| Predigt |
AT |
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Die Psalmen sollen in unserem Gottesdiensten stärker in den Mittelpunkt rücken, sie sollen gehört und gebetet werden und damit natürlich auch ein Teil unseres Lebens werden. Heute nun möchte den 31. Psalm ein wenig näher betrachten, den wir zu Beginn miteinander gebetet haben. Dazu habe ich ihnen auch ein Blatt mitgebracht, auf dem der Psalm noch einmal steht. Und ich habe dort einmal die Verben angestrichen, die in diesem Text vorkommen.Hören wir diesen Text noch einmal und lesen Sie ihn ruhig mit: Herr, auf dich traue ich, laß mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen. Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke. In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum. Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feindeund von denen, die mich verfolgen. Laß leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!Ich weiß nicht, ob es ihnen so geht wie mir, aber der Psalm wird dadurch noch lebendiger und aussagekräftiger, wenn man ihn einmal so liest. vertrauen - nicht zuschanden werden lassen - erretten - zuneigen - helfen - sein - leiten - führen - herausziehen - anbefehlen - erlösen - sich freuen - fröhlich sein - ansehen - annehmen - nicht übergeben - stellen - hoffen - sprechen - stehen - leuchten. Es ist ein lebendiger Austausch, der da in diesem Gebet stattfindet. Da ist ein Mensch, der viele Facetten des Lebens und Glaubens miteinander verbindet. Hinter diesem Beter steht wahrscheinlich ein Mensch, der sich bedrängt oder gar verfolgt fühlt und nun im Tempel Zuflucht sucht. Und in seinen Worten schildert er sein Leben und seinen Glauben. Herr, auf dich traue ich - so beginnt er sein Gebet. Nicht die auf ihm liegende Last wird zuerst benannt, sondern sein Vertrauen. Ich traue auf dich. Hier weiß ich mich an der richtigen Stelle. Hier ist der, der wirklich über mein Leben zu sagen und zu entscheiden hat. Hier weiß ich ein Gegenüber, das mich sieht, wie ich bin und von dem ich etwas erwarten darf, was mir wirklich hilft. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie ein Gebet zu Gott beginnen sollte - vielleicht aber auch ein ganz menschliches Gespräch: du bist mir wichtig, dir vertraue ich, deshalb möchte ich dir auch mein Innerstes anvertrauen. Ich begebe mich jetzt ganz in deine Hand. Bevor der Blick auf die eigene Person geht, wird die Bedeutung des anderen gewürdigt und auch die Erwartung geäußert, dass er oder sie die Erwartung erfüllt. Gott oder Mensch - auf dich traue ich - laß mich nimmermehr zuschanden werden. Ein alter Begriff, dieses zu Schanden werden. Es hat etwas mit sich schämen zu tun, aber auch etwas mit schänden oder in Schande bringen, zur Schande werden. Der Beter kommt gleich zur Sache: ich bin zur Schaden geworden, ich werde beschämt, ich werde in eine Situation gebracht, die unerträglich ist. Ausgestoßen von den anderen, an den Rand gedrängt. Ich bin nicht mehr Teil des Ganzen, werde auch von den Menschen nicht mehr akzeptiert. Aus eigener Sicht unverschuldet in diese Situation gekommen, sucht er nun dort, wo das letzte Urteil über den Menschen gesprochen wird, wahrhaftige Annahme. Wie oft werden wir ungerecht behandelt, anders angesehen, als wir es uns erhoffen, aber auch anders als es gerecht wäre. Wenn Menschen diese Gerechtigkeit versagen, dann kann nur noch Gott helfen: errette mich durch deine Gerechtigkeit! Errette mich, hole mich da raus aus diesen Fehlurteilen, aus diesen Abstempelungen. Lass deine Gerechtigkeit walten. Und Gottes Gerechtigkeit ist ja eine, die dem Menschen zukommt als eine, die dem Menschen wahrhaft zugewandt ist. Sie ist bestimmt von Gottes Treue zu den Menschen, davon dass Gott sein eigenes Wort ernst nimmt, das da lautet: du gehörst zu mir. Gott bewahrt diese Gemeinschaft, indem er dem Menschen Vergebung zukommen lässt und ihn so errettet aus der Situation der Verlorenheit. Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends!Fast beschwörend ruft der Beter und bittet um Zuneigung, vor allem aber zum Zuneigung der Ohren. Höre zu. Ich möchte etwas loswerden, lass mich aussprechen, was mir auf dem Herzen liegt, auf dass ich es von meinem Herzen in deine Ohren legen kann, und du mir dadurch hilfst. So etwa muss man sich es vorstellen. Und das ist ja wirklich ein schönes Bild: ich darf mein Herz erleichtern, indem ich es anderen ausschütte. Nur soll es nicht einfach so auf die Erde fallen und zertreten werden, was mir auf dem Herzen liegt, sondern es soll in die Ohren dringen, es soll dort aufgenommen werden, auf dass es sich verändert. Ich traue auf dich, darum die dringende Bitte: neige mir deine Ohren zu und sei dadurch derjenige, der mir hilft. Gebet als Entlastung des Herzens, der Seele und Anfang einer Veränderung des Lebens. So stellt uns der Beter des 31. Psalmes das Gebet vor Augen. Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest!Sei mir - esto mihi, wie es auf Latein heißt und wie der heutige Sonntag heißt - sei mir ein starker Fels und eine Burg. Gott ich brauche jetzt einen starken Ort, an dem ich mich bergen kann, an dem ich geborgen sein kann. Ich brauche jemanden, der nicht zwischen den Händen zerrinnt wie Sand, der nicht so schnell einzunehmen ist, wie ein einfaches Haus. Ich brauche dich, als etwas Unverrückbares, etwas von Menschen Uneinnehmbares, so dass ich mir wieder klar über meinen Lebensort, den ich im Augenblick als so bedroht und wankend erlebe. Darum Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest! Im Aussprechen dieser Bitte wird dem Beter schon etwas deutlich, was ja auch in dem liegt, was er tut. Er ist im Tempel, dem Ort, an dem Gott als besonders nahe empfunden wird, an dem die Stimmen der Menschen verstummen. Und die Bitte wird nun durchbrochen durch eine Vertrauensaussage. Denn du bist mein Fels und meine Burg. Hier bin ich und stehe ich, weil ich darauf vertraue, dass ich mich auf diesem Fels gründen kann, in dieser Burg Geborgenheit finde, die ich so nirgendwo erfahren kann. Hier empfange ich auch Leitung und Führung. In dem, was Gott zu mir spricht, in seinem biblischen Wort, in dem Wort das im Gebet in mir laut wird, da empfangen wir Hilfe zum Leben, Weisung und Führung. Ein ganz ähnliches Nebeneinander von Bitte und Vertrauensaussage durchzieht auch den nächsten Satz. Du wollest mich aus dem Netze ziehen, das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke. Aus dieser Stärke heraus ergibt sich eine neue Vertrauensaussage. Die Not des Beters scheint schon dadurch eine Wendung genommen zu haben, dass er sich jetzt nicht mehr unter dem Eindruck der eigenen Gedanken befindet, unter den Gedanken und Äußerungen der anderen Menschen, sondern dass er nun ganz in die Sphäre Gottes eingetaucht ist. Von ihm lässt er nun sein Denken bestimmen. Das Gebet wird damit zu einem verändernden Element für unsere eigenen Gedanken, es nimmt uns heraus aus uns selbst und lässt uns das eigene Leben von einem anderen Standpunkt betrachten. Und das wird dann auch ausgesprochen: In deine Hände befehle ich meinen Geist. Nicht die Gedanken der anderen Menschen sollen mein Selbstbild bestimmen, nicht das, was so an Gedanken in mir ist, soll mein Denken bestimmen, sondern dein Geist, Gott, deine Zuwendung, dein Bild von mir ist wichtig. Darum befehle ich meinen Geist in deine Hände, ja mein ganzes Leben. Wir kennen dieses Wort von Jesus am Kreuz, als er sagt: in deine Hände befehle ich meinen Geist. So hat dieses Wort sicher im Sterben seinen Sinn, aber natürlich auch im Leben. Mein Geist, meine Gedanken, mein Verstehen, mein Tun und Lassen, das was im Leben auf mich zukommt, all das lege ich in Gottes Hand, empfange ich aus Gottes, so verstehe ich diese Worte des Beters, der in aller Bedrängnis aus der er kam, nun eine ganz neue Freiheit für sich gewonnen hat. Und dies kommt in den nächsten Versen zum Ausdruck: du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott. Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, daß du mein Elend ansiehst und nimmst dich meiner an in Not und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum. Die Freiheit liegt in dem erlöst Sein, das der Beter spürt. Erlöst von den falschen und bedrängenden Gedanken der anderen und des eigenen Ich. Sein Gemütszustand ändert sich: Freude macht sich breit, er ist fröhlich, weil er eben erfahren hat, dass Not von Gott angesehen wird, dass es angenommen wird. Gott lässt da nicht allein, lässt nicht die anderen das letzte Wort haben, die sich so feindlich gegen einen stellen, nein Gott stellt den Menschen wieder in den weiten Raum des Lebens, in dem er sich frei entwickeln kann. Wer den Psalm in der Bibel nachliest wird merken, das nun noch einmal das bedrängende Leben des Beters zur Sprache kommt. Krankheit, Not und Bedrängnis. Wie ein Toter fühlt er sich in der Gemeinschaft der anderen. Und trotzdem findet er zurück zu den Worten des Vertrauens, die schon den ersten Satz dieses Gebetes geprägt haben: Ich aber, Herr, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Hoffnung wird laut, sie wird nicht nur innerlich bedacht, sondern auch äußerlich ausgesprochen: ich spreche: du bist mein Gott. Glaube ist nicht nur für die eigenen Gedanken, sondern er will laut werden, will nach außen dringen. Meine Zeit steht in deinen Händen. so heißt es bei Luther, in einer anderen Übersetzung lautet dieser Satz fast noch schöner: In deiner Hand ruht meine Zukunft. Glaube, Vertrauen zu Gott heißt, dass wir unser Leben aus der Hand geben, so wie der Beter dieses Psalmes sein Leben aus der Hand gegeben hat in die Hand Gottes. Das Vertrauen zu diesem Gott bedeutet: mein Leben hat einen Ort der Ruhe, der Zuflucht, meine Zukunft ruht darin, dass nicht ich mein Leben letztlich in der Hand habe, sondern der Gott, der mich geschaffen hat. Ganz gleich was auch geschieht, diese Hände halten mich, sie halten mein Leben, meine Zukunft - hier und jetzt und dereinst bis in Ewigkeit. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 491,1-4 Psalm 31 - EG 716 Eingangsliturgie - Gebet: Gott, du bist uns nahe, noch bevor wir zu dir kommen. Du bist bei uns, noch bevor wir uns aufmachen zu dir. So schaue auf uns, auf unsere Sehnsucht nach Glück, unseren Willen zum Guten und unser Versagen. Erbarme dich unserer Armut und Leere und fülle sie mit deinem Leben, deiner Liebe, dein Barmherzigkeit. Das bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen (nach einem Gebet aus: der gottesdienst - liturgische Texte in gerechter Sprache S. 175) Lesung: 1. Kor 13 Lied: 369,1-3,7 Lesung: Mk 14, 32-38 Glaubensbekenntnis Lied: 275, 1-4 Predigt Lied: 533, 1-3 Abkündigungen - Fürbittengebet EG 789.6 Segen Lied: 163 |
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