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Jos 1,9 und 2 Tim 1,7
Gottesdienst mit Taufe und Trauung |
Gnade sei mit uns ...
Es ist für uns alle heute sicher ein ungewöhnlicher Gottesdienst. Eine
Taufe, das ist bei uns üblich, die feiern wir häufig im
Hauptgottesdienst und das ist gut so, denn die Täuflinge werden damit in
die Gemeinschaft der Christen hineingenommen, die sich im Gottesdienst
versammelt. Aber dass ein Ehepaar sich dann auch noch trauen lässt, das
gab es sicher so noch nicht. Ich habe es noch nicht getan bisher. Umso
mehr freue ich mich, dass wir alle daran teilhaben können, wenn Ihr
beide, liebe Silke, lieber Matthias, heute an eurem 7. Hochzeitstag hier
euer Ja zueinander bekräftigt, wenn wir euch unter Gottes Segen stellen
und für uns selber auch noch einmal darüber nachdenken dürfen, was es
heißt, sein Leben unter Gottes Segen zu führen.
Zwei Worte begleiten uns dabei, die an ganz verschiedenen Stellen der
Bibel stehen, aber doch innerlich recht eng zusammen gehören.
Der Taufspruch von Linus lautet: Lass dich durch nichts erschrecken und
verliere nicht den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir, wohin
du auch gehst.
Und euer Wort zur Ehe lautet: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der
Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Ich denke, wir erleben in den letzten Wochen jeden Tag im Fernsehen
brüchig und angefochten menschliches Leben sein kann. Solche
Katastrophen sind sicher die Ausnahme in unserem Leben und es möge Gott
verhüten, dass auch wir in solche Situationen kommen. Doch jeder von uns
fühlt ja mit den Menschen, die dort vor Ort jetzt vor dem Nichts stehen,
denen die äußere Lebensgrundlage abhanden gekommen ist, deren
Zukunftspläne und Hoffnungen durcheinander geraten sind. Auch als
Fernstehende spüren wir etwas von der Frage, die dahinter steht: was ist
wirklich tragend in unserem Leben. Jeder von uns kommt immer wieder an
solche Stellen im Leben, wo die äußeren Gegebenheiten ins Wanken kommen.
Beziehungskrisen, wirtschaftliche Nöte, gesundheitliche Probleme oder
ähnliches. Da steht dann die Frage im Raum, wo der tragende Grund des
Lebens ist.
Heute feiern wir diesen tragenden Grund wieder einmal, erinnern uns an
diesen tragenden Grund: die Taufe, diese einmalige Zusage des
barmherzigen Gottes, der uns zuspricht: Du bist mir wichtig.
Jeder Segen, sei es der am Ende eines jeden Gottesdienstes, sei es der
für die Taufpaten oder gleich für euch, der Segen angesichts der Ehe,
jeder dieser Segenshandlungen erinnert daran: Gott nimmt euch wichtig
und ihr seid in seiner Hand, was immer auch geschieht.
Und Linus bekommt diesen Satz zugesprochen: Lass dich durch nichts
erschrecken und verliere nicht den Mut, denn ich der Herr, dein Gott,
bin mit dir, wohin du auch gehst.
Gott weiß, dass Leben nicht ohne Schwierigkeiten verläuft, er weiß, dass
wir nicht paradiesisch leben und dass uns im Leben so manches aufgegeben
wird. Das kommt - auch unter dem Geleit Gottes. Aber das muss uns nicht
aus der Bahn werfen. Sei getrost und unverzagt und verliere nie den Mut,
denn der Herr, dein Gott, ist mit dir, wohin du auch gehst, das ist eine
Lebensermutigung, die als Überschrift eigentlich über jedem Leben eines
Getauften stehen müsste. Wir können mit Gott, mit dem Vertrauen, dass
das Leben in allen Lagen getragen ist, allem im Leben getrost
entgegengehen. Das macht es an vielen Stellen nicht weniger schwierig,
Leben ist auch Arbeit, aber es hilft diese Arbeit kraftvoll anzugehen.
Und da kommt jetzt euer Trauspruch in den Blick. Gott hat uns nicht
gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der
Besonnenheit.
Wir sollen eben nicht ängstlich ins Leben gehen, uns bange machen lassen
von dem, was im Leben auch an schwierigen Seiten auf uns zukommt. Gerade
da, so sagt der Vers aus dem 2. Timotheusbrief, gerade da erinnert euch
an den Ursprung eures Glaubenslebens: ihr steht nicht alleine da,
sondern Gottes Geist steckt in euch. In der Taufe habt ihr Gottes Geist
empfangen und das ist kein furchtsamer Geist, kein niedergeschlagener
und gedrückter Geist, sondern kraftvoll, liebevoll und besonnen.
Der Geist der Kraft. Wir Menschen wollen aus uns selber Kraft schöpfen,
setzten auf uns selber alle Hoffnungen. Aber die Wirklichkeit setzt
dieser Kraft so manches mal ein Ende. Das, was vor Augen liegt, nimmt
alle Kraft, verhindert das Nach-Vorne-Gehen. Gut zu wissen, dass da ja
noch etwas anderes in unserem Leben ist, als nur die eigenen
Möglichkeiten. Wir haben Anteil an der Kraft Gottes. Er stärkt uns. Wir
können uns nicht wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen,
aber wir können uns im Glauben ziehen lassen, im Vertrauen auf die
Kräfte Gottes Kräfte entwickeln, die uns nach vorne schauen lassen. Und
das würde ich auch den Flutopfern sagen wollen: Ihr steht vor den
Trümmern eures äußeren Lebens, der Schuttberg hat auch Hoffnung und
Kräfte verschüttet. Aber da ist ein Gott, der andere Kräfte hat und frei
macht und diesen Kräften vertraut euch an. Und das gilt uns allen, auch
wenn wir gut leben, dankbar und glücklich. Die tragfähige Kraft unseres
Lebens ist nicht unsere eigene, sondern die, die wir von der Kraft des
Lebens, von Gott empfangen.
Neben der Kraft steht die Liebe. Nach sieben Jahren habt ihr beide schon
so manches erlebt an guten und liebevollen Tagen, aber auch an
schwierigen, bedrückenden, weniger liebevollen Tagen. Und auch der
heutige Tag ist sicher anders als der Hochzeitstag 1995. Und gerade
darum ist es schön, dass wir heute diese Liebe neu in den Mittelpunkt
rücken. Sie ist noch da die Liebe, gewachsen und gereift, tiefer ist sie
geworden, und auch weiter. Sie bezieht sich nicht nur auf euch beide,
sondern da sind drei Menschen, die in diese Liebe eingeschlossen sind.
Und ihr alle seid umschlossen von der Liebe, die höher ist als all das,
was wir Menschen uns je ausdenken können. Sie begleitet euch, stärkt und
erneuert eure Liebe, verändert sie und ist darin immer wieder Motor auch
der menschlichen Liebe untereinander. Diese Liebe Gottes führt euch
zueinander, sie weist euch aneinander. Nicht nur als Ehepaar, sondern
auch als Menschen, die miteinander leben und in dieser Welt
Verantwortung tragen. Und da sind dann auch wir im Blick, als
diejenigen, die nicht hier vorne sitzen. Der Geist der Liebe ist uns
gegeben, nicht nur als etwas von dem wir ganz persönlich uns getragen
wissen dürfen, sondern eben auch als etwas, das uns Menschen aneinander
weist. Die Liebe ist ein Geschehen, das uns nicht bei uns selber bleiben
lässt, sondern das den Nächsten in den Blick nimmt und dank Jesus nicht
nur den Nächsten, sondern auch den, dem wir, der uns nicht Freund ist.
Das ist der christliche Geist der Liebe, der uns in der Taufe gegeben
ist.
Und als letztes steht der Geist der Besonnenheit. In ganz alten
Übersetzungen hieß es: der Geist der Zucht. Besonnenheit ist sicher
besser, aber Zucht weist auch in eine entsprechende Richtung.
Besonnenheit, darin drückt sich für mich so ein Element der Ruhe aus.
Lebensereignisse werfen auch mal schnell aus der Bahn. Ich erlebe euch
beide eigentlich als ruhig und schon von Natur aus besonnen. Aber
vielleicht kann dies ja auch verstärkt werden dadurch, dass wir vom
Geist der Besonnenheit lernen können, die Ereignisse des Lebens in Ruhe
anzugehen. So wie Jesus als er im schwersten Sturm auf dem Schiff
schlafen konnte. Gottvertrauen gibt uns einen festen Stand, so dass wir
nicht in hektische Betriebsamkeit verfallen müssen, wenn jemand an uns
wackelt. Besonnen bleiben, vertrauensvoll und ohne Angst um sich selber
dem Leben entgegen gehen, das ist Teil dieses Geistes der Besonnenheit.
Und als Geist der Zucht würde ich beschreiben, dass wir uns nicht
treiben lassen in unseren Gedanken und unserem Tun von allgemeinen
Gedanken und Taten, sondern dass wir es in Zucht nehmen, es bestimmen
lassen von den Gedanken Gottes, von den Gedanken Jesu, um von da aus das
eigene Leben zu gestalten: kraftvoll und liebevoll, getrost und
unverzagt, unerschrocken und mutvoll. Wir können das, Gott sei Dank, die
Taufe erzählt es uns. Und das wollen wir nun auch in einem Lied zum
Ausdruck bringen, das den Taufspruch von Linus zum Ausgangpunkt hat.
Sei getrost und unverzagt und verliere nie den Mut.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: Ich schau hinauf zu den Bergen
(T+M:
www.kinderkirche.de/lieder/ps121.htm)
Psalm: 121
Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
Wir wollen ein Kind taufen, es deiner Güte anbefehlen. So nimm es in
deine Hände, lass dein Geist und deine Kraft mit diesem Kind sein, auf
dass es im Vertrauen zu dir leben lernt. Und uns alle nimm hinein in den
Geist der Taufe, in den Geist der Liebe, die uns umgibt, in den Geist
der Kraft, die uns begleitet und den Geist der Besonnenheit, aus dem wir
unverzagt leben können. Das bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir
und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Taufhandlung
Lied: 211,1+3-5
Predigt
Lied: Sei getrost und unverzagt
(T+M:
www.kinderkirche.de/lieder/sei_getrost.htm)
Trauung
Lied: Gut, dass wir einander haben
Abkündigungen - Fürbittengebet
Barmherziger Gott!
Dein Geist ist das schönste Geschenk, dass du uns Menschen machst, denn
aus diesem Geist können wir all das schöpfen, was uns unser Leben
gelingen lässt. So danken wir dir dafür, dass du uns in der Taufe mit
deinem Geist beschenkt hast, das dieser Geist unser Leben trägt. Hilf
dass wir diesen Geist immer wieder erspüren.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei Linus und stärke seinen Lebensweg. Sei bei Silke und Matthias,
stärke Liebe und Gemeinschaft, sei bei Pia und Thiess, den Großeltern
und Paten und allen Angehörigen, dass dein Geist sie alle verbinde.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Lass auch uns alle aus der Taufe leben, auf dass wir in unserem Leben
getrost und unverzagt nach vorne sehen können.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Opfer der Flut, für die Menschen die Hab und Gut
verloren haben, die auch Menschen zu betrauern haben, dass sie nicht
verzweifeln in ihrer Not, sondern Zeichen hilfreicher Nähe bekommen und
so deine Güte spüren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Helfen, die am Werke sind, dass ihr Tun nicht
vergeblich ist, sondern ihre Mühe weiteren Schaden verhindert.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Und wir bitten für alle Menschen an anderen Stellen der Welt von
Naturkatastrophen oder schwerem Unglück betroffen sind, dass inmitten
aller Not, Hoffnung nicht schwindet. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
In deine Hände legen wir unser Leben. Nimm du es und führe es bis in
Ewigkeit. Amen
Lied 334
Segen
oben
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