Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Jes 60,1-6

6. Januar – Fest der Heiligen Drei Könige. Für die orthodoxe Kirche ist heute erst Weihnachten. Jetzt gibt’s Geschenke. Macht ja eigentlich auch Sinn, zumindest wenn man die Gaben der Geschenke unter uns mit den Gaben der drei Weisen aus dem Morgenland in Verbindung bringt. Gold, Weihrauch und Myrre bringen die drei zur Krippe – wir bringen unsere Geschenke zu den Menschen, die wir lieben.
Aber die Bibel überliefert diese Geschichte ja nicht, damit wir einen guten Grund haben uns am Weihnachtsfest – wann immer wir es als Christen feiern –Geschenke zu überreichen.
Wir haben heute zwei Texte gehört. Einmal die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, wie Luther die drei Personen beschreibt. Es sind Menschen, die von weither sind und sich auf Grund einer Sternenkonstellation auf den Weg machen. Es sind Menschen, die den Himmel anschauen und ihre Schlüsse ziehen. Ein Licht vom Himmel – ein weltveränderndes Ereignis. Das müssen wir genauer sehen, das müssen wir erkunden, die Wahrheit erkennen.
Darin steckt etwas, was mir auch schon am Heiligen Abend wichtig war. Weihnachten hat etwas mit Aufbruch zu tun. Es hat etwas damit zu tun, dass wir uns selber auf den Weg machen, um dem Ereignis, das da geschehen ist, näher zu kommen. Und so beginnt auch der alte Text aus dem Jesajabuch, den wir zu Beginn gehört haben, mit den Worten: mache dich auf.
Das Leben als Christen ist ein Leben im steten Aufbruch, im steten unterwegs sein. Dies ist nicht allein bildlich gemeint, sondern gewiss auch ganz real. Und nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Gott selber.
Weihnachen, Gott wird Mensch. Gott bricht auf, begibt sich in unsere menschliche Welt, nimmt menschliche Gestalt an und ist unter den Menschen unterwegs. Nicht nur als Wolken- und Feuersäule wie bei Moses Auszug aus Ägypten, nicht nur als der leise Windhauch wie beim Propheten Elia, nicht nur im Wort der Propheten will Gott gegenwärtig sein unter uns Menschen, nein, am Ende seiner Erscheinungen wird er Mensch unter Menschen. Gott macht sich auf, um uns einen an die Seite zu stellen, der uns durch sein Leben, durch sein Handeln, durch sein Reden vor Augen stellt, wie menschliches Leben gelingen kann. Er macht sich auf, um in den so bedrängenden Lebenssituationen von Angst und Hilflosigkeit, von Verfolgung, Leiden, Schmerzen und Tod zu zeigen: ich bin da, du bist nicht alleine. Es ist eine Kraft und Macht an deiner Seite, in dessen Hände du dich mit deinem ganzen Vertrauen begeben kannst. Ich lasse dich nicht fallen und ich verlass dich nicht. Ganz gleich, wie das Leben aussieht, Gott steht an unserer Seite. Das will Gott uns zeigen, darum macht er sich auf den Weg, um in Jesus Christus seine Liebe und Barmherzigkeit für uns alle zu zeigen. Gott macht sich auf, wird licht, sein Licht ist zu uns gekommen: Jesus Christus das Licht der Welt.

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Gesagt sind diese Worte an das Volk Israel. In Hoffnungsloser Zeit macht der Prophet Jesaja im Namen Gottes den Menschen Mut, denn eine politische Veränderung stand bevor, die das Leben der Menschen erneuern sollte. Sie leben in einer Zeit, von der Jesaja sagt: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Die ersten Christen kannten diese Verheißung. Und sie haben sie nach dem Erscheinen Jesu ganz neu gelesen und verstanden. Mit Jesus ist genau dieses Licht gekommen, ist Gottes Herrlichkeit nun vollends sichtbar in der Welt. Und diese Herrlichkeit gilt nun nicht mehr nur dem Volk Israel als dem alten Gottesvolk, sondern es gilt für alle Menschen. Juden und Heiden, wie es damals unterschieden wird. Alle sollen Anteil haben an dieser Herrlichkeit Gottes, alles sollen sehen, wie nahe Gott uns Menschen kommt. Und so entstand diese wunderbare Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die später zu den drei Königen wurden. Ziel der Geschichte ist es, deutlich zu machen, dass Menschen aus der ganzen Welt kommen und Jesus anbeten. Die vermeintliche Begrenzung der Liebe Gottes auf sein Volk wird aufgehoben, diese Liebe gilt allen Völkern. Und alle Welt macht sich auf den Weg. Und dass aus den Weisen dann in der Volksfrömmigkeit Könige werden, das hat auch seinen Grund. Die Macht Gottes ist größer als die Macht der Mächtigen. Hier ist der wahre König zu finden, dem die menschliche Macht sich zu unterwerfen hat. An der Krippe ist der Hirt genauso groß wie der König – oder König genauso klein wie der Hirt. Im Angesicht Jesu Christi, im Angesicht Gottes gibt es kein oben und unten, keine Macht und kein Ansehen, hier zählt nur der Mensch und seine Beziehung zu Gott und Jesus Christus. Im Lob Gottes sind wir alle eins. So verändert Weihnachten die Maßstäbe der Welt.
Nur ist dies eben nicht einfach so da und für jeden einsichtig und sofort Teil seines Lebens. Gott kommt zu den Menschen, das ist ganz wichtig, aber es gibt eben auch den anderen Weg, den Weg der Menschen zu Gott oder – geistlich wohl doch richtiger gesagt: unseren Weg der Antwort auf diese ganz eigene Art der Anrede Gottes an uns Menschen. Denn das müssen wir immer wieder erkennen: wenn wir uns auf den Weg machen, um Jesus näher kennen zu lernen, um ein Leben im Glauben an Christus zu führen, so ist dies immer so wie bei den drei Weisen: der Stern steht längst am Himmel, das Licht Gottes scheint uns immer schon entgegen, wir gehen nur auf dieses Licht zu, wir stellen es nicht her. Oder anders gesagt: die Hand Gottes ist immer schon ausgestreckt, wir können sie nicht fordern oder erarbeiten, wir können sie nur ergreifen, als die liebende Hand unseres väterlichen und mütterlichen Gottes, der uns seine Gemeinschaft schenkt.
Ein Weg bleibt. Unser Weg des Lebens, der in steter Auseinandersetzung mit diesem Gott gegangen wird. Mache dich auf, werde licht, so werden uns heute morgen plakativ angesprochen. Christsein ist keine Religion des stille Sitzens, es ist keine Glaube, der nur sich selber im Blick hat. Bildlich und real ist es ein bewegter und bewegender Glaube, der sich auf Jesus Christus gründet.
Ein Beispiel dafür ist für mich, dass der Glaube keiner ist, den ich einfach so habe und festhalten kann. Das Leben stellt unseren Glauben immer wieder in Frage. All das, was ich so erlebe an Gutem, an Schönem, an Schwierigem und Leidvollem das will doch immer wieder auch mit Gott und Jesus Christus in Beziehung gebracht werden. Und das fällt manches Mal leicht und manches Mal sehr schwer, das zu tun. Wir fragen im Tod, wir fragen im Leid nach Gott und bekommen so wenig Antwort. Wir möchten in diesen Zeiten stille stehen, haben oft genug auch nicht die Kraft weiter zu gehen. Doch von Gott er wird uns gesagt: du kannst weiter gehen. Dein Leben liegt vor dir. Selbst im Sterben noch spreche ich dir zu: du hast eine Zukunft. So bringt uns Gott selber nach vorne. Zaghaft, mühselig, immer wieder auch von Zweifel geplagt. Und doch: Gott ermutigt nach vorne zu sehen. Geh, ich helfe dir, ich trage dich auch. Ich gebe dir die Kraft. Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Das steht im Raum und das bringt uns weiter, lässt uns nach vorne gehen und sehen, das lässt uns leben. Es ist eine Bewegung von Zweifel zum Vertrauen, eine Bewegung des Fragens und Suchens und des Hoffens in der Auseinandersetzung mit Gott, der uns in seinem Wort und in Jesus Christus lebendig begegnet. Darin liegt eine der Bewegungen von denen ich spreche. Leben mit Gott, geistlich Leben, das heißt im Grunde immer wieder dem Licht Gottes folgen, in der inneren Auseinandersetzung und auch im äußeren Leben des Glaubens.
Und da sind wir dann bei der zweiten Bewegung. Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Der christlicher Glaube lässt uns nicht bei uns selber stehen bleiben. Wir werden auf den Weg geschickt, um dieses Licht Gottes in die Welt zu tragen. Mache dich auf, werde licht. Ihr seid das Licht der Welt hat Jesus gesagt. Wir sind keine Religion der Innerlichkeit, so sehr die innere Verbundenheit, die Stille und die persönliche Religiosität auch ihre Bedeutung hat. Doch noch wichtiger ist, dass wir von Jesus an die anderen Menschen gewiesen werden. Geht hin in alle Welt .... und machet nicht nur zu Jüngern alle Völker durch Taufe und Unterweisung, sondern geht auch hin zu denen, die am Rande stehen und sitzen. Seht die Not der Menschen, die Not des Nächsten, lebt er nun nahe oder ferne. Geht hin zu diesen Menschen, lasst sie teilhaben am Licht das Gott da in die Welt gebracht hat. Das zeichnet das Christentum von Anfang an aus, dass es ein Glaube ist, der nicht nur persönliche religiöse Bedürfnisse befriedigt, sondern dass er immer verbunden ist mit einer tiefen sozialen Dimension. Deshalb ist es auch falsch, wenn wir meinen, wir könnten christlichen Glauben für uns alleine gestalten. Es gehört die Gemeinschaft, die Kirche und der Blick in die Welt dazu. Es gehört die Verantwortung für diese Gemeinschaft und diese Welt dazu. Gehe hin und tue desgleichen, sagte Jesus am Ende der Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Gehe hin, mach dich auf den Weg, bleibe nicht bei dir, sondern gehe auf den anderen zu, beziehe ihn ein in dein Leben, lass das Licht, das dir zuteil wurde, von dem du selber lebst, anderen leuchten, auf dass es in ihrem Leben hell werde, dass auch dort ein Stück der Herrlichkeit Gottes aufleuchtet.
Und so ist dann auch die wunderbare Weihnachtsbotschaft nicht nur eine, die am 24. Dezember oder 6. Januar erklingt, sondern es ist eine, die das ganze Jahr erklingt. Das Licht Herrlichkeit des Herrn leuchtet für uns alle. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 73,1-5
Psalm Ps 72, 1-3.10-13.19  (Gerahmt von dem unten stehenden Liedruf.)
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 271 Gebet 2
Lesung Jes 60, 1-6
Lied 544,14
Lesung Mt 2, 1-12
Glaubensbekenntnis
Lied 16, 1-5
Predigt
Lied: Gott entzündet ein Licht (J.Grote)
Abkündigungen
Fürbittengebet
Liedruf: Gelobt sei sein herrlicher Name, gelobt sei er ewiglich. Seine Herrlichkeit fülle die Erde, gelobt sei er ewiglich. Noten zu erhalten bei: J. Grote

Gelobt seist du Gott, der du uns deinen Sohn als das Licht der Welt geschenkt hast. Seit er unter uns ist, leben wir unter einem guten Stern. Sein Licht ist wie die Sonne am Morgen, die das Dunkel vertreibt und die Wärme ins Leben bringt. Dankbar schauen wir auf ihn und wissen unser Leben geborgen und getragen. Darum loben wir dich: Gelobt sei ....

Gelobt seist du Gott, weil wir dich anrufen können. So legen wir alle Menschen an dein Herz, denen ein Licht fehlt, das ihnen Hoffnung schenkt, das ihnen den Weg nach vorne weist. Wir bitten dich, lasse ihnen dein Licht leuchten, von dem wir wissen, dass es hell genug für jeden ist. Darum loben wir dich: Gelobt sei ...
Gelobt seist du Gott, weil du uns nicht alleine lässt. Wir sind begleitete durch Christus. Wir bitten dich für alle, die alleine sind, die allein gelassen worden und die sich alleine fühlen. Gib ihnen die Gewissheit, dass du niemals im Stich lässt, dass trotz aller menschlicher Einsamkeit, die Menschen spüren, niemand ohne dein Geleit durchs Leben geht. Darum loben wir dich: Gelobt sei ...

Gelobt seist du Gott, weil du Herr über Leben und Tod bist. Dein Wort bleibt in Ewigkeit und ist uns Hilfe und Trost in allen Lebenslagen. Dir vertrauen wir unser Leben an, wenn wir nun beten, wie Jesus uns gelehrt hat.
Vaterunser
Segen
44
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt
  Sonntag
7.1.2007
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote