| Predigt |
Sängerjubiläum |
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Es gibt eine Vielzahl von Liedern. Seit der Mensch der Sprache mächtig ist, so möchte ich behaupten, gab und gibt es das Phänomen des Singens. Im Internetlexikon Wikipedia heißt es: Gesang ist wahrscheinlich die älteste und ursprünglichste musikalische Äußerungsform der Menschen. Ihr Instrument ist der menschliche Körper selbst. Dadurch können Seelisches und Emotionales unmittelbar zum Ausdruck kommen. Weil das so ist, dass seelisches und emotionales zum Ausdruck kommen, gibt es eine Vielzahl von Lebensbereichen, die im Liedgut abgedeckt werden. Es gibt Liebeslieder, Hochzeits- und Trinklieder, Kinderlieder, Wiegenlieder, Lieder von der Arbeit, Tanzlieder, Arbeiter- und Soldatenlieder, Studenten- und Seemannslieder. Lieder von Berufsgruppen, Abschiedslieder, Spaß- und Scherzlieder, Heimat- und Wanderlieder, jahreszeitlich gebundene Lieder, Morgen- und Abendlieder, und vor allem natürlich das religiöse Liedgut, das in allen Religionen gepflegt wird. Es gibt eigentlich keinen Lebensbereich von uns Menschen, der nicht auch im Liede seinen Ausdruck findet: Freude und Dankbarkeit, Trauer und Klage, Lob und Fröhlichkeit, Verzweiflung und Not, Leid und Liebe, bis hin zum französischen Bettgeflüster Jetaime. Bis auf letzteres hat ja auch der MGV so manches davon in seinem Programm, sogar die von mir so geliebte gesungene Speisekarte. Lieder und Gesang haben mit dem Leben von uns Menschen zu tun. Etwas weiteres habe ich bei Wikipedia gelesen: Der Gesang wird durch den Sänger ausgeführt. Ein Sänger ist ein Musiker, der die an der Phonation beteiligten Organe (Zwerchfell, Lunge, Stimmlippen, Vokaltrakt) zur Klangerzeugung einsetzt. Der Mensch setzt seinen Körper ein, um eine emotionale Gestimmtheit zu einem künstlerischen Ausdruck zu verhelfen. Klingt sehr kompliziert, meint aber nichts anderes als das: wer nicht ganz beim Singen dabei ist, wer nicht alle körperlichen Möglichkeiten nutzt, um das Lied aus sich herauszubringen, der wird nicht gehört, der kann den Geist eines Liedes nicht weiter geben und der wird auch sich selber in seiner Gestimmtheit nicht nahe kommen. Singen hat mit uns als Einzelnem zu tun, mit unserem ganz persönlichen Leben. Aber nun feiern wir nicht heute 33 Einzelsänger, sondern wir feiern das 100 jährige Jubiläum eines Gesangvereines, also einer Gruppe von Menschen, die sich zusammengetan haben, um gemeinsam die Klangfülle des Lebens zu Gehör zu bringen. Und darin wird deutlich: Singen hat nicht nur mit uns als Einzelnem zu tun, es ist eben auch etwas, das mit Gemeinschaft zu tun hat, ja Musik erzählt uns von dieser Gemeinschaft. Und das möchte ich ein wenig deutlich machen. Zunächst einmal haben wir da die Notenlinien. Es sind 5 an der Zahl. Wenn man den Violinschlüssel und den Bassschlüssel zusammenzählt sogar 10. Das bietet Raum für eine Vielzahl von Tönen. Auf diesen Notenlinien verteilen sich dann die Noten. Und dann ist das wie im Leben. Die einen stehen oben, die anderen in der Mitte und wieder welche die, mehr unten angesiedelt sind. Jede an ihrem Platz ist wichtig, jede hat seine Bedeutung für den Gesamtklang der Musik. So wie im Leben: Jeder von uns ist wichtig, jeder hat seine Bedeutung an seinem Platz, ob oben oder unten oder auch in der Mitte. Im Gesamtkonzert Gottes in dieser Welt darf keiner Fehlen, jedem ist seine Bedeutung zugewiesen im großen Ganzen. Noten sehen sich alle sehr ähnlich, und wer sie nicht lesen kann, weiß mit ihnen kaum etwas anzufangen. Wer sich mit ihnen vertraut gemacht hat, weiß sie zu lesen und auch musikalisch umzusetzen. Die Noten, wenn man sie auf die Notenlinien schreibt, haben alle die gleiche Größe. Zunächst ist es ein einfacher Kreis, der einen bestimmten Platz auf der Notenlinie einnimmt. Doch dann kommen die Unterschiede. Zunächst bekommen einige einen Strich. Die allermeisten haben den. Einige bekommen Fähnchen dran, mal eines mal zwei, bei dreien wird es mit dann schon schwierig. Es gibt die ausgefüllten Noten, die unausgefüllten und die, die noch einen Punkt an die Seite bekommen. Auf dem Papier brauchen diese Noten alle gleichviel Platz, im Raum der Musik ist das anders, da nehmen die einen viel Raum ein und die anderen sind nur mal kurz zu hören. Das ist wie im Leben. Da gibt es Menschen, die nehmen einen breiten Raum ein in ihrer Lebensumwelt, einfach weil sie in dem, was sie tun und sagen, viel darstellen, oder einfach, weil sie sich breit machen überall, wo es nur geht. Und dann gibt es die, die nur mal kurz auftauchen und dann gleich wieder in der Versenkung verschwunden sind, Menschen die nichts großes aus sich machen. Aber wären sie nicht da, würden sie Fehlen, wie die 16tel Note, die gerade den Reiz eines Stückes ausmacht oder die den Rhythmus bestimmt. Und es gibt die, die wie die viertel Note gut präsent ist, ohne durch Länge oder Kürze groß auf sich aufmerksam zu machen. Jeder ist wichtig und trägt dazu bei, das Leben lebendig zu halten, es zu einem Gesamtklang zu gestalten. Ein Chorgesang ist eingeteilt in mehrere Stimmen. In eurem Fall sind es die jeweils zwei Gruppen der Tenöre und der Bässe. Damit man sich besser orientieren kann, hat man diesen beiden Bereichen auch zwei unterschiedlichen Notenbereichen zugeordnet. Die Tenöre singen meistens das hinter dem Violinschlüssel, die Bässe suchen ihre Noten hinter dem Bassschlüssel. Nicht jeder hat seinen Platz an der Stelle der anderen. Wie im Leben. Ich muss mich einordnen, muss meine Gaben und Möglichkeiten entdecken. Und wenn ich das tue, dann merke ich, ich bin nicht gut für alles und nicht an jedem Ort. Ich bin Ich mit meinen ganz persönlichen Gaben, die mir gegeben sind. Sicher, ich hätte gerne auch mal andere Möglichkeiten. Klavier spielen wie Christian Wolf oder Alissa an der Orgel, das wäre schon schön, aber meine Möglichkeiten sind begrenzt, ich kann es nicht so und auch vieles Üben jetzt, wird mich nicht mehr dahin bringen. Und wenn ein Tenor plötzlich im Bass stehen würde, er würde alles durcheinander bringen und den Wohlklang vermindern. Dort wo ich gebraucht werde mit dem, was Gott mir als Gabe mitgegeben hat, dort soll ich mich eingeben, dort meinen Platz finden und mein Leben entsprechend gestalten. Dort gelingt dann auch Leben, dort werden wir uns wohlfühlen, werden menschliche Anerkennung finden und damit auch unseren ganz persönlichen Platz in diesem Leben. Jeder an seinem Ort mit anderen zusammen dem Leben in dieser Welt dienlich sein, das wäre gut. Und glücklicherweise ist das Leben vielgestaltiger als die Stimmeneinteilung eines Chores, so dass wir immer wieder auch mit unterschiedlichen Menschen die unterschiedlichsten Dinge des Lebens in Angriff nehmen können. Und wenn wir schon bei der Mehrstimmigkeit sind, nicht immer ist es gut, wenn alle gleichzeitig zu hören sind. Jede Stimme hat ihren eigenen Charakter, und das soll auch zum Ausdruck kommen. Vielstimmigkeit klingt gut, aber es ist auch gut, wenn mal ein Solo erklingt und in der klaren Führung des Solisten etwas ganz eigenes zum Klingen kommt. Getragen von der Gemeinschaft, die im Hintergrund bleibt, vermag der Solist etwas eigenes zu schaffen und noch einmal in anderer Weise anzusprechen und etwas voranzubringen. Fürs Leben gesagt: Es muss auch mal jemand sagen, wo es lang geht, aber dies kann er nur, wenn er dabei getragen wird von der Gemeinschaft, die diese Gedanken annimmt und unterstützend begleitet. Im gemeinsamen Gesang bildet sich aber noch mehr ab, was menschliches Leben ausmacht. Es ist das, was wir Harmonie und Disharmonie in der Musik nennen. Ein Lied wird als Harmonisch empfunden, wenn die Noten in entsprechenden Akkorden aufeinander bezogen sind. Jede Stimme im Zusammenklang mit der anderen ist. Eben wie im Leben, wenn Menschen gut miteinander auskommen, wenn es in den unterschiedlichen Dingen, die man miteinander durchführt, gut klappt, man aufeinander eingestellt ist und an einem Strang zieht, dann ist es ein harmonisches Miteinander. Auf Dauer aber klingt ein nur auf Harmonie ausgerichtetes Musikstück langweilig. Jedes gute Musikstück enthält mehr, es gibt eine Vielzahl von Spannungen und auch Disharmonien, die Musik lebendig macht. Es braucht auch Reibungen, um ein lebendiges Stück zu schreiben. Wie im Leben. Natürlich freuen wir uns, wenn wir harmonisch miteinander umgehen können, wenn die Menschen an unserer Seite darum bemüht sind, wie hoffentlich wir selber, das gemeinsame Leben in Harmonie zu verbringen. Aber wir sind an keiner Stelle dieselben Menschen mit denselben Ansichten und Vorstellungen. Insofern gibt es auch Reibungen, gibt es auch Dissonanzen. Sie machen das Leben lebendig, sie bringen etwas voran, schaffen die nötigen Spannungen, die – zumindest in der Musik – immer wieder aufgelöst werden und zum Grundton zurückführen. Den Grundton finden, den Grundton im Auge haben, das Verbindende zu suchen und zu stärken, auch mal in dem man mal einen Ton daneben liegt, das gehört im Leben zu einem guten gemeinsamen Leben dazu. Das gilt für Partnerschaften, für Freundschaften, für die Zusammenarbeit auf der Arbeit oder eben in einem Verein, der in den letzten 100 Jahren so manche Disharmonie erlebt hat, aber dann doch immer wieder zurückgefunden hat zu dem gemeinsamen Grundton. Sonst würden wir dieses Fest heute nicht feiern. Die Musik kann uns da etwas lehren für unser gemeinsames Leben. Das Grundanliegen einer Gemeinschaft darf nicht aus den Augen verloren werden, zu diesem Grundanliegen gilt es immer wieder zurückzukehren, oder wenn es als falsch erkannt worden ist, auch verworfen werden. Alle Spannungen, alle Dissonanzen, alle Kritik, aber auch alle Vorschläge, Ideen und Weiterführungen sollten diesem Grundanliegen dienlich sein. Die Gemeinschaft von Menschen, Freude für die Menschen, Freude am Singen, das Weitertragen fröhlicher Lieder, aber auch das Weitertragen der Botschaft vieler Lieder, das gehört zu den Grundanliegen eines Gesangvereines. Das gilt es zu leben und voranzubringen. Die Musik selber ist darin Vorbild, wie es gelingen kann, als Verein, aber auch in normalen menschlichen Leben etwas voranzubringen, was als Ganzes als etwas Gutes und Ergreifendes erlebt werden kann. Im Gesangverein gilt es, dass jeder sich voll und ganz einbringt, mit aller Kraft das Vorhaben unterstützt. Jeder trägt mit seinem ganz persönlichen Einsatz dazu bei, dass das Ganze seine Bedeutung erhält. Eben wie im Leben, wo wir nicht alleine sind, sondern in der Gemeinschaft mit anderen in dieser Welt leben und mit dazu beitragen, dass dieses Leben gelingt und dem Wohle aller Geschöpfe dienlich ist. 100 Jahre Liedertafel Groß Elbe zeigt, dass der Grundton lange lebendig geblieben ist, dass er immer wieder gefunden wurde und hoffentlich auch weiter bestimmend sein möge. Wir danken allen Menschen für die Arbeit, die in diesem Verein steckt und wollen Gott um seinen Segen für die weitere Zukunft bitten. Amen
Orgelvorspiel – Gesangverein- Begrüßung Lied: Lobet Gott in seinem Tempel Psalm 98 mit Liedruf - Eingangsliturgie Gebet: Vater im Himmel. Mit unseren Stimmen loben und preisen wir dich, wir singen aus ganzem Herzen und ganzer Seele das Lob deiner Herrlichkeit. So bitten wir dich: Erfülle du uns mit der Freude und Kraft, mit der Hoffnung, die uns trägt in unserem Leben. Das bitten wir Lesung: Kol 3, 12-17 Lied: Lob Gott getrost mit Singen - Lesung Jes 12 Glaubensbekenntnis Gesangverein Predigt Lied: 324, 1-3+7+13 Ich singe dir mit Herz und Mund Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott! Wir danken dir für dein Geleit, das du den Menschen des Gesangvereines in den letzten 100 Jahren gegeben hast. Lass weiterhin deinen Geist wirken in all ihrem Tun, führe und leite du die Menschen zum Lob deiner Herrlichkeit und des Leben im Gesang. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir danken dir für die Überwindung aller Probleme und Schwierigkeiten in den Jahren des Bestehens des Gesangvereines. Lass deinen Frieden wirken in der Gemeinschaft der Sänger, auf dass sie noch viele Jahre ihre Gemeinschaft pflegen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir danken dir für die Gabe der Musik und des Gesanges. Rühre uns darin an, bring in uns zum Klingen, was uns bewegt und lass es uns darin vor dich bringen, der du unsere Freude und Niedergeschlagenheit annimmst und uns darin förderst und hilfst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die die Freude in diesen Tagen nicht teilen können, weil Tragisches das Leben begleitet. Sei du ihnen nahe und schenke deinen Geist der Hoffnung. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für diesen Tag, lass ihn zu seinem harmonischen Tag werden, auf dem die Gemeinschaft gepflegt und gefördert wird. Schenke dazu deinen Geist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser Segen Gesangverein
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