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Jes 9, 1

Weihnachten ist doch das Fest des Friedens, das muss er als Pfarrer doch wissen. So sagte die Mutter im Krippenspiel
Ist Weihnachen für uns das Fest des Friedens und wenn ja, woran können wir es festmachen?
Rein äußerlich betrachtet ist das Friedensfest der Christen ein Geschenkefest. Zumindest schielt die Wirtschaft auf die Umsatzzahlen dieser Tage und daraus ergeben sich Prognosen für die kommende Zeit. Doch seien wir mal ehrlich: so sehr wir uns auch am Schenken beteiligen – und das macht ja auch Freude nicht nur für Kinder – so sehr spüren wir doch gerade in dieser Stunde hier im Gottesdienst, dass es das doch nicht wirklich sein kann. Weihnachten nur ein Fest des Schenkens.
Es ist etwas anderes, das diesen Abend zu einem ganz wichtigen Abend macht, etwas, das uns auch der ganze Weihnachtsrummel nicht nehmen, aber auch nicht geben kann. Ich denke, das Weihnachtsfest drückt etwas aus, was tiefe Sehnsucht in uns ist, die wir auch immer wieder neu angesprochen wissen wollen.
Weihnachten ist die große Zusage an uns Menschen, dass es einen Frieden gibt, der Höher ist als alle Vernunft der Menschen sich auszudenken vermag. Und mit dem Wort Frieden ist mehr gemeint als nur das Schweigen irgendwelcher Waffen am 24. Dezember.
Frieden, dahinter verbirgt sich der innere Friede. Es geht um das Angenommensein in der Welt. Es geht darum, dass ich als Mensch in dieser Welt meinen Platz habe, hinein genommen bin in das große Ganze und dass ich wichtig bin. Gott wird Mensch – und das ist das große Zeichen dieser Zusage des Angenommenseins. Gott bleibt nicht jemand, der weit weg ist von uns Menschen, sondern er wird Teil dieses menschlichen Lebens, er wird Teil dieser Welt, um eben dieser Welt seine Gemeinschaft anzusagen. Er will uns Menschen seine Liebe zeigen. Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Wer sich nicht angenommen weiß, der sieht sich selber im Dunkeln. Doch in der Krippe liegend scheint das Licht in unsere Welt und zeigt uns: du Mensch bist wichtig. Jeder einzelne von euch. So sehr ihr auch ersetzbar seid für die Abläufe dieser Welt, bei Gott seid ihr nicht ersetzbar, da hat jeder seinen Platz, seine Bedeutung, seinen Sinn in dieser Welt. Dafür ist Gott Mensch geworden, um das ein für alle Mal festzuschreiben. Und darin liegt ein Teil des Friedens, den Gott für uns will.
Eng damit zusammen hängt, dass auch eine andere Sehnsucht in diesem Kind verborgen liegt: im Angenommensein, liegt auch das Angenommensein mit all dem, was an persönlicher Last auf uns liegt. Gott geht seinen Weg zu uns Menschen unabhängig davon, was wir getan haben, was wir an Schuld auf uns geladen haben. Er kommt und sagt durch das Kind in der Krippe: komm zu mir, lade ab, was drückt, ich will es dir abnehmen. Du darfst wieder werden wir ein Kind, darfst das alles hinter dir lassen und neu beginnen. Gott schiebt uns nicht als unvollkommene Menschen beiseite, sondern sucht uns, kommt auf uns zu, um uns so zu erneuern. Auch das ist Weihnachten, so wir es denn von Karfreitag und Oster her recht wahrnehmen.
Zur Sehnsucht des Friedens gehört auch die Gemeinschaft. Sie wird in unseren Feiern vor allem sichtbar in den familiären Gemeinschaften, die wir pflegen. An keinem anderen Fest steht die Familie an erster Stelle. Aber an keinem anderen Fest ist auch der Druck so groß, dass familiäre Gemeinschaft gelingt. Wir spüren die Sehnsucht und wollen diese Gemeinschaft auf spüren und leben. Weihnachten gibt uns dazu Anlass und Gelegenheit, am besten dann, wenn wir diese Gemeinschaft nach seinem Vorbild leben: nämlich so, dass wir einander annehmen wie wir sind, dass wir einander erst einmal so nehmen, wie wir uns entwickelt haben, und nicht so wie wir den anderen gerne hätten. Darin liegt ein ganz wichtiges Element des Friedens, den Gott gebracht hat und der zu Weihnachten Raum gewinnen sollte. Wer den anderen annimmt, wie er ist, der gewinnt einen anderen Zugang zum anderen und zu sich selber. Und daraus kann sich dann auch Neues entwickeln, dann kann - bildlich gesprochen - ein neues Kind der Gemeinsamkeit entstehen und Gemeinschaft erneuern. Jesus hat diesen Teil des Friedens immer wieder lebendig gemacht, so dass wir in seiner Nachfolge zum Fest seiner Geburt dies auch lebendig machen können.
Die familiäre Gemeinschaft weist in seiner Sehnsucht natürlich auch über die Grenzen der Familie hinaus. Weihnachten macht uns empfindsam für den Unfrieden und die Ungerechtigkeit in unserer Welt. Auch das ist eine Sehnsucht, die in uns ist: es soll gerecht und friedlich zugehen bei uns und in aller Welt. Darum leiden wir an den Kriegen, die in dieser Zeit geführt werden, wir leiden an der Gewalt, die jeden Tag geübt wird, wir leiden an der Not, die in dieser Welt immer noch herrscht, wir sind innerlich zerrissen angesichts der Ungerechtigkeit in dieser Welt.
Schieben wir dies nicht als sentimentales Denken beiseite und überlassen die Welt ihren eigenen Gesetzen. Die Botschaft vom Licht im Finstern, die Botschaft vom Hineinkommen der Wirklichkeit Gottes in diese Welt wie sie ist, sie zeigt uns, dass es eben nicht nur die Gedanken des : so ist es nun einmal gibt, sondern dass inmitten dieser Welt auch ganz andere Gedanken ihren Raum haben: Gedanken von einem Frieden, den es immer wieder neu umzusetzen gilt. Gott bringt den Frieden in die Welt in einem Kind. Ein Kind ist klein, unscheinbar, zerbrechlich, hilflos und machtlos. So wie viele unserer Bemühungen, den Frieden zu fördern, die Gerechtigkeit in der Welt zu stärken. Es ist wie das Reden und Handeln eines Kindes, das gegen die Erwachsenen keine Chance hat. Und doch liegt im Kind auch etwas ansprechendes, etwas hoffnungsvolles, etwas schützenswertes, etwas, das zu entwickeln sich lohnt. So wie politischer Friede etwas ist, was zu schützen ist, was entwickelt werden muss, damit eben nicht Menschen zu schaden kommen, damit Leid überwunden wird. Gerechtigkeit hat seinen Platz in der Welt, weil Gott nicht nur zu einem gekommen ist, sondern zu allen, auf dass jeder sein Lebensrecht wahrnehmen kann. Insofern ist Weihnachten auch Ansporn sich gesellschaftlich zu engagieren und einzubringen, um die Gemeinschaft der Menschen im kleinen und großen zu fördern. Und das gilt es festzuhalten gerade auch in einer Zeit, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse sich nicht bessern, sondern der Druck auf jeden einzelnen immer größer wird.
Gerade hier ist die Botschaft von Weihnachten so wichtig: Gott schenkt uns Frieden, einen Frieden, der einen jeden ganz persönlich anspricht, der im ganz persönlichen Leben seine Bedeutung hat, aber auch darüber hinaus wirkt, als Antrieb und Ansporn dem Leben in dieser Welt ein gottgemäßes Antlitz zu geben.
Das Licht, das unsere Finsternis im ganz persönlichen Bereich erhellt, möge weiter strahlen in die Welt, es gilt allen Menschen. Denn so wie Hirten und Könige, Arme und Reiche, Einheimische und Fremde an der Krippe standen und die Friedensbotschaft für sich und andere gehört und weiter getragen haben, so möge auch uns diese Botschaft miteinander verbinden, füreinander öffnen. So trägt ein jeder dazu bei, das Licht der Krippe in der Welt als Licht des umfassenden Friedens zum Leuchten zu bringen. Der Stern von Bethlehem leuchtet uns – reflektieren wir ihn und bringen Licht ins Dunkel dieser Welt. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Vorspiel
Gesang  – Tochter Zion
Votum
Lied: Vom Himmel hoch ...24,1-4+15
Gebet
Gütiger Gott und Vater!
Wir kommen aus der Unruhe der Vorweihnachtstage. Vieles wollte bedacht sein, vieles vorbereitet werden. Doch nun sind wir hier, bei dir. Nimm du nun in deine Hand, was wir erdacht haben und führe es zum Guten, so wie du willst. Nimm von uns, was uns bedrückt und belastet angesichts der Organisation dieses Festes. Lass uns stille werden vor dir, um zu hören, was du uns zu Weihnachten schenken willst. Öffne unsere Ohren und Herzen für Botschaft deines Kommens. Das bitten wir durch Jesus Christus ....
Lesung: Lk 2
Lied: 54, 1-3
Krippenspiel
Gesang -  Herbei oh ihr Gläubigen
Predigt
Lied: Stille Nacht 46, 1-3
Fürbitten
Barmherziger Vater im Himmel!
Wir danken dir für dein Kommen in unsere Welt. Du bist uns als Mensch nahe gekommen, bist uns vertraut geworden und du zeigst uns, dass jeder von uns dir anvertraut ist. Dankbar hören wir das und wollen darauf unser Vertrauen setzen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir Gott, dass du in unsere Welt den Frieden bringst, nach dem wir immer wieder Ausschau halten. Wir bitten dich hilf uns, diesen Frieden für uns anzunehmen und für andere weiter zu geben. Lass das Licht deiner Liebe so in aller Welt für alle Menschen aufleuchten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir Gott, dass wir in Gemeinschaften leben können, dass Menschen an unserer Seite sind, denen wir verbunden sind und die für uns da sind. Wir bitten für alle, die am heutigen Abend für sich alleine sind, dass sie dennoch erfahren, dass sie nicht allein gelassen sind, sondern zu anderen Zeiten Gemeinschaft erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir, dass wir einander materiell beschenken können, dass es uns gut geht. Wir bitten für alle Menschen, denen dies nicht möglich ist, weil die Lebensumstände es nicht zulassen. Hilf Ihnen, das Geschenk von Gemeinschaft und Annahme neu zu erkennen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir, gütiger Gott, für das Fest von Weihnachten und bitten dich, lass es für uns und alle Menschen in unseren Herzen Weihnachten werden, komme du in unserem Herzen neu zur Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
24. 12. 2005
Liturgischer
Ablauf
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