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Jos 1, 1-9

Papa. Paaapaaa! Leise aber eindringlich dringt die Stimme seines Sohnes an sein Ohr. Sie holt ihn aus dem Schlaf. Josua hat den leichteren Schlaf, seine Frau weiß es, und deshalb kann sie um so besser schlafen. Noch einmal ruft der Sohn, nun etwas lauter: Paapaa.
Josua steht auf. Was ist mein Sohn? Warum rufst du?
Papa, ich kann nicht schlafen?
Warum kannst du nicht schlafen, Simon? Du warst doch gestern Abend ganz müde und es ist mitten in der Nacht.
Schon, Papa, aber jetzt bin ich ganz wach. Und ich hab Angst.
Wovor hast du Angst, mein Spatz? Wir sind doch alle da, da brauchst du keine Angst zu haben. Draußen wachen Hannas und sein Hund. Wir können ganz beruhigt schlafen.
Das weiß ich doch auch, Papa. Aber trotzdem ich habe Angst. Ich habe euch gestern gehört, als ihr gesprochen habt. Im Zelt, als ihr eure Versammlung hattet. Papa, müssen wir wirklich weg von hier?
Ach das meinst du. Ja, mein Sohn, mir müssen weg von hier. Schau dir die Felder an. Hier ist nichts mehr zu fressen für unsere Tiere. Wir brauchen neue Weideplätze, sonst können wir hier nicht mehr überleben. Es muss weitergehen, Simon. Wir sind nun mal Nomaden. Menschen, die immer weiter ziehen müssen. So ist nun mal das Leben. Es geht immer weiter.
Papa, das mit den Weiden sehe ich auch. Aber ehrlich gesagt, ich habe Angst. Ich kenne diesen Ort hier schon so gut. Jeden Fels, jeden Strauch, alles ist mir vertraut. Und wo wir hinkommen, das weiß ich nicht. Wie wird es da sein? Wird es so sein wir hier? Und werden wir alle beisammen bleiben oder müssen wir uns trennen? Werden wir alle dort ankommen, wo wir ankommen wollen, oder müssen wir auch jemanden zurücklassen? Papa, ich weiß einfach nicht, was da wird und da macht mir Angst. Ich kann einfach nicht schlafen, weil mir das alles immer durch den Kopf geht.
Josua schaut seine Sohn an. Der Schein der Öllampe, die die ganze Nach über brennt, lässt Josua die sorgenvollen Augen des Jungen erkenne.
Ach Simon, ich kenne das gut. Es ist ja nicht so, dass nur Kinder Angst haben, wenn es darum geht, weiter zu ziehen. Weißt du, als du noch nicht auf der Welt warst, da war ich auch einmal in einer solchen Situation. Damals als wir noch auf der anderen Seite des Jordan waren. Wir waren auf dem Weg in dieses Land. 40 Jahre war unser Volk unterwegs. Aus Ägypten gingen wir durch die Wüste.
Ich weiß, Papa. Mose hat euch geführt. Der große Mose, von dem du schon so viel erzählt hast.
Ja, ganz recht, der große Mose. Das war ein toller Mann. Der hatte Gottvertrauen und der konnte uns wirklich führen und leiten. An dem konnten wir uns orientieren, auch wenn wir Angst hatten. Aber auch ein Mose musste einmal sterben. ER hat das Land nie gesehen, in das er uns führen sollte. Ich hätte es ihm gerne gegönnt. Denn du siehst es ja auch: hier ist ein gutes Land. Hier kann man leben.
Ja, Papa, das stimmt. Und deshalb möchte ich ja auch hier bleiben.
Schon recht, Simon, aber anderswo in diesem Land gibt es auch gute Weiden und zu denen müssen wir nun einmal weiter gehen. Aber ich wollte dir was anderes erzählen.
Damals, als Mose gestorben war, da wussten wir alle nicht wie es weiter gehen wird. Wer sollte das Volk jetzt in das gelobte Land führen. Uns ging es wie dir, nur dass wir noch weniger wussten als du. Ich hatte auch fürchterliche Angst. Ich wusste doch gar nicht, was auf der anderen Seite des Weges sein würde. Wie werden die Menschen dort auf uns reagieren? Wie werden die Verhältnisse sein: können wir dort leben? Können wir dort arbeiten? Werden wir eine Lebenssituation vorfinden, mit der wir zurecht kommen? Nun ja, wir hatten eine lange Wüstenzeit hinter uns, wir konnten schon eine Menge vertragen. Aber wir hatten ja auch große Hoffnungen. Das Land jenseits des Jordan: ein Land in dem Milch und Honig fließen, so haben wir immer gesagt. Wir konnten es uns gar nicht vorstellen. Aber die Wüstenwanderung hat unsere Phantasie groß gemacht. In schönsten Farben haben wir einander das Land vor Augen gemalt. Aber nun war es nicht mehr nur Phantasie, sondern Wirklichkeit. Und dann saß ich abends da, konnte auch nicht einschlafen, so wie du heute Nacht. Ich grübelte und wusste nicht, wie ich mit diesem Land, dem ich so lange entgegen gefiebert habe, entgegengehen konnte. Und ich wusste auch nicht, wer von uns überhaupt fähig sein konnte, das ganze Volk zu führen.
Und dann hörte ich plötzlich eine Stimme, mitten in der Nacht. Und diese Stimme galt mir.
Woher kam die Stimme, frage Simon, der seinem Vater mit offenen Augen und Ohren gespannt zuhörte.
Zuerst wusste ich auch nicht so recht, von wem diese Stimme kam. Aber dann war mir bald klar, diese Stimme ist von Gott.
Von Gott, Papa. Gott hat mit dir geredet.
Ja, mein Schatz. Gott hat zu mir geredet.
Was hat er gesagt, erzähl schon, ich möchte es wissen, Papa.
Er hat gesagt: Mose, dessen Diener du warst, ist tot. Josua, nun musst du dein Volk führen. Mach dich auf, führe das Volk in das Land, das ich ihnen geben will, das Land das ich deinen Vätern versprochen habe und das ich Mose zugesagt habe. Geh und führe das Volk. Und ich verspreche dir: So wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich lasse dich nicht fallen und ich verlasse dich nicht.
Das hat Gott zu dir gesagt. Simon traute seinen Ohren nicht. Das hatte sein Vater ihm bisher nicht erzählt. Nach einem kleinen Moment sagte er dann etwas ruhiger: Aber Papa, dann hast du bestimmt noch mehr Angst gehabt, oder? Ich meine, wenn du nun das Volk führen solltest, dann hast du ja noch mehr Sorgen gehabt, wie alles werden soll.
Da hast du ganz recht, mein Sohn. So war es. Ein unbekanntes Land lag vor uns, mit allen Gefahren, die so ein Weg mit sich bringt. Ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte. Ich dachte zurück an die gewesene Reise, an unsere Zelte, die Familie, die Freunde. Sie sind das, was ich habe. Dort hatte ich meine Sicherheit. Und das Vertrauen von Mose, das hatte ich auch in mir, mal mehr und mal weniger. Nun aber wusste ich nicht was kommt. Weißt du, das ist ja auch wie der neue Tag oder ein neues Jahr. Da weißt du auch nicht, was kommt. Irgendwie wird es sein, wie der gestrige Tag, wie das vergangen Jahr, und doch ist alles ganz neu und es kann sich schnell alles ändern. Auch in diesem Jahr ist vieles passiert, was unser Leben verändert hat. Manche Menschen sind nicht mehr unter uns, unser Weideplätze werden immer dürrer, das Leben ist schwieriger geworden – deshalb müssen wir ja nun auch aufbrechen und weiter ziehen, auch wenn es schwer fällt.
Und damals mussten wir dann auch aufbrechen, aufbrechen in ein ganz neues Land.
Und wie hast du deine Angst überwunden, Papa.
Wie habe ich meine Angst überwunden, Simon. Ich glaube, seine Sorge um den morgigen Tag, die nächste Zeit, die kann man nie richtig überwinden. Aber für mich ist das, was Gott gesagt hat, ganz wichtig geworden. In all meiner Angst, wie ich das alles schaffen soll, habe ich mich immer an die Worte erinnert, die Gott gesagt hat. Und darauf habe ich mein ganzes Vertrauen gelegt: So wie ich mit Mose war, so will ich mit dir sein. Der Mose hatte es auch nicht immer leicht, als er mit uns unterwegs war. Er war über uns enttäuscht, als wir nicht weiter wollten oder als wir das goldene Kalb gemacht haben. Ich glaube, da hat er nicht nur die Gebotstafeln hingeschmissen, da hätte er am liebsten auch sein Führeramt hingeschmissen. Aber er hat es nicht gemacht. Er wusste: Gott braucht mich und Gott führt und trägt mich. Und darauf hat er vertraut, auch wenn es schwierig war. Und ich war sein Diener, da hab ich so manches von ihm gehört. Auch wie er immer gesagt hat: wenn ich Gott nicht hätte, dann könnte ich keinen Schritt mehr weiter gehen. Aber weil ich Gott an meiner Seite habe, gehe ich gerne und getrost meinen Weg.
Und Gott hat mir versprochen am meiner Seite zu sein, so wie er bei Mose war. Und er hat sogar noch gesagt: Ich lasse dich nicht fallen und ich verlass dich nicht. Das hat mir wirklich Mut gemacht, diese Aufgabe anzunehmen und das neue Land zu erobern. Ich wusste genau: wenn wir uns an Gottes Wort hielten, an seine Zusage, an seine Gebote, dann haben wir etwas, was uns kein Mensch der Welt nehmen kann. Auch die Menschen in dem Land nicht, in dem wir jetzt sind. Wir haben etwas, womit wir wirklich getrost leben können.
Und das hat Gott sogar noch einmal bekräftigt an diesem Abend, als ich da saß und mir ganz viel Gedanken gemacht habe. Am Schluss sagte Gott noch zu mir: Lass dich durch nichts erschrecken und verliere nicht den Mut, denn ich, der Herr, dein Gott, bin mit dir wohin du auch gehst. Gott wusste, dass unser Leben nicht nur Zuckerschlecken sein wird. Auch ein Land in dem Milch und Honig fließen hat seine schwierigen Seiten, und ich könnte dir so manches erzählen, was uns den Weg schwer gemacht hat. Aber mitten in all dem, was da an Schwierigen Dingen auf uns zukam, wusste ich genau: Gott ist mit mir, wohin ich auch gehe. Ich gehe meinen Weg nicht allein. Mose ist ihn nicht allein gegangen, und ich gehe ihn auch nicht allein. Und du, mein lieber Simon, du gehst deinen Weg auch nicht allein.
Stimmt, Papa, ihr seid ja auch noch da.
Ja, aber nicht nur wir, sondern auch Gott. Verlass sich darauf, dass Gott seine Wort nicht nur für mich ganz persönlich gesagt hat, sondern für uns alle. Jedem, der Gott vertraut, bekommt von ihm gesagt: Ich geh mit dir mit. Ich lasse dich nicht fallen und ich verlass dich nicht. Und etwas Besseres kann uns nicht gesagt werden. Wenn Gott auf unserer Seite ist, dann können wir darauf hoffen, dass unser Leben gut wird, auch wenn wir nicht wissen, was auf uns zukommt. Und auch wenn es mal schwierig wird, wir brauchen den Mut nicht zu verlieren. Gott ist mit uns, wohin wir auch gehen.
Wenn das so ist, Papa, dann brauche ich auch keine Angst zu haben, wenn wir jetzt weiter ziehen. Ich habe die stärkste Kraft an meiner Seite, die es gibt.
Genau so ist es. Ich habe das damals auch so gesehen. Und dann bin ich mit meinem Volk losmarschiert. Und heute geht es uns gut hier. Und ich vertraue ganz fest darauf: auch auf dem Weg zum nächsten Ort wird Gott uns begleiten und uns zum Guten führen. Nicht immer ohne Schwierigkeiten, aber ganz gewiss von ihm gehalten und geführt, morgen, übermorgen und gewiss auch das ganz nächste Jahr.
Die letzten Worte hatte Simon schon nicht mehr gehört, denn nun hat ihn seine Müdigkeit doch übermannt. Aber jetzt konnte er auch schlafen, denn die Sorge um die Zukunft konnte er getrost in Gottes Hände legen. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 58, 1-3,7+11
Psalm 8
Eingangsliturgie
Gebet
Vater im Himmel. Unsere Zeit liegt in deinen Händen. So bitten wir dich: schenke uns ein segensreiches neues Jahr, in dem wir deine Gegenwart erkennen, in dem wir deine Liebe erfahren, in dem wir dein stärkende Kraft spüren. Das bitten wir ....
Lesung Lukas 4, 16-21
Lied: Unsre Hilfe ist Gott (J.Grote)
Lesung Josua 1, 1-9
Glaubensbekenntnis
Lied: 395,1-3
Predigt
Lied: Von guten Mächten 65,1,3+5+6
Feier des Abendmahles:
Gott, wir nehmen das neue Jahr aus deiner Hand. Wir danken für alles, was du im vergangenen Jahr für uns getan hast und bitten um dein Geleit für das nun kommende Jahr. Wir vertrauen darauf, dass du uns nicht fallen lässt und nicht verlässt. Darum loben und preisen wir dich in deiner Herrlichkeit.
Herr Jesus Christus, du lebst und wirkst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Menschen können dich nicht an die Seite drängen, du bist und bleibst gegenwärtig und bist an unserer Seite. Dafür danken wir dir und wollen daraus leben. So stärke uns nun mit dem, was du am Tag vor deinem Tod an Liebeszeichen hinterlassen hast.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns gegeben hat. Erneuere uns mit deinem Heiligen Geist, führe uns leite uns auf deinen Weg. Wo wir zu schwach sind, da tritt für uns ein, stärke uns und lass uns so in deinem Willen unsere Wege ziehen.
Vaterunser - Austeilung
Votum: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und verlasse dich nicht.
Lied: 171,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Wir bringen unsere Anliegen vor Gott und lassen uns von ihm ermutigen.
Unser Leben läuft nicht immer gradlinig. Wir haben Sorge um das, was vor uns liegt, vor der Ungewissheit der Zukunft. Gilt noch, was uns gestern Halt und Zuversicht gegeben hat?
Liedruf: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und ich verlass dich nicht.
Wir sehen auf die persönlichen Ereignisse des vergangenen Jahres. Da war so viel Gutes, was uns geschenkt wurde, so manches, wofür wir zutiefst dankbar sein können. Lassen wir einiges Wenige davon ins Gedächtnis kommen. (Stille)
Dankbar singen wir gemeinsam: Liedruf: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und ich verlass dich nicht.
Wir sehen auf die dunklen Seiten unseres Lebens. Was wurde uns genommen, was hat unser persönliches Leben beschwert. Auch davon wollen wir einiges ins Gedächtnis kommen lassen (Stille)
Hinein in diese Gedanken stellen wir die ermutigenden Worte unseres Gottes: Liedruf: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und ich verlass dich nicht.
Wir gedenken all derer, deren Not wir kennen und vor Augen haben, aber zu denen wir nicht persönlich gelangen können. Möge das was wir tun in Worten, Gebeten und Taten, ihnen hilfreich sein und ihnen zeigen, was die Losung dieses Jahres so ausdrückt: Liedruf: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und ich verlass dich nicht.
Gütiger Gott. Nimm dich unserer an. Führe und leite du uns in unserem Leben, auf dass wir getrost unsere Wege gehen können. Hilf uns den Menschen so du gute Botschaft zu bringen. Liedruf: Gott spricht: Ich lass nicht fallen und ich verlass dich nicht.
Treuer Gott, wir danken dir dass du für uns da bist. Dir gilt die Ehre in Ewigkeit. Amen
Segen
44
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt
Neujahr 2006
Liturgischer
Ablauf
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