| Predigt |
AT |
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Ich bin ein großer Freund der Psalmen. Und seit einiger Zeit haben ja die Psalmen auch wieder größere Bedeutung in unsern Gottesdiensten gewonnen, dadurch, dass wir zu Beginn eines jeden Gottesdienstes einen Psalm beten. Das Buch der Psalmen hat einen reichen Schatz von Gebeten, die uns in unserem Leben begleiten können. Sie fassen die verschiedensten Lebenssituationen in Worte und bieten uns so eine Sprache des Gebetes an, die wir jeweils neu mit unseren ganz persönlichen Gedanken füllen können. Und so möchte ich auch heute morgen einen Psalm auslegen, der dem Osterfest zugeordnet ist. Dieser Text ist ohne Wissen des Osterereignisses verfasst worden, er wurde auch ohne Ostern gebetet. Und doch liegen in diesem Psalm alle Gedanken beschlossen, die das Lob des Osterfestes zum Ausdruck bringen. Und so möchte ich dieses Psalm von den Gedanken des Ostermorgens her auslegen. Zunächst aber die Worte des Textes: Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil. Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen. Ich danke dir, daß du mich erhört hast und hast mir geholfen. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. Dies ist der Tag, den der HERR macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Ostern – Fest des Lebens über den Tod, Fest der Menschenfreundlichkeit Gottes über Leiden und Tod hinweg. Angstvoll gingen die Frauen zum Grab, wollten dem Gehängten einen letzten Liebesdienst erweisen und es wurde zum Anfang eines ganz neuen Lebens. Die Botschaft: er ist auferstanden, nahm seinen Lauf in die Welt. Gott ist stärker als der Tod, Jesus lebt und seine Botschaft mit ihm. Jesus lebt, mit ihm auch ich – so drückt es ein Liedvers aus. Grund zum Dank, Grund dafür, Gott als freundlich, den Menschen zugewandt zu loben und zu Preisen. Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil. Auferstehung, das heißt, die alles in Frage stellende Macht des Todes ist zu Ende. Der Tod hat keine Macht über mein Leben. Die Jünger haben es erlebt, als sie mitten in ihrer Trauer und Angst diese Botschaft gehört haben, als sie es erlebt haben, dass Jesus nach dem Tod wieder begegnet. Der Glaube sieht in diesem Ereignis die größte Macht dieser Welt in den Händen Gottes. Wie oft leben wir schon mitten im Leben im Tod, glauben, dass alles vorbei ist, dass unser Leben nicht weitergeht, leben so, als ob wir schon in einer Höhle sind, wo der Stein davor ist und der Weg ins Leben abgeschnitten. Christliche Hoffnung, die sich auf Ostern gründet, lebt davon, dass sie nicht der vernichtenden Macht des Todes das Feld überläßt, sondern der lebenschaffenden Macht Gottes, der die Steine von den Grabeshöhlen des Lebens beiseite rollt, damit wir leben können, damit wir uns nicht verschließen im Unheil der selbstgeschaufelten Gräber oder der Sackgasse von Schicksalsschlägen. Der Herr ist meine Macht und mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg! Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg! Er sitzt zur Rechten Gottes zu richten die Lebenden und die Toten. Der Sieg Jesu über die menschlichen Vernichtungsgedanken feiern wir an Ostern. Die Menschen konnten es nicht ertragen, dass da einer ist, der Liebe predigt, der Menschenfreundlichkeit an den Tag legt, der knechtende Ordnungen beiseite schiebt, der die Ausgestoßenen wieder reinholt in die Gemeinschaft, der Feindesliebe predigt und so die Welt auf den Kopf stellt. Die Menschen wollten das Sagen haben und dann kam einer und meinte, dass Gott das Sagen habe. So einer muss weg, dachte sie und taten, was Menschen eben tun. Und Gott tat, was Menschen sehr oft nicht tun: er schafft Leben. Die Rechte des Herrn behält den Sieg. Jesus wird auferweckt, sein Leben wird erneuert, ja er wird zur Rechten Gottes erhoben. Und mit ihm wird seine Botschaft auferweckt, erneuert, aufgerichtet zu einer Botschaft des Lebens und des Heiles für alle Menschen. Es ist und bleibt Gottes Botschaft des Lebens für die Menschen, lebendig in Jesus Christus, lebendig im Glauben derer, die diesen Jesus Christus als Herrn, als Gottes Sohn und Menschenbruder und glauben und ihm vertrauen.
Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. Auferstehung – das ist die Botschaft, dass wir nicht untergehen. Nichts in unserem Leben kann uns so einengen, dass Gott nicht dennoch daraus Leben schaffen kann. Ostern heißt: du darfst leben, du kannst die Grenzen deines Lebens überschreiten, und du hast eine Hoffnung, die auch der Tod nicht zunichte machen kann. Deshalb schauen wir Christen nach vorne, ins Leben, versuchen alles todbringende zu überwinden und setzten unsere Hoffnung darauf, dass Gott uns dabei hilft und unser Leben immer wieder erneuert. Manchmal ist das schwer, weil große Lasten auf uns liegen, weil das Leben nicht so lebensvoll aussieht, wie wir uns das wünschen. Das benennt auch unser Psalm: Der HERR züchtigt mich schwer; Auch die Menschen der Bibel kennen das Leben, sie leben nicht in einer heilen Welt. Auch der Glaubende des alten Bundes wusste, dass dieser Glaube ihn nicht den negativen Seiten des Lebens entnimmt. Und so geht das auch den Menschen des neuen Bundes. So wie Jesus Christus den Weg des Leidens gegangen ist, so sind auch wir dem Leiden ausgesetzt, auf vielfältige Weise. Jeder trägt auch sein eigenes Kreuz. Aber dank Ostern können wir den zweiten Teil dieses Satzes auch wieder mitsprechen: aber er gibt mich dem Tode nicht preis. Gott lässt den Menschen nicht im Stich. Jesus Christus ist den Weg des Leidens bis in den Tod gegangen. Ja er hat selbst die ganze Gottverlassenheit erlebt, die wir Menschen in solchen Situationen in uns spüren. Und dann gab es eine Zeit, da gar nichts geschah. Stille, Grabesstille, die kaum auszuhalten war, die die ganze Not im Leid noch einmal festzuschreiben schien. Bis dann die rettenden Worte in der Welt waren: er ist auferstanden. Gott gibt weder seinen Sohn noch sonst einen Menschen wirklich dem Tode preis. Er will, dass wir leben, dass wir verbunden sind mit ihm und seiner Kraft. Das hat er in Jesus gezeigt. Und auch wenn wir von Leid und Tod begleitet sind, wir müssen ja alle einmal sterben, so liegt darin doch die Hoffnung, dass wir nicht ohne Gott sterben, sondern zu ihm hin, auf ihn zu sterben und so in ihm letzte Geborgenheit haben. Und darauf dürfen wir schon in diesem Leben hoffen, damit können wir die kleinen Tode unseres Lebens überwinden. Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, daß ich durch sie einziehe und dem HERRN danke. Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen. Ich danke dir, daß du mich erhört hast und hast mir geholfen. Jesus Christus ist dieses Tor, durch ihn haben wir Zugang zu diesem Leben – hier in diesseits genauso wie im Jenseits. Dafür können wir dankbar sein, deshalb wollen wir fröhlich Ostern feiern. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Jesus Christus ist von den Menschen ans Kreuz gehängt, sie wollten ihn loswerden, um nach eigenen Gedanken leben zu können. Doch dieser Stein, den die Bauleute da verworfen haben, der ist zu einem Grundstein eines neuen Gebäudes geworden. Zum Grundstein der christlichen Kirche, zum Eckpfeiler des Glaubens an ein Leben, das von Gott her über alle menschlichen Begrenzungen hinweg getragen ist. Sich auf diesen Eckstein zu gründen, von ihm her das eigene Haus des Lebens zu gestalten, heißt, sein Haus auf einen Felsen gebaut zu haben, so dass es von den Stürmen des Lebens nicht umgehauen werden kann. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen. So drückt es der 118. Psalm aus und spricht damit aus, was wir Christen glauben. Dies ist der Tag, den der HERR macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein. Ostern, das ist Gottes Geschenk des Lebens für uns alle. Ostern, das ist das Fest der Freude über alles Leid hinweg. Darum wollen wir fröhlich sein, wollen das von Gott geschenkte Leben dankbar annehmen. Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Amen. |
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