| Predigt | 3. Artikel des Glaubensbekenntnis |
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Wir haben eben das Glaubensbekenntnis miteinander gesprochen. Drei Teile hat dieses Bekenntnis: Ich glaube an Gott, ich glaube an Jesus Christus, und ich glaube an den Heiligen Geist. Ich glaube an Gott – das können viele Menschen für sich bejahen und da hat man auch schnell innere Bilder vor Augen. Ich glaube an Jesus Christus, da fällt es manchem schon schwerer, aber zumindest ein lebendiges Lebensbild steht vor Augen. Ich glaube an den Heiligen Geist – da werden viele Menschen wohl sagen, dass das schwierig wird. Natürlich kennen wir diese trinitarische Form des Glaubens, hören die Formel ja auch immer wieder – im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, aber was es letztlich mit dem Heiligen Geist auf sich hat, das vermögen viele Menschen nicht zu sagen. Ich merke es immer im Kindergottesdienst, wie schwer es ist zu vermitteln, was mit dem Fest des Heiligen Geistes gemeint ist. Und ich denke, ihnen ginge es nicht anders, wenn Sie gefragt würden, was es mit dem Heiligen Geist auf sich hat. Ich möchte heute morgen an Hand des Glaubensbekenntnisses versuchen, das Wirken des Geistes vor Augen zu führen. Ich glaube an den Heiligen Geist, so beginnt der sogenannte dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses. Ich würde es eigentlich lieber anders sagen: Ich glaube an das Wirken des Heiligen Geistes oder ich glaube durch den Heiligen Geist. Die Pfingstgeschichte stellt uns vor Augen, dass Menschen, die sich ängstlich zurückgezogen hatten, plötzlich ganz verändert waren. Sie sind ermutigt worden, herauszutreten aus ihrer Isolation, sie waren ermutigt worden, ihre Angst vor der möglichen Verfolgung beiseite zu schieben. Es ging ein Sturm durch das Haus, das Herz wurde entflammt, die ängstlichen Jünger, die Sorge hatten, auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu Jesus verfolgt zu werden, sie waren auf einmal begeisterte Redner, die ihren Glauben an den Auferstandenen Christus weiter trugen. Und sie taten das so, dass andere Menschen sie auch verstehen. Sie sprachen eine Sprache, die bei den anderen ankam und der Funke der Be-Geisterung sprang zu denen über, die dabei waren. Hier wird in einer lebendigen Geschichte genau das deutlich, was Luther in seiner Auslegung des dritten Artikels gesagt hat: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im Glauben geheiligt und erhalten. Vertrauen zu Gott und Jesus Christus, so sagt Luther, ist, wenn wir es ehrlich bedenken, niemals ein Akt der menschlichen Überlegung, kein logischer Denkakt, sondern Glaube, Lebensvertrauen zur Macht Gottes, Lebensvertrauen in das Wirken Jesu Christi ist immer ein Geschenk, das Gott durch seinen Geist wirkt. Der Geist Gottes wirkt in uns dieses Vertrauen, er selber zieht uns zu sich hin, er ergreift gleichsam die Initiative, dass wir zu ihm kommen. Darum sprechen wir auch von „begeisterten“ Menschen. Es sind Menschen, die erfüllt von etwas sind – im besten Falle: von Gott begeistert. Glaube heißt ja so viel wie: ich verlasse mich selber, ich verlasse mich nicht auf mich, sondern ich stelle mich mit meinem Leben außerhalb von mir, ich gründe mein Leben auf jemanden, der nicht ich selber bin, ich gründe mein Leben auf Gott. Dazu brauche ich Kraft, dazu brauche ich einen Antrieb. Diese Kraft und diesen Antrieb empfangen wir von außen, von Gott selber, der durch den Geist auf uns zukommt und uns erfüllt. Darum heißt: ich glaube an den Heiligen Geist für mich, dass ich gewiss bin, dass Gott wirkt, dass er uns seinen Geist schenkt, damit wir gestärkt durch ihn, unser Leben von ihm her leben können. Pfingsten ist der Anfang dieses Glaubens, der Anfang des Vertrauens, dass mit dem Weggehen Jesu, eine neue Kraft von Gott und Christus uns begleitet. Diese Geistkraft Gottes erwirkte nun, dass Menschen sich offen zu ihrem Vertrauen bekannten. Menschen sagten ja zu dem Angebot Gottes, ließen sich taufen und lebten in Gemeinschaft. Und sie gingen in die Welt – so wie Jesus das im Taufbefehl gesagt hat und gründeten weitere Gemeinschaften, die sich alle verstanden als vom Geist Gottes durchdrungen. So entstand die Kirche Jesu Christi als Werk des Heiligen Geistes. Die Menschen haben dann, weil sie anfingen uneins zu werden, daraus mehrere Kirchen gemacht. Wir nennen sie heute Konfessionen, evangelisch, katholisch, orthodox, anglikanisch, Freikirchen und wie man sie alle bezeichnet. Doch diese Trennung ist eine menschliche Trennung, der Geist ruft uns zur Einheit und macht deutlich: im Geist seid ihr alle eins, ihr seid ein heilige, christliche Kirche, die Unterschiede liegen in eurem menschlichen Denken. Das Glaubensbekenntnis macht deutlich: es gibt nur eine Gemeinschaft derer, die verbunden mit Christus auf den dreieinigen Gott vertrauen. Dass diese Gemeinschaft gespalten ist, und viele unter dieser Spaltung auch leiden, das ist Menschenwerk. Darum ruft uns auch das Glaubensbekenntnis immer wieder dazu auf, um Gottes Geist der Einheit zu bitten, um Wege zu finden, dieses Gegeneinander in ein Miteinander zu wandeln. Wo bei ich persönlich sage, dass die Verschiedenheit des Glaubens auch der Verschiedenheit der Menschen entspricht. Wichtig ist, dass wir in den Kernfragen des Glaubens einig sind, dass wir uns von Gottes Geist, wie er sich in der Bibel offenbart, leiten lassen. Dann können wir Kirchen auch in äußerlichen Dingen ganz unterschiedlich auftreten. Schwierig wird es, wenn wir diese Gemeinschaft in Christus mit Füßen treten, wo wir einander zum Beispiel das Abendmahl verwehren. Da wäre es wichtig, sich Gottes Geist der Einheit zu öffnen, um Wege zu finden, trotz unterschiedlicher Traditionen Gemeinschaft zu pflegen. Vom Geist her zu denken und zu handeln täte uns Kirchen gut, um so zu zeigen, dass nicht menschliches, sondern geistliches Denken das Leben des Glaubens, das Leben der Kirche bestimmen soll. Ein Gedanke noch zum Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen. Ein oft missverstandener Teil des Glaubensbekenntnisses. Als das Herabkommen des Geistes die Kirche begründet hat, da saßen da im Hause nicht nur oberfromme Jünger Jesu. DA war der Leugner Petrus, der ehemalige Zöllner Matthäus, da waren sehr menschelnde Personen beieinander. Das ist für mich immer wieder wichtig zu sehen. Es geht bei der Gemeinschaft der Heiligen nicht darum, dass wir Christen superfromme Menschen sind, heilig im Sinne von untadelig. Nein, wir dürfen uns im Glauben, in der Kraft des Heiligen Geistes als solche ansehen, die von Gott her heilig sind. Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen heißt nicht anderes, als dass der Geist Gottes uns, die wir getauft sind, die wir zur christlichen Kirche gehören, zu einer Gemeinschaft verbunden hat. Wir sind eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die zueinander gehören, die füreinander da sein sollen, die miteinander in dieser Welt einen Auftrag haben. Wir haben den geistlichen Auftrag, in der Nachfolge Jesu Gottes Werk in der Welt weiter zu tragen. Wir sollen das tun mit den kleinen, begrenzten Möglichkeiten unseres Lebens, nicht als Heilige im katholischen Sinne, dass wir großes vollbringen und dann später im Gebet um Hilfe gebeten werden, sondern als von Gott Berufene, von Gott Gerufene, die Gott für sich und seine Sache will und braucht. Dadurch nämlich werden wir heilig, nicht durch unser Verhalten. Pfingsten, liebe Gemeinde, ruft uns also auf, dem Geist Gottes Raum zu geben in unserem Leben. Lassen wir uns von der Kraft Gottes leiten – ich vertraue der Geistkraft Gottes, so haben wir es ausgesprochen in dem Satz: ich glaube an den Heiligen Geist. Und Gott lässt uns in diesem Vertrauen nicht allein, er stellt uns Menschen an die Seite – unsere Glaubensschwestern und –brüder, die Gemeinschaft der fehlbaren Heiligen. Wenn wir uns nun heute frohe Pfingsten wünschen, dann ist das nicht nur ein schöner Wunsch für ein langes Wochenende, sondern der Wunsch, dass Gottes Geist uns erfüllt und wir darum freudig und fröhlich, mutig und getrost sein können. Dies ist der Tag, den der Herr macht. Danken wir ihm für seine Güte, indem wir ihm vertrauen und von seiner Geistkraft leben. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 130,1-3 Psalm Eingangsliturgie Gebet Lesung Glaubensbekenntnis Lied 131,1-3+6 Predigt Lied 136,1-3 Abendmahl Gott unser Vater, wir danken dir, dass du uns Menschen nahe kommst. Mensch geworden bist du in Christus, so dass wir erkennen können, worauf es in unserem Leben ankommt. Durch deinen Geist lässt du uns erkennen, was wichtig ist und er gibt uns die Kraft, unseren Weg im Vertrauen nach vorne zu gehen. Dafür danken wir dir bitten dich: erfülle uns heute mit deinem Geist, dass wir gestärkt durch Brot und Kelch in festem Vertrauen zu dir leben und dereinst sterben können. Erfülle uns mit dem Geist Christi, der uns nun nahe kommt in den Gaben, die er uns vor seinem Tod hinterlassen hat. Einsetzungsworte Ja, komm Herr Jesus, komm und sei uns nahe. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Hoffnung, der Liebe und des Vertrauens, auf dass wir dir nachfolgen können zum ewigen Leben. Vaterunser Einladung Sendungswort: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Lebt und wirkt in ihm und durch ihn. Gehet hin im Frieden des Herrn. Albert Krüger- Abkündigung. Abkündigungen Fürbittengebet Segen 163
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