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Menschen, die ein besonderes Anliegen vertreten, werden
auch besonders unter die Lupe benommen. Ihr Leben, das was sie tun, was
sie sagen und wie sie ihr Leben nach außen hin darstellen und führen,
wird gemessen an den Inhalten der besonderen Anliegen. Wir erleben das
in der Regenbogenpresse, wo sehr schnell über Menschen geurteilt wird,
die nicht so leben, wie sie reden.
Ähnliches geschieht auch in der Kirche. Wir erleben es immer wieder in
der Auseinandersetzung mit denen, die der Kirche kritisch
gegenüberstehen. Bestimmte Anliegen des christlichen Glauben, vor allem
die ethischen Ansprüche, die in der Bevölkerung allgemein bekannt sind,
dienen als Maßstab für die Glaubwürdigkeit der Christen. Und weil viele
Christen, bis hinein in die Geistlichkeit diesen Maßstab nicht erfüllen,
wird die Kirche und auch der christliche Glaube abgelehnt. Nur ist
natürlich immer wieder die Frage, ob diese Vorgehensweise so richtig
ist. In dem vorhin gehörten Bibeltext wird über diese Frage nachgedacht.
Als erstes einmal wird etwas ganz wichtiges festgestellt: Gott ist
Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Das ist so etwas wie eine
Überschrift über das Folgende. Gott ist Licht, das heißt, er ist etwas
erhellendes, etwas, das das Dunkle aufbricht, etwas sichtbar macht. Dazu
zählt für mich auf der einen Seite, das Herausführen aus den
Dunkelheiten unseres Leben, aus Trauer, aus Einsamkeit, aus Bedrückungen
jeglicher Art, aus allem eben, was wir mit dem Bild der Dunkelheit in
unserem Leben in Verbindung bringen. Gott will da Licht hinein bringen,
will es verändern, eben erhellen. Das ist das Ziel des göttlichen
Handelns.
Zum Erhellen, zum Licht gehört dann allerdings auch, dass etwas ans
Licht gebracht wird. Gott ist ja nicht nur da für die Bedrückten,
sondern er wirft auch ein Licht darauf, was so im Dunkeln geschehen soll
oder geschieht, er deckt auch die Dunkelheiten des Lebens auf. Im Lichte
Gottes wird das Handeln des Menschen offenbar. Es wird offenbar als
eines, das Gut oder Böse ist, als eines, das den Menschen hilft oder
schadet. Im Licht Gottes wird das Handeln als eines offenbar, das Gott
annimmt und respektiert oder als eines, das Gott nicht anerkennt und der
Mensch lieber seine eigenen Wege geht.
Ja und genau an diesem Punkt geht es natürlich um die Frage, wie steht
es mit dem Anspruch des Glaubens an die Glaubenden und dem sichtbaren
Handeln, dem Leben vor Gott und den Menschen? Und da, so sagen viele
Kritiker, geht es weit auseinander. Die sonntäglichen Kirchgänger werden
oft verunglimpft, weil sie doch nicht anders leben, sondern wenn sie aus
der Kirche herauskommen, sondern genauso schlecht seien, wie die, die
nicht zur Kirche gehen. Die Pfarrer werden angegriffen, weil sie auf der
Kanzel große Worte sprechen und hinterher genauso leben wie alle anderen
auch. Wenn ihr denn schon so christlich moralisch tut, warum lebt ihr
dann nicht entsprechend? So werden wir gefragt.
Und wir Christen werden mit recht so gefragt, denn unser Leben ist nun
einmal öffentlich und wir tragen als Christen auch etwas weiter, das mit
einem Anspruch verbunden ist, Inhalte des Glaubens im Leben umzusetzen,
ihn lebendig zu machen.
Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben, und wandeln in der
Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. So sagt es der
Briefeschreiber. Das steht erst einmal fest im Raum und ich denke, das
würde auch jeder so mit unterschreiben, denn das gilt doch überall so.
Ich kann nicht hüh sagen und hott tun. Ich kann nicht von Liebe reden
und Hass schüren. Ich kann nicht Hilfe für die Armen predigen und ihnen
dann aus dem Weg gehen, ich kann nicht Gewaltlosigkeit propagieren und
gleichzeitig Gewalt unterstützen. Wir würden darin lügen und den nicht
ernst nehmen, den wir als Christen als unseren Vater und Herrn
anerkennen. Wir würden der Finsternis dienen, statt das Licht in die
Welt zu bringen, um es im Bild unseres Bibeltextes zu sagen. Der 1.
Johannesbrief mahnt uns Christen dazu, unser Verhalten immer wieder zu
überprüfen an dem Anspruch, den wir weiter tragen, den Gott an uns
richtet, den Jesus uns vorgelebt hat. Glaubwürdigkeit ist im
christlichen Glauben nicht nur etwas, das auf den einzelnen Christen
bezogen ist, insofern der einzelne Christ würdig ist, dass man ihm
glaubt. Sondern wir tragen auch die Glaubwürdigkeit des christlichen
Glaubens an sich weiter, wir machen die Botschaft würdig, auf dass
Menschen darauf vertrauen können.
Ein sicher großer Anspruch, der da im Raum steht, dem wir uns auch zu
stellen haben.
Nur erleben wir doch auch immer wieder, dass wir als Christen diesem
Anspruch nicht genügen können, dass wir immer wieder auch dem Willen
Gottes für diese Welt widersprechen. Wir sehen, dass wir nur begrenzte
Kräfte und Möglichkeiten haben, dass wir hinter dem zurückbleiben, was
wir gerne tun würden, was wir als Auftrag und Anspruch Gottes verstehen.
Und das betrifft nicht nur unser Handeln, an dem das auch sichtbar
ablesbar ist, sondern auch unser Innerstes, unseren Glauben, unser
Vertrauen und unsere Hoffnung. Auch das ist alles doch nur selten völlig
gefestigt. Wie schnell werden wir auch wieder aus der Bahn geworfen,
wenn das Leben uns mit Ereignissen konfrontiert, die uns direkt
betreffen und eben nicht auf die Lichtseite des Lebens gehören und damit
auch Gottes Wirklichkeit in Frage stellen. Und sind wir dann noch
glaubwürdige Christen, die in Gedanken, Worten und Taten die frohe
Botschaft weiter tragen?
Ja, das sind wir! Und das sage ich aus voller Überzeugung. Wir sind auch
als solche, die Fehler, Fragen und Zweifel in sich tragen, glaubwürdige
Christen, wenn wir denn das Licht Gottes unser Leben wahrhaft treffen
lassen.
Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und
die Wahrheit ist nicht in uns. Sagt der Bibeltext. Zu dem Licht Gottes,
zu der Wahrheit Gottes gehört nämlich nicht an erster Stelle, dass wir
Menschen rein, gut und ohne Fehler sind, sondern zum Licht und zur
Wahrheit gehört, dass wir uns wirklich als Menschen verstehen, die
diesem Anspruch Gottes nicht entsprechen. Die Bibel spricht an dieser
Stelle immer von Sünde. Damit ist nicht eingeengt irgendein fehlerhaftes
Verhalten gemeint, sondern vornehmlich ein Leben, welches Gott nicht
anerkennt. Das geschieht durch Nichtachtung der Gebote, aber eben auch
durch mangelndes Vertrauen, durch menschliche Selbstüberschätzung und
Selbstüberhebung, durch mangelndes Vertrauen, durch Verzweiflung, eben
durch alles, wodurch Gottes Liebe zu den Menschen direkt oder indirekt
in Frage gestellt wird.
Und wir Menschen sind solche, die all dies immer wieder in ihrem Leben
aufweisen. Wir sind auch als Christen Menschen, die den Geboten in ihrem
Leben widersprechen, sie missachten. Wir sind solche, die lieber sich
selber an erste Stelle stellen, als das Wort Gottes. Wir sind Menschen,
denen das Vertrauen schnell entschwindet, die auch mal verzweifeln, weil
sie keinen Ausweg mehr wissen. Wir sind als Christen keine moralischen
und geistlichen Helden, sondern wir sind Menschen mit Schwächen und
Fehlern.
Wenn also Menschen auftreten und diesen heroischen Anspruch an die
Glaubwürdigkeit der Christen und ihres Glaubens daran knüpfen, wie das
Leben aussieht, dann ist dieser Anspruch falsch und in keiner Weise dem
christlichen Glauben angemessen. Christlicher Glaube sagt: wenn wir
sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die
Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist
er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von
aller Ungerechtigkeit.
Christlicher Glaube lebt davon, dass wir Christen uns als Sünder
verstehen, als Sünder im benannten Sinne, aber als solche, die dennoch
von Gott angenommen, gewollt und in seinen Dienst gerufen sind. Die
Wahrheit Gottes, das erhellende Licht des Glaubens liegt darin, dass der
Mensch als solcher offenbar wird, der vor Gott nie recht da steht, aber
den Gott eben dennoch annimmt, ja der ihn recht macht, durch die
Vergebung der Sünden, durch die Überwindung der Trennung, die geschieht,
wo wir Gottes Gebote missachten, seine Liebe nicht wahrnehmen, seinen
Wunsch zur Gemeinschaft und zur Hilfe für uns Menschen einfach beiseite
schieben, weil wir meinen uns selber helfen zu können, oder weil uns
vermeintlich keiner helfen kann. Nein, wer sich zu seinen Sünden
bekennen kann, diese von Gott her offen annehmen kann, der erfährt die
Annahme Gottes, der ist derjenige, der in ganzem Vertrauen zu Gott neues
Leben empfangen kann, weil er nicht auf sich selber baut, sondern auf
Gottes Güte allein.
Insofern haben diejenigen einfach unrecht, die die Glaubwürdigkeit von
Christen und vom christlichen Glauben vom Handeln abhängig machen
wollen. Damit sind sie auf dem Holzweg.
Aber heißt das dann, dass wir Christen tun und lassen können, was wir
wollen? Natürlich nicht.
Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Wer sagt:
Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in
dem ist die Wahrheit nicht. Natürlich haben wir dem Wort Gottes zu
entsprechen, haben wir dem Vorbild Jesu nachzuleben. Die Gebote gelten,
die Bergpredigt Jesu ist ein wichtiges Dokument für christliche
Lebensgestaltung, die ethischen Weisungen der Briefe des Neuen
Testamentes, sie haben Bedeutung für den Glauben. Ohne das Umsetzen in
den Alltag, in das Leben der Christen bleibt der Glaube leer und das
Licht Gottes tritt auch nicht in das Leben der Menschen. Aber all dies
ist nicht die Grundlage für die Glaubwürdigkeit von Christen und ihrer
Botschaft. Die Wahrheit des Glaubens liegt darin, dass wir in der
Anerkenntnis unserer Fehlbarkeit, unserer Sündhaftigkeit, die Gebote,
den Anspruch Gottes stärken und gleichzeitig deutlich machen, dass wir
als Menschen letztlich nicht aus dem Einhalten der Gebote, sondern von
dem vergebenden Zuspruch Gottes leben. Wir sind Sünder allzumal, aber
solche die durch die Barmherzigkeit Gottes leben dürfen, sagt Luther,
und beschreibt damit die Wahrheit Gottes als eine, die eben nicht von
uns Menschen und unseren Vorstellungen ausgeht. Lassen wir uns also von
den Kritikern des Glaubens ruhig immer wieder den Spiegel vorhalten und
uns befragen nach unseren Verhalten - sie tun gut daran, denn sie
erinnern uns an den Willen Gottes -, aber ein letztes Urteil über uns
können sie damit nicht fällen. Das liegt in der Hand des Barmherzigen
Gottes, der uns als Sünder annimmt und gerecht macht. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:452, 1-3
Psalm 36 EGNsB 719
Eingangsliturgie
Gebet
Barmherziger Gott!
Du suchst alle Menschen. Du suchst und auch alle, die sich von dir
abgewandt haben. Lass uns deinen Ruf hören, auf dass wir durch dich
gerettet werden. Das bitten wir durch Jesus Christus ...
Lesung: Lk 15, (1-3).11b-32
Lied 353, 1-4
Lesung 1. Joh 1, 5-2,6
Glaubensbekenntnis
Lied: 346,1-3
Predigt
Lied 346,4+5
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Barmherziger Vater!
Menschen leben in deiner Gegenwart, doch nicht immer leben sie von
deiner Gegenwart. Darum bitten wir dich, lass uns deine Wahrheit
erkennen und aus dieser Wahrheit leben. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die sich darum mühen, nach dem Vorbild Jesu zu
leben, die mit den Geboten leben, die so deine Wahrheit weiter tragen.
Hilf ihnen, in der Umsetzung deines Willens. Stärke sie in allem, was
sie um deines Namens willen tun. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme
dich.
Wir bitten dich für alle, die vor dem Scheitern ihrer Bemühungen stehen,
die die Scherben des Lebens betrachten. Lass sie erkennen, dass du
gnädig bist, dass du ihnen vergibst und einen neuen Anfang schenkst.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die nur auf die äußeren Dinge des Leben schauen und
nicht auf das, was dahinter steht. Hilf ihnen zu einer anderen
Sichtweise und uns lass nicht mutlos werden, angesichts der Kritik, die
wir auch auszuhalten haben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die stark sind im Leben und alle die schwach
sind. Dass sie dich als den wahren Herrn des Lebens erkennen, dass sie
auf dich vertrauen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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