Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Micha 6, 6-8

»Womit soll ich mich dem HERRN nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? Soll ich mich ihm mit Brandopfern nahen und mit einjährigen Kälbern? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen für meine Übertretung geben, meines Leibes Frucht für meine Sünde?“

Wir werden wieder einmal hineingenommen in eine ganz fremde Welt. Ein Mensch des alten Testamentes steht da mit seinen Fragen. Angesichts von Schuld, die auf ihm liegt, steht er da und fragt, was er tun könne, um Gott zu besänftigen. Was kann ich in meinen Händen halten, das ich Gott geben kann, um ihn auf meine Seite zu ziehen. Vielleicht ein Brandopfer eines einjährigen Kalbes. Oder sind es tausend Widder, deren Öl verbrennt und der Rauch zu Gott aufsteigt. Oder muss gar das äußerste aufgeboten werden, angesichts der Schuld, die sich aufgetürmt hat: das eigene Kind, und dann noch das Erstgeborene?

Das sind Fragen, die uns heutigen Menschen sehr fremd sind, zumindest uns westlich, christlich geprägten Menschen. Wir kennen keine Opfergaben für Gott. Als ich in China war, da habe ich oft vor Buddahstatuen Opfergaben gesehen, allerdings nur kleine Dinge des täglichen Lebens: Obst, Getränke und anderes, was die entsprechenden Mönche wohl dann genutzt haben.

Natürlich stößt es mich als Menschen unsers Kulturkreises ab, wenn ich höre, dass Tiere für Gott geopfert werden sollen, ja das gar die Überlegung im Raum steht, das eigene Kind zu opfern. Niemals möge das geschehen. Auf der anderen Seite hat es aber auch etwas faszinierendes, wenn man sieht, dass Menschen ihr Leben und ihr Sein vor Gott in dieser Weise bedenken.

Denn das muss man ja auch mal wahrnehmen. Da ist ein Mensch, der sich Gedanken über sein Leben macht. ER sieht, es ist nicht so, wie es sein soll. Vorher hören wir, dass Gott über sein Volk richten will. Wie wird wohl das Gericht über mein Leben aussehen? Und was kann ich tun, damit ich wieder von Gott angesehen bin?

Schauen wir, bevor wir auf Gott schauen, wie das in unserem alltäglichen Leben aussieht. Stellen wir uns vor, wir haben uns unserem Partner gegenüber falsch verhalten oder einem Freund oder Nachbarn. Was tun wir? Wir wissen, wie können es nicht mehr aus der Welt schaffen. Es ist nun einmal gesagt, was gesagt ist, getan, was getan wurde. Da können wir nicht wieder zurück. Aber wir wollen es wieder gut machen. Wir gehen los, kaufen einen Blumenstrauß, eine Schachtel Pralinen, eine Flasche Wein und gehen mit diesen Gaben zu der betroffenen Person und bitten um eine Entschuldigung, bitten um Vergebung.

Ein ganz normales Verhalten. Wir opfern etwas von unserem Hab und Gut und wollen damit unser Gegenüber, das wir geschädigt haben, zu besänftigen. Und es ist sicherlich auch hilfreich so. Worte allein sind schwer, manchmal auch eben nur Worte. Wenn man etwas in der Hand hat, ein kleines Opfer bringt, dann ist dies ein etwas anderes Zeichen, dann ist auch schon ein Weg der Reue beschritten, der äußerlich sichtbar ist. Und in den meisten Fällen hat dies ja dann auch Erfolg.

Und dieses Verhalten übertragen wir auch auf Gott. Ihm etwas bringen, etwas opfern, wie es auch die religiösen Rituale des Glaubens vorgeben, das wird schon helfen.

Für Gott ist das anders. Der will diese Form der Opfer nicht.

Bei Jesaja heißt es: Eure Brandopfer sind mir nicht wohlgefällig, und eure Schlachtopfer gefallen mir nicht.

Und durch Amos lässt Gott sagen: Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.

Gott will nicht Handlungen, die nichts mit der Person zu tun haben. Ein Tier zu schlachten, was bedeutet es denn schon groß? Gut, für manch einen ist die vielleicht auch ein wirtschaftlicher Verlust, also wirklich etwas, was sein Leben betrifft, aber es hat doch nichts mit der inneren Haltung zu tun, mit dem, was letztlich verantwortlich war für die Trennung von Gott, für das Tun nur der eigenen Gedanken, was letztlich verantwortlich war für die Sünde, wie es biblisch heißt.

Wer sich wirklich Gedanken macht über sein Leben und wer in diese Gedanken sein Leben vor intensiv einbezieht, der muss einen anderen Weg gehen. Wobei dies etwas ist, was uns ja doch oft schwer fällt. Denken wir in unserem Leben häufig darüber nach, wie es wohl bei Gott ankommt? Ist Gott eine lebendige Größe, von der wir tief in uns drin sagen würden, vor ihm bin ich verantwortlich und wenn ich hier von meinem Weg abgekommen bin, dann will ich und muss ich – innerlich getrieben – auch um Vergebung bitten?

Ich glaube nicht, dass die Menschen zur Zeit der Bibel so viel anders gelebt haben, aber ich bewundere immer wieder wie nahe Gott dem Leben war, welche wirkliche innere Macht Gott bei den Menschen gewesen ist, was sich eben auch darin ausdrückt, dass sie nach Wegen suchten, Schuld wieder loszuwerden. Ich glaube, das fehlt vielen von uns und ich nehme mich da nicht von aus. Gott ist viel zu häufig an den Rand gedrängt, spielt ein Nebenrolle, gewiss auch eine wichtige, aber im Ganzen des Lebens eben häufig genug nur eine Nebenrolle.

Womit soll ich mich Gott nähern, mich beugen vor dem hohen Gott? fragt der Mensch, der uns heute vor Augen gestellt wird. Was ist mein Beitrag dazu, damit Gott mich ansieht, denn ich weiß, das Leben driftet immer wieder von ihm weg.

Die Antwort, die der Mensch erhält, ist eine verblüffend einfache: Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Das erste was ich hier höre ist, dass Gott nicht besänftigt werden will. Wir müssen Gott nicht irgendetwas bringen, damit er die Beziehung neu aufleben lässt. Ja, ich denke, es scheint sogar schon ein urchristlicher Gedanke darin auf: Gott verurteilt nicht, sondern zeigt den möglichen Weg des Lebens auf. Es heißt nicht: sie du erst mal zu, dass du die Schuld aus der Welt bringst, sieh zu, dass du so oder so wirst, dann können wir weiter reden. Ich höre es anders: Der Weg, die Schuld zu tilgen, heißt: glauben und aus dem Glauben zu leben. Nicht die Werke sind es, mit denen der Mensch Gott besänftigt, sondern der Glaube, der sich ganz auf Gott verlässt.

Nun könnte man sagen: Da steht doch, das Gott etwas fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben. Das heißt doch: tu das, was Gott von den dir erwartet. Also sind es doch Taten, die Gott da erwartet. Hier ist doch von Glaube gar nicht die Rede.

Das mag wohl sein, dass die Worte uns in diese Richtung drängen, weil wir als Menschen natürlich darauf ausgerichtet sind, zu handeln, also mit Taten etwas von uns zu zeigen. Ich höre diese Worte aber anders.

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert. Gut in dieser Welt, gut für mich, gut für andere das ist an erster Stelle: Gottes Wort halten. Gottes Wort halten, das heißt, Gott und seinem Wort vertrauen. Ich kann nur etwas wirklich halten, etwas wirklich gutes tun, wenn ich davon überzeugt bin, das derjenige, der es sagt, vertrauensvoll ist, dass er gutes will. Gott fordert nicht blinden Gehorsam, den auch der Diktator oder religiöse Fanatiker fordert, sondern Gottes Wort halten hat etwas zu tun damit, dass ich fest darauf baue, dass ich von Gott her eine Weisung erhalte, die zum Guten führt, zum Guten für mich und andere. Dahinter verbirgt sich zu allererst der Glaube, dass Gott diese Person ist, die mich anspricht, mich persönlich meint und trägt. Wenn ich mich von Gott nicht angesprochen weiß, dann nützen auch die schönsten Worte von ihm nichts, sie bleiben leer und begleiten auch mein Leben nicht. Gott vertrauen, sich von ihm ansprechen lassen und aus diesem Angesprochen-Sein zu leben, das steht an erster Stelle, wenn es darum geht, ein verantwortungsvolles Leben vor Gott zu führen. Das Wort Gottes hören als eines, das das Wohl der Menschen will, das Wohl aller Menschen, das führt zu einem guten Leben. Und darin liegt dann auch das daraus folgende: nämlich Liebe üben.  Das folgt aus dem Glauben, aus der Gewissheit, dass Gott als Herr dieses Leben zum Guten führen will für alle Menschen.

Und darin liegt auch die Gegnerschaft zum Brandopfer. Es geht nicht um das Opfer von Besitz, sondern um das Opfer der Person, das Opfer des eigenen Ichs, das sich im Tun der Liebe immer an die zweite Stelle stellt. Dieses Opfer kann ich bringen, wenn ich weiß, ich muss mich nicht um mich sorgen, ich bin gehalten. Auch wenn ich mich hinten anstelle, gehe ich nicht verloren. Und so denken können wir, wenn wir Gott vertrauen, wenn wir daran glauben, dass Gott uns nicht fallen lässt.

Und dieser Glaube hat etwas mit dem zu tun, was der Text in die Worte fasst: demütig sein vor deinem Gott. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns klein machen müssen vor Gott. Demut hat immer die Aura von oben und unten, von Herrscher und Knecht. Doch wenn die Bibel von Demut redet, dann meint sie nicht Unterwerfung, sondern die Anerkennung dessen, dass nicht wir Menschen alles tun und erreichen müssen, sondern das Gott als Anfang und Ziel des Lebens da steht und das Leben hält, trägt und erfüllt. Wer das erkennt, weiß um die eigenen Grenzen, kann demütig sein und von Gott alles erwarten. Aus solcher Demut erwächst ein offenes Bild über sich selber, eines das auch die Schwächen und Fehler zeichnet ohne darin unterzugehen oder zu verzweifeln. Aus der Demut wächst auch der Mut zum Leben in seinen Grenzen mit dem Ausloten aller dennoch darin gegebenen Möglichkeiten. Der Demütige weiß: ich bin nicht vollkommen, doch ich versuche auf meinem Weg dem Vollkommenen näher zu kommen.

Womit soll ich mich Gott nahen, mich beugen vor dem hohen Gott?

Meine Antwort wäre: Mit deinem ganzen Vertrauen, das du deinem Gott entgegenbringst und das dein Leben bestimmt. Das ist dir gesagt Mensch, höre es mit offenem Herzen für Gott und seine Schöpfung. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 447,1-3+7+8

Psalm 143,1-10

Eingangsliturgie

Gebet

Treuer Gott,

du erträgst es nicht, dass einer deiner Menschen verloren geht.

Du suchst uns auf, wenn wir uns entfernt haben von dir.

Viel mehr als wir dich suchen, bist du auf der Suche nach uns.

Dafür danken wir dir und bitten dich, lass uns deiner Liebe bleiben, die uns immer wieder findet. Ihr wollen wir vertrauen unser Leben lang.

Das bitten wir durch Jesus Christus, den guten Hirten, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung: Micha 6, 6-8

Lied: 404, 1-4

Lesung: Mt 18, 21-35

Glaubensbekenntnis

Lied 198,1-2

Predigt

Lied 365,1-4

Abkündigungen

Fürbittengebet

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt
  Sonntag
4.11.2007
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote