|
|
|
Goldene Konfirmation in Groß Elbe / Gustedt, das heißt Erinnerung an die
Konfirmation vor 54 - 50 Jahren. Bei dieser Goldenen Konfirmation sind
die Konfirmationsjahrgänge 1951 - 1955 zusammengefasst, das heißt die
Geburtsjahrgänge von 1936 - 1941. Für den Rückblick auf ihre
Konfirmandenzeit, den Sie in Ihren Gesprächen am Mittagstisch ja schon
fröhlich begonnen haben, bedeutet dies, zurückzuschauen auf eine
bewegende Zeit.
Geboren sind sie kurz vor dem Krieg oder in den ersten Kriegsjahren. Sie
haben bewusst oder unbewusst das Leid des Krieges mitbekommen, an den
weinenden Gesichtern der Nachbarn oder in der eigenen Familie. Sie haben
zum Teil auch entbehrungsreiche Zeiten erlebt, auch wenn auf dem Land
der Hunger sicher nicht so groß war, wie in der Stadt. Sie gehören zu
der Generation, die dann aber schon nicht mehr selber in den Krieg
musste. Ihr Leben als Erwachsene begann nach der Währung in der Zeit des
Aufschwunges. Sie haben - ihren Weg in den letzten 50 Jahren in der
wirtschaftlich wachsenden Bundesrepublik oder an anderen Orten der Welt
gemacht. Durch die schwierige Zeit nach dem Krieg hindurch, ging der Weg
in das aufblühende Land. Wirtschaftswachstum, Arbeit für alle, das sind
äußere Kennzeichen eines Lebens, das sie für sich in der Regel nach
eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen gestalten konnten. Große
politische Ereignisse dieser 50 Jahre: Aufbau der Demokratie
Bundesrepublik Deutschland, 1962 Bau der Berliner Mauer und
Festschreibung der Deutschen Teilung. Einbindung der Bundeswehr in die
Nato, Einbezogensein in den Kalten Krieg, Aufbruch in ein neues Denken
in den 70er Jahren, Terrorismus und Gewalt in unserem Land. Der erste
Mensch auf dem Mond, Fernsehen in Schwarz-Weiß und Farbe auf, ein dann
zwei Programm und heute hundert Kanäle. Zusammenbruch der vom Osten
geprägten kommunistischen und sozialistischen Länder, Wiedervereinigung
des deutschen Landes. Jahrtausendwechsel. Flugzeugattentat auf das World
Trade Center, weltweiter Terrorismus. Globalisierung, Arbeitslosigkeit
und Politikverdrossenheit.
Das sind die großen Stichworte der vergangenen 50 Jahre, vieles ist
nicht gesagt, aber von ihnen eben mit in Erinnerung gerufen worden.
Und inmitten dieser großen Ereignissen des Weltgeschehens, steht ihre
eigene Lebensgeschichte. Und es ist eine Lebensgeschichte, die an
einigen Stellen verbunden ist mit der Weltgeschichte und an vielen
Stellen völlig unabhängig davon ist. Sie erinnern sich an die guten
Stationen: das Leben mit einem Partner, Kinder, die geboren wurden und
das Leben bereichert haben. Arbeit, die befriedigt hat, Freizeit, die
genossen werden konnte. Urlaub, Erfolg, Anerkennung, frohe Stunden,
glückliche Zeiten. Und es kommen die schmerzhaften Erlebnisse auch
wieder hoch: das nicht Gelungene im Leben, das, worin wir unser
Scheitern und unsere Schuld erblicken. Trennungen, die wir erleben
mussten, Abschiede von geliebten Menschen, von Vorstellungen, Hoffnungen
und Wünschen. Misserfolge stehen auch vor Augen, tragische Wege, Umwege,
die sie gehen mussten, leidvolles, was bedrückt hat oder immer noch
bedrückt.
Und beides steht im Raum hier an dieser Stelle in der Kirche, in der sie
konfirmiert wurden, die vor 50 Jahren noch anders aussah, aber die auch
damals schon der Ort war, wo unser Leben im Mittelpunkt stand. Denn in
der Kirche geht es um uns, um unser Leben in dieser Welt, um unser Leben
vor Gott und den Menschen. Wir erinnern uns daran, dass sie vor 50
Jahren hier angesprochen wurden, auf den Glauben, auf das Ja zur Taufe.
Wollt ihr durch die Gnade Gottes im christlichen Glauben bleiben und
wachsen, so bezeugt das vor Gott und dieser Gemeinde und sprecht: Ja,
mit Gottes Hilfe. Und Sie haben es gesprochen.
Und sie wurden gesegnet, vielleicht mit den alten Worten, die ich auch
heute noch bei der Konfirmation den jungen Menschen zuspreche: Der
allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, er schenke
dir seine Gnade: er sei dir Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke
und Hilfe zu allem Guten, auf dass du bewahrt werdest zum ewigen Leben.
Und dann gingen sie mit diesem Ja zu Gott und dem Segen in ihr ganz
persönliches Leben, begegneten mit ihrem ganz persönlichen Glauben den
Erfahrungen, die das Leben einem so zeitigt. Für manchen war dieser
Glaube wichtig, er hat das Leben geprägt und es gab immer eine große
Nähe zu Kirche und Glauben. Andere haben den Bezug zur Kirche nie
verloren, aber es waren Randbegegnungen: Trauung, Taufe, Konfirmation
der Kinder, Beerdigungen, Weihnachten. Und wieder andere haben
vielleicht auch der Kirche den Rücken gekehrt, haben diesem Glauben
nichts mehr abgewinnen können, haben Erfahrungen gemacht, die mit den
eigenen Vorstellungen dieses Glaubens nicht mehr in Einklang zu bringen
waren, oder es waren ganz andere Gründe, die dazu führten.
Und nun sind wir hier an diesem Ort, halten Rückblick auf das Leben, und
werden daran erinnert, dass da einer zugesagt hat: ich gehe deinen Weg
mit, ich stehe an deiner Seite. Das ist auf der einen Seite Grund zu
sehr viel Dankbarkeit. Ich habe ein Leben gehabt, das trotz mancher
dunkler Weg doch ein gutes, ein gradliniges gewesen ist. Eines das ich
als gut empfinden darf und in dem vieles gewesen ist, was mir als
Geschenk zugute gekommen ist. Und im Lichte des Glaubens, im Lichte der
Erinnerung an das Ja und den Segen vor 50 Jahren umgibt mit auch das
Gefühl des Dankes gegenüber Gott, dem ich diese Führung und diesen Weg
verdanke.
Andere werden angesichts dessen vielleicht ganz andere Gedanken mit sich
tragen, Gedanken der Trauer, des Zweifels, des Haders oder gar der
Klage. Wo war denn Gott, als ich das Schwere erleiden musste, wo ist
denn in meinem Leben überhaupt so etwas wie Gnade, wie Güte sichtbar
geworden, wo war der Schutz und Schirm vor dem Argen, wenn ich an die
vielen Schicksalsschläge denke, die ich aushalten musste?
Es ist Gottes Güte, dass wir nicht gar aus sind, so sagt es ein Wort aus
den Klageliedern im Alten Testament. Und eine Geschichte – vielen
bekannt - erzählt dies so: Im Traum schaut ein Mensch auf sein Leben
zurück. Er sieht dabei Fußspuren im Sand. Ihm fällt auf, dass in den
guten Zeiten immer zwei Spuren zu sehen sind, in den schweren aber nur
eine. Daraufhin klagt er Gott sein Leid: Schau auf mein Leben. Du hast
versprochen an meiner Seite zu gehen, doch deine Spuren sind nur in den
guten Zeiten zu sehen. Wo warst du, wo es mir schlecht ging? In diesen
Zeiten, lieber Freund, antwortete Gott, da habe ich dich getragen.
Wir sehen in unserem Leben oft die Güte Gottes nicht, weil wir nur auf
unser eigenes Leben schauen. Ob in guten oder in schlechten Zeiten, der
Blick auf Gott, die Frage nach Gott fehlt uns oft, entweder weil wir
Gott so wenig zutrauen, weil wir lieber unseren eigenen Erfolg genießen
und Gott anscheinend nicht brauchen.
Die Goldenen Konfirmation bringt am heutigen Tag noch einmal ganz
intensiv die Frage nach Gott und die Frage des Glaubens auf den Tisch.
Angesichts meiner Lebensgeschichte: Worauf verlasse ich mich in meinem
Leben? Was hat Bestand über alles vergängliche hinaus? Was kann mir
helfen, in den guten und schwierigen Erfahrungen meines Lebens einen
festen Stand zu haben? Bin das wirklich ich selber, ist das das, was ich
mir erwirtschaftet habe, oder stehe ich nicht letztlich eben doch ganz
in der Hand dieses Gottes, der mich tragen muss, damit ich überhaupt
durchkomme und mein Leben Sinn und Ziel behält? Die Goldenen
Konfirmation soll uns daran erinnern, dass da mal einer ein
grundlegendes Ja zu uns gesprochen hat, in der Taufe. Er hat das ein für
allemal getan. Darauf können wir bauen, das ist verlässlich, selbst
dann, wenn unser Vertrauen, wenn unser Glaube ins Wanken gerät. Daran
können wir uns festhalten, denn wir halten uns am Kreuz Jesu fest, der
mit seinem Lebensende deutlich macht: was immer dir auch widerfahren
wird, ich bin an deiner Seite, bis ins Leiden und den Tod hinein. Und
das macht Mut, das gibt Stärke und Kraft für den nächsten Schritt, den
wir nicht einmal alleine gehen müssen, sondern der begleitet und
getragen ist, von der Kraft des gütigen Gottes. Und wer dies annehmen
kann, wer dies mit seinem Glauben beantworten kann, der gestaltet sein
Leben nach dem bekannten Bibelvers, der auch Ihre Urkunde ziert: Befiehl
dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen. Ja, die
Glaubenshoffnung ist eine, die dem Leben etwas gibt, was wir aus uns
selber nicht schöpfen können. Im letzten müssen wir unser Leben aus der
Hand geben, um es dann wieder für uns zu gewinnen. Das Leben Gott
anvertrauen, es ihm anbefehlen, heißt nicht, schicksalsergeben zu warten
was passiert, wie es die Muslime tun, sondern es heißt, über das hinaus,
was wir sehen und erfahren, eine Hoffnung zu haben, die stark genug ist,
in diesem Leben positiv nach vorne zu schauen. Gott ist ein Gott es
Lebens und der Zukunft und darauf dürfen wir getrost hoffen, auch dann
wenn Steine im Wege liege und Täler durchschritten werden müssen. Er ist
die tragende Kraft des Lebens – er wird’s wohl machen.
Möge diese Goldene Konfirmation dazu beitragen, dass Sie dies neu in den
Blick nehmen können, um so in getroster Dankbarkeit Ihr Leben aus seiner
Hand anzunehmen. Seien Sie in diesem Sinne: Gott befohlen.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Begrüßung
317, 1-4
Psalm 37 nach EG 720
Eingangsliturgie
Gebet des Tages:
Gütiger Gott!
Unser Leben liegt vor dir, du weißt, wie es war und ist. Ein paar
Türchen dieses Lebens haben wir in den Gesprächen eben geöffnet. Wir
bitten dich, nimm du diese Leben in deine Hand. So wie du bisher
getragen und geführt hast – merklich und unbemerkt – so führe und leite
uns auch weiterhin in der Kraft deines Heiligen Geist. Dir gilt die Ehre
in Ewigkeit. Amen
Lesung:
Lk 18, 28-30
Glaubensbekenntnis
391, 1-4
Predigt
361, 1-3
Liebe Goldenen Konfirmanden!
Vor 50-54 Jahren haben Sie Ihr Ja zur Taufe gesprochen. Sie sind auf den
Namen des dreieinigen Gottes getauft. Sie sind so verbunden mit der
Kraft des Schöpfers und der Barmherzigkeit des Vaters, mit der Liebe und
Menschenachtung des Sohnes und der Kraft des Geistes, der uns auf einen
guten Weg führen will. Sie haben versprochen nach ihren Kräften in
diesem Glauben zu leben. Das Leben hat diesen Glauben geprägt.
Heute erinnern wir uns daran, machen bewusst, was es bedeutet mit dem
dreieinigen Gott verbunden zu sein. Wir rufen ins Gedächtnis, dass
dieser Gott sein Versprechen hält, um an unserer Seite hilfreich zu
wirken.
Verbunden wird dies mit einem Segen, dem Zuspruch der Güte Gottes für
ihr Leben. Wo möchte ich Sie gleich Jahrgangsweise hier nach vorne
bitten, auf dass wir Sie segnen.
Zuvor lasst uns beten:
Allmächtiger Gott!
Dankbar schauen wir auf dein 50 jähriges Geleit zurück. In guten und
schwierigen Tagen warst du gegenwärtig, auch wenn wir es nicht gespürt
haben. Unser Lebensweg mag verschlungen oder gerade gewesen sein, du
nimmst ihn an, du nimmt uns an. Dafür danken wir dir.
So bitten wir für die Goldenen Konfirmanden, dass sie dein Geleit neu
erkennen. Dringe tief in die Herzen ein als die Kraft, die dem Leben den
tragenden Grund gibt. Sei nahe in Güte, und Barmherzigkeit, als
Hoffnungsbringer und Wegweiser. Behüte und bewahre ihre Wege und sei
nahe alle denen, die ihnen und uns am Herzen liegen. So segne du nun,
die goldenen Konfirmanden. Amen
Jeden einzelnen Konfirmanden segnen mit den Worten:
Der dreieinige Gott segne dich und behüte dich.
oder : Der dreieinige Gott begleite deinen Weg.
229, 1-3
Ansagen zum Abendmahl
Konfirmation vor 50 Jahren war auch die Zulassung zum Abendmahl. Das
sehen wir heute anders, wir lassen auch Kinder zum Abendmahl zu. Es war
etwas besonderes, etwas heiliges und wahrscheinlich auch
unverständliches. Ob wir dieses Geheimnis des Glaubens je ganz verstehen
können, wage ich zu bezweifeln, aber es ist nun einmal die Gabe Gottes,
die uns leibhaftig spüren lässt: Gott ist für uns da. Der große Gott
wird so klein, dass er in uns ein geht, ein Teil von uns wird. So dürfen
wir sehen und schmecken, wie freundlich Gott, der Herr, ist. Abendmahl
ist die Wegezehrung des Glaubens und so wollen wir uns von Gott her
stärken lassen.
Gütiger Vater im Himmel, wir loben und wir preisen dich, denn du bist
der stete Begleiter unseres Lebens, du bist der Ort, an dem wir Zuflucht
finden, Halt und Geborgenheit. Du hast mit deinem reichen Segen unser
Leben begleitet, du hast mit deinem Geist getröstet und gibst Hoffnung
und Zuversicht, wo wir alleine nicht weiterwissen. In deinem Sohn Jesus
Christus, wird dies alles sichtbar, wenn unser Leben dafür keinen Anhalt
bietet. So danken wir dir auch für sein Leben, für sein Leiden, Sterben
und Auferstehen.
Herr, Jesus Christus, sei du unter uns, wenn wir nun dein heiliges Mahl
miteinander feiern. Lass uns teilhaben an dem, was du uns damit schenken
willst: Vergebung und neue Gemeinschaft mit dir und unserem Vater im
Himmel, neue Gemeinschaft unter uns Menschen.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, und segne, was du uns gegeben
hast. Sende deinen Geist auf uns herab, der uns erneuert und zur
Gemeinschaft verbindet. In ihm und mit ihm und durch ihn laß uns leben
und im Vertrauen auf dich unser Leben gestalten.
Vaterunser
Sendungswort: Befiehl dem Herrn dein Wege und hoffe auf ihn, er wird’s
wohl machen.
321, 1-3
Fürbittengebet:
Vater im Himmel, wir danken dir für die Gaben von Brot und Kelch. Darin
liegt die Kraft, die uns an dir festhalten lässt, die uns das Leben
annehmen lässt mit allem, was kommt. Hab dank dafür.
Jürgen Wir bitten dich, lass dieses Geleit und deinen Segen weiterhin
spürbar sein, sei nahe in allen Zeiten unseres Lebens. Lass dich
erkennen, wo wir dich nicht sehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme
dich.
Wir bitten für alle goldenen Konfirmanden, die heute nicht hier sein
können, dass sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation Hoffnung und
Vertrauen haben mögen. Sei bei Ihnen und stärke sie. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Wir denken an die Verstorbenen und daran, dass auch wir diesen Weg
dereinst gehen müssen. Erhalte uns in der Gewissheit, gütiger Gott, dass
du uns immer und ewig verbunden bleibst, wir fallen nie tiefer als in
deine Hände. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir gedenken der Opfer in Amerika. Sei du bei allen, die unter den
katastrophalen Gegebenheit leiden, die Tote betrauen, selber nicht
wissen, ob sie den morgigen Tag über leben. Sei bei denen die Hilfe
brauchen und bei allen die Hilfe geben. Schenke du Hoffnung auf
Erneuerung und Zukunft. Darum rufen wir zu dir
All das, was uns auf der Seele liegt, was wir aussprechen oder nur in
uns tragen, nimm du Gott in deine Hand. Mache daraus, was deinem Willen
entspricht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
In deiner Hand liegt unser Leben, du wirst es wohl machen. So sei dir,
Gott, Lob und Preis in Ewigkeit. Amen
Fotos vom Tage
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|