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Psalm 91

Die Psalmen gehören mit zu den schönsten Texten der Bibel. Heute soll ein etwas unbekannter, aber doch immer wieder bedeutsamer Psalm Grundlage der Predigt sein. Wir haben ihn schon am Anfang miteinander gesprochen, der Psalm 91.

Mit einem Satz daraus wird auch Jesus konfrontiert: Wenn du Gottes Sohn bist, dann wirf dich von dieser Zinne herab, denn es heißt doch in den Psalmen: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Jesu Antwort: du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen.

Doch bevor wir uns diesem Psalm nähern, ein paar allgemeine Informationen.

Über die Entstehung der meisten Psalmen weiß man nichts. Sie sind oft so allgemein gehalten, dass es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, wo, wann und durch wen ein solches Gebet entstanden ist. Oft genug ist man da nur auf Vermutungen angewiesen. So ist das auch beim 91. Psalm. Eine der Vermutungen, für die einiges spricht, ist, dass es sich in diesem Psalm weniger um ein Lied oder Gebet in unserem Sinne handelt, sondern um einen liturgischen Zuspruch für einen bedrohten Menschen. Der Tempel in Jerusalem war für viele Menschen ein Zufluchtsort: sei es für Verfolgte, für Asylsuchende, aber auch vom Lebensschicksal bedrohte, also für Kranke, die nach Heilung suchen. Hier scheint ein Mensch nun in diesem Schutz- und Asylbereich des Tempels zu sein, wo er seine Not geschildert hat. Und dort erhält er diese Antwort des 91. Psalmes, die ich nun einmal durchbuchstabieren möchte.

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Unter dem Schirm des Höchsten, im Schatten des Allmächtigen zu sein, das war für den Ratsuchenden wichtig, deshalb ist er ja in den Tempel gekommen. Gott breitet einen schützenden Schirm aus. Gemeint ist damit der Geborgenheitsbereich unter den ausgeschwungenen Kerubenflügeln im Allerheiligsten. Diese Engelfiguren machen das Beschirmen Gottes deutlich. Sie werfen einen Schatten, der das unerträgliche Licht der Heiligkeit Gottes bricht und darin gleichzeitig deutlich werden lässt, wir stehen im Lichte unseres Gottes. Du bist bei Gott, du bist hier geborgen, hier ist der Ort, wo du Sicherheit finden kannst, so wird dem Ratsuchenden ermutigend zugesprochen. Dies scheint nun sehr allgemein zu klingen, fast wie eine objektive, theologische Aussage. Aber der Psalm zeigt, dass es darum nicht geht. Wer in diesen Bereich hineinkommt, der spricht: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

In dieser Situation geht es nicht um eine allgemeine Gottesaussage oder um eine theologische Richtigkeit. Es geht um ein ganz persönliches Bekenntnis: meine Zuversicht, meine Burg, mein Gott. Hier wird deutlich, dass Glaube eben nicht darin besteht in allgemeinen Sätzen von einem Gott zu reden, der irgendwie alles in der Hand hat und diese Welt schon irgendwie beschirmt und beschattet, sondern es geht um den ganz persönlichen Glauben, um das Bekenntnis des ganz persönlichen Vertrauens.

Am deutlichsten wird dies, wenn an dieser Stelle Kinder getauft werden. Der persönliche Glaube der Eltern führt dazu, dass sie ihr Kind zur Taufe tragen. Es ist ihnen wichtig, dass das Kind sichtbar und fühlbar unter den Schutz und Schirm des Höchsten gestellt wird. Es soll am Anfang und für alle Zeit unter diesem guten Geleit stehen.

Für das Kind ist das zunächst einmal nur eine äußere Zusage, die wohl ihre Bedeutung hat, aber die doch erst im Laufe des Lebens lebendig wird, wenn das Kind diese Zusage als eigenes Angesprochensein erlebt. Eltern, Paten und wir Christen sind wir aufgefordert, diese äußere Zusage im Leben so lebendig zu machen, dass Vertrauen wachsen kann, so dass der oder die Getaufte dann hoffentlich irgendwann sagen kann: Ja, Gott ist meine Zuversicht, meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Und das gilt für jeden von uns. Leben im Glauben ist ein Leben in der ganz persönlichen Gewissheit, dass Gott mein Gott ist, ein Gott, der für mich persönlich da ist, auf den ich für mich hoffen kann. Das schließt die anderen Menschen nicht aus diesem Glaubensleben aus, wenn ich das so ganz persönlich formuliere, aber der Glaube lebt nicht aus objektiver Wahrheit, sondern er lebt aus persönlicher Gewissheit. Und zu dieser Gewissheit will uns der Psalm am Anfang der Passionszeit ermutigen, dieses Gewissheit will er stärken. Und er tut es mit den nun folgenden Aussagen.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.  Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,  vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt. Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

Mit sehr allgemeinen Bildern wird hier deutlich gemacht, was Gott ausrichtet. Es ist so allgemein gehalten, damit viele Menschen sich mit ihren ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen und mit ihrem ganz konkreten Leid darin wiederfinden können. Stricke des Jägers, damit sind Netze gemeint, die um Menschen gesponnen werden. Das können Gerüchte sein, Verleumdungen, Verfluchungen, Angriffe jeglicher Art, in denen Menschen eingefangen werden und dem schutzlos ausgeliefert sind. Wir kennen so etwas alle. Vor Gott jedoch haben die Angriffe, Verleumdungen und Verfluchungen keine Bedeutung, denn Gott kennt uns und sieht uns an wie wir sind, natürlich auch mit all unseren problematischen Seiten. Doch er treibt uns damit nicht in die Enge, wie es die Netze der Menschen tun, sondern er will uns zum Leben führen. Zuflucht bei ihm haben und nehmen, bedeutet deshalb, sich selber mit den Augen Gottes sehen, sich angenommen wissen und neuen Raum zum Leben erkennen.

Grauen der Nacht, Pfeile, die des Tages fliegen, Krankheiten, die im Finstern schleichen, Verderben, das in der Mitte des Tages kommt. Dahinter stehen auf der einen Seite Gedanken an dämonische Mächte, die in damaliger Zeit unter den Menschen lebendig waren. Doch auch wir heute wissen, wie angstvoll Nächte sein können, wie sehr uns am Tage Pfeile von Menschen treffen und zunichte machen können. Psychischer Druck, unerkannte, schleichende Krankheiten, die uns wie aus dem Dunkel plötzlich überfallen, können sich hinter diesen Bildern verbergen. Und selbst mitten am Tage müssen wir stets damit rechnen, dass uns ein böses Schicksal ereilt.

Der Psalm sagt: du musst dich davor nicht erschrecken, du hast Zuflucht bei Gott. Wir können in allem Zuversicht haben. Gerade auch als solche, die wir durch die Taufe mit Jesus Christus verbunden sind. Auf diesem Hintergrund kann Paulus das sagen, was wir vorhin gehört haben: Wer will uns scheiden von der  Liebe Christi. Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Das ist die persönliche Gewissheit des Glaubens, die sich ganz unter dem Schirm Gottes weiß.

Nicht jeder Satz des Psalmes ist direkt anzunehmen. Dem nächsten Satz möchten wir vermutlich widersprechen.

Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen. Wir erleben doch ständig das Gegenteil, dass wir eben doch geplagt werden, dass wir dem Übel doch immer wieder begegnen. Ich kann und will das gar nicht beiseite reden, ich selber erlebe das ja an mir selber auch, wie mich solches betrifft und fragen lässt. Und doch möchte ich an den Worten festhalten, festhalten in dem Sinne, dass uns in der Gegenwart Gottes, in der Gewissheit des Glaubens, kein wirklich vernichtendes Übel begegnet und keine Plage, die mich wirklich vollends zunichte macht. In der Gewissheit des Glaubens darf ich mich auch inmitten aller Bedrohungen bis in den eigenen Tod hinein getragen wissen von der Macht des Lebens, die der Macht des Lebensfeindlichen entgegensteht. Gottes Macht ist stärker als die Mächte des Todes und das gilt, auch wenn wir das innerlich nicht erleben und spüren können. Deshalb ist es ja so wichtig, das uns dies von außen fest zugesagt wird, wie dem Hilfesuchenden im Tempel von Jerusalem. Aus uns selbst können wir keine Gewissheit empfangen, die kommt immer nur von außen, wird uns von anderen zugesprochen, auf dass wir damit weiter gehen können.

Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Das ist nun der Satz, den Jesus bei seiner Versuchung vor Augen geführt bekommen hat. Ein Vers, der jetzt erst kommt, nachdem das Leben als Ganzes, auch mit den Brüchen und Schwierigkeiten benannt ist. Jetzt heißt es: schau dein Leben an, auch wenn du noch so bedrängt bist: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.

Dies ist ein wunderbares Wort das hier gesagt ist. Uns wird zugesagt, dass wir als Menschen in unserem Leben nicht alleine gelassen werden. Der das Leben schenkt nimmt seine Verantwortung wahr. Er trägt das Leben, er begleitet es, und er sendet seine Engel.

Dabei geht es nicht um einen Freibrief für unvorsichtiges Handeln – die Engel werden es schon richten. Jesus hat das sehr deutlich beiseitegeschoben, als er sagte: du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Gott lässt sich nicht auf solche Spielchen ein. Dieser Satz die feste Zusage, dass Gott das Leben eines jeden will und dass er einen Raum eröffnet, in dem diese Leben sich entfalten kann, inmitten all dessen, was das Leben auch an Schwierigkeiten mit sich bringt. Gott räumt die Steine des Lebens nicht aus dem Weg, sie gehören zu unserem Leben dazu, aber er gibt auch Hilfe unterschiedlichster Art, an diesen Steinen nicht zu Fall zu kommen, sondern sie zu überwinden.

Am Schluss des Psalmes kommt direkte Rede Gottes: »Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen.  Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.«

Das ist die Verheißung, die uns hier zugesagt ist: ich bin gegenwärtig. Unter diesem Zuspruch können wir leben, mit diesem Zuspruch können wir auch in den dunklen Zeiten des Lebens nach vorne schauen, mit diesem Zuspruch und unserem Vertrauen können wir auch dem Anspruch unseres Gottes folgen, und nach seinem Willen leben. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: Herr, stärke mich, kein Leiden zu bedenken,  91,1-5

Psalm 91  EGNsB 736

Eingangsliturgie

Gebet

Gebet des Tages: Ewiger Gott, wir wissen, daß wir ohne dich nicht existieren können. Hilflos und schwach sind wir, wenn wir nur auf uns selber geworfen sind. Darum bitten wir dich, nimm dich unser väterlich an, halte eine schützende Hand über uns und unter uns. Das bitten wir durch Jesus Christus deinen Sohn, der....

Lesung: Röm 8, 31-39

Gesangverein

Lesung Mt 4, 1-11

Glaubensbekenntnis

Lied Ein feste Burg ist unser Gott  362

Predigt

Lied L 44

Abkündigungen

99

Gesangverein

Fürbittengebet:

Wir wollen beten zu Gott unserem Herrn:

für alle, die Angst haben in dieser Welt, die in Sorge sind um ihr Leben, um ihre Gesundheit, die bedrängt sind durch Krieg und Gefahr, dass sie Zuflucht finden bei Gott.

für alle Menschen die durch andere Menschen verfolgt, und bedrückt werden, dass sie an der Hoffnung festhalten können, und  Gottes Schutz und Schirm erkennen. Darum rufen wir zum Herrn: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die auf Reisen sind auf Straßen, Meeren und in der Luft, dass sie eine gute Heimkehr haben. Für alle, die in Gefahr geraten für Leib und Leben, dass sie ihr Vertrauen setzen auf den, der stärker ist als der Tod, Darum rufen wir zum Herrn: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die von der Taufe her leben, dass sie aus dem Geschenk der Zuwendung Gottes ein Leben lang schöpfen können, um die Zeiten des Lebens sinnvoll und fröhlich zu gestalten. Darum rufen wir zum Herrn: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für die eine Kirche Jesu Christi und die vielen Gemeinden in aller Welt, dass sie wissen, wer ihr Herr ist, dass sie das Wort vom Leben ausbreiten und damit das Leben vieler Menschen reich machen. Darum rufen wir zum Herrn: Herr, erbarme dich.

Stille

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
  Sonntag
10. 2. 2008
Liturgischer
Ablauf
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