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Ps. 119,105

Gottesdienst mit Taufe, die im Mittelpunkt steht.

Als Lebenswort zur Taufe haben wir Viktoria einen Vers aus dem längsten Psalm der Bibel mitgegeben: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.
Wenn wir als Eltern unser Kind zur Taufe bringen, so steckt in diesem Akt sehr sehr viel mehr drin, als nur die Feier eines traditionellen Ereignisses. Ich denke, nach der Geburt und den Monaten des Lebens ist die Taufe immer ein Akt des Innehaltens. Nach der Zeit der Gewöhnung an das Kind und die veränderten Lebensumstände ist die Zeit der Taufe eine Zeit der inneren Besinnung auf das Kind. Und da steht im Vordergrund doch das, was wir auch im Lied besungen haben: Kind, du bist uns anvertraut, wozu werden wir dich bringen?
Wir bringen nicht nur ein Kind zu Gott, sondern wir bringen auch all das mit zu Gott, was uns mit diesem Kind an eigenen Gedanken, Hoffnungen und Wünschen, aber auch Ängsten und Sorgen verbindet.
Wohin geht der Weg, was wird aus diesem Kind werden? Wie wird sich das Leben dieses kleinen Mädchens entwickeln? Wie wird sie all das meistern, was an guten und schwierigen Tagen auf sie zukommt?
Wie werden Sie all das meistern, was als Eltern auf Sie zukommt? Werden Sie den eigenen und fremden Anforderungen gerecht? Werden Sie guten Eltern für ihr Kind sein, obwohl es sicher auch schwer ist, den Begriff "gute Eltern" wirklich sinnvoll zu füllen. Aber wir verbinden ja doch etwas damit, dass wir Eltern sind und Eltern sein wollen.
Und auch Sie als Paten bringen sicher viele Gedanken mit für das Leben von Viktoria und für das Amt, das sie übernommen haben. Auch da mischen sich Freude und Unsicherheit bezüglich dessen, was dieses Amt ausmacht.
Und all das, was uns also bewegt als Eltern, Paten und auch Großeltern und anderen Verwandten das bringen wir hier mit in die Kirche und bringen es vor Gott.
Und all das findet auch Platz in dem Taufwort von Viktoria: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.
Gottes Wort ist Lebensbegleitungswort. Gottes Wort will durch das Leben führen, will das Leben leiten und erhellen.
Diese Wort fällt allerdings nicht vom Himmel und ist da, wenn man es braucht. Das wäre zwar schön, aber so ist es nicht. Gottes Wort kann diese Funktion nur übernehmen, wenn wir uns diesem Wort aussetzen und anvertrauen.
Und damit sind wir angesichts des Taufwortes für Viktoria bei der ersten wichtigen Aufgabe für alle, die Verantwortung für dieses kleine Leben übernehmen. Und diese Aufgabe lautet: sich selber dem Wort Gott stellen.
Als Eltern und Paten und als Kirchengemeinde wollen wir den Getauften von diesem Wort weitergeben. Das können wir nur richtig tun, wenn auch wir unser Leben mit diesem Wort konfrontieren. Und das heißt, wenn wir unser Leben mit der biblischen Botschaft konfrontieren, denn in der biblischen Botschaft wird Gottes Wort lebendig.
Und wenn ich meine Bibel aufschlage, dann lese ich als erstes: die Welt, in der wir leben ist von Gott, sie liegt in seiner Hand und er hat sie gut und nützlich für den Menschen gestaltet. Und Gottes Segen liegt auf den Menschen. Toll, ich bin Gottes Geschöpf in einer von ihm getragenen Welt. Und Gott überträgt mir darin Aufgaben, ich darf mit helfen, diese Welt lebendig zu erhalten und sie zu bewahren. Freude an der Welt, Dankbarkeit für das, was Gott uns da in die Hand gegeben hat, Sorgfalt im Umgang mit dieser Schöpfung, Verantwortung für die Zukunft dieser Welt, all das liegt in der ersten Geschichte der Bibel verborgen und das ist etwas, das wir unseren Kindern weitergeben können und wovon wir selber dankbar leben können.
Und dann schlage ich die nächste Geschichte auf. Da geht es um Adam und Eva und die Sache mit den verbotenen Früchten. Ich lese davon, dass die Schuld von Adam und Eva nicht anerkannt wird, sondern einer schiebts dem anderen in die Schuhe. Ich war's nicht, da war der und der. Sie werden es erleben, ich erlebe es bei meinen Kindern tagtäglich: Schuld eingestehen, zu ihr stehen, das fällt schwer. Und auch uns Erwachsenen fällt das schwer. Gott hatte bei Todesstrafe verboten, vom Baum zu essen. Er lässt Gnade walten und schenkt neue, wenn auch schwierige Lebensmöglichkeiten. Wie gehen wir um mit Schuld in unserem Leben, wie können wir es schaffen, dass wir Fehler eingestehen, zu ihnen stehen und anderen auch Fehler zugestehen? Grundfragen des Lebens, Grunderfahrungen von Kindern, die von uns lernen. Und sie lernen an uns, was Gottes Wort in solchen Situationen zu sagen hat und wonach sie sich richten können.
Und dann kommt schon gleich die Sache mit Kain und Abel, Hass und Neid zwischen den Menschen und der erste Mord. Hass, Gegnerschaft, Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Krieg. Auch hier werden wir mit dem Leben des Menschen konfrontiert so, wie es nun einmal ist. Gott fragt nach unserer Verantwortung für den Nächsten, er fragt danach, wie wir miteinander umgehen. Aber er verurteilt nicht, er lässt auch den Mörder nicht aus seinem Schutz. Was geben wir weiter, um die Verantwortung des Menschen für den Menschen in unseren Kindern zu stärken.
Und ein wenig weiter wird von Abraham erzählt: der sollte auf das Geheiß Gottes in ein fremdes Land ziehen. Ohne Sicherheiten, ohne Ziel, ohne konkretes vor Augen verließ er sich einfach auf Gottes Versprechen ihn zu leiten. Taufe ist auch nichts anderes als der Anfang des unbekannten Weges mit Gott, dem wir uns anvertrauen in der Hoffnung, dass dieser Weg gut wird.
Und dann erzählt die Bibel von Lebensregeln, den Geboten, die das Leben mit Gott und das Leben der Menschen untereinander regeln. Hilfreiche Regeln, die dazu dienen, dass wir Menschen einander achten in den Grundfragen des Lebens. Und unsere Gesetze sind bis heute davon bestimmt. Es sind als Regeln, die nicht nur den Konfirmandenunterricht belasten, sondern helfen wollen, dass unser Leben in dieser Welt mit anderen gelingt. Gottes Wort für eine gute Gemeinschaft der Menschen, in die hinein wir Viktoria begleiten.
Und dann lese ich von Jesus von Nazareth, der von den Christen als das lebendige Wort Gottes geschrieben wird. Sein Leben und Handeln zeigt, wie Gott für uns Menschen da sein will, wie er uns hilft, das Leben zu gestalten. Wir hören von Vergebung trotz großer Schuld, von Liebe auch zum Feind, von der Gegenwart Gottes mitten im größten Leid und von der Hoffnung die den Tod übersteigt.
All das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem dicken Buch Bibel, aus der Heiligen Schrift, die wir eben auch Gottes Wort nennen. Wenn wir diesen Geschichten begegnen, mögen wir an vielen Stellen auch unsere Fragen haben, Zweifel, die uns begleiten, Erfahrungen, die manchen dieser Glaubensgedanken auch entgegenstehen. Aber das ist gut so, wenn dies in uns auftaucht. Gottes Wort wird nicht lebendig in der blinden Übernahme irgendwelcher Geschichten und Gedanken, sondern in der lebendigen Auseinandersetzung mit diesen Geschichten und Gedanken. Unsere Fragen und Zweifel führen uns in einen inneren Dialog mit diesem Wort und damit auch in eine intensive Begegnung mit dem Gott, dem wir uns anvertrauen. Und nur dort, wo wir in eigener Auseinandersetzung unsere Beziehung gefunden haben, da können wir auch unseren Kindern wirklich lebendig etwas davon weitergeben, so dass sie selber sich von diesem Wort leiten lassen können.
Viktorias Taufspruch ist somit Aufgabe an sie als Eltern und Paten, aber sicher auch Aufgabe für uns alle, dass wir uns diesem Wort aussetzen und es als Lebensbegleitung, als Lebensermutigung und als Lebenshoffnung begreifen und annehmen lernen. Und wo wir das tun, werden wir sicher das zutiefst hoffnungsvolle dieses Taufwortes erkennen: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen. Denn es zeigt, dass wir in unserem Leben nicht im Dunkeln tappen müssen, dass wir auf unseren Wegen immer ein Licht haben, dem wir uns anvertrauen können, und sei es noch so dunkel um uns. Wenn wir erst im Dunkeln nach dem Wort suchen, ist es schwer, es zu finden. Es schon gefunden zu haben hilft, in Freude und Leid diesem Licht zu folgen, um auf dem Weg des Lebens zu bleiben.
Kind du bist uns anvertraut, wozu werden wir dich bringen? Hoffentlich dazu, in Gottes Wort Hilfe und Zuversicht für das Leben zu finden. Dabei wissen wir, dass das Leben als solches alles Seiten zeitigen wird, da wird es gutes und Schwieriges geben, Helles und Dunkles. Aber wo wir uns mit Gott verbunden wissen, da dürfen wir auch darauf vertrauen, dass unser Leben niemals entgleitet und haltlos wird. Wir haben einen Gott, der für uns da ist, der durchs Leben führt und Anteil nimmt. Und das unseren Kindern weiterzugeben ist mehr als vieles andere, was wir für sie tun. In diesem Sinne möge Gottes Wort uns allen unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unseren Wegen sein.
Amen.

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Liturgischer Ablauf



Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 449, 1, 2, 4, 8
aus Psalm 119 EG 748
Eingangsliturgie - Gebet:
EGb S. 367 - 1. Gebet
Lesung: Lk 8, 4-15
Lied: Kind du bist uns anvertraut
Taufe
Lied: 200, 1,2,4
Predigt
Lied: 196,1,2,5,6
Abkündigungen - 99 - Fürbittengebet:
Gott, in der Taufe haben wir dir ein Kind in deine Hände gelegt, das du uns anvertraut hast. Wir bitten dich darin, dass du uns hilfreich bist, wenn wir dieses Kind ins Leben begleiten. Lass uns dabei dein Wort hören, auf dass wir in Viktoria Vertrauen ins Leben und zu dir schaffen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Als Eltern und Paten bitten wir dich, öffne unsere Herzen und Sinne für dein Wort, dass wir davon leben und es weitergeben im Alltag unseres Lebens. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für Viktoria, dass ihre Zukunft fröhlich und freudig sein möge, dass sie ihr Leben mit allen Seiten dankbar annehmen kann und immer Menschen an der Seite hat, die dein Wort lebendig machen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns alle, dass wir von deinem Wort leben, dass es unser Leben belebt, stärkt und hoffnungsfroh macht. Hilf uns dazu, dass wir offen sind für dein Wort und es nicht ersticken durch die Worte dieser Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir vertrauen dir all unsere Gedanken und Gefühle, unsere Freuden und Sorgen an, die wir in diesen Gottesdienst mitgebracht haben. Nimm du es in deine Hände und handle nach deinem Willen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser - Segen
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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
  9.So.n.Trin
28.7.2002
Liturgischer
Ablauf
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