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11. September 2011

Der 11. September ist seit 10 Jahren ein hoch politischer Tag, für uns in Niedersachsen dieses Jahr ein doppelt politischer Tag, wenn auch die Kommunalwahlen mit den Ereignissen des 11. September in keiner Beziehung stehen.

(die folgende Darstellung wurde der Predigt von Manfred Wussow entnommen)

7.45 Uhr Ortszeit – In Europa: 13.45   Eine Boeing 767 startet in Boston, Ziel: Los Angeles. 81 Passagiere, 11 Besatzungsmitglieder - eine Stunde später, 8.46 Uhr, rast das Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center. Ein Unfall? Die Menschen - und auch die Fach- und Sicherheitsleute - rätseln. Dann: 9.03 Uhr, eine Viertelstunde später, trifft ein zweites Flugzeug mit 56 Passagieren und 9 Besatzungsmitgliedern an Bord, den Südturm des World Trade Center. Jetzt sind keine Zweifel mehr möglich. Eine dritte Maschine dann, entführt wie die beiden anderen, schlägt 9.43 Uhr ins Pentagon ein - 10.03 Uhr stürzt eine vierte Maschine bei Pittsburgh ab, nach Kämpfen an Bord. Zwischen 8.46 Uhr und 10.03 Uhr - nicht einmal zwei Stunden liegen dazwischen - hat sich die Welt verändert.

Wir alle wissen, wann wir diese Nachricht gehört haben, was wir getan haben, zu diesem Zeitpunkt. Wir haben vor Augen, als wir den Fernseher angeschaltet haben und die schrecklichen Bilder zum ersten mal gesehen haben, die uns seitdem hundertfach wiederholt wurden.

Geschockt hat wohl jeder von uns fassungslos vor dem Fernseher gesessen? Brennende Türme, Menschen auf der Flucht, Feuerwehrleute, die zu Helden wurden, waren zu sehen. Unbgreiflich, unvorstellbar, was da zu sehen war. Hollywoods Katastrophenfilme kamen einen in den Sinn, doch es war bittere Realität.

Tausende Menschen starben am 11. September und in den Tagen danach.

Die Spuren der Attentäter lassen sich auch nach Hamburg zurück verfolgen. Von einem der Terroristen, Atta, wird im Gepäck sein Testament gefunden, einige Jahre vorher schon gemacht. Angst geht um - und Hass. Erstmals in ihrer Geschichte werden die Vereinigten Staaten von einem Feind tief im eigenen Land getroffen. Die ganze westliche Welt fühlt sich angegriffen. Der amerikanische Präsident formulierte: Sie „hassen unsere Freiheiten, unsere Religionsfreiheit, unsere Meinungsfreiheit."

(Ende des Wussow - Textes)

Die Welt ist anders geworden danach. Die Angst vor dem Terror bestimmt seitdem das Handeln an vielen Stellen der Politik. Es gibt so viele große und kleine Schauplätze, an denen diese Veränderungen sichtbar werden.

Seit Jahren sind nun deutsche Soldaten in Afghanistan, einige von ihnen haben dort ihr Leben gelassen. Immer wieder die Frage: müssen wir in diesem Land Menschenleben aufs Spiel setzen? Wofür tun wir dies?

Die Gesetzgebung vieler Länder hat sich geändert. Sicherheitsgesetze wurden erlassen, vieles was in Amerika beschlossen wurde betrifft auch uns, wenn man an Flugreisen und Zahlungsverkehr denkt. Und auch heute noch wird bei jedem auch nur versuchten Anschlag wieder neu diskutiert. Die Festnahme der beiden terrorverdächtigen Berliner löst gleich wieder eine Debatte um die Verschärfung der Gesetze aus.

Und die islamischen Mitbürger bei uns und in vielen Ländern dieser Welt spüren die Zurückhaltung bis Abwehr sehr deutlich. Der Fremde in unserem Land macht mehr Angst. Ich glaube das hat vor zehn Jahren jeder gespürt, als man nach dem Anschlag einem Menschen aus der Türkei oder einem anderen islamischen Land begegnet ist. Man wollte das gar nicht und doch hat die natürliche Fremdenangst uns stärker begleitet als das sonst der Fall war. Und auch ganz allgemein ist die Ablehnung des Islam und die Angst vor dieser Religion sehr gestiegen.

Was können wir aus der Sicht des christlichen Glaubens dazu sagen?

Ich möchte das mit den Lesungen dieses Gottesdienstes beantworten. Die erste Lesung hat uns das Ende der Sintflutgeschichte vor Augen gestellt. Es ist ja die Geschichte der Sündenflut, die da vor Augen gestellt wird. Der Mensch lebt nicht mehr im Paradies, er lebt in einer Welt in der Sünde und Schuld das Leben begleiten. Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf, heißt es. Das möchten wir nicht gerne hören und es ist auch nicht die einzige Aussage über den Menschen, aber es ist eine, die wir annehmen müssen. Jeder Mensch trägt eben auch das Böse in sich. Gott weiß das, aber er zieht seine ganz eigenen Konsequenzen daraus. Der Erdenlauf wird davon nicht bestimmt sein, sagt er.

Für mich ein wichtiger Gedanke. Das Böse des Menschen soll nicht den Weltenlauf bestimmen. Nicht die Reaktion auf das Böse soll das Denken bestimmen, sondern das Handeln für die Menschen soll in allen Bereichen von anderen Gedanken bestimmt sein. Und das heißt doch, dass nicht das Terrorhandeln weniger Gesetze und Politik gestalten soll, sondern Grundsätze anderer Art. Der christliche Glaube hat da vor allem die Freiheit des Menschen vor Augen.

Jesus hat mit seinem Wirken immer den Menschen vor Augen. Er soll sich in seiner Individualität entfalten können. Seine Einmaligkeit soll sich in aller Freiheit entwickeln können. Allerdings immer so, dass dabei der andere in seiner Freiheit genauso im Blick ist. Ich sehe diese Grundgedanken in unserem demokratischen Gemeinwesen am ehesten verwirklicht, in dem diese freie Entwicklung am besten gefördert wird. Natürlich muss ein Gemeinwesen, ein Staat auch immer darauf reagieren, dass es menschliche Bestrebungen gibt, außerhalb der demokratischen Möglichkeiten eigene Gedanken durchzusetzen – wir hatten das Ende der siebziger beim RAF-Terrorismus, wir haben es in den rechtsextremen Parteien, und wir sehen es in der Welt in den Terroranschlägen von fanatischen Einzeltätern oder Gruppierungen. Die wichtige Frage ist nur, was bestimmt das eigene politische Handeln? Ist es nur die Reaktion auf diesen Fanatismus oder ist es das ethische Fundament, auf dem das demokratische Denken fußt? Es braucht Ideale und eine feste Gewissheit, dass die Freiheit das größte Gut des Menschen ist, um darauf ein Gemeinwesen zu schaffen und zu bewahren, in dem der Einzelne zu voller Entfaltung kommt und gleichzeitig damit die Gemeinschaft aller.

Wir sehen es gerade in den Ländern Nordafrikas, die für ihre Ideale kämpfen und ihr Leben einsetzen. Sie wollen in Freiheit leben, wollen nicht mehr durch die Macht eines Einzelnen gegängelt werden, sie wollen teilhaben an den Reichtümern des Landes, die allen Menschen dienen sollen. In unserem zweiten Bibeltext heißt es als Vision: Es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und aus sein mit den Spöttern, es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten. Wir haben natürlich gleich die Namen der derzeitigen Tyrannen vor Augen: Gaddafi, Assad, Mubarak, und die Könige und Herrscher anderer afrikanischer Länder, die mit ihrem Handeln das Leben der Menschen unerträglich machen, ja bis in die Hungerkatastrophe hinein führen.

Die Vision der Bibel ist, dass diese Menschen nicht mehr die Macht haben, dem Freiheitswillen der Völker entgegen zu stehen. Diese Vision bleibt ein Hoffnungsträger für viele Menschen und ist – wenn auch Vision – für uns immer wieder auch Aufruf, den Tyrannen entgegen zu stehen. Ein politisches Gebot, das auch in demokratischen Ländern nicht immer gesehen wird, wenn es darum geht, Geld mit Waffen zu verdienen, eigene politische Interessen zu wahren, Macht zu erhalten. Wer Tyrannen unterstützt, handelt immer gegen die Menschen, er handelt gegen die Grundsätze freiheitlich-demokratischen Denkens.

Die biblischen Visionen, die Hoffnungen auf ein anderes, ein offenes, freies Leben in der Gemeinschaft der Verschiedenheit der Menschen, sind Leit-Gedanken, die das konkrete Handeln bestimmen sollen, auf dass wir Menschen in dieser Welt gut leben können. Denn nur so können wir die guten Gedanken der Freiheit und demokratisches Denken in der Welt aufrecht erhalten. Darin haben wir auch eine Aufgabe für die Welt. Denn wenn die natürlich gegebene Anfälligkeit jeder Freiheit und Demokratie für Terror und Missbrauch das Handeln bestimmen, dann wird von dem freiheitlichen Denken wenig überbleiben und dann hat der Terror gewonnen. Die Freiheit und Demokratie schließt auch das Gegenteil mit ein, die Möglichkeit des Missbrauches der Freiheit. Aber dadurch wird die Freiheit nicht falsch,  sondern findet gerade darin – so negativ das auch ist – seine Erfüllung. Dem Terror muss gewehrt werden, mit allen Mitteln, die ein Staat dafür zur Verfügung hat. Denn wer die Freiheit angreift, stellt sich dagegen. Aber das darf nicht dazu führen, dass Freiheitsrechte gemindert werden, dass sozusagen das Terrordenken Weniger bestimmender wird als die demokratischen Freiheitsrechte Vieler.

Insofern ist es unser aller Aufgabe, die demokratischen Strukturen in unserem Lande stark zu machen. Dazu gehört auch, dass wir – trotz aller Parteiverdrossenheit und politischem Hick-Hack und Kleinkrieg – das Mitbestimmungsrecht durch politische Wahl hoch achten. Wir erleben, dass Menschen in anderen Ländern unter Einsatz ihres Lebens dafür kämpfen, durch Kreuze auf Papier die Lebensmöglichkeiten in ihren Ländern zu verbessern, Freiheit zu ermöglichen und Veränderungen herbeizuführen. Diese Menschen sind uns Vorbild, unsere demokratischen Einrichtungen zu stärken. Wahlrecht ist nicht nur ein Recht, es ist angesichts dessen auch eine Pflicht – selbst wenn die Wahl eines Gemeinderates nun keine weltverändernde Entscheidung in sich trägt. Aber es ist ein Denken, was wir hier in die Tat umsetzen, ein Denken, das sich aus christlichem Hintergrund entwickelt hat und das ein Vorbild für alle Gemeinwesen in der Welt sein kann. Wenn wir das mit Füßen treten, indem wir nicht wählen gehen, machen wir auch das Instrument der Demokratie zunichte und öffnen undemokratischem, unfreiheitlichem Denken Tür und Tor.

Es mag heut eine politische Predigt gewesen sein, in der die geistlichen Gedanken weniger deutlich vorkamen. Das mag wohl sein. Geprägt aber ist mein Denken davon, dass Gott uns Menschen zur individuellen Freiheit geschaffen hat, die wir auch leben und ausprägen sollen. Diese Gottgegebene Freiheit gilt es so stark wie möglich zu machen. Ebenso wie den Ruf in die Verantwortung für die Gemeinschaft, den Gott ebenso an uns richtet. Beides ist immer wieder gefährdet durch das Böse in uns Menschen. Insofern ist es stete Aufgabe von Politik und Individuum dem entgegen zu treten und Freiheit und Gemeinschaft im Großen wie im Kleinen zu fördern. Dazu helfe uns Gott durch seinen Geist. Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 447,1,2,6-8

Psalm 147

Halleluja! Lobet den HERRN!

Denn  unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,

ihn loben ist lieblich und schön.

Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen

die Verstreuten Israels.

Er heilt, die  zerbrochenen Herzens sind,

und verbindet ihre Wunden.

Er zählt die Sterne und  nennt sie alle

mit Namen.

Unser Herr ist groß und von großer Kraft,

und unbegreiflich ist, wie er regiert.

Der HERR richtet die Elenden auf

und stößt die Gottlosen zu Boden.

Singt dem HERRN ein Danklied

und lobt unsern Gott mit Harfen,

der den Himmel mit Wolken bedeckt

und Regen gibt auf Erden;

der Gras auf den Bergen wachsen läßt,

der dem Vieh sein Futter gibt, 

den jungen Raben, die zu ihm rufen.

Er hat keine Freude an der Stärke des Rosses

und kein Gefallen an den Schenkeln des Mannes.

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,

die auf seine Güte hoffen.

Preise, Jerusalem, den HERRN;

lobe, Zion, deinen Gott!

Denn er macht fest die Riegel deiner Tore

und segnet deine Kinder in deiner Mitte.

Er schafft deinen Grenzen Frieden.

 

Eingangsliturgie

Gebet

Gott, du allein kannst unser Leben heil machen.

Darum bitten wir dich um dein heilendes Wort, um deinen erneuernden Geist. Öffne unsere Ohren, dass wir dich hören, dein Heil vernehmen, es in uns eingehen lassen und an andere Menschen weitergeben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung

An Ende der Sintflut baut Noah einen Altar und dankt Gott für die Rettung und den Neuanfang.

Gott selber sinnt über das nach, was in der Sintflut geschehen ist und spricht in seinem Herzen:

Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das  Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Lied 425,1-3

Lesung

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

 Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen;

und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten,

welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie  zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.

Darum spricht der HERR, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände - seine Kinder - in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten.

Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Glaubensbekenntnis

Lied 430,1-4

Predigt

Lied 612,1-5

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott unser Vater im Himmel!

Wir leben in einer Welt, in der wir die auch die Boshaftigkeit von Menschen ertragen müssen. Das macht uns Angst, und manchmal wird daraus auch Gegnerschaft oder sogar Hass.

Hilf uns, an dir zu bleiben, an der Menschenfreundlichkeit und Offenheit gegenüber jedermann. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten dich für alle, die sich nach Freiheit sehen und denen sie verwehrt wird. Lass sie festhalten an ihren Visionen einer besseren und gerechten Welt und stärke sie darin, friedvoll Veränderungen anzugehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten für alle, die Freiheit einschränken und behindern, für Machthaber und ihre Gefolgsleute. Hilf, dass sie ablassen von ihrem Tun, schenke deinen Geist des Friedens für diese Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten für alle, die Demokratie und Freiheit neu aufbauen müssen. Hilf bei den guten Bemühungen, lass Rückschläge nicht zum Abbruch der Wege führen, hilf mit deinem freiheitlichen Geist zu guten Wegen neuer Gemeinschaft. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Für alle politisch Verantwortlichen in der Welt beten wir zu dir, dass das Wohl der Menschen, die Förderung der Gemeinschaft und des Einzelnen vor allem anderen steht. Erfülle sie alle mit dem Geist deiner Lebensförderung. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir beten für alle, die in ihrem ganz persönlichen Leben von Schicksalsschlägen betroffen sind. Hilf ihnen, anzunehmen, was ihnen auferlegt wurde, und stärke sie auf ihrem weiteren Weg. Lass dich sehen als die Kraft, die zum Leben hilft. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Vaterunser

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

11. 9. 2011

Liturgischer
Ablauf
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