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Wir haben vorhin die Verse 6-10 aus dem 36. Psalm gebetet. Heute soll
mal wieder der Eingangspsalm, der uns in den nächsten Gottesdiensten
begleiten soll, bedacht werden.
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so
weit die Wolken gehen.
So beginnt der Psalm in unserem Gesangbuch. Ein nicht unbekanntes Wort.
Es gibt ein schönes Lied dazu, dass ja auch von unserem
Männergesangverein schon häufiger mal gesungen wurde. Allerdings ist
dies der 6. Vers des Psalmes. Davor muss also auch etwas stehen. Tut es
auch. Ich will es kurz vorlesen.
2 Es sinnen die Übertreter auf gottloses Treiben im Grund ihres Herzens.
Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.
3 Und doch hat Gott den Weg vor ihnen geebnet, um ihre Schuld
aufzufinden und zu hassen.
4 Alle ihre Worte sind falsch und erlogen, verständig und gut handeln
sie nicht mehr.
5 Sie trachten auf ihrem Lager nach Schaden und stehen fest auf dem
bösen Weg und scheuen kein Arges.
Aus dem Lobpreis Gottes, den wir zu Beginn des Gottesdienstes gebetet
haben, wird mit diesem Anfang etwas leicht anderes. Dieses alte Lied
zeigt eine andere Seite, nämlich die Klage eines Menschen. Da ist
jemand, der unter Menschen leidet. Ein Mensch, der sich, wodurch auch
immer von Menschen verfolgt sieht. Der Beter macht sich angesichts
dieser Situation auf und geht in den Tempel. Er weiß an wen er sich
wenden kann in der Not seines Lebens, wo er sich ungerecht behandelt
fühlt, wo er für sich einen neuen Halt braucht.
Auch wir sind hier in unserem Tempel in Groß Elbe. Unser Motivation mag
eine andere sein, als die des Beters. Es ist jetzt eben Gottesdienstzeit
und dann machen wir uns auf den Weg. Der Beter sagt: mir liegt etwas auf
der Seele, das möchte ich loswerden. Ich brauche angesichts der
Anfeindungen einen Ort, an dem ich wieder zu meiner Mitte finde, zu mir
selbst. Einen Ort, an dem ich auftanken kann für mein Leben und mein
Leben wieder mit anderen Augen sehen kann. Wie gut, dass es den Tempel
gibt, wie gut, dass es einen Raum gibt, der anders ist als andere Räume,
einen Raum, in dem es nicht um den Alltag geht, sondern um mein Leben
und die Sicht meines Lebens.
Natürlich können wir alle unsere Gedanken auch im Wohnzimmer, im
Schlafzimmer, eben „im stillen Kämmerlein“ vor Gott bringen. Das ist
überhaupt keine Frage. Aber ich denke, so wie der Beter dieses Psalmes
weiß, ich muss aus meinem Alltag raus, um mein Leben wieder in rechter
Weise betrachten zu können, so ist es auch für uns gut, wenn wir unseren
Alltag und die Räume unseres Alltages einmal verlassen, um das eigene
Leben neu und anders in den Blick zu bekommen. Die Kirche ist so ein
Raum – und hier geht es hoffentlich im Kern um unser Leben, um unser
Ich, um unseren Stand in der Welt. Ich kann Abstand von mir nehmen und
gleichzeitig neu zu mir selber finden.
Wodurch geschieht das? Eben vor allem dadurch, dass wir unser Leben, all
das, was wir mitbringen, vor Gott bringen, loslassen vor ihm. Im
Kyriegebet habe ich das einmal angedeutet. Den Konfirmanden habe ich das
letztens auch so erklärt: zu Beginn legen wir all das ab vor Gott, was
uns bewegt, was wir so mit uns herumtragen, was uns beschwert, aber auch
das, was uns mit tiefer Freude erfüllt. Wir legen es in Gottes Hände und
bitten um sein Erbarmen. So macht es auch der Beter des 36. Psalmes. Zu
Beginn legt er das, was ihn beschwert vor Gott ab, macht sich innerlich
frei davon. Mach Du, Gott, etwas draus – Herr, erbarme dich.
Und nun geht es über zu den Versen, die wir zu Beginn des Gottesdienstes
gesprochen haben.
HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so
weit die Wolken gehen.
Nun geht es nicht darum, dass der Beter Handlungsanweisungen für sein
Leben bekommt, oder dass er über sich spricht und nun sein geläutertes
Innenleben ausbreitet – wie das bei vielen mehr esoterisch geprägten
Veranstaltungen der Fall ist. Jetzt geht es gar nicht so direkt um den
Menschen selber, sondern der Beter lenkt seinen Blick im Tempel ganz zu
Gott. Der Beter weiß, wo ich Gott an erste Stelle treten lasse, da komme
ich nicht zu kurz, da werde ich erfüllt von einer Kraft, die mir im
Leben Hilfe ist.
Und insofern kommt nach der Beschreibung der Lebenssituation, die der
Beter an Gott gerichtet hat, der Lobpreis Gottes. HERR, deine Güte
reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken
gehen.
Ich weiß mit bei dir, Gott, aufgehoben, ich weiß mich getragen. Mag das
Leben auch noch so vieles aufweisen, was gegen mich gerichtet ist – und
ich habe davon ja eben etwas geschildert – so wird mir hier im Tempel
deutlich: Dein Güte, Gott, ist etwas, was keine Ende hat, worauf ich
bauen kann, was mich aufbaut und mir meinen Platz in dieser Welt weist.
So möchte ich diesen Umschwung einmal beschreiben. Von der Not des
Menschen geht es direkt zum Lobpreis Gottes. Der Blick wird von der
persönlichen Not nun ganz zu dem gelenkt der Himmel und Erde in der Hand
hat, von dessen Wort wir leben, von dessen Zuwendung wir leben, von
dessen Hinwendung zu uns wir unser Leben gestalten können. HERR, deine
Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die
Wolken gehen.
Was für eine Aussage über Gott, über seine liebevolle, väterliche und
mütterliche Zuwendung zu uns Menschen. Sie reicht so weit der Himmel ist
– sie überspannt uns, umgibt uns unendlich. So wieder Himmel uns
schützend umgibt, so eben auch Gottes Liebe, sie hat kein Ende, wie auch
der Himmel kein Ende hat und das gilt eben nicht nur wenn die Sonne
lacht, sondern auch wenn der Himmel des Lebens verhangen ist und die
dunklen Wolken unser Leben überschatten. Auf dem Hintergrund der ersten
Verse ist dies ein ganz wichtiger Gedanke. Auf diese Liebe kann ich mich
verlassen, darauf kann ich trauen, auch wenn das Leben mir gerade
anderes zeigt. Und das ist dann auch wichtig, den Raum des Lebens zu
verlassen, den Tempel aufzusuchen, um die wieder vor Augen zu bekommen
um, es innerlich zu sehen und aufzunehmen: das Leben mag dunkle Seiten
zeitigen, doch Gottes Güte hat kein Ende. Sie reicht so weit der Himmel
ist.
Und Gottes Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Mit Wahrheit übersetzt
Luther ein Wort, in anderen Übersetzungen heißt es: deine Treue reicht
so weit die Wolken ziehen. Beständigkeit und Treue, haben für uns
eigentlich mit Wahrheit nicht so viel zu tun. Doch das was aus Gottes
Mund kommt, das ist erfüllt mit der Liebe zum Menschen. Es geht Gott um
den Menschen, es geht darum, dass wir hier in dieser Welt miteinander in
einer Weise leben können, dass jeder in Freiheit und Gemeinschaft sein
Leben verbringen kann. Gott ist treu, er sucht uns, hilft uns, bringt
uns auf den Weg – sein Wort ist wahr, hilfreich und erfüllend. Jesus
Christus hat dies erneut an den Tag gebracht, so wird ja auch er: der
Weg, die Wahrheit und das Leben genannt. Und diese Treue Gottes, diese
Wahrheit Gottes hat ebenfalls kein Ende – so weit die Wolken gehen, sagt
der Beter.
Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die
große Tiefe. Gottes Gemeinschaftstreue zu den Menschen steht fest, wie
die Berge, die als Schöpfung Gottes angesehen werden und die nicht zu
verrücken sind. Und sein Recht, seine Weisungen, die haben Bestand, so
wie die Urtiefen des Meeres Bestand haben. Dem menschlichen Zugang sind
sie entzogen, sie sind einfach gültig. Und das wird uns Menschen ja
immer wieder deutlich, denn auch wenn die Weisungen Gottes übertreten
werden, in ihrer Grundbedeutung werden sie von den Menschen anerkannt
als gute und für uns Menschen hilfreiche Weisungen.
HERR, du hilfst Menschen und Tieren.
Ein kurzer aber wichtiger Satz. Es ist das Glaubensbekenntnis, dass Gott
nicht Gott für sich ist, sondern dass er zugewandter, in Beziehung mit
seiner Schöpfung lebender Gott ist. Hilfreich für Mensch und Tier. Die
ganze Schöpfung ist umspannt von der Hinwendung Gottes, auch in einer
sich verändernden Schöpfung, in der von Evolution geprägten Schöpfung
ist Gott der, der dem ganzen Gegenüber ist und darin immer wieder
hilfreich, schöpferisch tätig ist. Und in der Not, in der sich der Beter
befindet, ist dies auch eine wunderbare Erweiterung, wenn er nicht nur
sich selber als von Gott hilfreich begleitet erlebt, sondern geprägt
auch durch den geweiteten Blick sagen kann: Herr, du hilfst Menschen und
Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem
Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
Unter dem Schatten deiner Flügel – ein Bild dieses Psalmes, das ganz
konkreten Anhalt an der Situation im Jerusalemer Tempel hat. Da stehen
nämlich zwei große Figuren, Wesen mit Flügeln, Cherubim genannt – wir
kennen das Wort aus dem Lied Großer Gott wir loben dich. Diese
Flügelwesen sind von ungeheurer Größe. Unter dem Schatten dieser Flügel
weiß sich der Beter geborgen. Die Architektur des Raumes wird
aufgenommen und in den Lobpreis mit einbezogen. Wie köstlich ist deine
Güte Herr, dass wir unter dem dem Segen deines Engels leben dürfen, das
wir geleitet von deinem Engel unseren Weg ziehen können – so können wir
Groß Elber sagen, wenn wir auf unseren Taufengel schauen und uns in
unserem Glauben von ihm stärken lassen. Von ihm dürfen wir uns ermutigen
lassen, von ihm, der uns an unsere Taufe erinnert, der uns auf diese
unzerrüttbare Verbindung mit Gott hinweist und der uns deutlich macht:
du bist von Gottes Liebe umgeben. Das sagt einem kein Wohnzimmer, davon
spricht unsere Kirche mit ihrem Engel.
Die Menschenkinder werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und
du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Die Menschen werden satt von dem, was Gottes Schöpfung hervorbringt -
und das gilt ja auch, wenn Kinder sagen, die Milch kommt aus dem
Tetrapack, oder wir noch nie eine Kiwi geerntet habt. Gottes Schöpfung
hat reiche Güter – und das gilt auch, wenn in Welt immer noch viel zu
viele Menschen verhungern. Der Psalmbeter hat das noch konkreter vor
Augen: im Tempel gibt es das Fleisch der Opfertiere und gewiss auch
frisches Wasser. So ist auch dieses Mahl Bild für die geistliche Fülle,
die man im heiligen Bezirk des Tempels erfahren kann. Unser Abendmahl
geht ja in einen ähnliche Richtung.
Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das
Licht. Ein wunderschöner Abschluss dieses Lobpreises Gottes, in dem Gott
als immer wieder frische Quelle des Lebens angesehen wird, als das
Licht, das alles in unserem Leben erhellen kann. Mehr können wir nicht
erwarten – weder von Gott noch für unser Lben.
Enden tut unser Psalm mit folgenden Worten:
Breite deine Güte über die, die dich kennen, und deine Gerechtigkeit
über die Frommen. Laß mich nicht kommen unter den Fuß der Stolzen, und
die Hand der Gottlosen vertreibe mich nicht! Sieh da, sie sind gefallen,
die Übeltäter, sind gestürzt und können nicht wieder aufstehen.
Das Leben kommt zurück, die Ausgangsituation steht wieder vor Augen. In
der Bitte aber, die nun ganz geprägt ist von dem, was in dem Lobpreis
Gottes als Glaube zum Ausdruck kommt, wird deutlich: ich weiß, wo ich
geborgen bin. So sehr mich das Leben auch drückt – das Bedrückende wird
untergehen, denn die Güte Gottes ist stärker.
Möge auch uns ein solches Vertrauen begleiten. Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 166, 1-4
Psalm 36 EGNsB 719
Eingangsliturgie
Entfaltetes Kyrie 178.9
Gott wir kommen in dein Haus, bringen mit, was uns bewegt und berührt.
Nimm du es in deine Hände, nimm es uns ab, und führe du unser Leben zum
Guten. Kyrie eleison
Wir bringen vor dich, was uns belastet: Krankheit und Sorge, innere
Unruhe und Gedankenschwere, Angst vor dem Morgen und das verloren
gegangene Vertrauen. Nimm du es in deine Hände, nimm es uns ab, und
führe du unser Leben zum Guten. Kyrie eleison
Wir bringen vor dich, was uns erfreut: die Heiterkeit des Herzens, die
Lust am Leben, die Freude an den Kindern, die Liebe zu wichtigen
Menschen, das Glück des Lebens. Nimm du all dies in deine Hände. Erfülle
so mit deiner Liebe unser Leben. Kyrie eleison
Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und
beladen seid, ich will euch erquicken. So erfülle er uns mit seiner
Gnade. Ehre sei Gott in der Höhe.
Allein Gott in der Höh’ sei Ehr ...
Gebet
Lesung Eph 2, 17-22
Lied: 250,1-3+5 - Lesung Lk 14, 16-24
Glaubensbekenntnis
Lied 326,1-4 – Predigt - Lied: 329,1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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