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Pfingstgottesdienst 2000

Mit Symbolen und der Farbe Rot ein Plakat gestalten.
Plakat mit Kirchenumriß, in den hinein im Laufe des Predigtgeschehens folgende Symbole geklebt werden: rotes Gesicht, Feuersglut, Herz, Blutstropfen, Sonne, Tuch, roter Faden.)
(nach einer Idee aus: W. Hoffsümmer: 122 Symbolpredigen, S. 81)

Liebe Gemeindeglieder!
Das Pfingstfest wird gerne als der Geburtstag der Kirche bezeichnet. Mit dem ersten Pfingstfest war der Grundstein für die Entwicklung gelegt, deren Ergebnis wir bis heute haben. Menschen wurden Menschen wurden erfüllt vom Heiligen Geist durch den sie die Ereignisse um Jesus von Nazareth als ein Gottesgeschehen verstehen konnten. Daraus entwickelte sich dann die Gemeinschaft der Christen, die Kirche, die sich von Jerusalem aus bis heute über die ganze Welt ausgebreitet hat.

Wenn wir das Pfingstfest feiern, dann erinnern wir uns dabei nicht nur an das Geschehen in Jerusalem, sondern gleichzeitig natürlich auch daran, dass Kirche zum einen aus den Menschen besteht, die in ihr durch die Taufe verbunden sind, zum anderen aber auch daran, dass der Geist es ist, der sie lebendig erhält. Um daran zu erinnern, hat sich im Laube der Zeit ergeben, dass man dem Heiligen Geist die Farbe rot zugeordnet hat. An allen Kirchenfesten werden deshalb - sofern vorhanden - rote Paramente aufgehängt.
Ich habe Ihnen nun heute morgen das Bild einer Kirche mitgebracht. Es ist noch eine sehr blasse Kirche, weiß, ohne Ausdruck, ohne Leben, ohne Farbe.
Wenn Kirche vom heiligen Geist lebt, dann sollte unsere Kirche doch mit roten Farbe lebendiger werden. Und ich möchte versuchen, dies ein wenig darzustellen, um der blassen Kirche ein geistliches Aussehen zu geben und um die Bedeutung der Farbe Rot für die Kirche deutlich zu machen.

Rotes Gesicht
Rot ist zunächst einmal eine sehr lebendige Farbe An einem Gesicht wird das besonders deutlich. Schauen sie jemanden an und er ist sehr bleich, dann fragen wir meist: Ist dir nicht gut, qeht's dir schlecht? Ist der Mensch dann wieder auf dem Weg den Besserung, kann kehrt auch die rote Farbe wieder ins Gesicht zurück. Auch schlechte, bedrohliche Nachrichten lassen uns blaß werden. Wenn wir uns aber freuen und fröhlich sind, so sieht man uns dies auch an den leuchtend roten Wangen an.
Rot ist also eine lebendig Farbe Vom Heiligen Geist behaupten wir, dass er die Kirche rot werden läßt, dass er sie lebendig macht. Wo der Heilige Geist wirkt, da spüren wir lebendige Kirche, die nicht schlecht aussehend vor sich hinwirkt, sondern die fröhlich und freudig nach außen hin strahlt, denn sie ist durchwirkt von einer Kraft, die sich nicht von schlechten Nachrichten leiten läßt, sondern eher von der guten Nachricht, die auf griechisch: Evangelium heißt.
Manchmal allerdings werden wir Menschen auch ohne Freude rot, dann nämlich wenn wir uns schämen. Vielleicht hat auch die Kirche, haben auch wir Christen es manchmal nötig, uns zu schämen angesichts dessen, was wir tun oder vor allem nicht tun.

Glut
Rot ist eine warme Farbe. Die Glut ist rot, sie wärmt uns. Das Feuer, die Glut erinnert vielleicht an ein Lagerfeuer, den Kamin, wo uns die Wärme Geborgenheit vermittelt, wo wir uns gerne hinbegeben, weil wir uns dort wohl fühlen. Diese Glut des Feuers strahlt auch nach außen, sie bleibt nicht bei sich selber, sondern die Wärme geht von diesem Feuer aus nach draußen, die Glut gibt Wärme ab. Darum ist sie anziehend, wir gehen darauf zu, und wenn wir uns dicht genug heranbegeben, dann beginnen wir selben zu glühen und zu strahlen.
Rot ist also eine warme Farbe, und sie erzählt uns, dass der Heilige Geist die Kirche glutrot macht. Wo Gottes Geist weht, da glüht die Kirche, da strahlt sie nach außen, da hat sie Ausstrahlung. Sie wärmt Menschen, die Wärme brauchen, sie schenkt den Menschen Geborgenheit. Und dank ihrer Ausstrahlung zieht eine geistdurchdrungene Kirche Menschen auch an, ja vermag sogar diese. Menschen zur Glühen zu bringen, damit diese Wärme auch anderswo weiterwinkt.
Allerdings kann man sich an diesen Glut auch die Finger verbrennen, weil man mit Dingen in Berührung kommt, die wirklich heiß sind, und die in dieser Welt nicht so gerne gesehen sind.

Herz
Rot ist eine herzliche Farbe. Das rote Herz ist das Zeichen der Liebe. Wer liebt, von dem sagt man ja, dass er sein Herz verschenkt. Er verschenkt das, was ihn am Leben erhält oder noch anders gesagt, das Herz zeigt, dass der Liebende sich selbst verschenkt. Die Herzen von Liebenden schlagen schneller. Sie handeln, ohne nach den Folgen für sich selber zu fragen. In der Liebe fragen wir nicht danach, was bringt uns das, da wird einfach gehandelt.
Rot also eine herzliche Farbe, eine die Liebe betreffende Farbe. Der Heilige Geist macht die Kirche, macht die Christen herzlich. Wo der Geist Gottes weht, da wird die Kirche zu einer liebenden Kirche, da handelt sie für die Menschen, ohne danach zu fragen, ob es dem Ansehen schadet oder nicht. Eine vom Geist beseelte Kirche fragt nicht nach Nutzen oder Risiko, sie gibt weiter und verschenkt, was sie im innersten zusammenhält; nämlich die Liebe Gottes, die im Heiligen Geist lebendig wird. Von dieser Liebe heißt es auch: diese Liebe ist stark wie der Tod, ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können


Blutstropfen
Rot ist auch die Farbe des Blutes. Wo wir uns verletzen bluten wir, wir verlieren die Farbe, wir werden farblos, leblos. Ich kann kein Glut sehen, sagen manche, sie können nicht sehen, dass Menschen verletzt werden, dass sie leblos wenden, dass sie ihr Leben verlieren. Doch an wie vielen Stellen der Welt müssen wir erleben, dass dieses Blut fließt, dass Menschen ihr Blut, ihr Leben verlieren. Und man kann auch sagen: die Erde selbst blutet.
Rot eine blutige Farbe. Todbringende Geister färben die Ende blutrot da ist Haß, Unterdrückung Habgier, Machtstreben. sinnloses Gegeneinander, egoistisches Durchsetzen eigener Interessen aber auch Bequemlichkeit, Hektik, selbstgeschaffene Taubheit und Blindheit. Das erkennen wir im Großen und wir sehen es im Kleinen. Wo diese teuflischen Geister sich in der Kirche breit machen, da blutet auch die Kirche aus, ja da gibt sie ihren Geist auf.
Sie gibt ihren eigenen Geist auf, der Leben schaffen will, der die Lebenskraft für Menschen erhalten will. Oft wirkte dieser Heilige Geist schwach, doch auf Dauer läßt sich Gottes Geist nicht unterdrücken. Es ist viel Blut geflossen, in der Kirche und durch die Kirche und doch vermochte gerade dieses Blut der Märty-rer oder das Blut der Fehler der Kirche etwas Neues aufzubauen, vermag der Geist die Kirche zu einer lebensbewahrenden Institution zu gestalten

Sonne
Rot ist auch eine morgendliche Farbe. Die aufgehende Sonne steigt glutrot auf, was für viele von uns immer ein sehr bewegender Moment ist. Aus dem Dunkel der Nacht erhebt sich die Sonne, es beginnt ein neuer Tag. Damit beginnen neue Möglichkeiten, neue Hoffnungen , neue Taten und Aufgaben.
Aber auch die Abendsonne hat den roten Glanz. Die Vollendung eines guten Tages wird sichtbar im roten Glanz der untergehenden Sonne. Es folgt dann die Nacht, das Dunkel, das Ungewis-se, doch die Hoffnung trägt uns Menschen, dass dieses untergehende rote Licht wieder einen neuen Tag hervorbringt.
Rot ist also eine morgendliche und abendliche Farbe. Wo der Geist Gottes weht, da entsteht die Kirche täglich neu, da ist sie hoffnungsvoll, frisch, da schöpft sie neue Kraft, drängt zum Handeln, so wie am ersten Tag. Wo der Geist Gottes weht, da bleibt es aber nicht immer Tag, nicht immer bleibt alles hell und strahlend Auch dort. gibt es Dunkel, auch dort geht die Sonne mal unter. Und doch ist dort die Hoffnung, dass die Zeit des Dunkel nun eine begrenzte Zeit ist, dass dieses Licht, dass diese Kraft des neuen Tages uns wieder erreicht und die Kirche und uns Menschen lebendig macht.

Tuch
Rot ist eine aufreizende Farbe. Auf rot reagieren wir oft gereizt. So wie ein Torero mit einem roten Tuch einen Stier reizt. Der Torero zeigt Mut: Stier, du kannst ruhig kommen, ich habe keine Angst von dir. Das signalisiert ein Tuch, auch wenn ich diese Art des Umganges mit Tieren überhaupt nicht gut finde. Rot hat auch Signalcharakter, die Farbe zeigt den Mut, sie warnt und zeigt aber auch Grenzen, wie z .B. die rote Farbe der Ampel oder ein Stoppschild sagt: bis hierher und nicht weiter. Darauf reagieren wir manchmal gereizt, wie der Stier
Rot ist also eine aufreizende Farbe. Macht der Heilige Geist die Kirche zum roten Tuch? Ich denke schon, dass der Geist die Kirche unbequem macht. Wo Gottes Geist weht, da reizt sie auch, da ist sie unbequem, weil sie falsche Geister entlarvt, weil sie menschliche Geister anprangert. Eine geistdurchdrungene Kirche
zeigt Mut und sagt, was niemand hören will, weil sie sich getragen weiß vom Geist Gottes und eben nicht vom Geist der Zeit und der Mode. Auch das ist ein Element einer farbigen Kirche.

Faden
Rot ist auch eine beständige Farbe, sie läßt sich nicht so leicht entfernen, sie schimmert immer wieder durch. Wir kennen auch das Sprichwort vom roten Faden, der den Gang der Dinge durchzieht und der diese Beständigkeit, das Bleiben bei der Sache signalisiert und symbolisiert
So ist dies auch in den Kirche. Der Heilige Geist ist der rote Faden in der Geschichte den Kirche. Er macht die Kirche beständig, er erhält sie am Leben, er gibt ihr die Ausrichtung für das, was Kirche in der Welt zu tun und zu lassen hat.
Wo der Geist Gottes weht, da bleibt die Kirche, da bleiben die Christen lebendig, da bleiben sie glühend und herzlich, da sind sie morgendlich und aufreizend, auch gegen alles Blut dieser Welt. Wo Gottes Geist weht, da bleibt die Kirche, da bleiben die Christen an dem, was diese Welt lebendig macht, da wird auch die Kirche lebendig.
Als Erinnerung daran habe ich ihnen heute ein Stück roten Fadens mitgebracht. Jeder von Ihnen soll ein Stück des roten Fadens der Kirche haben. Er soll uns daran erinnern, dass jeder von uns Teil hat am Heiligen Geist. Jeder von uns ist ein Teil des langen Fadens, der das Leben der Kirche durchzieht. Wir könnten es auch anders sagen: wir selber sind ein Stück roter Faden der Kirche, wenn Gottes Geist in uns wirkt, Und er wirkt in uns, oft ganz unmerklich, oft in den nebensächlichen Dingen unseres Lebens Aber er wirkt lebendig und jeden Tag neu
Der rote Faden erinnert uns daran, dass wir lebendige, glühende, herzliche, morgendliche, aufreizende und beständige Menschen im Dienst Christi und im Dienste der Kirche sein mögen Bitten wir darum um Gottes Geist, dass er uns hier hilfreich zur Seite steht. Amen

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Der Gottesdienst wurde in
Groß Elbegehalten

Pfingsten 2000

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