| Predigt |
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Die erste Kerze brennt. Nach den letzten Wochen in denen das Gedenken des Todes im Vordergrund stand, beginnt nun eine neue Zeit. Ein neues Kirchenjahr beginnt mit dem heutigen ersten Advent. Das Alte lassen wir hinter uns, es beginnt eine neue Zeit. So, denke ich, ist für viele das Empfinden dieser Tage. Beim Auspacken der Dekorationskisten für die Adventszeit werden viele von ihnen sicher solche Gedanken gehabt haben: Jetzt ist eine andere, eine neue Zeit. Jetzt will ich das Leben etwas anders gestalten, mich freuen auf das kommende Fest. Wir werden aus den Endzeitgedanken herausgenommen und nun sollen die Gedanken wieder nach vorne gehen. Mag auch das Dunkel uns noch umgeben, das seelische Dunkel genauso wie das physikalische Dunkel dieser Jahreszeit, so soll doch Gottes Wort laut werden, das nach vorne blickt und das Licht der Hoffnung entzündet. Als biblisches Geleitwort für den heutigen Tag hören wir einen Text aus dem alten Testament, aus dem Propheten Sacharja. Ich will mich selbst als Wache um mein Haus lagern, so dass keiner dort hin- und herziehe und nicht mehr der Treiber über sie komme; denn ich sehe nun darauf mit meinen Augen. Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. Wenn ich solche Texte höre, dann denke ich immer an die heutigen Bilder aus Israel. An die vielen gewalttätigen Auseinandersetzungen, an den Zaun im Gazastreifen, an die zerschossenen Häuser und steten Meldungen, dass Israeliten und Palästinenser wieder einmal aufeinander geschossen haben. Bilder, die so gar nicht zu der biblischen Botschaft passen wollen. Der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Er wird den Völkern Frieden gebieten. Kriegswagen und –rosse sollen verschwinden. Wir erleben dagegen eine immer größere Aufrüstung, ein immer mehr an militärischem Gerät im Heiligen Land. Auch zur Zeit der ersten Christen war das Heilige Land kein freies Land. Die Römer hatten diese Region besetzt, übten ihren militärischen Druck aus und lenkten als Machthaber die Geschicke des Landes. Es gab auch Gruppierungen die im Untergrund versuchten, gegen die Machthaber vorzugehen. Doch sie erreichten sehr wenig. Eigentlich hätte die Menschen damals ähnlich wie wir sagen können: die Verheißungen des Alten Testamentes, die können wir beiseite legen, die taugen nichts. Vergessen wir sie und leben so, wie es die Zeit eben vorgibt. Doch das haben die Christen nicht getan. Diese alte Verheißung des Sacharja war für Matthäus ein wunderbares Bild, um eine ganz andere und neue Friedensbotschaft in die Welt zu tragen. Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen einer Eselin. Wir haben vorhin das Evangelium des 1. Adventes gehört: den Einzug nach Jerusalem. Vor den beiden großen Jesusfesten, vor seiner Geburt und vor seinem Tod und seiner Auferstehung wird diese Geschichte in den Gottesdiensten erzählt. Sie gibt die geistliche Richtung und Bedeutung des Weges Gottes mit Jesus an. Veränderung der Welt, sie geschieht nicht mit der Macht von Waffen, mit politischer Stärke, sie geschieht nicht nach menschlichen Maßstäben. Gott geht einen anderen Weg. Der König, der da kommt, er ist arm. Der König, der da kommt, er reitet auf einem Eselsfüllen. Der König, der da kommt, ein Gerechter und ein Helfer, zieht nicht ein mit einem starken Heer, sondern mit einer Gruppe von Menschen, die ihr Leben hinter sich gelassen haben, um ihr Heil bei einem Prediger zu suchen, der nun mit königlichen Attributen versehen wird. Für die ersten Christen war deutlich: das und nichts anderes ist der Weg, den Gott geht, um diese Welt zu verändern. Alle äußeren Eingriffe schaffen nur mehr Unheil. Frieden wird allein dort, wo es nicht um Macht, Reichtum und Ehre geht, sondern wo es eine Solidarität mit den Menschen gibt, die als arm bezeichnet werden. ES kommt nicht von ungefähr, dass gerade an diesem Wochenende in vielen Kirchengemeinden Basare veranstaltet werden. Viele, viele Menschen haben in den letzten Wochen und Monaten ganz viel erarbeitet, gestaltet, vorbereitet, um an diesem 1. Adventswochenende Zeichen setzen zu können für die Gemeinschaft von Reich und Arm. Basare setzen das um, was der Prophet in seinen Worten in die konkrete Situation damaliger Zeit gesagt hat und was die Christen des ersten Jahrhunderts aufgenommen haben: Heil geschieht, wo wir einander ansehen, wo wir nicht gegeneinander stehen, sondern miteinander das Leben annehmen und gestalten. Für den Pfarrverband Groß Elbe hat dieses Tun zwei Seiten: es gibt eine wirklich finanzielle Armut, die es anzugehen gilt und es gibt eine seelische Armut, in die hinein ein Zeichen des Verbundenheit gestellt werden soll. In diesem Jahr wollen wir vor allem Kinder in Afrika unterstützen. Mit unserem neuen Projekt, das von der Organisation „Kindernothilfe“ begleitet wird, wollen wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, Kindern eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Kinder müssen dort mit zum Familieneinkommen beitragen. Sie haben daher keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Außerdem fehlt das Geld für Bücher, Kleidung und anderes. So blieben die Kinder im traditionellen Leben verhaftet und hätten kaum Möglichkeiten ihr Leben zu verändern. Durch entsprechende Bildungsprogramme in den Dörfern, durch Hilfe bei der Veränderung von Anbaumethoden und Erschließen neuer Einkommensmöglichkeiten, wird den Erwachsenen die Möglichkeit gegeben, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Diese Zukunftsinvestition fängt ganz unten an, ganz klein, und scheinbar nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch daraus kann sich etwas entwickeln, das letztlich hilft, ein armes Land zu verändern. Ein Gerechter, ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. Das ist für mich ein wichtiges Bild dafür, dass wir nicht nach den großen und spektakulären Veränderungen suchen müssen, oder glauben dürfen, dass nur diese großen Dinge Veränderung bringen. Das Eselsfüllen trägt den König, das kleinste Tier der Armen trägt den, der die Welt innerlich grundlegend verändert hat, auch wenn die äußeren Bedingungen des Lebens auch nach 2000 Jahren Christentum für viele Menschen auf dieser Welt immer noch katastrophal sind. Doch unsere Basare können dieses Zeichen immer wieder aufrecht erhalten. Was wir tun ist wenig, ist ärmlich angesichts der großen Not der Welt. Doch gerade in diesem ärmlichen Handeln liegt für den Menschen, der diese Hilfe bekommt ein wichtiges Zeichen der Gegenwart Gottes beschlossen. Ähnliches gilt auch für das zweite Projekt unseres Basares: das Elternhaus in Göttingen. Auch in einem wirtschaftlich reichen Land gibt es Not, die gelindert werden muss. Eltern, deren Kinder von Krebskrankheit betroffen sind, die in bedrängender Zeit ihren Kindern ganz nahe sein wollen, brauchen auf diesem Weg Unterstützung und Hilfe. Denn sie stehen mit leeren Händen da, arm an Kraft, hilflos und ohnmächtig. So ohnmächtig wie der König auf dem Esel, der drei Tage später am Kreuz hängt und scheinbar verlassen von Gott sein Leben aushaucht. Diese Menschen brauchen Räume, in denen mögliche Gemeinsamkeit gelebt werden kann. Sie brauchen Menschen, die ihnen Halt und Stärke geben, sie brauchen einen Ort, wo sie unbehelligt weinen können, wo sie unabhängig von wirtschaftlichen Fragen ganz für ihr Kind da sein können. Ein kleines Zeichen der Hilfe für diese schwierige Zeit soll unser Basarerlös sein. Ein kleines, armseliges Zeichen dafür, dass Solidarität mit bedrückten Menschen Teil der guten Botschaft Jesu Christi ist. Freue dich, jauchze. Das ist nicht in jeder Situation möglich, aber nicht jede bedrückende Situation ist auch nur betrüblich. Wir können auf unsere Art und Weise Hilfe anbieten, wir können Zeichen setzen, die den Blick öffnen für das ganz Andere im Leben. Und auch darum geht es natürlich, wenn wir uns in dieser Zeit von der guten Botschaft auf den Weg bringen lassen. Die Botschaft von Weihnachten, die Botschaft vom Kind, vom Frieden in der Welt, vom Heil und von der Gerechtigkeit, sie möge in dieser Zeit lebendig werden. Aber sie wird nicht einfach so lebendig, dass sie einmal gesagt wird. Sondern sie wird lebendig, wo sie durch uns hindurch gegangen ist, sie uns erfüllt und zum Handeln bringt. Der Einsatz für den Basar, das sich Einbringen hier, der Einkauf und die Unterstützung ist dabei gewiss ein wichtiger Schritt. Wir können ihn ergänzen und erweitern. Jetzt ist eine andere, eine neue Zeit. Jetzt will ich das Leben etwas anders gestalten, mich freuen auf das kommende Fest. Habe ich zu Beginn dieser Ansprache gesagt. Die Dekoration weist uns darauf hin und sie lässt uns inne halten. Sie kann uns dazu anreizen, darüber nach zu denken, was es für unser ganz persönliches Leben bedeuten kann, dass mit Jesus Christus jemand in die Welt gekommen ist, der diese Welt verändert hat. Die Adventszeit ist ja doch auch Erwartungszeit: was erhoffe ich von Gott? Was hat er mir mit Jesus schon geschenkt, und was kann er mir noch geben? Was kann ich von ihm erwarten und was erwartet Gott von mir? Wo und wie kann ich, trotz aller Armseligkeit meines bescheidenen Handelns mit dazu beitragen, dass die Botschaft von Heil, Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt lebendiger wird? Ein Basar ist ein Mosaikstein darin, und es gibt gewiss noch viele andere. Die Adventszeit ist als innere Vorbereitungszeit eine wichtige Zeit, hier Entdeckungen zu machen, durch diese Botschaft vom Heil das eigene Leben zu gestalten und sie für andere weiter zu tragen. Amen. Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 536,1-4 – Auf, auf ihr Christen alle Psalm 24 Eingangsliturgie Gebet Du wunderbarer Gott, du kommst zu uns in Jesus Christus, deinem Sohn, ohne Gewalt und doch stärker als alle Macht der Welt. Lass uns die Ankunft des Heils in Jesus Christus wahrnehmen, damit unsere Dunkelheit erhellt werde durch sein Licht. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lesung Mt, 21, 1-9 Glaubensbekenntnis Lied 13, 1-3 – Tochter Zion Predigt Lied: 1, 1-4 – Macht hoch die Tür Abkündigungen Fürbittengebet Wohin du kommst, Gott, da kehrt Frieden ein, da werden Menschen verwandelt, zu hoffen und zu lieben, sich zu freuen und sich geborgen zu fühlen. Darum bitten wir dich: Komm zu uns und allen, die dich bitter nötig haben Komm zu allen, die erschöpft sind und abgestumpft, die nicht mehr an deine und unsere Liebe glauben können. Komm zu allen, die einsam sind, die sich nicht mehr freuen können, die keinen Menschen haben, der ihre Fragen teilt. Komm zu allen, die ratlos sind und verzweifelt, die leiden und keine Hoffnung mehr haben, die sich ausgestoßen fühlen und nach Gemeinschaft sehnen. Komm zu den vielen alten und jungen Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, die nichts mehr mit sich und der Welt anzufangen wissen, denen alle Lebenschancen genommen sind. Komm zu allen, die in Streit und Unfrieden leben, die grausamen, sinnlosen Kriegen ausgeliefert sind, die hungern und frieren und obdachlos sind. Komm zu uns, die wir uns danach sehnen, dein Lob mit einem Munde zu singen. Lass deine Liebe in uns Gestalt gewinnen. Komm zu uns und erfülle uns mit deinem Frieden. Vaterunser Segen 163 – Unsern Ausgang segne Gott |
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