| Predigt |
AT |
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Es geht in dem eben gehörten biblischen Text um Neuanfang. Vor jedem Neuanfang steht der Rückblick. Nachdem Mose, der Knecht des Herrn, gestorben war, so beginnt der Abschnitt, den wir heute Abend bedenken wollen. Mose war gestorben – was hat der nicht alles gemacht, was hat der nicht alles auf den Weg gebracht? Welches Geleit hat er nicht empfangen von Gott? Er überlebt den Befehl, dass alle neugeborenen Söhne der Israeliten umgebracht werden sollten, weil er in einem Schilfkästchen zur Tochter des Pharao kam und dort aufwuchs. Er sah das Elend seiner Landsleute, ja mordete sogar einen Schergen und musste fliehen. Im brennenden Dornbusch wurde er von Gott angesprochen, um eine große Mission zu erfüllen: bring mein Volk ins gelobte Land. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gab der Pharao, nachdem der von den 10 Plagen Gottes heimgesucht wurde, das Volk frei. Begleitet von Feuer- und Wolkensäule führte Mose das Volk durch das Rote Meer, er führte es durch die Wüste, musste gegen viele Widerstände ankämpfen. Auf dem Berg Sinai empfing er die beiden Tafeln der Gebote, die wutschnaubend zerschmetterte als er sah, dass binnen weniger Tag, die zurückgelassenen Israeliten ein goldenes Kalb anbeteten. Mit Mose zusammen aber erreichte das Volk den Jordan, von wo aus er noch einen Blick ins gelobte Land werfen konnte, ohne es je betreten zu können. Wir lassen kein Leben hinter uns, wir blicken am Silvesterabend zurück auf ein Jahr. Von Rettung war viel die Rede, angesichts der vielen Rettungsschirme, die aufgespannt werden mussten, um ein drohendes Finanzchaos zu verhindern. Ob es wohl gelingt in der kommenden Zeit, nicht nur Schirme aufzuspannen, sondern wirkliche Hilfe und Veränderung zu bringen? Es macht schon ein wenig Sorge nach vorne zu schauen und nicht zu wissen, was solch eine Finanzkrise wirklich auslösen kann? Wir haben eine große Bedrohung der Umwelt erlebt, als die Erdbeben in Japan nicht nur einen Tsunami ausgelöst haben, sondern mehrere Atommeiler in einen unkontrollierbaren Zustand gebracht haben, von dem wir bis heute nicht wissen, was wirklich passiert ist und welche Gefahren darin lauern. Die Asse und ihre Gefahren sind dagegen fast klein zu nennen. Der Atomausstieg - sicher ein gutes Zeichen für die Zukunft -bedeutet leider nicht, dass die Gefahr dieser Technologie beseitigt ist. Zu viele Meiler stehen in direkter Nachbarschaft und wir nutzen deren Strom ja auch fleißig weiter im europäischen Stromverbund, von dem jeder einzelne bei uns seinen Energiebedarf deckt. Der Tanz um das goldene Kalb des Fortschritts geht ja munter weiter, und auch ein Elektroauto braucht Strom, der leider sehr schadensträchtig erzeugt wird, obgleich die Energie vom Himmel fällt. Ethische Fragen beschäftigten uns in mehrfacher Hinsicht: Das geistige Eigentum als etwas Wertvolles ansehen, die Gedanken eigenen Nachdenkens honorieren, nicht immer ist das so geschehen, wie es sein sollte. Gerne schmücken sich Menschen mit fremden Federn. Oder nutzen auch Möglichkeiten und Freundschaften aus, um Vorteile für sich zu nutzen. Herr Gutenberg, unser Bundespräsident, sie stellen die Fragen nach Ehrlichkeit, nach Redlichkeit, nach einem Leben, dass bestimmten Werten verpflichtet ist. Wobei ich keine fehlerlosen Menschen in Spitzenämter suche, aber doch aufrichtige, ehrliche und selbstkritische. Den Aufbruch aus der Sklaverei sind viele Menschen im Nahen Osten gegangen. Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um andere Lebensbedingungen zu erkämpfen, Demokratie und Selbstbestimmung. Für uns selbstverständlich, so selbstverständlich, dass wir Wahlbeteiligungen von unter 50% haben. Eigentlich eine Ohrfeige ins Gesicht eines jeden, der in unfreiheitlichen Systemen für die Freiheit sein Leben geopfert hat. Hoffen und beten wir wenigstens, dass nicht die private Diktatur durch eine religiöse abgelöst wird und Fanatismus am Ende wieder unterdrückende Verhältnisse schafft, wo Freiheit sich nicht entfalten kann. Der Weg über den Jordan und das Einrichten im neuen Land es ist ein schwieriger Weg, der da vor den Menschen liegt. Und wie sah ihr Leben aus im vergangenen Jahr. Gab es Rettungen aus äußeren Bedrohungen? Welche Hindernisse gab es zu überwinden im beruflichen und persönlichen Bereich? Konnten Sie Befreiungen erleben, Wege durch ein Meer, das eigentlich undurchdringlich schien? Welche Wüstenwege sind durchschritten, welches Murren überwunden? Welches Kalb hat große Anziehungskraft gehabt? Was hat Sie auf den Weg sinnstiftender Regeln gebracht? Nehmen wir uns ein wenig Zeit den Blick zurückzuwenden. Musik Josua mach dich auf. DU bist jetzt dran. Zieh über den Jordan in das Land, das ich ihnen gegeben habe. Am Jahresanfang spüren wir alle etwas von diesem Aufbruch. Nicht nur in den guten Vorsätzen oder den Orakeln beim Bleigießen spüren wir das. Der Neujahrstag hat etwas von Erneuerung. Und auf dem Weg dahin hören wir nun die Worte der Bibel: mach dich auf. Die sind zwar zu Josua gesagt, aber wir dürfen sie uns ebenso sagen lassen. Mach dich auf in das nächste Jahr. Nimm es in die Hand. Es ist dein Leben. Es ist die Zeit, die uns von Gott geschenkt ist. Sie gilt es nun zu füllen, mit den Möglichkeiten, die ein jeder von uns hat, in den Grenzen, die uns durch unsere Person und die äußeren Umstände gesetzt sind. Aber es ist ein weites und fruchtbares Land, das Gott uns da gibt im neuen Jahr. Wir können es beackern, können das unsere dazu tun, etwas daraus zu machen. Und dazu werden wir auch noch mit guten Worten ermutigt. Wie ich mit Mose war, so will ich mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Wir müssen Gottes Geleit nicht immer direkt in unserem Leben ablesen, so deute ich diese Worte für den heutigen Abend. Oft sind es Erfahrungen anderer, z.B. der biblischen Figuren, aber auch die derjenigen, die diesen Worten vertrauen. Sie zeigen uns, dass wir uns in unserem Leben auf das Geleit Gottes verlassen können, auch wenn wir keine Wolken- oder Feuersäule vor uns hergehen haben. Wer mit Gott seinen Weg geht, der weiß, dass er nicht für alles alleine verantwortlich ist, der weiß um seine Grenzen, er weiß um seine Möglichkeiten, er weiß – so hoffe ich-, dass man mit Gott auch Mauern überspringen kann. Wer mit Gott auf dem Weg ist, der hat eine Orientierung, weiß sich gebunden an den, der Leben schafft und der mit seinen Weisungen nicht einschränken, sondern Leben und Gemeinschaft fördern will. Geh und mach dich auf, ich lass dich nicht im Stich Sei getrost und unverzagt und verliere nicht den Mut, denn ich der Herr, dein Gott, bin mit dir wohin du auch gehst. So lautet die Schlussverheißung in moderner Übersetzung. Eigentlich muss man das gar nicht auslegen. Das spricht für sich, das spüren auch viele Konfis, die diesen Satz gern als Konfirmationsspruch aussuchen. Wobei es ja nicht nur Ermutigung ist, sondern dahinter steht auch ein klarer Blick aufs Leben steht. Wenn ich höre, ich möge getrost und unverzagt sein, dann steht dahinter auch das Wissen, dass das Leben Zeiten und Erfahrungen bringt, die eben nicht ermutigend sind, sondern die trostlos machen, die verzagen lassen. Das geht nicht an uns vorüber, diesen Lebensstationen können wir nicht entgehen. Das ist Teil unseres Lebens und das wollte Gott den Menschen nie nehmen. Unser Leben findet eben in der Welt statt und nicht im Paradies. Doch gerade diese Zeiten sind die, die uns stärken, die uns reifen lassen, die uns auch zeigen, dass wir loslassen können, dass wir Getragene sind. Das sind die Situationen, die Paulus erlebt hat, als ihm das Wort Christi vor Augen geführt wurde, das im nächsten Jahr die Jahreslosung ist: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Dabei geht es nicht um die allgemeinmenschlichen Schwächen, die vor allem darin deutlich werden, dass die guten Vorsätze des neuen Jahres schnell wieder beiseite geschoben werden. Es geht darum, dass Menschen sich als schwach erleben, dass sie durch die Lebensereignisse in Situationen gebracht werden, wo die eigenen Kräfte und Möglichkeiten nicht mehr die sind, die durchs Leben tragen. Es sind die Lebenszeiten, wo wir uns aus der Hand geben müssen, wo wir uns anvertrauen müssen. Paulus hat in seinen Gefangenschaften, in seinen Krankheitsschüben, in seinen Anfeindungen durch Fremde und geistliche Geschwister oft an sich und seinem Leben gezweifelt. Doch gerade darin wurde ihm deutlich: es geht nicht um deine eigenen Stärken und Möglichkeiten, so sehr du dein Leben auch selber gestalten und meistern musst. Es geht darum, dass du weißt, wo dein letzter Halt ist, wenn alles um dich haltlos ist. Gerade dort hat er die Stärke und Kraft erfahren, die er brauchte, um seinen Weg konsequent nach vorne zu gehen, um gleichsam das gelobte Land seines Lebens durch den Glauben zu einem fruchtbaren und ertragreichen Land zu machen. Geistliche Bindung schafft eine ganz eigene Art innerer Freiheit. Und diese Freiheit stützt sich auf die Zusage, die schon Josua damals empfangen hat und mit der wir ins neue Jahr gehen. Gott bindet sich an uns und gibt uns damit die Gewissheit, zuversichtlich unsere Wege gehen zu können. Sei getrost und unverzagt und verliere nicht den Mut, denn ich der Herr, dein Gott bin mit dir, wohin du auch gehst. Amen.
Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: L 17 Unsre Hilfe ist Gott Psalm 121 Eingangsliturgie Gebet EGb S. 265 Nr. 2 Lesung Röm 8 Lied 58, 1-3+6+7 Lesung: Jos 1, 1-9 Glaubensbekenntnis Lied 63, 1,2,5,6 Das Jahr geht still zu Ende Predigt Lied: L 4 Sei getrost Abendmahl Gott unser Vater! Du begleitest unser Leben, du bist väterlich und mütterlich für uns da. Selbst dort, wo wir dich nicht erkannt haben, warst du gegenwärtig als mitleidender, tragender und stärkender Gott. Dafür wollen wir dir danken, dafür loben und preisen wir dich. Großer Gott, wir loben dich. 331,1+2 Herr Jesus Christus. Dir wollen wir vertrauen auf unserem Weg im neuen Jahr. Dir wollen wir uns anvertrauen und mit deiner Hilfe nach vorne sehen. Geleite uns mit deiner Kraft, deinem Vertrauen und deiner Liebe. Stärke uns dazu mit deinem Heiligen Mahl. Einsetzungsworte Heiliger Geist, erfülle uns und erneuere uns. Lass uns geführt von dir unsere Wege ziehen, in der Liebe zu den Menschen, in der Hoffnung auf gute Zukunft. Vaterunser Gehet hin im Frieden: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Lied: Von guten Mächten 65, 1, 2, 5 Fürbittengebet Gott, wir nehmen Abschied vom alten Jahr!
In deine Hände legen wir
alles hinein, was misslungen ist. Nimm in deiner Liebe unsere Schuld,
unsere Unzulänglichkeiten, unseren Ärger, unsere Lieblosigkeit, unseren
Frust, unsere Hartherzigkeit bei dir auf. Schenke uns deinen Frieden,
dass wir nicht hadern angesichts dessen, was war und was unser Herz
beschwert. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
In deine Hände legen wir
alles hinein, was gelungen ist. Gott, öffne uns für das neue Jahr, dass wir mit Zuversicht in die unbekannte Zukunft blicken; dass wir das Hoffen nicht verlernen oder neu erlernen; dass wir darauf vertrauen können, dass du mit uns gehst und deine Fürsorge niemals endet. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Dir befehlen wir uns und alle Menschen an, die uns nahe stehen, dir vertrauen wir die Menschen an, die ferner sind und deine Hilfe dringend brauchen. Dir vertrauen wir die kommende Zeit an: mache sie zu deiner Zeit in der wir Menschen aus deiner Fülle schöpfen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. In deine Hände legen wir unser Leben. Denn du Gott bist unsere Hilfe an jedem Tag, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen Segen 44
Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.
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