| Predigt |
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Das Jahr 2000 neigt sich dem Ende zu. 366 Tage sind vergangen, 8778,5 Stunden, etwa 526740 Minuten des so besonders gefeierten Jahres 2000. Ich kann mich noch gut an den Nachtgottesdienst im vergangenen Jahr erinnern, er scheint noch kein Jahr weg zu sein. Viele sagen, dass es besonders schnell vergangen sei, subjektiv, denn die Zeit bleibt immer gleich. Nun schauen wir zurück auf dieses Jahr, dessen Anfang die Welt lahm legen sollte, weil die Computer versagen sollten. Doch es ist nicht passiert. Alle drohenden Katastrophen haben nicht stattgefunden. Betrachtet man es ganz nüchtern, so könnte man sagen, dass es ein Jahr war, wie alle anderen auch. Es gab die üblichen politischen Probleme in aller Welt, es gab Katastrophennachrichten und es gab gute Nachrichten. Und für uns persönlich im kleinen Rahmen sah es sicher genauso aus: das meiste ist so abgelaufen, wie immer und es steht auch nichts besonderes vor Augen. Für einzelne war es aber auch ein betrübliches Jahr. Schlechte Nachrichten begleiten das Leben, trüben die Zukunftsaussichten, Abschiede machen den Gang nach vorne schwer, weil die Trauer noch so gefangen hält. Und vielleicht sind es auch noch ganz andere Gedanken, die uns gefangen halten oder auch zutiefst freudig stimmen, und die so den Weg in das neue Jahr begleiten. In all dem, was uns an diesem Abend vor Augen ist, ist vor allem eines klar: die Zukunft ist für uns ungewiß, wir wissen nicht, was auf uns zukommen wird. Wir Menschen haben es nicht in der Hand. So sehr wir für unser Leben zu sorgen haben, es gestalten, so sehr müssen wir aber auch immer wieder erkennen, dass wir es letztlich dann doch nicht in der Hand haben, sondern das Leben sich auch neben uns entwickelt, dass wir auf vieles auch nur reagieren können, es hinnehmen müssen, damit leben müssen. Und wenn man dies vor Augen hat, dann werden für mich die Gedanken des 121. Psalmes lebendig und wichtig. Und diesen Psalm möchte ich daher auch an diesem Silvesterabend näher betrachten. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Diese Worte sprachen die Wallfahrer, die nach dem Besuch des Tempels in Jerusalem am Stadttor standen und nun den Weg zurück in die Heimat antraten. Die Berge um Jerusalem vor Augen. Ein schönes Bild für den Übergang in das neue Jahr. Ich hebe meine Augen auf: ich schaue nicht bedrückt nach unten, schaue nicht nur auf das, was vor den Füßen liegt, also in direkter Nähe, sondern ich blicke auf. Das heißt doch, ich darf nach vorne schauen. Den Blick auch weit nach vorne richten. Da liegt ein Land, das ich betreten darf, in dem Leben stattfindet, in dem für mich etwas bereit liegt. Der Anfang dieses Psalmes ist von dem Glauben geprägt, dass Leben nicht in einem abgeschlossenen, behüteten Bereich stattfindet - wie z.B. im Tempel, oder wir würden heute sagen in der Kirche. Nein, die Fülle des Lebens, das Gott für uns bereit hat, liegt vor uns. Das ist auf der einen Seite hoffnungsvoll, aber natürlich auch bedrohlich. Die Ungewißheit läßt uns unsicher werden, macht Angst. Woher kommt mir Hilfe? Ich will ja gehen, will mich diesem Leben anvertrauen, will es für mich erobern und genießen, doch ich weiß auch, dass dazu Hilfe nötig ist, weil ich es letztlich nicht alleine meistern kann. Die Berge bergen eben auch Gefahren, das Leben ist bedroht, immer in Frage gestellt. Deshalb die Frage: Woher kommt mir Hilfe? Die Antwort, die der Wallfahrer sofort gibt, ist eine fest vorgegebene, eine gleichsam liturgische, also gottesdienstlich geformte Antwort: Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Der Wallfahrer kam nach Jerusalem, um seinen Glauben zu stärken, um für das Leben gewappnet zu sein. Dieser neu gestärkte Glauben wird hier dann auch gleich in Worte gefaßt. Ich habe sie als liturgische Worte bezeichnet, als gottesdienstlich geprägte Worte. Das könnte den Eindruck erwecken, als seien das also nur nachgeplapperte Worte, leere Worte. Doch ich denke, dass auch fest gefügte Worte des Glaubens sehr lebendige Glaubensworte sein können. Das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser als bekannteste dieser Worte machen das immer wieder deutlich. Auch wenn nicht jedesmal jeder Satz gleiche Bedeutung hat, doch sie gewinnen immer neu ihre Bedeutung zu verschiedenen Zeiten des Lebens. Und so ein Satz wie: meine Hilfe kommt den dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, kann eine ungeheure Ermutigung für einen neuen Weg im Leben sein. Wenn ich mich ganz darauf verlasse, dass der, der Himmel und Erde in seinen Händen hat, auch mich in seinen Händen hat, wenn ich dem vertraue, der dieser Welt ihr Gesicht verliehen hat, die Schöpfung immer neu werden läßt, dann kann ich mich auch darauf verlassen, dass er mir als der Schöpfer und Erhalter zur Seite ist, um mein Leben zu begleiten. Das offene Land, die Berge, all das mag vieles in sich bergen, das uns Angst macht, worin wir Hilfe brauchen, aber wir können losgehen in dem Vertrauen, dass da Hilfe ist, dass wir nicht allein gehen. Das spricht dem Wallfahrer am Tor zu Jerusalem auch der dortige Priester noch einmal zu: Gott wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Das ist gut zu wissen, wenn man sich auf einen Weg macht. Auf den Weg in ein neues Jahr, in eine neue Lebenssituation hinein, in das, was an unbekanntem Land vor einem liegt. Damit können wir losgehen, hoffnungsvoll, mutig, mit Elan und Kraft. Natürlich werden auf dem Weg auch Fragen kommen, werden die Lebenserfahrungen diese Zusage in Frage stellen und dann wird man in die Auseinandersetzung eintreten müssen. Aber wenn wir gleich am Anfang alles in Frage stellen, dann brauchen wir mit solchen Worten nicht loszugehen, dann können wir auch mit uns alleine bleiben. Aber der Glaube geht ja gerade mit der Ermutigung los, dass es eine Hilfe gibt, die mich Tag und Nacht umgibt. Die Füße können auf dem Weg nicht so ausgleiten, dass ich danieder liegenbleibe und hilflos bin. Ich bleibe in allem verbunden mit dem, der das Leben in der Hand hat und trägt, der es bis zum Tod und darüber hinaus zu tragen vermag. Deshalb spricht der Priester diese Worte: der Herr schläft und schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, daß dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Das Negative des Lebens wird nicht beiseite geschoben, so als gäbe es das gar nicht. Es wird gesehen, dass das Leben seine Schwierigkeiten zeitigt, die wir zu bestehen haben, die wir zu bearbeiten haben. Da ließe sich ja auch nicht drumherum reden. Aber vollmundig wird uns da gesagt: der Herr behütet dich. Er ist gegenwärtig und handelt an uns, nicht immer sichtbar, aber doch so, dass wir keinen wirklichen Schaden nehmen. Wir haben einen Schutz gegen das Verderbende. Aber das ist kein Automatismus. Wir tragen unsern Anteil daran, wenn Gott, sein Wort und seinen Willen ernst nehmen, wenn wir mit unserem Glauben versuchen danach zu leben. Das Verderbende kann uns ergreifen, es will uns einnehmen. Der Glaube, der Gott ernst nimmt, hat eine Möglichkeit zur Abwehr. Das Wort Gottes ist Schutz und Schirm gegen das Böse. Der Schutz liegt dann zwar nicht in uns, aber wir können diesen Schutz annehmen, uns in ihm bergen und so entsprechend bewahrt leben. Am Schluß des Psalmes steht der Segen. Der Segen ist Bitte des Menschen und Zuspruch von Gott her. Nun wird nicht mehr in Form der Aussage formuliert, sondern als Segensbitte. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit! Auch hier wieder wird deutlich: der Glaube verneint nicht das Negative der Welt, er weiß, wie sehr das Übel das Leben begleitet. Die Bitte richtet sich dahin, dass wir darin nicht untergehen, dass vor allem unsere Seele, unser Innerstes darin nicht untergeht. Gott also möge uns in allem die innere Stärke geben, die uns an dem festhält, was Gott für uns will. So sehr es auch an uns selber liegt an Gott festzuhalten, letztlich ist es dann doch Gott selber, der uns dazu fähig macht. Insofern ist diese Segensbitte an der Schwelle in neues Jahr wichtig für uns, die wir auf diese Hilfe ja immer wieder angewiesen sind. Die Schlußbitte hören wir vielleicht mit unterschiedlichen Gedanken. Sie sind formuliert auf die Wallfahrt hin: Der Herr behüte den Ausgang aus Jerusalem bis hin zum Eingang zur nächsten Wallfahrt. Für uns vielleicht auch so formuliert: von Gottesdienst zu Gottesdienst. Gleichzeitig hören die, die häufiger zu Beerdigungen gehen den Satz mit als Schlußsegen in der Trauerfeier: der Ausgang aus diesem Leben und der Eingang in das neue Leben stehe unter Gottes Segen. Auch dies zeigt wie lebensnah und doch auch ganz geistlich die Bibel ist. Wir leben immer auch im Angesicht des Todes, auch wenn wir das gerne beiseite schieben. Aber dieser Tod ist bei Gott nicht das Ende, insofern kann die Bibel hier eine Hoffnung aussprechen, die das Leben als Ganzes umfaßt - eben auch das Sterben. Es ist die Hoffnung, dass dies alles in der Hand Gottes liegt. Darum können wir getrost nach vorne gehen. Gleich was da auch auf uns zukommen mag, was auch immer geschieht, tief im innersten sind wir Getragene und Behütete. Mit dieser Hoffnung will uns der 121. Psalm ins neue Jahr begleiten. Und damit Sie ihn das ganze Jahr immer mal wieder ins Gedächtnis rufen können, habe ich Ihnen ein Lesezeichen gemacht, das im gerade gelesenen Buch seinen Platz finden kann und so immer wieder an diese Worte erinnert. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 61,1-3 Eingangsliturgie - Gebet: Psalm 121 Lesung: Röm 8, 31b-39 Lied: 61,4-6 Lesung: Lk 12, 22-32 Glaubensbekenntnis Lied: 63,1, 2, 5, 6 Predigt Lied: 58, 1-3+7+14 Abendmahl Ein Jahr geht zu Ende, wir gehen auf ein neues Jahr zu. Abschied und Aufbruch liegen dicht beieinander. Jesus hat am Ende seiner Lebenszeit mit seinen Jüngern zusammengesessen und beides miteinander verbunden. Er nahm Abschied, um seinen Weg zu vollenden. Doch er hinterließ etwas, mit dem seine Jünger sich auf den ihren Weg machen konnten, gestärkt in der Gewißheit: Jesus ist mit ihnen. So wollen auch wir uns stärken lassen für den Aufbruch in ein neues Jahr. Gütiger Gott und Vater. Wir danken dir für alles Gewesene in dem vergangenen Jahr, das wir aus deiner Hand empfangen haben. Wir danken dir für Begleitung und Bewahrung. Hilf uns weiter, das zu tragen, was uns auferlegt ist und stärke uns zu einem Leben in der Gemeinschaft mit dir. Laß uns aus dem, was dein Sohn Jesus Christus uns hinterlassen hat, schöpfen für ein gelingendes Leben vor dir. Einsetzungworte Geheimnis des Glaubens - Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns hinterlassen hast. Schenke uns deine Liebe, ermutige uns zu einem Leben nach deinem Vorbild, laß uns aus deinem Glauben für uns selber schöpfen. Schenke uns dazu deinen Geist, der uns ermutigt und erneuert. Vaterunser - Austeilung Segenswort: Ps 121, 8
Abkündigungen - Fürbittengebet Gott, wir danken für alles Gelungene im vergangen Jahr, wir danken für alle, was du uns geschenkt hast. Wir bitten dich, für alles mißlungene, für all die Schuld, die wir auf uns geladen haben. Vergib du uns und führe uns zu einem neuen Leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle Menschen, die mit großer Angst und Sorge in die Zukunft blicken. Hilf ihnen, im Vertrauen auf dich die Zukunft anzugehen. Laß sie erkennen, dass du die Menschen nicht im Stich läßt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle Menschen, die glücklich und zufrieden das neue Jahr angehen. Laß sie dieses Gefühl bewahren und verstärken. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die sich sehen nach Frieden und Versöhnung, nach Heil und Zuversicht. Hilf uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen, dass Menschen gut miteinander leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Gott, du kommst uns entgegen auf dem Weg in die Zukunft. Darum sei dir Lob und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen |
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