| Predigt | "Kasus" |
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Gedanken zu Abendmahlsliedern EG 221 Feierabendmahl, das war eine Erfindung des Kirchentages 1979 in Nürnberg. Nicht mehr starr und steif am Altar stehend, mit zumeist bitter ernster Miene, sondern in fröhlicher Gemeinschaft sollte das Abendmahl gefeiert werden. ERinnerungs- und Gedächtnismahl, so wie Jesus es am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern gefeiert hat, das war der Hintergrund der damaligen Entscheidung. Mit einem Mal wurden auch ganz andere Seiten des Abendmahles entdeckt, die vorher unter dem Schleier der ehrfürchtigen Feier verborgen waren. Zum Beispiel das Element der Gemeinschaft. Allerdings muss man sagen, das hatte Johann Andreas Cramer 1780 schon sehr intensiv vor Augen, als er das eben gesungene Lied: Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen. Wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder. Abendmahl verbindet, Abendmahl schafft Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft ist nicht abhängig von persönlicher Sympathie, sondern diese Gemeinschaft wird im Abendmahl gestiftet. Sie ist gegründet auf Jesus Christus. Er schafft die Gemeinschaft. Er führt uns zueinander und führt uns in die Verantwortung füreinander. Wir essen von einem Brot, trinken aus einem Kelch, und werden durch die Zusage Jesu, durch die Verbindung der Taufe zu Schwestern und Brüdern. In bestimmten kirchlichen Kreisen redet man sich auch so an: lieber Bruder, liebe Schwester und macht dieses Zusammenhang deutlich. Wir, die wir miteinander Abendmahl feiern, sind Geschwister im Herrn, wir sind durch ihn miteinander verbunden. Aber wir sind nicht nur mit Jesus verbunden, sondern sind auf seinen Weg hin orientiert. Ihm nachzufolgen ist Aufgabe der Geschwisterschaft Jesu, ist Aufgabe der Christenheit. Friedvoll miteinander leben, für die Niedergedrückten da sein, sie stärken, damit sie wieder auf die Beine kommen, die Schwachen schonen, die am Rande stehenden im Blick haben und ihre Nöte lindern, das ist Aufgabe der Christenheit in der Nachfolge Jesu, das ist gemeinsame Aufgabe derer, die miteinander Abendmahl feiern, so sagt Johann Andreas Cramer. So zu leben, hieße den Willen Jesu, den er im Johannesevangelium in seinen Abschiedsreden kundgetan hat, zu erfüllen: Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe. Abendmahl ist stete Erinnerung an dieses Vermächtnis Jesu und an den Auftrag, den er uns gegeben hat. Wenn das immer so einfach wäre. Geschwisterschaft leben, in Frieden beieinander wohnen, sich für die Schwachen einsetzen. Darum ist die dritte Strophe auch eine Bitte, ein Gebet. Ach dazu müsse deine Lieb uns dringen. Dingen, das kommt von drängen, intensiv zu einem Ziel bewegen. Wenn ich mich irgendwo hineindränge, dann habe ich ein Ziel, das ich unbedingt erreichen möchte. Jesu möge uns also so ergreifen, dass wir die Gemeinschaft als oberstes Ziel sehen, eine Gemeinschaft die gleich einer Herde unter einem Hirten steht, der den Weg vorgibt und der alle beieinander hält. Die Bitte, dies nicht aus den Augen zu verlieren, diese Gemeinschaft als Aufgabe zu sehen, das ist nötig, weil wir sie immer wieder aus den Augen verlieren. Und das nicht nur in der weltweiten Christenheit, sondern auch schon in kleineren Gruppen. Lassen wir es uns heute Abend wieder sagen: wir gehören zusammen, sind Geschwister, die trotz aller Unterschiede zueinander gehören, aneinander gewiesen sind und für einander da sind.
EG - 213 40 Jahre später entstand dieses Lied von Ernst Moritz Arndt. Die Zeitangabe sagt nichts über den Inhalt aus, der führt uns zu einem Gedanken, der über Jahrhunderte hinweg in der lutherischen Theologie seine Bedeutung hatte. Zunächst einmal wird klar gesagt: Im Abendmahl lädt nicht der Pastor oder die Kirchengemeinde ein, sondern der Heiland selber ruft an seinen Tisch, der Herr der Gnaden, an Huld und Liebe reich, der Himmel und Erde lenkt. Er lädt ein zu seinem Gastmahl, und er will damit uns, die wir zu ihm kommen, etwas schenken. Nicht wir, die wir es hier organisieren, sich Tischherren, sondern Jesu Christus selber. Zu ihm kommen wir, er schenkt sich uns. Das ist immer wieder wichtig zu hören. Wie müssen wir sein, wenn wir zu ihm kommen? Was müssen wir mitbringen, um würdig zu sein, an seinem Tische Platz zu nehmen. Nichts sagt, Ernst Moritz Arndt, nichts außer das Vertrauen, dass am Tisch des Herrn jeder willkommen ist. Kommt her verzagte Sünder, kommt her betrübte Seele. Vor Gott sind wir allzumal Sünder, doch er ruft gerade diese in seine Gemeinschaft und schenkt neue Zuversicht. Der, der sich verrannt hat, derjenige, der in der Angst seines Lebens eingewoben ist, diejenigen deren Leben betrübt ist, die nicht mehr so recht wissen, wo es lang gehen soll und wird, die Menschen, die von Not und Elend betroffen sind, sie sind eingeladen, an den Tisch des Herrn zu kommen. Hier dürfen wir all das ablegen, was unser Herz beschwert, hier dürfen wir so stehen, wie wir im Augenblick sind, um uns von Gott selber verändern zu lassen. Abendmahl als Zuspruch der Vergebung, Abendmahl als Stärkung der betrüben Seele, Abendmahl als Zeichen der Hoffnung, als Hinweis auf die Güte Gottes, der für jeden Zukunft bereit hat, das ist die Botschaft dieses fast 200 Jahre alten Liedes. Himmelslust dürfen wir empfangen – also nicht vordergründiges, weltliches Lustgefühl, das nach ständiger Erneuerung verlangt ist angesagt, sondern eine himmlische Gabe, die uns tief im Innern eine beruhigende Freude vermittelt, die trotz aller bedrückenden Erfahrungen nie ganz beiseite zu schieben ist. Nur das man es nicht erklären kann, sondern ein Geheimnis bleibt, das Gott da vom Himmel in diese Zeichen von Brot und Kelch hineinlegt. So viele Worte wir auch machen darum, und die sind immer wieder auch notwendig, aber letztlich erfassen, was dieses Abendmahl alles in sich trägt, werden wir nie. Dennoch sollen wir davon erzählen und Menschen dazu einladen, sich die Liebe Gottes in Brot und Kelch schenken zu lassen. Auf verborgne Weise schenkt Gott eben das höchste Gut – seine Gnade.
EG 229 Hundert Jahre später entstand dieses Lied: Kommt mit Gaben und Lobgesang und bringt einen ganz anderen Schwung in die Feier des Abendmahles. Mir ist bei diesem Lied immer zum Tanzen zumute. Und das finde ich gut, denn Tanzen hat etwas mit Freude und Leichtigkeit zu tun. Gedrückte Gedanken gibt es so viele und wenn denn die Gedrückten geladen sind, dann sollen sie durch heitere Stimmung aus ihrer Gedrücktheit herausgerufen werden. Lobgesang, Jubel und fröhlicher Dank darf uns begleiten, wenn wir miteinander hier versammelt sind, denn Jesus kommt zu uns, fühlbar will er uns nahe sein. In Brot und Kelch dürfen wir ihn schmecken, dürfen wir mit allen Sinnen wahrnehmen, er ist für uns da. Er geht ein in uns, wird Teil von uns. Erde atme auf: du bist nicht mehr allein auf dich gestellt. Mensch du musst nicht für dich und diese Welt sorgen, sondern es sorgt jemand für dich, ein anderer hat dies in der Hand. Und du darfst es spüren, dank des letzten Mahles, das Jesus zu einem besonderen Mahl gemacht hat, das wir immer wieder feiern, um uns an diese frohe Botschaft zu erinnern. Erde atme auf. Wort, nimm deinen Lauf: diese Botschaft soll in alle Welt getragen werden. Der Auferstandene sagt: ihr gehört zusammen: teilt das Brot. Teilt das Brot als Zeichen dieser Zusammengehörigkeit, teil das Brot als Zeichen, dass wir empfangende sind, die von Gott genährt werden. Teilt das Brot als Zeichen, das für jeden etwas da ist und wir es nur gerecht in der Welt verteilen müssen. Diese Einheit liegt in Christus der uns eint, der uns in der Liebe verbunden ist und darin untereinander verbindet. ER zeigt uns dass wir leben können als Menschen, die von Gott angenommen sind, bejaht, gewollt, gewünscht. Für dich gegeben. Ja, du bist gemeint, ganz persönlich bist du von Gott angesprochen, für dich ist Christus gekommen, du darfst mit ihm und für ihn leben. Lass es dir sagen und gib diese Liebe weiter in Wort und Tat. Jesus ruft dich, er ruft uns. Er braucht uns, damit sein Werk weiter wirkt und diese Welt anders wird. ER braucht uns, damit Menschen aus ihrem Lebenszweifel herausgeholt werden und nach vorne schauen können. Und Jesus ruft uns, um in dieser Welt als das Salz der Welt wirksam zu ein. Er gibt Wort und Brot für die Welt, er gibt Möglichkeiten in dieser Welt anders zu leben, anders wirksam zu sein, um zu zeigen, dass nicht die Gesetze der Welt, die Gesetze von Macht und Geld das Sagen haben. Sie können letztlich nichts geben, was im Leben und im Sterben wirklichen Halt gibt, das vermag allein das Vertrauen auf den lebendigen Gott. Das Abendmahl ist ein Zeichen dafür und die Aufforderung diese Botschaft in der Welt lebendig zu halten. Abendmahl ist die Gemeinschaft weniger, die in einer Kirche zusammenkommen und Brot und Kelch empfangen, und doch sind wir gerade darin immer verwoben mit allen, die mit uns glauben, die mit uns von Brot und Wein ihren Glauben stärken lassen. Teilt das Brot – nicht nur beim Abendmahl, teil es als Liebe, die in der Welt immer wieder bedroht ist. Amen Liturgischer Ablauf Lied: 225,1-3 Entzünden der Kerzen Psalm 111 744 Gebet Herr Jesus Christus, am Abend vor deinem Tod, hast du mit deinen Jüngern zusammengesessen, das Mahl der Erinnerung und Befreiung gefeiert. Neue Worte und Gedanken hast du mit diesem Mahl verbunden und uns etwas hinterlassen, was uns in besonderer Weise mit dir verbindet. Es ist und bleibt ein Geheimnis und doch rührt es uns immer wieder an. So sei bei uns und stärke uns, wenn wir dein heiliges Mahl heute abend miteinander feiern. Das bitten wir dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und wirkst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lesung: 1 Kor 11 Lieder und Auslegung: 228,1-3 Gott und Vater, mit diesem Abendmahl rufst du uns heraus aus dem, was uns im Alltag beschäftigt. Berufliche und familiäre Sorgen und Nöte, Planungen und Wünsche, Anforderungen und Aufgaben, Ansprüche und Bedrückungen, all das dürfen wir jetzt getrost beiseite legen. Vor dir dürfen wir zur Ruhe kommen, denn du willst nicht mehr von uns, als unser Vertrauen. Du willst uns in all unserer Zerrissenheit in deine Gemeinschaft rufen, auf dass wir spüren in dir sind wir, was wir sein werden: heil und ganz. Wir danken wir, dass du für uns da bist, dass du uns heilen willst an Leib und Seele. Höre unser Lob das wir dir singen und nimm es an, als den Dank unserer Seele. Großer Gott wir loben dich. 331,1+2 Einsetzungsworte Herr, Jesus Christus, Aus deiner Hand empfangen wir die Gaben von Brot und Kelch. Verbunden ist beides mit deinem Tod, aber auch mit deiner Auferweckung. So wollen wir uns die große Hoffnung schenken lassen, die im Abendmahl liegt, die Hoffnung, die über alles Vernichtende und Beendende hinaus geht. Schenke uns deinen Geist, der uns in dieser Hoffnung leben lässt, der uns erneuert im Vertrauen zu dir. Vaterunser Austeilung 216 gemeinsames Essen Abschluss: Gebet: Gütiger Gott, die Zeichen deiner Liebe und deiner Nähe haben wir erfahren dürfen. Gemeinschaft haben wir gelebt, so gut uns das als Menschen möglich ist. Lass uns diese Gemeinschaft pflegen, deinen Frieden im Alltag leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir gehen auf den Karfreitag zu, werden erinnert an das Leiden und Sterben Jesu. Unser Leiden und Sterben kommt in den Blick, das Leiden und Sterben der notleidenden Bevölkerung wird sichtbar. Hilf uns zu erkennen, dass du in allem gegenwärtig bist und du uns auf den Weg bringen willst, dir zu vertrauen und deinem Wort nachzufolgen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir gehen auf das Osterfest zu, auf den Tag der Auferweckung Jesu. Immer wieder unbegreiflich und doch so wundervoll für uns. Denn wir dürfen uns sagen lassen, dass das Leben voller Zukunft ist. Dafür danken wir dir und bitten dich, hilf uns, dies in uns zu tragen, auf dass wir immer wieder hoffnungsvoll nach vorne schauen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. So geleite unseren Weg, Gott, dem die Ehre in Ewigkeit gilt.. Amen Lesung: Mk 14, 26-52 Segenswort
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