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Gottesdienst mit Taufe, die im Mittelpunkt steht.
Als Lebenswort zur Taufe haben wir Viktoria einen Vers aus dem längsten
Psalm der Bibel mitgegeben: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein
Licht auf meinen Wegen.
Wenn wir als Eltern unser Kind zur Taufe bringen, so steckt in diesem
Akt sehr sehr viel mehr drin, als nur die Feier eines traditionellen
Ereignisses. Ich denke, nach der Geburt und den Monaten des Lebens ist
die Taufe immer ein Akt des Innehaltens. Nach der Zeit der Gewöhnung an
das Kind und die veränderten Lebensumstände ist die Zeit der Taufe eine
Zeit der inneren Besinnung auf das Kind. Und da steht im Vordergrund
doch das, was wir auch im Lied besungen haben: Kind, du bist uns
anvertraut, wozu werden wir dich bringen?
Wir bringen nicht nur ein Kind zu Gott, sondern wir bringen auch all das
mit zu Gott, was uns mit diesem Kind an eigenen Gedanken, Hoffnungen und
Wünschen, aber auch Ängsten und Sorgen verbindet.
Wohin geht der Weg, was wird aus diesem Kind werden? Wie wird sich das
Leben dieses kleinen Mädchens entwickeln? Wie wird sie all das meistern,
was an guten und schwierigen Tagen auf sie zukommt?
Wie werden Sie all das meistern, was als Eltern auf Sie zukommt? Werden
Sie den eigenen und fremden Anforderungen gerecht? Werden Sie guten
Eltern für ihr Kind sein, obwohl es sicher auch schwer ist, den Begriff
"gute Eltern" wirklich sinnvoll zu füllen. Aber wir verbinden ja doch
etwas damit, dass wir Eltern sind und Eltern sein wollen.
Und auch Sie als Paten bringen sicher viele Gedanken mit für das Leben
von Viktoria und für das Amt, das sie übernommen haben. Auch da mischen
sich Freude und Unsicherheit bezüglich dessen, was dieses Amt ausmacht.
Und all das, was uns also bewegt als Eltern, Paten und auch Großeltern
und anderen Verwandten das bringen wir hier mit in die Kirche und
bringen es vor Gott.
Und all das findet auch Platz in dem Taufwort von Viktoria: Dein Wort
ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen.
Gottes Wort ist Lebensbegleitungswort. Gottes Wort will durch das Leben
führen, will das Leben leiten und erhellen.
Diese Wort fällt allerdings nicht vom Himmel und ist da, wenn man es
braucht. Das wäre zwar schön, aber so ist es nicht. Gottes Wort kann
diese Funktion nur übernehmen, wenn wir uns diesem Wort aussetzen und
anvertrauen.
Und damit sind wir angesichts des Taufwortes für Viktoria bei der ersten
wichtigen Aufgabe für alle, die Verantwortung für dieses kleine Leben
übernehmen. Und diese Aufgabe lautet: sich selber dem Wort Gott stellen.
Als Eltern und Paten und als Kirchengemeinde wollen wir den Getauften
von diesem Wort weitergeben. Das können wir nur richtig tun, wenn auch
wir unser Leben mit diesem Wort konfrontieren. Und das heißt, wenn wir
unser Leben mit der biblischen Botschaft konfrontieren, denn in der
biblischen Botschaft wird Gottes Wort lebendig.
Und wenn ich meine Bibel aufschlage, dann lese ich als erstes: die Welt,
in der wir leben ist von Gott, sie liegt in seiner Hand und er hat sie
gut und nützlich für den Menschen gestaltet. Und Gottes Segen liegt auf
den Menschen. Toll, ich bin Gottes Geschöpf in einer von ihm getragenen
Welt. Und Gott überträgt mir darin Aufgaben, ich darf mit helfen, diese
Welt lebendig zu erhalten und sie zu bewahren. Freude an der Welt,
Dankbarkeit für das, was Gott uns da in die Hand gegeben hat, Sorgfalt
im Umgang mit dieser Schöpfung, Verantwortung für die Zukunft dieser
Welt, all das liegt in der ersten Geschichte der Bibel verborgen und das
ist etwas, das wir unseren Kindern weitergeben können und wovon wir
selber dankbar leben können.
Und dann schlage ich die nächste Geschichte auf. Da geht es um Adam und
Eva und die Sache mit den verbotenen Früchten. Ich lese davon, dass die
Schuld von Adam und Eva nicht anerkannt wird, sondern einer schiebts dem
anderen in die Schuhe. Ich war's nicht, da war der und der. Sie werden
es erleben, ich erlebe es bei meinen Kindern tagtäglich: Schuld
eingestehen, zu ihr stehen, das fällt schwer. Und auch uns Erwachsenen
fällt das schwer. Gott hatte bei Todesstrafe verboten, vom Baum zu
essen. Er lässt Gnade walten und schenkt neue, wenn auch schwierige
Lebensmöglichkeiten. Wie gehen wir um mit Schuld in unserem Leben, wie
können wir es schaffen, dass wir Fehler eingestehen, zu ihnen stehen und
anderen auch Fehler zugestehen? Grundfragen des Lebens, Grunderfahrungen
von Kindern, die von uns lernen. Und sie lernen an uns, was Gottes Wort
in solchen Situationen zu sagen hat und wonach sie sich richten können.
Und dann kommt schon gleich die Sache mit Kain und Abel, Hass und Neid
zwischen den Menschen und der erste Mord. Hass, Gegnerschaft,
Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Krieg. Auch hier werden wir mit dem
Leben des Menschen konfrontiert so, wie es nun einmal ist. Gott fragt
nach unserer Verantwortung für den Nächsten, er fragt danach, wie wir
miteinander umgehen. Aber er verurteilt nicht, er lässt auch den Mörder
nicht aus seinem Schutz. Was geben wir weiter, um die Verantwortung des
Menschen für den Menschen in unseren Kindern zu stärken.
Und ein wenig weiter wird von Abraham erzählt: der sollte auf das Geheiß
Gottes in ein fremdes Land ziehen. Ohne Sicherheiten, ohne Ziel, ohne
konkretes vor Augen verließ er sich einfach auf Gottes Versprechen ihn
zu leiten. Taufe ist auch nichts anderes als der Anfang des unbekannten
Weges mit Gott, dem wir uns anvertrauen in der Hoffnung, dass dieser Weg
gut wird.
Und dann erzählt die Bibel von Lebensregeln, den Geboten, die das Leben
mit Gott und das Leben der Menschen untereinander regeln. Hilfreiche
Regeln, die dazu dienen, dass wir Menschen einander achten in den
Grundfragen des Lebens. Und unsere Gesetze sind bis heute davon
bestimmt. Es sind als Regeln, die nicht nur den Konfirmandenunterricht
belasten, sondern helfen wollen, dass unser Leben in dieser Welt mit
anderen gelingt. Gottes Wort für eine gute Gemeinschaft der Menschen, in
die hinein wir Viktoria begleiten.
Und dann lese ich von Jesus von Nazareth, der von den Christen als das
lebendige Wort Gottes geschrieben wird. Sein Leben und Handeln zeigt,
wie Gott für uns Menschen da sein will, wie er uns hilft, das Leben zu
gestalten. Wir hören von Vergebung trotz großer Schuld, von Liebe auch
zum Feind, von der Gegenwart Gottes mitten im größten Leid und von der
Hoffnung die den Tod übersteigt.
All das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem dicken Buch Bibel, aus
der Heiligen Schrift, die wir eben auch Gottes Wort nennen. Wenn wir
diesen Geschichten begegnen, mögen wir an vielen Stellen auch unsere
Fragen haben, Zweifel, die uns begleiten, Erfahrungen, die manchen
dieser Glaubensgedanken auch entgegenstehen. Aber das ist gut so, wenn
dies in uns auftaucht. Gottes Wort wird nicht lebendig in der blinden
Übernahme irgendwelcher Geschichten und Gedanken, sondern in der
lebendigen Auseinandersetzung mit diesen Geschichten und Gedanken.
Unsere Fragen und Zweifel führen uns in einen inneren Dialog mit diesem
Wort und damit auch in eine intensive Begegnung mit dem Gott, dem wir
uns anvertrauen. Und nur dort, wo wir in eigener Auseinandersetzung
unsere Beziehung gefunden haben, da können wir auch unseren Kindern
wirklich lebendig etwas davon weitergeben, so dass sie selber sich von
diesem Wort leiten lassen können.
Viktorias Taufspruch ist somit Aufgabe an sie als Eltern und Paten, aber
sicher auch Aufgabe für uns alle, dass wir uns diesem Wort aussetzen und
es als Lebensbegleitung, als Lebensermutigung und als Lebenshoffnung
begreifen und annehmen lernen. Und wo wir das tun, werden wir sicher das
zutiefst hoffnungsvolle dieses Taufwortes erkennen: Dein Wort ist meines
Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen. Denn es zeigt, dass wir in
unserem Leben nicht im Dunkeln tappen müssen, dass wir auf unseren Wegen
immer ein Licht haben, dem wir uns anvertrauen können, und sei es noch
so dunkel um uns. Wenn wir erst im Dunkeln nach dem Wort suchen, ist es
schwer, es zu finden. Es schon gefunden zu haben hilft, in Freude und
Leid diesem Licht zu folgen, um auf dem Weg des Lebens zu bleiben.
Kind du bist uns anvertraut, wozu werden wir dich bringen? Hoffentlich
dazu, in Gottes Wort Hilfe und Zuversicht für das Leben zu finden. Dabei
wissen wir, dass das Leben als solches alles Seiten zeitigen wird, da
wird es gutes und Schwieriges geben, Helles und Dunkles. Aber wo wir uns
mit Gott verbunden wissen, da dürfen wir auch darauf vertrauen, dass
unser Leben niemals entgleitet und haltlos wird. Wir haben einen Gott,
der für uns da ist, der durchs Leben führt und Anteil nimmt. Und das
unseren Kindern weiterzugeben ist mehr als vieles andere, was wir für
sie tun. In diesem Sinne möge Gottes Wort uns allen unseres Fußes
Leuchte und ein Licht auf unseren Wegen sein.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 449, 1, 2, 4, 8
aus Psalm 119 EG 748
Eingangsliturgie - Gebet:
EGb S. 367 - 1. Gebet
Lesung: Lk 8, 4-15
Lied: Kind du bist uns anvertraut
Taufe
Lied: 200, 1,2,4
Predigt
Lied: 196,1,2,5,6
Abkündigungen - 99 - Fürbittengebet:
Gott, in der Taufe haben wir dir ein Kind in deine Hände gelegt, das du
uns anvertraut hast. Wir bitten dich darin, dass du uns hilfreich bist,
wenn wir dieses Kind ins Leben begleiten. Lass uns dabei dein Wort
hören, auf dass wir in Viktoria Vertrauen ins Leben und zu dir schaffen.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Als Eltern und Paten bitten wir dich, öffne unsere Herzen und Sinne für
dein Wort, dass wir davon leben und es weitergeben im Alltag unseres
Lebens. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für Viktoria, dass ihre Zukunft fröhlich und freudig sein
möge, dass sie ihr Leben mit allen Seiten dankbar annehmen kann und
immer Menschen an der Seite hat, die dein Wort lebendig machen. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns alle, dass wir von deinem Wort leben, dass es unser
Leben belebt, stärkt und hoffnungsfroh macht. Hilf uns dazu, dass wir
offen sind für dein Wort und es nicht ersticken durch die Worte dieser
Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir vertrauen dir all unsere Gedanken und Gefühle, unsere Freuden und
Sorgen an, die wir in diesen Gottesdienst mitgebracht haben. Nimm du es
in deine Hände und handle nach deinem Willen. Darum rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Vaterunser - Segen
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