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Erntedanktag 30.9. 2007

Die Grundgedanken dieser Predigt liegen einem Konzept von Thomas Hirsch-Hüffel zu Grunde, der diese Gedanken 2004 zum Erntedankfest weitergegeben hat.

Erntedank ist das Fest der Landwirte und Hobbygärtner. So ist steckt es irgendwie in uns drin. Und das ist gewiss eine Tradition der Dörfer, die sich aus den Jahrhunderten vor uns geprägt hat, als diese erdverbundene Arbeit im Grund jeden in dem Sozialgefüge betraf. Das ist in gewisser Weise heute nicht anders, denn sind wir ehrlich, so lebt ein jeder weiter von dem, was die Natur hervorbringt, was durch menschliche Arbeit auf den Äckern produziert und entsprechend weiterverarbeitet wird. Kein Brot ohne Landwirt, Trecker, Düngung und Pflege der Pflanzen und Äcker. Kein Bier ohne die landwirtschaftliche Arbeit, kein Käse ohne die Betriebe, die sich um die Kühe kümmern, kein Schnitzel ohne den Bauern, der sich rund um die Uhr um seine Schweine kümmert.

Diesen Menschen Danke zu sagen, steht uns gewiss an diesem Tage gut zu Gesicht, sie in den Blick zu nehmen als einen wichtigen Teil unseres hochentwickelten und guten Lebens, ist ein wichtiger Teil des Erntedankfestes. Insofern sei allen, die in unseren Orten dafür sorgen, dass Nahrungsmittel wachsen und reifen können, dass sie rechtzeitig geerntet und verarbeitet werden können, ein herzliches Dankeschön dafür gesagt.

Wir könnten jetzt in dieser Predigt auch noch über die Probleme und Veränderungen der Landwirtschaft reden, wir könnten über die hohen Preise der Nahrungsmittel sprechen, oder andere gesellschaftliche Dinge in den Mittelpunkt stellen. Doch das möchte ich heute nicht tun.

Ich möchte, angeregt durch Gedanken eines Hamburger Theologen, einmal etwas ganz anderes in den Blick nehmen. Ich möchte einen Blick in die Natur werden, um daraus bedeutsames für unseren Glauben zu ziehen.

Betrachten wir einmal unseren Lebensraum Erde. Sie ist Millionen Jahre alt. Aus Gasklumpen, Eisen und Wasser ist die Erde geworden. Ein Energieaufwand ohnegleichen, und das nur hier, ganz zu schweigen von der Energie, die sich im Weltall befindet.

Die Erde hat so viel Hitze in sich und so viel Sonne um sich. 99% dieser Energie verglüht, verpufft, fliegt weiter ins All.

Schauen wir weiter in die Vegetation unserer Erde. Früchte hängen prall an Bäumen und Sträuchern, und die allermeisten isst niemand. Sie fallen herunter, verfaulen. Und nächstes Jahr wachsen sie wieder – umsonst, ohne das jemand daran Hand anlegt oder anlegen kann.

 

Durch die Pflanzen kommt Farbe in die Welt. Bis heute werden diese Farben verwendet, damit auch Menschen sich mit ihnen schön kleiden. Eine solche Vielfalt kann in keinen Farbenkasten der Welt aufgenommen werden. Das Licht des Himmels spiegelt sich in all diesen Farben wider, in den Pflanzen, den Tieren, den Menschen.

Nicht nur das Auge empfängt eine Fülle von Eindrücken. Unsere Nase wird ebenso mit einer ungeheuren Vielfalt von Sinneseindrücken erfüllt. Ein Gang durch den Garten, durch den Wald oder nur einmal vor die Haustür zu unterschiedlichen Zeiten, immer gibt es etwas zum Riechen. Die Nase kann sich durch die Düfte wühlen, kann Kräuter, Blüten und vieles andere unterscheiden.

Überhaupt eröffnen in der Schöpfung die Pflanzen Vielfalt. Das Leben differenziert sich aus. Es gibt Arten, und innerhalb der Arten Varianten. Wie bei den Menschen später. Und doch steht jede Pflanze am eigenen Ort und wächst entsprechend ihrer Umgebung. Das Gelände und die Witterung bestimmen ihre Größe und ihre Art. Der Kaktus z.B. ist eine Ausgeburt der Wüste.

Durch die Pflanzen kommt unsere Nahrung in die Welt, etliche kann man essen. Von vielen Früchten kann man leben. Wie vieles gibt es, wovon wir gar nicht wissen, wie es schmeckt? Wie vieles gibt es, was Menschen noch gar nicht für sich entdeckt haben. Welch eine verschwenderische Fülle bringt diese Erde hervor. Es gibt immer noch Pflanzen auf der Erde, die hat noch nie jemand gesehen.

Viele Gewächse haben heilende Wirkung. Die wird durch den Menschen erforscht in Versuch und Irrtum. Etliche töten, wirken aber in geringsten Mengen heilsam.

Wer lernen will, was Symmetrie ist, schaut Blätter an. Oder die Bauweise eines Farns. Oder die Spiralkunst der Blüte der Sonnenblume. Kinder haben daran ein großes Vergnügen.

Erstaunlich immer wieder, wie Pflanzen sich halten. Ein Bauwerk, das das gleiche Verhältnis von Durchmesser und Höhe hätte wie ein Weizenhalm, wäre mehrere Kilometer hoch. Wer wollte eine solche Statik konstruieren?

Und viele ist auch unter einer unscheinbaren, eher abstoßenden Schale verborgen. Man öffnet eine Muschel und sie ist  innen mit Perlmutt ausgekleidet, lebenslang ist ihr Schmuck versteckt. Sie trägt den Nerzmantel nach innen. Sie hat ihre Diamanten in der Schuhsohle.

Bis eines Tages der Mensch kommt und es sieht. Und siehe, es ist wunderbar und gut.

All dies ist ein Wunder der Schöpfung. Und je mehr wir davon verstehen, je mehr wir davon entdecken, desto wunderbarer wird all dies, was wir mit dem Wort „Natur“ oder „Schöpfung“ zum Ausdruck bringen, und woran wir oft achtlos vorbei gehen. Wer bis hierher noch keine religiösen Anmutungen hatte angesichts all der kleinen Wunder, der wird vielleicht berührt, wenn er wahrnimmt, wie all das ohne direkten Nutzen ist, was wächst und blüht. Es gab Pflanzen, die wir heute als Versteinerungen bewundern, da hat kein Mensch gelebt, nicht mal ein Tier, das sie hätte essen mögen. Milliarden prallster Früchte, die zu Boden fallen, vergehen – und niemand hatte davon etwas. Farben, die mitten im Urwald explodieren, ohne dass ein Affe hinschaut. Die Schöpfung Gotte ist die reine Verschwendung.
Die Millionen Versuche, die die Natur brauchte, bis ein komplettes Kunstwerk entstand – undenkbar für ein kurzes Menschenleben. Und doch war ja auch schon jedes Zwischenstadium wieder ein eigenes Werk. Verrottet, wieder zu Erde geworden.

Und wir Menschen? Jede Generation muss fast alles neu lernen: sprechen, lesen, lieben. Wie viel Lebenserfahrung nehmen die Alten ins Grab, ohne dass auch nur ein Bruchteil davon vererbbar wäre.

Diese Verschwendung ist ein Zeichen der Größe Gottes und des Wesens Gottes. Sie ein Zeichen einer unendlichen, verschwenderischen Liebe. Einer Liebe, die aus nichts kommt und die nicht unter Nützlichkeitsaspekten in dieser Welt ist.

Die Liebe Gottes ist überschäumend, so wie die Fülle der Natur überschäumend ist. Es gibt in der Welt einen Lebensüberschuss, den wir überhaupt nicht ermessen können. Und wir Menschen leben davon, er erfüllt uns.

Doch was machen wir daraus: wir schachteln es ein, wollen es sparsam verwenden, machen Liebe knapp.

Haben wir das eigentlich nötig angesichts dessen, aus was  für einer Fülle wir selber schöpfen können. Warum engen wir unser Herz oft so ein, statt es weit zu öffnen, um den Überfluss der Liebe und des Lebens weiter zu geben.

Christen sehen in Gottes Wirken eine besondere Lebensart: Die Art loszulieben, einfach so, ohne Grund. Einfach so, ohne etwas im Sinn zu haben. Einfach so, weil Liebe nicht nach Zielen fragt, sondern sich verschenkt.

Die Fülle der Schöpfung, die Fülle des Lebens, die wir mit unsern Augen wahrnehmen können, die Fülle der Zuwendung Gottes in all dem, lässt uns wahrnehmen, wie sehr wir umsorgte sind, wie sehr wir umgeben sind von verschwenderischer Zuwendung des gütigen Gottes. Erntedank ist nicht nur der Dank für das zukünftige Überleben, es ist auch ein Fest, an dem wir wahrnehmen, wie übervoll unsere Welt ist mit Schönheit und Liebe durch Gott. Wir feiern die Fülle des Lebens, dürfen uns beschenkt wissen von der unendlichen Liebe unseres Gottes, und wir dürfen uns dadurch ermutigen lassen, diese unbegrenzte und verschwenderische Liebe Gottes weiter zu geben.

So wie Jesus selber es getan hat. Er hat – wie das Perlmutt in der Muschel - sein Gott-Sein verborgen gehalten. Doch in der Verschwendung der Liebe ist dieses nach außen getreten, der Mensch konnte es und kann es bis heute entdecken. Im Ausschütten des Füllhornes Liebe lag das Ziel und die Erfüllung seines Lebens. Und das bis in den Tod hinein. Im Leben dieser Liebe bekam er alles, was er zum Leben brauchte.

Wie viele Menschen, leben aus der Fülle der Liebe und schenken diese weiter? Männer und Frauen, die nicht auf sich schauen, sondern ihre Kraft für andere einsetzen, und dass ohne dass die Zeitung davon etwas schreibt. In der Pflege von Alten, in der Begleitung von psychisch kranken, in der Begleitung von Kranken, in dem Gespräch mit der betrübten Nachbarin, in der Kaffeepause am Arbeitsplatz, in dem Einsatz in Kriegsgebieten und was man alles noch aufzählen könnte.

Auch hier ist die Fülle der Liebe unendlich.

Erntedank ist unter diesem Aspekt gesehen auch ein Danktag für die Liebe in der Welt, die wir Menschen austeilen. Der Blick in die Vielfalt der Schöpfung zeigt uns die Fülle der Liebe Gottes, und dies öffnet uns den Blick für die Fülle der Liebe, aus der Menschen schöpfen für andere. Es öffnet uns den Blick für eine Liebe, die wir nicht klein kriegen, ja eher noch größer machen, wenn wir sie dankbar, verschwenderisch austeilen. So wie die Saat Gottes in der Natur. Nicht fragend nach dem Nutzen, sondern einfach dankbar austeilen. Der Glaube öffnet uns die Augen und die Hände für diese ganz andere Seite des Erntedankes. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: Wir pflügen und wir streuen 508

Psalm aus Psalm 104 mit dem Liedruf: Halleluja, lobe den Herrn! Halleluja, lob' ihn meine Seele!"

Eingangsliturgie

Gebet

Du Gott des Lebens,

aus dir kommt alles Leben, lass uns teilhaben an der Fülle des Lebens.

deine Güte hält uns am Leben, lass uns teilhaben an der Fülle deiner Güte.

dein guter Geist öffnet uns die Hände, lass uns teilhaben an der Fülle deines Geistes.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus …

Lesung: Mt 6, 19-21

Lied: 505,1-4

Predigt

Lied: Kommt mit Gaben und Lobgesang

Abendmahl

Es ist gut dir zu danken, Gott.

Aller Augen warten auf dich, du gibst ihnen Speise.

Du hast mehr gemacht als wir essen können.

Du hast alles geschaffen, und du freust dich daran.

Du hast uns Menschen gemacht

und freust dich an uns - auch wenn wir es vergessen.

Du hast Jesus gesandt, damit wir uns erinnern –

an Dich und Deine Güte zur Zeit der Ernte wie an jedem Tag unseres Lebens.

Dir gilt unser Lob und Preis.

Herr Jesus Christus. Aus der Fülle deiner Liebe können wir schöpfen, wenn wir unseren Weg ziehen. Du erfüllst uns mit Liebe und Güte und lässt uns teilhaben an deiner Kraft,  wenn wir nun das Heilige Abendmahl feier, das du uns hinterlassen hast.

Einsetzungsworte

Komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne was du uns gegeben hast. Erfülle uns mit deinem Geist, der uns öffnet für die Fülle des Lebens, der uns bereit macht zur Liebe und der uns leitet auf all unseren Wegen. Er stärke uns zu einem Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe.

Vaterunser

Austeilung -  Votum:

Gott, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter und deiner Güte.

 

Abkündigungen – Fürbittengebet

Gott du hast die Fülle Schöpfung in unsere Hand gelegt. Wir dürfen mitgestalten, ohne dass du aufhörst täglich schöpferisch zu wirken.

So begleite uns in dem, was wir in deiner Schöpfung tun. Hilf uns zu bewahren, was du gegeben hast, auf dass auch unsere Urenkel und deren Urenkel in einem Lebensraum der Fülle der Fülle aufwachsen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich, lass uns aus der Fülle deiner Liebe schöpfen, wenn wir unser Leben gestalten. Hilf uns weiterzugeben, was du uns jeden Tag im Übermaß schenkst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich, hilf uns von deiner Gerechtigkeit und deinem Frieden etwas weitertragen in unsere kleinen und großen Lebenswelten, auf dass Feindschaft und Ungerechtigkeit in der Welt weniger werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Hab dank für die Fülle des Lebens, die Weite der Liebe und die Größe deiner Barmherzigkeit. Wir preisen dich für diese Gaben durch unsere Worte und unsere Taten. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

L 54: Lass uns gehn in die Freude des Lebens (J.Grote)

Segen

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Die Predigt wurde gehalten in
 Groß Elbe
Liturgischer
Ablauf
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