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Liedpredigt Befiehl du deine Wege 12. März 1607 – Geburtstag von Paul Gerhardt – 400 Jahre ist das her. Das ist für mich ein guter Grund am heutigen Sonntag und dem Vortag dieses großen Geburtstages einen Gottesdienst zu feiern, in dem die Texte von Paul Gerhardt im Mittelpunkt stehen. In der Predigt soll das wundervolle Lied: Befiehl du deine Wege ausgelegt werden. Hintergrund dieses Liedes ist der Psalmvers „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoff auf ihn, er wird’s wohl machen. Und wenn Sie im Gesangbuch man richtig hinschauen, dann werden sie entdecken, dass die ersten Worte der Verse jeweils kursiv gedruckt sind. Wenn man diese kursiv gedruckten Worte hintereinander liest, dann wird genau dieser Vers zitiert. Eine schöne Art ein Lied mit einem biblischen Text zu verbinden. Und es ist ein ganz wichtiger Hinweis schon auf den Mann, der dieses Lied geschrieben hat. Paul Gerhardt hat sowohl in der Schule als auch später im Studium in Wittenberg sehr intensiv lutherische Theologie gelernt. Die Bindung an die Bibel, die Bindung an das Wort Gottes steht für ihn an erster Stelle. Diese Bindung bestimmte sein Leben in seinem ganz persönlichen Glauben und in der Art und Weise wie er seinen Dienst als Pfarrer wahrgenommen hat. Und diese biblische Orientierung ist eben auch in den Liedern immer wieder zu spüren. Um Paul Gerhardt’s Lieder besser verstehen zu können, um auch seine Lebenstiefe ermessen zu können ist es immer gut ein paar Dinge aus seinem Leben zu wissen. Bestimmend für sein Leben war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. An erster Stelle steht da natürlich das Leid des Krieges, das er da vor Augen hat, aber auch die Pestepedemien, die das Land immer wieder ergriffen haben, die Plünderungen und Gewalttaten von marodierenden Banden, die durch die Lande zogen und das Elend in der Nachkriegszeit, das aus materieller Not und vor allem seelischer Belastung bestand. Das ist der eine Bereich, den wir vor Augen haben müssen. Der Tod war ständiger Begleiter. Als 12jähriger schon verlor er seine Mutter, als er 14 war starb sein Vater. ER war also auch ganz persönlich von dem Leid des Lebens geprägt. Nach seiner Heirat 1655 wurden ihm 5 Kinder geboren, nur eines lebte zum Zeitpunkt seines Todes noch. Dieser Mann hat tragische Lebenserfahrungen in sich getragen. Dies ein paar Hinweise auf den Hintergrund seines Lebens. Doch nun zu dem Lied: Befiehl du deine Wege, das er 1653 geschrieben hat, für eine sehr viel ältere Melodie. Gerhardt war 46 Jahre alt und gerade mal 2 Jahre Pfarrer in Mittenwalde in der Nähe von Berlin. Singen wir die 1. Strophe 361, 1 ) Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Dieser Vers ist eine Art Überschrift für das Lied, aber auch eine Art Glaubensbekenntnis. Wo liegt in dieser Haltlosen Zeit der Halt, der mich nach vorne gehen lässt, der mein Leben nach vorne bringt? Wie kann man überhaupt noch leben angesichts des Elends das einen umgibt? Paul Gerhardt antwortet: Dein Lebensweg und all das, was du im Herzen trägst, das musst du nicht in eigenen Händen halten. DA ist jemand, der uns treu zur Seite steht, uns pflegt. Das ist der, der den Himmel lenkt, der also Macht hat, die weit über das hinausgeht, was wir zu lenken vermögen. Schau in den Himmel, sieh das Ziehen der Wolken, spüre den Wind, den du in keiner Weise beeinflussen kannst. Darin ist der Schöpfer zu spüren, der in seiner Weise die Geschicke des Lebens lenkt. Und gerade in der Natur ist das Werden und Vergehen, das gleichsam absterben und doch wieder aufblühen des Lebens am deutlichsten zu erkennen. Und dieser Schöpfer wird eben auch dein Leben halten und tragen, der wird Wege finden, wo deine Fuß gehen kann. Wie oft mag dieses Lied wohl auf dem Friedhof gesungen worden sein, wie oft in Zeiten von Not und Traurigkeit? Über Jahrhunderte hinweg haben diese Zeilen Menschen Kraft gegeben, ihren Weg weiter zu gehen, Hoffnung zu entfalten in trauriger Zeit. Und ich denke, es liegt daran, dass Paul Gerhardt diese Zeilen nicht nur als biblische Auslegung geschrieben hat, sondern weil er Worte gefunden hat, die aus der Seele kommen, die gleichsam tief durch einen Menschen hindurchgegangen sind, der dem tragischen des Lebens ausgesetzt war. Aus dieser vom Leben durchdrungenen Hoffnung kann man schöpfen, das ist deutlich zu spüren. Wer der Angesprochene ist, das ist fast nicht zu sagen. Es ist gewiss gleichermaßen die eigene Seele, die angesprochen ist, wie auch ein Gegenüber, dem man mit diesen Worten Hilfe erweisen möchte. 2 ) Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein läßt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein. Stellen Sie sich vor, Sie sehen irgendwo im
Schwarzwald einen einsamen Wanderer, der merkwürdigerweise im
Rückwärtsgang den Bergweg hochläuft. Und er geht nicht nur rückwärts, er
hält auch den Blick beständig auf sich selbst gerichtet. Er orientiert
sich nicht. Er kümmert sich nicht um die Richtung. Er nimmt nicht wahr,
was um ihn herum geschieht. Er beachtet nicht die drohenden Gefahren,
den steilen Abhang zu seiner Linken. Er könnte stolpern und mit einem
anderen Wanderer zusammenstoßen. Und es ist zweifelhaft, ob dieser
Wanderer jemals das Gipfelziel finden wird. Eher wird er irgendwann
verzweifelt stehen bleiben, weil er nicht richtig vorankommt. Probiere das einmal aus: Wenn du von dir selbst wegblickst und dich umschaust, dann siehst du viel mehr von der Landschaft. Wenn du nach vorne blickst, dann kannst du dich viel besser orientieren. Denn du siehst dein Ziel. Und wenn du nicht mehr rückwärts gehst, sondern vorwärts, dann kommst du besser und schneller voran. Du siehst die Landschaft und den Himmel und die Berge und den vor dir liegenden Weg. Und noch viel mehr: Du gehst dann nicht mehr auf deinen eigenen, sondern auf Gottes Wegen. Du gehst auf den Wegen desjenigen, der die wunderbare Landschaft und den weiten Himmel und die Berge und die steilen und die flachen Wege geschaffen hat. Der Blick richtet sich neu aus: auf Landschaft und Himmel statt auf den Wanderer selbst. Der Gang verändert sich: vom gefährlichen Rückwärtsgang zum zielsicheren Vorwärtsgang mit festem Schritt. Und schließlich verändert sich auch das Denken: von der selbstbezogenen Grübelei zum Beten, zum Gespräch mit Gott. Befiehl du deine Wege der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Und dieses zu Gott gewandt sein, führt zum Lobpreis, den Paul Gerhardt nun erklingen lässt. 3 ) Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt. 4 ) Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun. Es ist aber nicht nur der Lobpreis, der entsteht. Das schöne an Paul Gerhardt ist, dass er der Not Sprache verleiht, hoffnungsvolles Sprache. Lesen von Vers 6 und 7: 6 ) Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. 7 ) Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl. Paul Gerhardt zeigt den Weg, den wir gehen können, wenn der Schmerz uns Menschen drückt. Indem er den Blick auf Gott lenkt, wo wie beim Weg des Wanderers weg von sich selbst hin zum Schöpfer des Himmels und der Erde – das wird auch die Hoffnung wach. Da vorne liegt das neue Leben. Die Nacht bleibt nicht bestehen, die Sonne geht auf , wo wie am Morgen das Licht das Dunkel der Nacht vertreibt. Und er begründet dieses Lebenshaltung auch: Nicht wir Menschen haben das Leben in der Hand. Es ist der gütige Gott, er sitzt im Regimente, er wird’s wohl machen. Das ist biblische Hoffnung, das ist christliche Hoffnung angesichts von Kreuz und Auferstehung. Singen: 9 ) Er wird zwar eine Weile mit seinem Trost verziehn und tun an seinem Teile, als hätt in seinem Sinn er deiner sich begeben und sollt'st du für und für in Angst und Nöten schweben, als frag er nichts nach dir. 10) Wird's aber sich befinden, dass du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, da du's am mindsten glaubst; er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast. Und wieder ist die Nähe zur Wirklichkeit in diesem Lied zu spüren. Einfach hoffen und dann ist alles weg. Nein, so ist es nicht. Da ist diese Zeit, wo man zutiefst gedrückt ist, wo auch der Glaube so klein erscheint, ja wo wir uns zutiefst von Gott verlassen fühlen. Es ist so als fragt er nichts nach uns, als seien wir ihm gleichgültig. Dann treu zu bleiben, zu vertrauen, zu glauben, das ist schwere Arbeit. Doch aus eigener Erfahrung sagt Paul Gerhardt: wo du diesen Weg der Treue zu Gott weiter gehst, da wird eine Zeit kommen, in der du merkst, wie die Last sich löst, wie das Kreuz von dir genommen wird, wie das Licht des neuen Lebens vor deinen Augen leuchtet. Er legt uns Lasten auf, aber er hilft uns auch, heißt es in den Psalmen. Diese Hilfe kommt - zu seiner Zeit. Das ist die Hoffnung des Glaubens, der sich am Worte Gottes orientiert, das auf vielerlei Weise, vor allem aber im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi davon erzählt, dass Gott auch in den dunklen Zeiten des Lebens seine Hand nicht von uns lässt. Und das vermag Paul Gerhardt in wunderbarer Weise in diesem Lied zum Ausdruck zu bringen. Singen wir zum Schluss noch die letzten beiden Strophen des Liedes und stimmen ein, in die Hoffnung die Paul Gerhardt getragen hat. Amen. 11) Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon mit Ruhm und Dankgeschreie den Sieg und Ehrenkron; Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand, und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt. 12) Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not; stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein.
Liturgischer Ablauf Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar. Orgelvorspiel Lied: 446,1-9 Psalm 37 EGNsB 720 Eingangsliturgie Gebet Lobet den Herren alle, die ihn ehren; laßt uns mit Freuden seinem Namen singen und Preis und Dank zu seinem Altar bringen. Gib, daß wir heute, Herr, durch dein Geleite auf unsern Wegen unverhindert gehen und überall in deiner Gnade stehen. Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen; hilf uns gehorsam wirken deine Werke; und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. Lobet den Herren! Lesung Lied 351,1-3+10 Lesung Predigt Abschluss – CD Sarah Kaiser Paul Gerhardt – 2. Befiehl du deine Wege Abkündigungen Fürbittengebet - EG 322, 5-9 Vaterunser Segen 163 |
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