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6. Januar – Fest der Heiligen Drei Könige. Für die orthodoxe Kirche ist
heute erst Weihnachten. Jetzt gibt’s Geschenke. Macht ja eigentlich auch
Sinn, zumindest wenn man die Gaben der Geschenke unter uns mit den Gaben
der drei Weisen aus dem Morgenland in Verbindung bringt. Gold, Weihrauch
und Myrre bringen die drei zur Krippe – wir bringen unsere Geschenke zu
den Menschen, die wir lieben.
Aber die Bibel überliefert diese Geschichte ja nicht, damit wir einen
guten Grund haben uns am Weihnachtsfest – wann immer wir es als Christen
feiern –Geschenke zu überreichen.
Wir haben heute zwei Texte gehört. Einmal die Erzählung von den Weisen
aus dem Morgenland, wie Luther die drei Personen beschreibt. Es sind
Menschen, die von weither sind und sich auf Grund einer
Sternenkonstellation auf den Weg machen. Es sind Menschen, die den
Himmel anschauen und ihre Schlüsse ziehen. Ein Licht vom Himmel – ein
weltveränderndes Ereignis. Das müssen wir genauer sehen, das müssen wir
erkunden, die Wahrheit erkennen.
Darin steckt etwas, was mir auch schon am Heiligen Abend wichtig war.
Weihnachten hat etwas mit Aufbruch zu tun. Es hat etwas damit zu tun,
dass wir uns selber auf den Weg machen, um dem Ereignis, das da
geschehen ist, näher zu kommen. Und so beginnt auch der alte Text aus
dem Jesajabuch, den wir zu Beginn gehört haben, mit den Worten: mache
dich auf.
Das Leben als Christen ist ein Leben im steten Aufbruch, im steten
unterwegs sein. Dies ist nicht allein bildlich gemeint, sondern gewiss
auch ganz real. Und nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Gott
selber.
Weihnachen, Gott wird Mensch. Gott bricht auf, begibt sich in unsere
menschliche Welt, nimmt menschliche Gestalt an und ist unter den
Menschen unterwegs. Nicht nur als Wolken- und Feuersäule wie bei Moses
Auszug aus Ägypten, nicht nur als der leise Windhauch wie beim Propheten
Elia, nicht nur im Wort der Propheten will Gott gegenwärtig sein unter
uns Menschen, nein, am Ende seiner Erscheinungen wird er Mensch unter
Menschen. Gott macht sich auf, um uns einen an die Seite zu stellen, der
uns durch sein Leben, durch sein Handeln, durch sein Reden vor Augen
stellt, wie menschliches Leben gelingen kann. Er macht sich auf, um in
den so bedrängenden Lebenssituationen von Angst und Hilflosigkeit, von
Verfolgung, Leiden, Schmerzen und Tod zu zeigen: ich bin da, du bist
nicht alleine. Es ist eine Kraft und Macht an deiner Seite, in dessen
Hände du dich mit deinem ganzen Vertrauen begeben kannst. Ich lasse dich
nicht fallen und ich verlass dich nicht. Ganz gleich, wie das Leben
aussieht, Gott steht an unserer Seite. Das will Gott uns zeigen, darum
macht er sich auf den Weg, um in Jesus Christus seine Liebe und
Barmherzigkeit für uns alle zu zeigen. Gott macht sich auf, wird licht,
sein Licht ist zu uns gekommen: Jesus Christus das Licht der Welt.
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit
des Herrn geht auf über dir! Gesagt sind diese Worte an das Volk Israel.
In Hoffnungsloser Zeit macht der Prophet Jesaja im Namen Gottes den
Menschen Mut, denn eine politische Veränderung stand bevor, die das
Leben der Menschen erneuern sollte. Sie leben in einer Zeit, von der
Jesaja sagt: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, aber
über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Die ersten Christen kannten diese Verheißung. Und sie haben sie nach dem
Erscheinen Jesu ganz neu gelesen und verstanden. Mit Jesus ist genau
dieses Licht gekommen, ist Gottes Herrlichkeit nun vollends sichtbar in
der Welt. Und diese Herrlichkeit gilt nun nicht mehr nur dem Volk Israel
als dem alten Gottesvolk, sondern es gilt für alle Menschen. Juden und
Heiden, wie es damals unterschieden wird. Alle sollen Anteil haben an
dieser Herrlichkeit Gottes, alles sollen sehen, wie nahe Gott uns
Menschen kommt. Und so entstand diese wunderbare Geschichte von den
Weisen aus dem Morgenland, die später zu den drei Königen wurden. Ziel
der Geschichte ist es, deutlich zu machen, dass Menschen aus der ganzen
Welt kommen und Jesus anbeten. Die vermeintliche Begrenzung der Liebe
Gottes auf sein Volk wird aufgehoben, diese Liebe gilt allen Völkern.
Und alle Welt macht sich auf den Weg. Und dass aus den Weisen dann in
der Volksfrömmigkeit Könige werden, das hat auch seinen Grund. Die Macht
Gottes ist größer als die Macht der Mächtigen. Hier ist der wahre König
zu finden, dem die menschliche Macht sich zu unterwerfen hat. An der
Krippe ist der Hirt genauso groß wie der König – oder König genauso
klein wie der Hirt. Im Angesicht Jesu Christi, im Angesicht Gottes gibt
es kein oben und unten, keine Macht und kein Ansehen, hier zählt nur der
Mensch und seine Beziehung zu Gott und Jesus Christus. Im Lob Gottes
sind wir alle eins. So verändert Weihnachten die Maßstäbe der Welt.
Nur ist dies eben nicht einfach so da und für jeden einsichtig und
sofort Teil seines Lebens. Gott kommt zu den Menschen, das ist ganz
wichtig, aber es gibt eben auch den anderen Weg, den Weg der Menschen zu
Gott oder – geistlich wohl doch richtiger gesagt: unseren Weg der
Antwort auf diese ganz eigene Art der Anrede Gottes an uns Menschen.
Denn das müssen wir immer wieder erkennen: wenn wir uns auf den Weg
machen, um Jesus näher kennen zu lernen, um ein Leben im Glauben an
Christus zu führen, so ist dies immer so wie bei den drei Weisen: der
Stern steht längst am Himmel, das Licht Gottes scheint uns immer schon
entgegen, wir gehen nur auf dieses Licht zu, wir stellen es nicht her.
Oder anders gesagt: die Hand Gottes ist immer schon ausgestreckt, wir
können sie nicht fordern oder erarbeiten, wir können sie nur ergreifen,
als die liebende Hand unseres väterlichen und mütterlichen Gottes, der
uns seine Gemeinschaft schenkt.
Ein Weg bleibt. Unser Weg des Lebens, der in steter Auseinandersetzung
mit diesem Gott gegangen wird. Mache dich auf, werde licht, so werden
uns heute morgen plakativ angesprochen. Christsein ist keine Religion
des stille Sitzens, es ist keine Glaube, der nur sich selber im Blick
hat. Bildlich und real ist es ein bewegter und bewegender Glaube, der
sich auf Jesus Christus gründet.
Ein Beispiel dafür ist für mich, dass der Glaube keiner ist, den ich
einfach so habe und festhalten kann. Das Leben stellt unseren Glauben
immer wieder in Frage. All das, was ich so erlebe an Gutem, an Schönem,
an Schwierigem und Leidvollem das will doch immer wieder auch mit Gott
und Jesus Christus in Beziehung gebracht werden. Und das fällt manches
Mal leicht und manches Mal sehr schwer, das zu tun. Wir fragen im Tod,
wir fragen im Leid nach Gott und bekommen so wenig Antwort. Wir möchten
in diesen Zeiten stille stehen, haben oft genug auch nicht die Kraft
weiter zu gehen. Doch von Gott er wird uns gesagt: du kannst weiter
gehen. Dein Leben liegt vor dir. Selbst im Sterben noch spreche ich dir
zu: du hast eine Zukunft. So bringt uns Gott selber nach vorne. Zaghaft,
mühselig, immer wieder auch von Zweifel geplagt. Und doch: Gott ermutigt
nach vorne zu sehen. Geh, ich helfe dir, ich trage dich auch. Ich gebe
dir die Kraft. Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich
will euch erquicken. Das steht im Raum und das bringt uns weiter, lässt
uns nach vorne gehen und sehen, das lässt uns leben. Es ist eine
Bewegung von Zweifel zum Vertrauen, eine Bewegung des Fragens und
Suchens und des Hoffens in der Auseinandersetzung mit Gott, der uns in
seinem Wort und in Jesus Christus lebendig begegnet. Darin liegt eine
der Bewegungen von denen ich spreche. Leben mit Gott, geistlich Leben,
das heißt im Grunde immer wieder dem Licht Gottes folgen, in der inneren
Auseinandersetzung und auch im äußeren Leben des Glaubens.
Und da sind wir dann bei der zweiten Bewegung. Mache dich auf, werde
licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf
über dir. Der christlicher Glaube lässt uns nicht bei uns selber stehen
bleiben. Wir werden auf den Weg geschickt, um dieses Licht Gottes in die
Welt zu tragen. Mache dich auf, werde licht. Ihr seid das Licht der Welt
hat Jesus gesagt. Wir sind keine Religion der Innerlichkeit, so sehr die
innere Verbundenheit, die Stille und die persönliche Religiosität auch
ihre Bedeutung hat. Doch noch wichtiger ist, dass wir von Jesus an die
anderen Menschen gewiesen werden. Geht hin in alle Welt .... und machet
nicht nur zu Jüngern alle Völker durch Taufe und Unterweisung, sondern
geht auch hin zu denen, die am Rande stehen und sitzen. Seht die Not der
Menschen, die Not des Nächsten, lebt er nun nahe oder ferne. Geht hin zu
diesen Menschen, lasst sie teilhaben am Licht das Gott da in die Welt
gebracht hat. Das zeichnet das Christentum von Anfang an aus, dass es
ein Glaube ist, der nicht nur persönliche religiöse Bedürfnisse
befriedigt, sondern dass er immer verbunden ist mit einer tiefen
sozialen Dimension. Deshalb ist es auch falsch, wenn wir meinen, wir
könnten christlichen Glauben für uns alleine gestalten. Es gehört die
Gemeinschaft, die Kirche und der Blick in die Welt dazu. Es gehört die
Verantwortung für diese Gemeinschaft und diese Welt dazu. Gehe hin und
tue desgleichen, sagte Jesus am Ende der Geschichte vom Barmherzigen
Samariter. Gehe hin, mach dich auf den Weg, bleibe nicht bei dir,
sondern gehe auf den anderen zu, beziehe ihn ein in dein Leben, lass das
Licht, das dir zuteil wurde, von dem du selber lebst, anderen leuchten,
auf dass es in ihrem Leben hell werde, dass auch dort ein Stück der
Herrlichkeit Gottes aufleuchtet.
Und so ist dann auch die wunderbare Weihnachtsbotschaft nicht nur eine,
die am 24. Dezember oder 6. Januar erklingt, sondern es ist eine, die
das ganze Jahr erklingt. Das Licht Herrlichkeit des Herrn leuchtet für
uns alle. Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 73,1-5
Psalm Ps 72, 1-3.10-13.19 (Gerahmt von dem unten
stehenden Liedruf.)
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 271 Gebet 2
Lesung Jes 60, 1-6
Lied 544,14
Lesung Mt 2, 1-12
Glaubensbekenntnis
Lied 16, 1-5
Predigt
Lied:
Gott entzündet ein Licht (J.Grote)
Abkündigungen
Fürbittengebet
Liedruf: Gelobt sei sein herrlicher Name, gelobt sei er ewiglich. Seine
Herrlichkeit fülle die Erde, gelobt sei er ewiglich. Noten zu
erhalten bei: J. Grote
Gelobt seist du Gott, der du uns deinen Sohn als das Licht der Welt
geschenkt hast. Seit er unter uns ist, leben wir unter einem guten
Stern. Sein Licht ist wie die Sonne am Morgen, die das Dunkel vertreibt
und die Wärme ins Leben bringt. Dankbar schauen wir auf ihn und wissen
unser Leben geborgen und getragen. Darum loben wir dich: Gelobt sei ....
Gelobt seist du Gott, weil wir dich anrufen können. So legen wir alle
Menschen an dein Herz, denen ein Licht fehlt, das ihnen Hoffnung
schenkt, das ihnen den Weg nach vorne weist. Wir bitten dich, lasse
ihnen dein Licht leuchten, von dem wir wissen, dass es hell genug für
jeden ist. Darum loben wir dich: Gelobt sei ...
Gelobt seist du Gott, weil du uns nicht alleine lässt. Wir sind
begleitete durch Christus. Wir bitten dich für alle, die alleine sind,
die allein gelassen worden und die sich alleine fühlen. Gib ihnen die
Gewissheit, dass du niemals im Stich lässt, dass trotz aller
menschlicher Einsamkeit, die Menschen spüren, niemand ohne dein Geleit
durchs Leben geht. Darum loben wir dich: Gelobt sei ...
Gelobt seist du Gott, weil du Herr über Leben und Tod bist. Dein Wort
bleibt in Ewigkeit und ist uns Hilfe und Trost in allen Lebenslagen. Dir
vertrauen wir unser Leben an, wenn wir nun beten, wie Jesus uns gelehrt
hat.
Vaterunser
Segen
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Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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