die für
sich gesagt haben, man muss anders leben. Nun es war ja auch so, dass
Menschen zwangsgetauft wurde, dass das Christentum eine übergestülpte
Religion wurden. Es gab keine bewusste Entscheidung dafür, keine
Bekehrung - wie immer die auch ausgesehen haben mag - sondern man
gehörte einfach dazu. Jetzt wurde man eben Teil des Christentums.
Darüber waren Menschen, die sehr mit diesem Glauben verbunden waren und
darin lebten, sehr unzufrieden. Sie wollten diesen christlichen Glauben
sehr ernsthaft und vollkommen leben, so wie es die Bibel an vielen
Stellen zum Ausdruck bringt, wie auch in diesem Johannesbrief.
Schon zuvor gab es immer wieder einzelne Menschen, die Als so genannte
Eremiten lebten, in Einsamkeit und ganz für sich und ihren Glauben.
Später gab es Gruppen von Eremiten und dann auch solchen, die in
Gemeinschaft christliches Leben gestalten wollten. Daraus entwickelten
sich dann klösterliche Lebensformen. In der Einsamkeit und
Zurückgezogenheit wollten diese Menschen leben, unbehelligt von den
vielen alltäglichen Fragen. Ora et labora, das war die Grundregel der
Benediktiner, die sich im 6. Jhd um den Heiligen Benedikt scharten. Er
begründete das mittelalterliche Mönchswesen.
Schaut man sich andere Religionen an oder auch esoterische Kreise
heutiger Zeit, so findet man dieses Phänomen eigentlich überall. Um
seine innere Mitte zu finden, um seine religiösen Erfahrungen zu machen,
muss man sich zurückziehen. Es braucht Ruhe, Abgeschiedenheit, ein Ort
ohne Ablenkungen und hoher Konzentrationsmöglichkeit.
Ich muss allerdings sagen, dass oft als Widerspruch zum Weg Gottes
empfinde, wenn ein solche Gedanken geäußert wird, dass wir die Welt
nicht lieben dürfen.
Die grundlegenden Aussagen des Glaubens beziehen sich doch gerade
darauf, dass Gott diese Welt liebt. Ich glaube an Gott den Schöpfer. Er
hat diese Welt geschaffen, sagen wir. Gott wollte diese Welt und er
wollte sie für die Menschen. Um ihretwillen hat er sie geschaffen, sagen
sogar einige im Blick auf die beiden Schöpfungsberichte. Der Mensch, die
Krone oder der Anfang der Schöpfung. Gott wollte ein Gegenüber haben und
für ihn hat er diese Welt geschaffen.
Wir glauben an Jesus Christus. In ihm, so sagt unser Glaube ist Gott
Mensch geworden. Er ist in diese Welt hineingekommen, hat in ihr gelebt.
Er ist Teil dieser Welt und hat selber das freudig angenommen, was die
Welt zu bieten hat. Ich finde es immer wieder sichtig darauf
hinzuweisen, dass Jesus als Fresser und Säufer beschimpft wurde. Er
scheint also fröhlich gefeiert zu haben mit seinen Freunde und mit
denen, mit denen er so zusammengesessen hat. Er hat also nicht gesagt:
das dürft ihr nicht, sondern hat deutlich gemacht: dies ist Teil der
Welt, Geschenk Gottes, so lasst es uns in Freude und Fröhlichkeit
genießen. Jesus ist nicht als weltfremder Gottes Sohn in diese Welt
eingegangen, um die verlorenen Seele aus dieser so gottlosen Welt zu
retten, sondern er hat sich ganz in diese Welt hineingegeben, hat Gott
seinen Platz inmitten dieser Welt gegeben, ja er ist am Schluss sogar in
die Tiefen dieser Welt eingedrungen, um so die Nähe Gottes auch in
dieses Erfahrungen unseres Lebens vor Augen zu stellen.
Das ist doch keine Weltflucht, sondern Glaubensleben inmitten dieser
Welt. Jesus lebte von der Liebe zu der Welt und den Menschen, die in
dieser Welt ihr Leben gestalten. Insofern möchte ich dem Schreiber des
Johannesbriefes auf der einen Seite widersprechen: die Liebe zur Welt
ist nicht das Gegenteil der Gottesliebe. Liebe zu Gott schließt eine
Liebe zur Welt, eine Liebe zu den Menschen ein. Gottesliebe geht für
mich nicht ohne Liebe zur Schöpfung. Wer von Liebe zu Gott redet, der
hat auch die Bewahrung der Schöpfung im Blick zu haben. Im Glauben an
Gott geht es auch um die Liebe zu den Menschen und um den Einsatz für
den Menschen. Alles, was dem Leben von Menschen widerspricht: vor allem
Gewalt, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. gilt es im Sinne der Liebe
Gottes zur Welt und zur Gerechtigkeit in der Welt anzuprangern und zu
verändern. Das ist unsere Aufgabe in dieser Welt und für diese Welt. Der
Friede Gottes ist Aufgabe in der Welt, ist unsere menschliche Aufgabe
mit den begrenzten Möglichkeiten, die wir haben. Und das können wir
nicht erreichen, wenn wir aus dieser Welt ausbrechen und fliehen,
sondern nur, wenn wir in ihr tätig sind und ganz wachsam darauf achten,
was in dieser Welt geschieht. Weltflucht wäre unter diesem Blickwinkel
nicht im Sinne der biblischen Botschaft.
Nun möchte ich aber die Worte der Bibel auch in unserem heutigen
Predigttext ernst nehmen. Sie reizen mit zum Widerspruch, aber es liegt
darin auch ein Anliegen des Briefschreibers, das ich aufnehmen und stark
machen möchte. Denn die Geschichte und auch die Gegenwart zeigt ja, dass
der Rückzug aus der Welt, die kritische Distanz zu dem, was geschieht,
auch seine Bedeutung hat. Und darin sehe ich die bedenkenswerte Seite
des Angesprochenen.
Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust
und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und
die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der
bleibt in Ewigkeit.
Was der Johannesbrief hier anspricht, ist, dass es in dieser Welt
Versuchungen gibt, die uns gefangen nehmen, die uns letztlich abbringen
von der Liebe zur Welt, wie Jesus sie gelebt hat. Es gibt in unserer
Welt ungeheuer vieles, wo man sagen muss, dass dies etwas ist, wogegen
man sich wehren muss. Der Johannesbrief schreibt von der Fleisches Lust.
Viele sehen darin wieder die typisch kirchliche Ablehnung der
Sexualität. Das ist aber keineswegs so. Sexualität ist eine gute Gabe
Gottes, die wir nicht zu verachten brauchen. Aber es gibt Formen der
Sexualität, die dem Geist Gottes und der Liebe widersprechen, die das
Gegenüber der Sexualität nicht als eigenständige, liebenswerte Person
anerkennt. Und das geschieht immer dort, wo Menschen einen anderen
Menschen zum Objekt der eigenen Lust degradieren. Das geschieht vor
allem im verbrecherischen Bereich, bei Vergewaltigung und
Kindesmissbrauch, aber auch in manch anderen Bereichen, wo die Würde des
anderen mit Füßen getreten wird. Christlicher Glaube hält ja gerade die
Würde des anderen hoch und deshalb gehört es für Christen dazu, die in
allen Bereichen des Lebens zu achten, auch in der Sexualität. Oft genug
wird dies verletzt und in den Filmen unserer Tage für viele als durchaus
legitimen Umgang mit Menschen dargestellt. Sich dieser Welt zu
entziehen, sich gegen eine solche Weltsicht zu stellen, dafür kann ich
gut eintreten. Diese Welt zu fliehen, ist sicher richtig.
Als zweites nennte der erste Johannesbrief die Lust der Augen. Haben
wollen, besitzen wollen, dem anderen etwas beweisen müssen im Äußeren,
davon lebt diese Welt an vielen Stellen. In der Schule sind es die
Markenklamotten, die man anhaben muss, um dazuzugehören. Später wird das
Auto zu einem Symbol der Bedeutsamkeit. Die Werbung verspricht so
vieles, womit man durch das Haben die Bedeutung seines Lebens steigern
kann. Doch man kann es sicher nicht oft genug sagen: worauf bauen wir da
unser Leben auf? Wie dünn ist doch dieses Eis, auf dem wir da stehen.
Kann uns denn Besitz irgendetwas geben, was dem tiefsten Innern des
Lebens wirklich Halt gibt? Im Heidelberger Katechismus, der auch in
unserem Gesangbuch steht, lautet die erste und damit wichtigste Frage:
Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Kann mir
irgendetwas, das ich meinen Besitz nenne, diesen Trost geben? Es ist die
Lust des Lebens, schöne Dinge in Besitz zu nehmen, und wer es sich
leisten kann, soll es von mir aus auch tun. Aber das, was letztlich
zählt im Leben, können wir daraus nicht schöpfen. Wir brauchen eine
Bindung an die wirkliche Macht des Lebens, wenn es darum geht, den Trost
im Leben und im Sterben zu erlangen.
Das Dritte ist: Hoffärtiges Leben, Stolz auf Ansehen und Macht, die oft
genug darauf beruht, dass andere darunter zu leiden haben. Dahinter
steckt eine Stärke, die sich auf ein übersteigertes Selbstbewusstsein
gründet, das den anderen aus den Augen verliert, oder gar dem anderen
Anerkennung verweigert, wenn nicht dieselben Ziele verfolgt werden. Das
ist ein Ichbezogenes Leben, das den Blick für den anderen verloren hat.
Und auch dies widerspricht dem Glauben an Gott, der uns von Anfang an in
die Gemeinschaft untereinander und Verantwortung füreinander ruft und in
Christus noch einmal dieses Gemeinschaftsbewusstsein vertieft hat.
All diese genannten Punkte, die der Schreiber des Johannesbriefes da
anspricht, widersprechen der Bruderliebe. In unserer Welt liegen diese
Gefahren und jeder von uns ist von verschiedensten Gefahren bedroht, die
in unserer Welt liegen. Doch wir entkommen diesen Gefahren nicht
dadurch, dass wir dieser Welt entfliehen. Das können wir auch gar nicht.
Auch im Kloster gibt es Anfechtungen dieser Welt. Wir entkommen diesen
Gefahren nur dadurch, dass wir jeden Tag neu unser Vertrauen auf die
Kraft der Liebe Gottes setzen. Diese Liebe bindet sich nämlich nicht an
die Welt, sondern lässt sich leiten von Jesus Christus. Und darin können
wir ein Stück der Ewigkeit spüren, die ja keine zeitliche, sondern eine
Tiefendimension des Lebens ist. Verloren gehen wir, wenn wir gleichsam
nur innerweltlich denken, leben und handeln. Wirkliche Tiefe des Leben
und darin unendliche Zukunft und damit den Trost im Leben und im Sterben
gewinnen wir, wo wir die Welt liebend übersteigen durch unseren Glauben,
durch das Vertrauen zu dem lebendigen Gott, der diese Welt mit seiner
Liebe umschlossen hat. Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 443,1-4
Psalm 143, 1-10 EG 755
Eingangsliturgie - Gebet:
EGb 395 - 1. Gebet
Lesung: 1. Joh 2, 12-17
Lied: 404, 1, 3, 7+8
Lesung: Micha 6, 6-8
Glaubensbekenntnis
Lied: 390,1-3
Predigt
Lied: 603,1-3
Abkündigungen - Fürbittengebet
Treuer Gott!
Du schaffst und erhältst unser Leben. Wir bitten dich, nimm uns unter deinen
Schutz. Wehre all den Mächten, die das Leben bedrohen, bring uns deinen Frieden.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die sich und ihren Körper verkaufen müssen, die
von der Macht anderer bis ins Körperliche hinein missbraucht werden, lass sie
dennoch Achtung erleben und hilf zu Wegen aus dieser Situation. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die sich in den Angeboten dieser Welt verlieren,
die ihr eigenes Ich an die Welt verkaufen. Hilf ihnen zu erkennen, dass die
Bedeutung ihres Lebens ganz woanders liegt. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die Macht und Ansehen genießen. Dass sie dies
nicht eigennützig missbrauchen, sondern für das Leben dieser Welt einsetzen.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die unter den Bedrückungen des Lebens leiden. Für die
Kranken in unseren Familien und Dörfern, für alle, die von Sorgen und Ängsten um
andere geplagt sind. Gib ihnen Stärke und Hilfe in dieser Zeit. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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