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Am Mittwoch ist Aschermittwoch, an dem bekanntermaßen alles vorbei ist. Zumindest was den Frohsinn des Karnevals angeht. Mit dem Leben geht es weiter. Viele Menschen sagen sich aber, es soll so nicht weiter gehen. Aschermittwoch ist der Tag, an dem Veränderung sein soll. 7 Wochen ohne – seit über zwei Jahrzehnten eine wunderbare Aktion eine Zeit des Lebens bewusster zu gestalten. In den letzten Jahren habe ich diese Aktion weniger mitgemacht. Es muss auch mal ohne 7 Wochen ohne gehen. Doch in diesem Jahr reizt mich das Thema der Aktion. Verschwendung! 7 Wochen ohne Geiz. Schon beim ersten Lesen oder Hören wird man stutzig. Verschwendung, das kann doch nicht sein? Ich soll doch bitte schön nicht verschwenderisch werden? Viele Jahre liebevoller und manchmal auch strenger Erziehung hat uns gelehrt nicht verschwenderisch zu sein, sondern auf seine sieben Sachen beieinander zu behalten. Verschwendung, das ist doch eigentlich ein negatives Wort und das soll uns auf dem Weg zu Ostern begleiten, soll uns eine Perspektive für ein bewussteres Leben sein? Das ist auf den ersten Blick nicht sichtbar. Zumal nach Weihnachten und den Jahresbeginn mit den vielen Versicherungsprämien der Geldbeutel dünn geworden ist und insofern Verschwendung nicht angesagt ist. 7 Wochen ohne Geiz – da fällt uns sofort der Werbespruch ein: Geiz ist Geil. Sparen wo es nur geht, immer nur ein Minimum investieren, dann bringt man es zu etwas, dann kann man sich viel leisten – vor allem natürlich viel Technik. Bevor ich schauen möchte, wie diese Verschwendung aussehen kann, möchte ich einmal schauen, warum Verschwendung eigentlich ein geistliches Thema sein kann. Ich denke das liegt daran, dass Gott selber ein verschwenderischer Gott ist. Ein Blick in die Schöpfung zeigt uns sofort: hier ist kein knauseriger, auf Minimalprogramm laufender Gott sichtbar. Die Natur zeigt uns Verschwendung pur. Was gibt es da nicht alles für Tiere, deren Nutzen wir nicht einmal annähernd verdeutlichen können. Insekten, die uns nur lästig und widerlich erscheinen, sie sind nicht zu zählen. Warum müssen immer gleich so viele Mäuse geboren werden, ein oder zwei pro Mäusemutter würden doch reichen, zumindest aus der Sicht der Menschen. Die Raubtiere dieser Erde würden uns etwas anderes sagen. Oder die Pflanzenwelt. Blumen und Blüten in Fülle, in einer Vielfalt, die wir nicht fassen können, in einer Schönheit, die unermesslich ist, in mit physikalischen Eigenschaften, die Physiker und Baumeister aller Zeiten nicht erdenken könnten, im Gegenteil, die Natur liefert ihnen die Vorbilder ihrer Arbeit, sie sind oft nur Kopisten der Fülle der Natur. Verschwenderisch ist Gott an dieser Stelle wie nur was. Und wenn man die Entstehung eines Menschen betrachtet, so müssen Millionen Spermien sterben, während nur eines dafür sorgt, dass wieder ein Mensch entstehen kann. Verschwendung pur. „Seine Fußstapfen triefen vom Segen.“ So heißt es im 65. Psalm. „Gott gibt vom Tau des Himmels, vom Fett der Erde, viel Korn und Wein“ so heißt es im ersten Buch Mose im 27. Kapitel. „Vor seinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu seiner Rechten Wonne für alle Zeit“ (Ps 16). „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade“ (Joh 1). „Denn in Christus wohnt wirklich die Fülle Gottheit.“ Kol 2). Gott ist ein verschwenderischer Gott, er ist die Fülle, er gibt in Fülle. Zusammenfassend könnte man dazu sagen: von Gott leben lernen heißt, verschwenderisch zu leben. Das wird auch deutlich in den sieben Leitgeschichten, die die Arbeitsgruppe von 7 Wochen ohne herausgesucht hat. In denen geht es direkt oder indirekt darum, verschwenderisch zu leben ohne seine finanzielle Lebensgrundlage zu zerstören. Die erste Geschichte ist die vom barmherzigen Samaritaner. Alle drei, die an dem von den Räubern niedergeschlagenen Menschen vorbeigingen, hatten etwas vor. Niemand war einfach nur so unterwegs. Jeder hatte sein Ziel vor Augen. Doch einer bleibt stehen. Einer hat Zeit für Unvorhergesehenes. Planbar ist dies nicht, schon gar nicht in unserer Zeit, wo Tagesabläufe so eng durchstrukturiert sind. Aber hier ist einer, der durchbricht dieses Denken. Jetzt bin ich gefordert, jetzt braucht jemand mich. Und der Samaritaner konnte die Verantwortung nicht abschieben, Krankenwagen rufen und dem Sozialsystem alles überlassen. 1. Hilfe, direkter Weg zum nächsten Gasthaus. Zeit, persönliche Energie und nicht zuletzt auch Geld gab er, um diesem Menschen zu helfen. Er hat nicht damit gegeizt, sondern hat all das gegeben, was ihm in diesem Moment möglich war. In unseren Augen nicht verschwenderisch, aber doch ausgiebig und mit Nachteilen für all das Kommende, das man vor Augen hatte. Der Samariter hat einen Teil seiner Lebenszeit, seiner kostbaren Lebenszeit eine anderem gewidmet, der diese Zeit für sich und sein Überleben brauchte. Wie viel kostbare Lebenszeit vergeuden wir für nichtiges und wie geizig sind wir immer wieder mit dieser Zeit, wenn es um Menschen geht, die uns so nötig brauchen könnten. Die zweite Geschichte: Jesus bei Maria und Martha – Maria sitzt zu Füßen Jesu und hört ihm zu. Martha werkelt als Gastgeberin in der Küche und ist ärgerlich, dass Maria nicht hilft. Als sie dies Jesus sagt, antwortet dieser: Martha, du machst dir viel Sorge und Mühe, Maria hat das gute Teil erwählt. Zeitverschwendung in der Küche – oder Zeitverschwendung beim Zuhören. Je nach Sichtweise sieht das unterschiedlich aus und beides regt uns an, über den Umgang mit unserer Zeit nachzudenken. Was ist jetzt wirklich dran? Muss das sein, was ich gerade tue, ist das nicht verschwendete Zeit, ohne Inhalt, ohne Bezug zum Leben? Gibt es Orte, die mir nützlich sind, auch wenn nach außen hin nichts zu sehen ist? Eine Stunde Gottesdienst in der Woche – Fünf Minuten Stille am Tage – ein Gebet zu Gott – dann schaffe ich den Rest nicht mehr, behaupten die einen. Es ist die Zeit, die mir die Kraft gibt für den Rest der Woche sagen die Anderen. Die dritte Geschichte ist die vom verlorenen Sohn, bzw. vom gütigen Vater. Der junge Mann, der sein eigenes Leben gestalten will, sein Erbe fordert, es erhält und dann verschwenderisch verprasst. Alles durchgebracht, er ist am Ende. Demütig kehrt er nach Hause zurück, will nur Diener nicht Sohn mehr sein. Doch der Vater schenkt im seine Liebe und feiert ein ausschweifendes Fest anlässlich seiner Rückkehr. Der Verärgerung des Bruders stellt der Vater seine immerwährende Liebe und Gegenwart gegenüber. Großzügig sein – dem anderen sein Leben gönnen. Dem anderen seine Fehler gönnen, seinen Weg eröffnen, vielleicht ist das manchmal Verschwendung in unseren Augen, doch nötig, um dem anderen die Entfaltung seines ganz persönlichen Lebens zu ermöglichen. Großzügig sein – nicht auf seinen vorgefassten Gedanken stehen bleiben, verschwenderisch handeln: das heißt in dieser Geschichte auf den verlorenen Sohn zulaufen, mit Freude auch dem entgegengehen, der einen verletzt hat, es heißt geizig sein, wenn es um Vorwürfe geht, um die Vorhaltungen, was alles falsch gewesen ist. Der Bruder zeigt uns, dass Großzügigkeit nicht unbedingt in einer außergewöhnlichen Aktion gesehen werden muss, sondern dass auch das Normale, das Vorhandene schon Beispiel von verschwenderischem Handeln sein kann. Man muss nur den Blick dafür haben. Geschichte vier. Die Hochzeit zu Kana. Jesus ist auf einer Hochzeit. Der Wein geht zu Ende. Der Gastgeber ist blamiert. Jesus verwandelt Wasser in Wein, er schenkt Möglichkeit der Freude. Es gibt wenig, und wenige bekommen etwas davon ab. Wie in der Welt, wo einige wenige die Energie nutzen, die so viele bräuchten, wo wenige die Erde verschmutzen und all mit den negativen Folgen leben müssen. Gastgeber sein, Anteil geben, Fülle weitergeben. Wie könnte das bei uns aussehen? Können wir aus der Quelle des verschwenderischen Handelns Gottes nicht viel mehr machen, damit alle am festlichen Leben lange teilhaben können? Jesus und Zachäus – Geschichte fünf. Der kleine Mann muss auf einen Baum steigen um Jesus zu sehen. Dieser will beim Zöllner einkehren und verändert so sein Leben. Ich will mein Leben ändern, zurückgeben was ich unrechtmäßig erworben habe und ich will die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Aus dem Geizhals wird ein Verschwender. Im Angesicht der Güte Gottes verändert Zachäus sein Leben. Nicht mehr der Besitz, nicht mehr der Geiz, das krampfhafte Festhalten von Geld und Gut steht im Vordergrund seines Lebens, sondern der andere. Dafür hat Jesus die Auge geöffnet, als er wieder einmal verschwenderische Liebe gezeigt hat und dem Oberzöllner seine Gemeinschaft angeboten hat. Wo halten wir fest, um zu besitzen? Wo können wir aufhören geizig zu sein, und einmal ganz bewusst in diesen Wochen zu sagen: ich verzichte darauf für mich und bin für andere verschwenderisch mit dem, was ich habe. Verschwendung pur. Ein Flasche kostbaren Salböls, sie kostet das Jahresverdienst eines Arbeiters, nutzt eine Frau um Jesus zu salben. Judas sagt – aus unserer Sicht zu Recht – das hätte man den Armen geben können. Jesus antwortet: Arme habt ihr allezeit bei euch. Es gibt ein jetzt, das sich nicht wiederholt. Muss man da nicht auch einmal verschwenderisch sein, um dem anderen zu zeigen: du bist mir wichtig. Wie schön, dass auch dieser Gedanke auftaucht. Nicht nur immer: gib den Armen. Die Hilfe für die Armen ist ganz wichtig, die darf nie vergessen werden, aber sie darf nicht dazu führen, auch der Fülle ihren Lauf zu lassen. Wichtig ist nur, dass die Fülle nicht auf Kosten der Armen geschieht. Wenn in Afrika ein Fest gefeiert wird, dann wird ein Fest gefeiert. Die Tische fließen über von Nahrungsmitteln. Es ist ein Fest und da muss es so ein: üppig, verschwenderisch. Der Alltag sieht anders aus – zumindest in Afrika. Einem Menschen einmal etwas richtig gutes tun, mehr als nötig, mal am äußersten Rande dessen, was möglich ist, als Zeichen der Liebe und Verbundenheit – das kann auch ein Akt in dieser Zeit der Verschwendung sein. Die letzte Geschichte: Das verlorene Schaf. 99 Schafe lässt der Hirte alleine, um das eine zu suchen. Was für eine Liebe, die so verschwenderisch umgeht. Alles andere ist unwichtig, es ist selbstlose Liebe, die nicht plant, nicht nach dem Nutzen fragt, die einfach tut, was sie in dieser Lage für notwendig hält. Wie oft hindern uns die Gedanken: wofür ist das gut? Was erhalte ich zurück? Ist der das überhaupt wert? Liebe denkt anders, sie ist geprägt von kalküllosem Handeln, sie ist nicht gebunden an einen Nutzen. Liebe ist verschwenderisch, verschenkend. Und das schönste daran ist, sie ist im Überfluss vorhanden, ja, je mehr wir davon weitergeben, desto mehr wird sie. Zeit, Liebe, Zuwendung, Ungewöhnliches, Überraschendes, all das verträgt sich nicht mit Geiz. Geiz ist Geil – Verschwendung aber ist geiler. Viel Freude und Gottes Geleit bei den Entdeckungen der nächsten sieben Wochen. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 443,1-4 Aus meines Herzens Grunde Psalm 31 EGNsB 716 Eingangsliturgie Gebet Herr, unser Gott, du hast Glauben, Hoffnung und Liebe in uns entzündet, im Überfluss haben wir von dir, was wir wirklich zum Leben brauchen. Lass dies in uns lebendig sein, das wir daraus schöpfen, wenn wir weitergeben, was du uns in Fülle hast zukommen lassen. Das bitten wir durch unsern Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit. Lesung 1. Kor 13 Lied 604,1-3 Wo ein Mensch Vertrauen gibt Lesung Jes 58, 1-9a Glaubensbekenntnis Lied 420,1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot Predigt Lied 229, 1-3 Kommt mit Gaben und Lobgesang Abendmahl Dir wollen wir danken, ewiger Gott, immer und überall loben Mit deiner Schöpfermacht durchwirkst du diese Welt. Den Reichtum der Erde und die Fülle der Gaben, die du uns schenkst sind nicht zu ermessen. Zudem bist du zu uns gekommen in Jesus Christus und hast deine Liebe unermesslich sichtbar gemacht auch noch im Tod. Darum loben wir dich mit allen Engeln und Herrscharen, mit allen, die vor uns gelebt und geglaubt haben und mit denen die mit uns auf dich vertrauen. Großer Gott wir loben dich.
331,1-2 Herr Jesus Christus, dein Handeln ist uns Vorbild. Von dir können wir lernen, miteinander zu leben, von dir können wir lernen, in großem Vertrauen zu Gott zu leben. Dafür sei dir Dank. So stärke uns nun durch das Heilige Mahl das du uns hinterlassen hast. Einsetzungsworte Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns gegeben hast. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Lass uns darin gewiss sein und bleiben in allem, was wir tun. Vaterunser – Austeilung Votum: Gott, der Herr, sei dir ein starker Fels und eine Burg, dass er dir helfe! Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott! Dankbar sind wir, weil du uns beschenkt hast mit der Fülle deiner Gnade. In Brot und Kelch gibst du uns dran Anteil. Nun sind wir aufgerufen, verschwenderisch zu sein. So hilf uns, diesen Weg zu gehen, hilf uns Neues auszuprobieren, Altes beiseite zu legen. Führe uns so zu einer erfüllten Zeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Verschwenden wollen wir Zeit, die uns schenkst. Zeit, die du mit deiner Gegenwart erfüllst und in der wir sein und leben dürfen. Lass es erfüllte Zeit für andere werden, die uns brauchen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Verschwenden wollen wir Liebe, die du uns reichlich entgegen bringst. Hilf uns dass wir offene Augen und Ohren haben, um Lieblosigkeit zu überwinden, um Nähe zu verschenken, um deine Liebe offenbar zu machen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Verschwenden wollen wir Gaben, die wir deiner Güte zu verdanken haben. Festhalten wollen wir uns an dir und nicht an dem, was vergänglich ist. So hilf zu entdecken, wo wir hilfreich wirken können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Verschwenden wollen wir Lob und Dank, an dich und dein Tun, an die Menschen, die uns hilfreich und liebevoll entgegenkommen. Stärke uns, darin beständig zu sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Segen 163
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