| Predigt | 7 Wochen ohne 2009 |
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Sich entscheiden! 7 Wochen ohne zaudern. So lautet in diesem Jahr das Motto der Fastenaktion 7 Wochen ohne. An Hand von 7 biblischen Geschichten und ermutigenden Sätzen will diese Aktion die 7 Wochen begleiten und unterstützen. Ich möchte in diesem Gottesdienst diese sieben Sätze aufnehmen, um uns in diese Zeit hineinzuführen, um uns für diese Zeit ein paar Gedanken an die Hand zu geben, um das Gesamtmotto lebendig zu machen. Sich entscheiden. Es gibt Menschen, die können sich sehr leicht entscheiden. Denen braucht man keine Hilfestellung dabei zu geben. Aber es auch gibt Menschen, die können sich nur schwer entscheiden. Jede neue Anschaffung bedeutet wochenlanges hin und her der Gedanken. Vor allem größer Dinge brauchen viel Zeit. Es wird alles abgewogen. Es wird das für und wider bedacht, oder der jeweilige Geschmack stellt uns vor eine Wahl, die wir nicht gerne treffen mögen. Was ist, wenn die Wahl falsch ist? Die Konsequenzen schrecken uns ab, eine Entscheidung zu treffen. Warum eigentlich ist es so schwer, einfach zu sagen: ich entscheide jetzt so. Jetzt und heute finde ich das richtig. Jetzt und heute möchte ich das so. Es wird eine Zeit kommen, da würde ich das anders entscheiden, oder hätte anders entschieden, doch meine Entscheidung soll heute getroffen werden und ich entscheide mich jetzt einmal so. Seien wir ehrlich, die allermeisten Entscheidungen unseres Lebens haben überhaupt keine große Tragweite. Da geht es um Kleinigkeiten, wo es bei falschen Entscheidungen überhaupt nicht darauf ankommt, was wir entschieden haben. Und doch machen sich die Menschen große Gedanken darum, statt einfach selbstsicher zu sagen: so ist es jetzt. Und selbst wenn es sich als falsch herausstellt. Na und, heute möchte ich das so. Und das, was kommt, das lasse ich getrost zu, auch die Veränderungen in meinem Leben, die Veränderung des Geschmackes bis hin zu dem Satz: Was hast du damals bloß entschieden. Und dazu passt auch der erste Leitgedanke der 7 Wochen:: Lerne, Altes loszulassen. Die biblische Geschichte, die dahinter steht ist die vom reichen Jüngling, der erfülltes Leben sucht und Jesus ihm sagt: lass das hinter dir, was dich bisher erfüllt hat. Für den Jüngling war es der Reichtum. Lerne, altes loszulassen. Wie oft bestimmt uns die Bindung an das Gestrige: das Gelernte, das Überkommene, das „so haben wir das schon immer gemacht“. Es bestimmt unsere Gedanken und Gefühle, unsere Entscheidungen. Und manchmal müsste man vielleicht einfach nur mal den Mut haben, zu sagen: warum eigentlich? Warum muss ich das jetzt so tun, so entscheiden? Oder: warum tue ich es so und nicht anders? Wer sagt es mir eigentlich? Und dann stellen wir plötzlich fest, welche Stimmen da in uns laut werden, und wer hinter diesen Stimmen steht. Oft genug ist es gar nicht die Stimme meines Innern, die Stimme meines eigenen Herzens, meines Lebens, sondern die Stimmen anderer, die im eigenen Leben immer noch herumschwirren und mir vorschreiben, wie ich zu leben und zu entscheiden habe. Was möchte ich? Was ist mir ganz persönlich wichtig? Und welche Stimme möge nun auch mal schweigen, möge seine Gedanken für sich behalten? Loslassen, altes beiseite schieben. Den eigenen, heutigen Gedanken ihren Raum lassen, dazu ermutigt uns diese Zeit der sieben Wochen. Lass es hinter dir. Es bleibt als Erinnerung, es bleibt als Teil des gewesenen Lebens und geht nicht verloren. Doch jetzt sollen andere Gedanken ihr Recht bekommen. Aus Wiedersehen Gestern, willkommen du Heute. Wer loslässt weiß noch nicht, was er in Zukunft in Händen hält. Gerade dann nicht, wenn man zwar merkt, was alt ist und was man loswerden möchte, aber noch nicht so recht vor Augen hat, was diesen Platz einnehmen wird. Lass dich beschenken. Die Ausgangsgeschichte dieser 2. Woche ist das Gleichnis vom Große Gastmahl, in dem Jesus erzählt, das die Eingeladenen nicht kommen wollen, dafür nun die Menschen an Hecken und Zäunen eine unerwartete Einladung erhalten. Loslassen heißt offen werden für das Neue, offen werden für das Geschenk des neuen Lebens. Wobei es nicht immer so sein muss, dass man auf ein solches Geschenk warten muss, bis es einem zugetragen wird. Ich denke, dass es im Leben vieles gibt, das zu einem Geschenk wird, auch wenn man sich selber auf den Weg macht. Zum Beispiel durch schlichtes Ausprobieren. Einfach mal Dinge tun, die einem in den Sinn kommen, die man schon immer mal machen möchte. Ein ganz schlichtes Beispiel: Sie bekommen ein neues Kochbuch. Und sie entdecken darin etwas, was sie so noch nie gekocht haben. Und plötzlich entdecken sie, das ist ja wunderbar, das schmeckt total lecker. Ein kleines Geschenk, nach so manchem Fehlversuch des Ausprobierens von Neuem. Und ich denke, so geht es in manchen Bereichen des Lebens. Wir müssen suchen, probieren, etwas aufspüren, um dann zu entdecken, dass da etwas Neues ins Leben getreten ist, was ein wahres Geschenk ist. Unerwartet, unverhofft und sehr erfüllend. Lass dich beschenken, denn nach dem Loslassen kommt etwas neues.
Sich entscheiden hat auch etwas damit zu tun, dass wir etwas klar für uns sagen: dies möchte ich, dies möchte ich nicht, das ist wichtig, das ist unwichtig, das ist richtig und das ist falsch. Unter der Überschrift Bekenne dich steht die dritte Woche der vor uns liegenden Passionszeit. Daniel bekennt sich zu seinem Gott, als er vor dem großen König Nebukadnezar steht, der Daniel auffordert seine Götter zu verehren. Position zu beziehen, ist nicht immer einfach. An vielen Stellen mag es uns leichter fallen, in anderen wieder nicht. Oft genug schaffen wir es auch mit einem sowohl als auch zu leben. Doch es gibt Situationen, da müssen wir uns entscheiden oder in diesem Fall uns bekennen. Was ist mir wirklich wichtig, was bedeutet mir mein Glaube, meine innere Überzeugung. Wir lassen dies oft in unserem Herzen, behalten es für uns selber, lassen andere da nicht hineinschauen. Und auch wenn wir zum Gottesdienst gehen, das ist ja ein Stück Bekenntnis, aber man ich ja auch nicht mit allem einverstanden, was der Pastor sagt. Wir werden selten in die Lage kommen, in die Daniel gekommen ist, der klar sagen musste: ich beten deine Götter nicht an. Obwohl es in unsere Gesellschaft gewiss viele Götter gibt, die angebetet werden wollen: Wirtschaft, Profit, Erfolg, Ansehen und vieles mehr. Was bedeutet mir der Glaube und was für Konsequenzen hat das für denn Alltag. Wozu bekenne ich mich und handele dementsprechend? Entscheide ich mich dafür, die Erkenntnisse des Glaubens an erste Stelle zu stellen oder lasse ich mich treiben, ohne hier Position zu beziehen? Bekenne dich! ruft uns der Leitgedanke der 3. Woche der Passionszeit zu.
Loslassen, sich beschenken lassen, sich bekennen – dazu gehört auch Mut. Darum heißt es in der 4. Woche Sei mutig. Und als biblische Geschichte steht die Geschichte von David gegen Goliath im Mittelpunkt. Da kämpft der kleinste seines Volkes gegen den Größten der Feinde. Mit einer kleinen Steinschleuder gegen den hochgerüsteten Kämpfer – und er gewinnt. Was habe ich schon in der Hand in meinem Leben, wenn sich mir das Feindliche in den Weg stellt. Was bin ich schon, dass ich mich gegen eine solche Macht wehren könnte? Oft genug bleiben wir resigniert stehen, lassen geschehen, was geschieht, ohne auch nur daran zu denken, dass in uns Kräfte sind, die wir mobilisieren können. Sei mutig – trau dir etwas zu, lass dich nicht entmutigen von der Größe und der vermeintlichen Kraft und Macht dessen, was dein Leben da angreift. Setze deine kleinen Möglichkeiten geschickt ein und du wirst sehen, du kannst hier etwas erreichen. Sich einmal diesen Satz zu sagen: sei mutig, wenn die innere Stimme mal wieder sagt: Halt, da geh man lieber nicht ran, da halte dich zurück. das wäre etwas, was diese Zeit vor Ostern ausmachen könnte. Sei mutig, trau dich, probiere aus. Sei mutig, lass es dir nicht gefallen, sag etwas, sag deine Meinung und Gedanken. Du wirst vielleicht Widerstand erleben – klar, niemand gibt gerne klein bei. Doch: sei mutig, deine Gedanken sind mindestens genauso wichtig, du selber bist genauso wichtig. Das lass dir nicht nehmen. Sei mutig, du stehst nicht allein.
Die 5. Woche ist überschrieben mit Lebe das Leben. Die Leitgeschichte ist der Anfang des Hiob, der so viele schreckliche Botschaften erhält und doch an seinem Vertrauen zu Gott festhält: der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Name des Herren. Die Passionszeit beschäftigt sich ja mit dem Leidensweg Jesu, mit seinem so bedrängenden Weg ans Kreuz. In diesem Weg erkennen wir auch unsere Leidenswege, unser Kreuz des Lebens und wir dürfen es in Verbindung bringen mit dem Jesu. Dieser Weg zeigt, dass Leiden Bestandteil unseres Lebens ist. Wir müssen in aller Not und Bedrückung auch damit leben. Von Hiob hören wir diesen Satz: der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Name des Herren. Es gibt Situationen, da empfinde ich diesen Satz als ungeheuer hart, wenn er von außen gesagt würde. Doch wenn er von einem betroffenen ausgesprochen werden kann, dann ist er ein Satz des tiefen Glaubens, selbst wenn gleichzeitig auch Zweifel mitschwingen. Ja, Gott gibt uns in unserem Leben vieles, er beschenkt uns mit Gaben und vor allem mit Menschen, die unser Leben teilen. Wo die äußeren Umstände schwer werden, Menschen uns verlassen, dann gerät dies aus dem Blick, dann sehen wir oft genug nur unsere Not. Doch es gilt der Satz des Vaterunsers: dein Wille geschehe. Er hat’s gegeben, er hat’s genommen – Gott ist groß und gütig, unbekannt und unverständlich, barmherzig und reich an Gnade, unerforschlich und nicht zu fassen – ihm gilt das Lob des Menschen, der ein Nichts ist vor ihm und doch sein Ebenbild und Gegenüber. Lebe das Leben, wie Gott es dir schenkt, vergrab dich nicht im Hader, sondern sei offen für das, was kommt.
Und das gilt auch, wenn du dich verrennst. In der sechsten Woche wird uns zugesagt: Du hast eine Zukunft. Petrus, der seinen Herrn verleugnet, ist gleichzeitig der Fels der Kirche. Er hat Fehler gemacht in seinem Leben, sein Glaube war nicht 100%, und doch lässt Jesus ihn nicht fallen. Du bekommst eine neue Chance, du darfst nach vorne schauen auch mit deiner Verfehlung. Ich vergebe dir und ermutige dich, von vorne anzufangen. Du hast eine Zukunft durch die Vergebung.
Und das wird in der siebten Woche, der Karwoche noch einmal vertieft. Lass Neues beginnen. Maria, die Jesus im Grab salben wollte, die den Toten pflegen wollte, wird damit konfrontiert, das der Tode verschwunden ist. In der Begegnung mit Jesus, der ihr in der Person des Gärtners erscheint, erkennt sie, das alte ist vergangen, jetzt beginnt etwas Neues. Lass es beginnen. Nicht die Pflege des Alten, des Vergangenen, des Toten soll das Leben bestimmen, sondern das Neue, das jetzt beginnt. Österliches Leben ist das Leben, das sich nicht dem Gestern verschreibt, sondern den Blick nach vorne richtet. Darum unterstützt uns diese Passionszeit darin: altes loszulassen. Lass dich beschenken, stehe zu deinem Glauben, sei mutig! Lebe das Leben, das Gott schenkt. Du hast eine Zukunft! Lass neues beginnen! Nehmen Sie diese Ermutigungen mit in die kommenden sieben Wochen und lassen sie sich davon in ihrem Leben leiten. Gott segne diese Zeit für Sie alle. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 481,1-5 Psalm 31 mit Liedruf Eingangsliturgie Gebet: Gütiger Gott. Es beginnt eine geprägte Zeit in den nächsten sieben Wochen. Wir bitten dich, mach uns fähig dazu, diese Zeit bewusster zu gestalten. Hilf uns, unseren Weg mit dir zu gehen, getragen durch deinen Geist, ermutigt durch dein Wort, angestachelt durch das Vorbild Jesu. Lass so die Passionszeit zu einer Zeit des Wachsens und Reifens für uns werden. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen Lesung: 1. Kor 13 Lied 384,1-4 Lesung: Mk 8, 31-38 Glaubensbekenntnis Lied 607,1-5 Predigt Lied 391,1-4 Abkündigungen Fürbittengebet Gott unser Vater und unsere Mutter, dir vertrauen wir unser Leben an, von dir wollen wir alles erwarten. So sei bei uns und allen, die loslassen wollen und müssen in ihrem Leben. Hilf ihnen, dankbar zu sein für gewesenes und offen für das, was du uns schenkst. Darum rufen wir zu dir: Herr erbarme dich. Sei bei denen sich zu dir bekennen und bei denen, denen das schwer fällt. Erfülle uns mit deiner Kraft, auf dass wir mutig sind, nach deinem Willen und aus deinem Geist heraus zu leben. Darum rufen wir zu dir: Herr erbarme dich. Sei bei denen, die Lasten tragen müssen, deren Blick verstellt ist, deren Schuld drückt. Öffne ihre Ohren für dein Wirken, für die Hoffnung, du zu geben vermagst, für die Zukunft, die du uns allen schenken willst. Darum rufen wir zu dir: Herr erbarme dich. Sei bei denen, die an den Grenzen des Lebens stehen. Öffne ihre Augen und den Weg nach vorne, so wie du das Grab Jesu geöffnet hast, um das neue Leben sichtbar zu machen. Schaffe so den Raum, in dem wir getrost leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr erbarme dich. Stille Vaterunser Segen 163
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