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Totensonntag. Was ist das für ein für Sie, die Sie hier im Gottesdienst sitzen? Zunächst einmal ein Tag, der in die Vergangenheit weist. Wir erinnern uns der Menschen, die seit dem 1. Advent 1999 verstorben sind. Wir hören nachher ihre Namen. Und bei jedem Namen wird ein Stück Erinnerung wach, bei dem einen mehr , bei dem anderen weniger. Das Leben des Verstorbenen lebt wieder auf, die Gedanken an gemeinsame Zeit wird wieder lebendig. Und das ja auch schon, als das Grab für diesen Tag hergerichtet wurde. Und auch diejenigen, die ihren Abschied schon länger hinter sich haben, sie gehen zurück in die Vergangenheit. Gewesenes gewinnt wieder an Bedeutung, es wird als ein Teil des eigenen Lebens gesehen und betrauert. Und so ist die Gegenwart in diesen Tagen sehr geprägt von der Vergangenheit. Der Tod eines liebgewordenen Menschen, der Abschied, das Alleinsein, die Trauer, all das wird an diesem Tag wieder lebendig oder noch lebendiger als es ohnehin schon ist. Die bedrückende Wahrheit des Todes umgreift unser Leben und wir werden davon wieder einmal stark berührt. Das ist schmerzhaft und man möchte es eigentlich gar nicht so gerne erleben. Aber es ist nun einmal da, wir können es nicht beiseite schieben und es läßt sich ja auch nicht ändern. Das Hier und Heute ist davon begleitet und unser Leben von daher bestimmt. Nun heißt dieser Sonntag allerdings nicht nur Totensonntag oder etwas schöner formuliert "Gedenktag der Entschlafenen", sondern wir feiern ihn als Ewigkeitssonntag. Damit wird in diesem Gottesdienst eine Dimension in unsere Gedankenwelt, die in unserem alltäglichen Denken nur wenig Raum hat, aber im Angesicht des Todes so wichtig wird. Denn zu dem heutigen Tag gehört nicht nur die Rückschau und die Erinnerung des Vergangenen, es geht nicht nur um die Traurigkeit in der Gegenwart, sondern es geht auch um die Zukunft, die vor uns liegt, für uns als Lebende, für uns als solche, die auch auf den Tod zugehen. Der Gedanke der Ewigkeit ist einer, der Raum und Zeit übergreift. Er hat Bedeutung für das Gestern, für das Heute und für das Morgen. Und das möchte ich versuchen Ihnen mitzugeben, ihnen, die noch ganz erfüllt sind von der Trauer des vergangenen Jahres, aber auch denen, die die Trauer für sich schon überwunden haben oder noch vor sich haben. Wir haben vorhin in der Lesung gehört: Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Dieser Satz will zunächst daran erinnern, dass Gottes Schöpferhandeln noch nicht zu Ende ist. Gerade wenn wir das auf dem Hintergrund des Lebens eines Verstorbenen sieht, so wird das sehr lebendig. Als Glaubende vertrauen wir zunächst darauf, dass wir Menschen von Gott erschaffen wurden. Der Mensch, den wir verloren haben, wir selber, die wir den Weg des Sterbens dereinst gehen werden, wir sind von ihm erdacht, gewollt und er hat uns in diese Welt gestellt. Wir sind also umfangen von der Ewigkeit Gottes vor aller Zeit. Und hier auf der Erde leben wir unser Leben im Angesicht dieses Gottes. In mehr oder weniger enger Verbundenheit leben wir mit diesem Gott, versuchen das uns geschenkte Leben zu gestalten. Und Gott weiß, dass diese Welt nicht paradiesisch ist. Wir erleben es jeden Tag neu, dass dieses Leben von Leid, von Not und Elend, von Sterben, Tod, Abschied und Trauer begleitet ist. Und doch ist auch mitten darin ein Stück dieser Ewigkeit sichtbar, wo wir im Glauben die Güte Gottes erfahren. Und die hängt gewiß nicht an den guten Seiten des Lebens, sie kann auch spürbar werden in den leidvollen Tagen des Lebens. Ein Gebet am Sterbebett, es hat etwas wundervoll tröstliches und läßt das Licht der Ewigkeit aufblitzen. Das Vertrauen, dass auch im Leid nicht verloren geht, darin liegt etwas von dem Gehaltensein durch die Kraft Gottes, die von Ewigkeit zu Ewigkeit her besteht und tragen will. Und jedes kleine Glück, jeder noch so kleine Funke Hoffnung und Vertrauen weisen uns darauf hin, dass wir nicht nur in die Welt geworfen und dort alleine für uns sind, sondern dass da eine Kraft wirksam ist, die höher ist als wir Menschen je mit unserem Verstande begreifen können. Ja und dann das Ende. Für die einen ist es das Ende, nach dem nichts mehr kommt. Aus, Schluß, vorbei. Für uns Christen, die sich verbunden wissen mit Jesus Christus, ist es etwas anderes. Der Tod ist eine Durchgangsstation in ein unbegreiflich neues Leben. Die Bibel spricht von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Näher können wir das nicht beschreiben und auch die Bibel tut das nur in wagen Andeutungen: Freude wird sein, Stimmen des Klagens sind verstummt, das Gegeneinander wird aufhören, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Tieren. Sehr kritische Menschen werden sagen, dass damit Menschen doch nur vertröstet werden sollen auf ein wie auch immer geartetes besseres danach, damit sie, das was ist, nicht so tragisch nehmen sollen. Sicher kann man so denken, nur denkt man dann ohne Gott. Ein Gott, der von Ewigkeit her kommt, und der den Menschen dann nur ins Leben wirft, um ihn darin allein zu lassen, er wäre ein unmenschlicher Gott. Aber weder der Gott es Alten Testamentes, noch das Gottesbild des neuen Testamentes beschreiben einen solchen Gott. Unser Gott ist ein zugewandter Gott, ein Gott, der den Menschen entgegenkommt, der ihnen hilft, der ihnen Weisung gibt und so seine Gegenwart und seinen Willen für uns Menschen bekundet. Jesus Christus hat in seinem Tun diese Zuwendung und Barmherzigkeit Gottes lebendig gemacht für alle Menschen, vor allem für die, die Gott aus den Augen verloren haben. Sie zurückzuholen, was das große Anliegen Jesu, dafür ist er auch am Kreuz gestorben. Sollte der diesen Weg gehen, um dann dem Menschen zu sagen, Gott ist bei deinem Tod am Ende? Nein, Gott wäre nicht Gott, hätte er nicht auch den Tod in seinen Händen. Die Auferstehung Jesu ist das große Siegeszeichen und der Anfang des neuen Lebens, des neuen Himmel und der neuen Erde. Der neue Lebensraum, den Gott schafft, er ist das Zeichen dafür, dass wir Menschen aus dieser Ewigkeit Gottes nicht herausfallen. Leben wir so leben wir dem Herrn, und sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darum ob wir leben oder sterben, wir sind und wir bleiben des Herrn, so hat es der Apostel Paulus formuliert. Was bedeutet das nun für uns, die wir Abschied nehmen, unser Leben neu in die Hand nehmen müssen, aber auch selber dem Tod entgegengehen? Schauen wir auf den Verstorbenen, so bedeutet der neue Himmel und die neue Erde für mich, dass der oder die Verstorbene getrost losgelassen werden kann. Wir geben sie nicht in fremde Hände, wir vertrauen, dass Gott aus diesem Menschen etwas neues schafft und er oder sie so nicht aus der Grundbeziehung des Lebens und der Liebe herausfällt. Wir dürfen etwas erwarten, auch wenn wir es nicht beschreiben können. Wir dürfen etwas von Gott her gutes und friedvolles erwarten, so wie er auch Jesus Christus erneuert hat und ihn in seine friedvolle Gemeinschaft gerufen hat. Schauen wir auf uns selber, so dürfen wir unsere Trauer auch getrost in Gottes Hände legen. Alle Klagen, allen Schmerz, alle Tränen dürfen wir ihm anheim geben, denn er wird daraus Neues schaffen, nicht erst am Ende der Tage, sondern schon jetzt. Wir leben ja nach dem Tod eines Menschen in einer neuen Situation. Das Leben muß neu gestaltet werden, es ist nicht mehr das alte. Das alte ist vergangen, aber siehe: ich mache alles neu. Das gilt für unsere Tage hier auf Erden. Als von Gott umgebene Tage, darf ich das Neue im Leben freudig erwarten, selbst dort wo die Trauer mich noch ganz umgibt. Doch Trauer bedeutet ja nicht, dass es keine Zukunft gibt, sondern nur, dass mein Blick zur Zeit rückwärts gewandt ist. Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, das heißt für mich immer auch, ich darf nach vorne schauen und von dem der mich bis hierher getragen hat, erwarten, dass er auch in solcher Situation Leben, neues Leben für mich hat. Das muß keine große Veränderung sein, manches wird in Kleinigkeiten sichtbar, bis hin dazu, dass die eigenen Wünsche und Lebensvorstellungen wieder mehr Raum gewinnen und das Leben ein neues Antlitz bekommt. Darin schafft Gott neues Leben, einen neuen Himmel und eine neue Erde mitten in dieser Welt. Gleichzeitig aber bleibt auch die Hoffnung auf die Überwindung dessen, was dieses Leben immer in Frage stellt, wenn wir diese Worte vor allem auf das Leben mit Gott nach dem Tod bedenken. Sie geben eine Lebensperspektive, die die Angst vor dem Tod überwinden hilft. Das Sterben, das mag uns ängstigen, denn es steht ja immer die Frage im Raum, wie wird mein letzter Weg sein, doch der Tod verliert seine Bedrohung, wenn wir wissen und darauf vertrauen, was Gott vor hat. Seine Macht bleibt in Ewigkeit und auch wir haben Anteil an dieser Ewigkeit. Der heutige Sonntag weist uns erneut darauf hin. Deshalb ist dies nicht nur ein Tag, an dem wir die Vergangenheit und unserer Gegenwart im Blick haben, sondern in dem wir auch nach vorne schauen, und die Zeitdimension unseres Lebens dadurch überschreiten, dass wir uns hineinnehmen lassen, in die Ewigkeit Gottes, die immer eine Ewigkeit ist, die dem Menschen und damit uns zugewandt ist. Mit ihr verbunden, auf sie vertrauend, können wir getrost leben, getrost Abschied nehmen und getrost unserem eigenen Sterben entgegengehen. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel
Lesung: Jes 65, 17-19.23-25
Wir feiern Abendmahl. Wir gedenken dabei des Todes Jesu, und spüren die Trauer
angesichts eigener Abschiedserfahrungen. Jesus hat uns sein Abendmahl
hinterlassen als eine Art Unterpfand der Ewigkeit. Wir nehmen Brot und Saft
entgegen als Zeichen der ewigen Verbundenheit mit Gott in Christus, er ist uns
nahe, er geht in uns ein, und er vermag uns neu zu schaffen. Einsetzungsworte Geheimnis des Glaubens - Deinen Tod, o Herr, ... Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns geben hast. Stärke uns durch deinen Geist, erneuere uns zu einem neuen Leben, wecke in uns die Hoffnung, die Leid und Trauer zu überwinden vermag.
Vaterunser - Austeilung
Fürbittengebet
Segen |
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