Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Jesaja 58, 1-9a

In Groß Elbe ist wieder närrisches Wochenende und am Aschermittwoch ist wieder alles vorbei. Dann beginnt die Passionszeit, die ja auch Fastenzeit genannt wird. Es ist eine Zeit des bewussten Lebens, das in früheren Zeiten vor allem im klösterlichen Bereich auch als Zeit des Verzichtes begangen wurde. Dahinter steckt zum einen natürlich die Tatsache, dass die Lebensmittelvorräte langsam aufgebraucht waren und man sich mit weniger begnügen musste. Aber es war eben auch eine wirklich geistliche Vorbereitungszeit, eine Zeit der Besinnung auf die kommenden höchsten Feste der Christenheit: Karfreitag und Ostern.

Seit über 20 Jahren gibt es eine Erneuerung dieser bewussten Zeit des Jahres in der Aktion: 7 Wochen ohne. 7 Wochen freiwilliger Verzicht auf die Dinge, von denen man meint, dass man mal auf sie verzichten möchte: Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Fernsehen, Fleisch, zu viel Arbeit, auch ein Leben ohne Meckern gehört für manch einen dazu. Jeder kann sich selber aussuchen, worauf er bzw. sie einmal verzichten möchte. Freiwillig Erfahrungen machen mit einem veränderten Leben, darum geht es in dieser Aktion. Ich habe sie gerne erweitert und gesagt: zu 7 Wochen ohne ... gehört auch 7 Wochen mit ... Verzicht ist das eine, bewusstes Tun das andere. Und beides gehört zusammen, vor allem in einer Zeit, wo man bewusster Leben möchte.

Es gibt viele Menschen, die diese Aktion belächeln. Was kann denn auch der Sinn sein, auf Süßigkeiten, Alkohol oder anderes zu verzichten, wenn man nach dieser Zeit womöglich wieder damit anfängt? Und vor allem ist das etwas, was vor Gott richtig ist? Gerade evangelisches Denken ist doch geprägt von einem Leben in der Freiheit vor Gott nichts verdienen zu müssen. Warum dann also eine Zeit des Verzichtes?

Nun ich denke, Vorbereitung oder besser gesagt: innere Bereitung kann nie schaden. In seinem Leben einmal innehalten, den normalen Lebensrhythmus einmal durchbrechen, ihn aus den eingefahrenen Gleisen herausholen und freiwillig andere Wege gehen, das ist etwas, was uns Menschen helfen kann. Es kann uns helfen, unser Leben neu und anders zu sehen.

Vielleicht darf ich einmal eigene Erfahrungen hier weitergeben. Als ich noch Tee getrunken habe – und ich habe leidenschaftlich gerne Tee getrunken – da habe ich mal darauf verzichtet. Es gab morgens etwas anderes zu trinken. Am ersten Tag hatte ich gleich meine ersten Erfahrungen gemacht: Kopfschmerzen, innere Unruhe, Nervosität. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte, so kribbelig war ich. Es fehlte das Teein, das in Tee enthaltene Aufputschmittel an das sich der Körper so gewöhnt hatte. 3 Tage ging das so, schwächte sich dabei immer mehr ab, bis ich dann sozusagen wieder normal war.

Für mich war das eine sehr ungewöhnliche, aber sehr beeindruckende Erfahrung, die ich da gemacht habe. Ich habe mich nämlich plötzlich einfühlen können in die Menschen, die abhängig sind von Dingen: von Alkohol, Drogen, Tabletten oder anderen Dingen. Wie schwer muss es rein körperlich sein, einen Entzug zu machen, wenn ich schon wegen so ein bisschen fehlendem Teein 3 Tage lang nicht so richtig wusste, was mit mir geschieht. Was müssen diese Menschen durchleiden, die alleine oder unter ärztlicher Aufsicht versuchen, dem Körper die Sucht zu entziehen. Seitdem habe ich einen großen Respekt vor diese Menschen und sehr viel Verständnis für diejenigen, die daran scheitern.

Oder die Süßigkeiten. Wenn man sie essen könnte, üben sie oft nur einen kleinen Reiz aus. Aber wenn man sie sich selber verbietet, dann üben sie eine ungeheure Macht aus. Nach jedem Essen schreien sie förmlich nach einem und der Körper verlangt danach.

Plötzlich wird deutlich, wie sehr wir in unserer vermeintlichen  Freiheit doch von ganz banalen Dingen gefangen genommen werden. Wir mögen das belächeln, aber es hat doch weiterreichende Bedeutung, denn es zeigt uns, wie äußeres unser Leben bestimmt.

7 Wochen ohne – 7 Wochen mit – in der Passionzeit bewusster leben, ich finde es immer noch eine gute Idee, diese Zeit mitzumachen. Aber wichtig ist, dass wir diese Zeit als eine freudige und für uns gewinnbringende Zeit erleben. Wo daraus Zwang wird, es mehr eine Zeit des Leidens als der Freude wird, da sollte man ganz einfach damit aufhören. Das heißt nicht, dass man nicht auch ein wenig Leiden auf sich nehmen sollte. Das ist wie bei einem Langlauf: er kostet Anstrengung und es gibt Phasen, wo das Durchhalten schwer wird, doch am Ende steht die Freude, dass man den Weg geschafft hat.

Die Aktion 7 Wochen ohne lebt davon, dass es ein freiwilliger Akt ist, eine selbstbestimmte Zeit des Verzichtes, den wir jederzeit ohne Probleme wieder abbrechen können. Denn es geht nicht um das Fasten an sich, sondern um die Erfahrungen, die wir darin machen.

Erfahrungen mit dem Fasten hat auch Gott gemacht, wir haben es ja in der Lesung vorhin gehört. In dem biblischen Text für den heutigen Tag, geht es nämlich um die Frage des richtigen Fastens. Und damit wollen wir uns jetzt noch ein wenig beschäftigen, denn die Frage nach dem Ziel des Fastens wird darin sehr intensiv bedacht.

So wird uns erzählt, dass religiöse Menschen Gottes Nähe im Fasten suchen, aber enttäuscht sind, dass sie diese Nähe nicht spüren. »Warum  fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst's nicht wissen?« ES musst doch etwas herausspringen bei unserem Tun. Wir verzichten doch für Gott, also muss Gott doch auch etwas für uns tun. So denken diese Menschen. Es muss doch etwas besser werden im Leben.

Dagegen sagt Gott aber, dass er ihr Fasten nicht als richtig ansieht. Denn es werden wohl äußerlich Riten vollzogen, aber es geschieht mit hängendem Kopf und das heißt, eben nur als lustloser Vollzug äußerer Handlung. Und das zweite, was Gott anmahnt ist, dass inmitten dieser religiösen Handlung das weltliche Handeln weiter geht: Geschäftemacherei mit Betrügerei und unsozialem Handeln. Es wird gefastet und dennoch gestritten, gezankt und geschlagen. Da geht das religiöse Tun einher mit alltäglichem menschlichem Leben. Und das ist ja auch etwas, was Außenstehende an uns Christen oft kritisieren: zur Kirche gehen und beten und außerhalb der Kirche leben wie alle anderen auch.

Was aber ist nun ein Fasten, an dem Gott Wohlgefallen hat?

Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Das ist nicht ohne, was hier gesagt wird. Allerdings auch ein wenig weitergreifend, als wir es in unserm alltäglichen Leben erfahren. Denn ich gehe mal davon aus, dass wir niemanden unterjochen oder zu Unrecht gebunden haben. Aber dem Hungrigen Brot geben, dem Elenden Hilfe und Unterkunft geben, den bedürftigen Kleiden und sich dem Menschen nicht entziehen, das ist schon etwas, was ganz nahe rücken kann.

Worum es aber vor allem geht ist, dass das Fasten, also das bewusste Verzichten für Gott, darin besteht, dass wir nicht uns selber im Blick haben, sondern den Menschen neben uns. Die soziale Komponente des religiösen Lebens wird hier beschrieben.

In diesem Jahr steht die Aktion 7 Wochen ohne  unter dem Motto: Zu-Neigung. Und Zuneigung hat etwas mit Gefühlen, mit Umgang mit Menschen, mit sich einstellen auf andere zu tun. Bewusster Verzicht in diesen 7 Wochen bis Ostern würde unter diesen Vorzeichen bedeuten, dass wir das Leben anderer Menschen mehr in den Blick nehmen, dass wir unseren eigenen Umgang mit Menschen überdenken, dass wir unseren Lebensstil verändern.

Wie könnte das ganz konkret aussehen? Bewusster Umgang mit Fernsehen zum Beispiel: Ich nehme die Nachrichten wahr und höre, wie Menschen an Orten leben müssen. Ich informiere mich über die Not dieser Menschen und schaue darauf, was ich tun kann. Und das Mindeste ist Beten. Vielleicht kann man nach der Tagesschau oder dem Heutejournal einfach mal innehalten um Fürbitte zu halten und einen ersten Schritt innerlich auf die Menschen zu machen, sich ihnen zu neigen. Oder: statt der Flasche Bier am Abend – trinken wir Wasser: das Geld für die Flasche Bier stecken wir in eine Sammeldose für Brot für die Welt. Dazu besorgen wir uns Informationen über bestimmte Länder und die Not dort und die Hilfe, die z.B. Brot für die Welt dort anbietet.

Zuneigung heißt auch: Zeit nehmen für die Menschen um mich, die Familie, die Kinder, die Freunde. Jeden Tag ein Telefonat mit einem Menschen, der mir wichtig ist, ein Gespräch mit den Menschen an meiner Seite.

Oder: Wir nehmen uns Zeit, jeden Tag etwas in der Bibel zu lesen. Z.B. in den Wochen bis Ostern ein Evangelium zu lesen. Und das unter der Fragestellung in diesem Jahr: wie neigen sich die Menschen einander zu oder auch nicht. Wie neigt sich Gott uns Menschen zu? Und gleichzeitig vielleicht auch die Tageszeitung einmal unter diesem Aspekt lesen: Was steht dort über die Menschen und wie sie miteinander umgehen? Was können wir aus der Bibel lernen für den Umgang untereinander? All das wären Möglichkeiten 7 Wochen bewussten Lebens mit Gott und seinem Wunsch, dass wir uns den Menschen zuwenden.

Wichtig aber dabei ist zu sagen, dass dies sicher nicht die Vorraussetzung ist, dass wir Gottes Nähe erfahren. Gott lässt sich durch unser Handeln, unser Fasten und noch so religiösen Tun nicht zu einem bestimmten Handeln zwingen.

Unser christliches Handeln hat nur dort seine wirkliche Bedeutung, wo es nicht um den eigenen Vorteil, nicht um die Darstellung des eigenen sozialen Gewissens bis hin zur öffentlichen Anerkennung derselben geht, sondern wo es um den ehrlichen Ausdruck einer lebendigen Gottesbeziehung geht, die unabhängig ist von diesem äußeren Tun.

Gerade in den letzten Worten des Bibeltextes: es wird dein Licht hervorbrechen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, sehe ich nicht Lohn für unser Handeln. Das eigene Licht – es spiegelt das Licht des barmherzigen Gottes wider, denn er ist das Licht, das im Licht der Welt zum Leuchten kommt. Heilung wird voranschreiten dadurch, dass ich eben nicht auf mich schaue, sondern getragen von diesem Gott auf den anderen schauen darf und mich ihm zuwenden darf und so auch dem Fremdung Zuneigung schenke. Gerechtigkeit liegt darin, dass ich trotz des Engagements und all dem Misslingenden darin, von Gott als recht angesehen werde, und deshalb weitermachen kann. Und die Herrlichkeit des Herrn wir den Zug beschließen, weil eben nicht ich das Licht bin, sondern es letztlich um ihn und seinen Willen in der Welt geht. Von Gott her leben, im Wissen um seine Freiheit leben, heißt, sich ganz auf ihn zu stellen und nicht auf eigenes Vermögen. Und wer in diesem Glauben lebt, der wird in seinem Gegenüber die Stimme Gottes vernehmen, der da sagt: Siehe, hier bin ich.

Die Fastenzeit wird so zu einer Zeit der aktiven Besinnung auf Gott, der uns seine Zuneigung schenkt und der uns dazu führt, dass wir nicht bei uns selber bleiben, sondern den Nächsten im Blick haben. Mögen wir jeder unseren eigenen Weg finden, in dieser Zeit bewusster mit dem Leben umzugehen und unseren Weg der Zuneigung zu finden. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 447, 1-3+7

Psalm 31,2-6

Eingangsliturgie - Gebet:

Gott, es ist dein Tag, ein Tag der Ruhe und der Gedanken für uns. Lass uns zu uns und zu dir finden. Schenke uns gute Gedanken für unser Leben und  hilf uns, deinem Worte nachzufolgen. Das bitten wir ....

Lesung: Jes 58, 1-9a

Lied: 418,1-5

Lesung: Mk 8, 31-38

Glaubensbekenntnis

Lied: 605, 1-4  Jesus Christus, das Leben der Welt

Predigt

Lied: 603, 1-3

Abkündigungen – Fürbittengebet

Gütiger Gott:

Wir bitten dich für alle Menschen, die ihren Glauben ernst nehmen und danach leben wollen. Dass sie gute Wege finden für sich und die Mitmenschen, dein Licht weiter zu tragen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die auf der Suche sind nach dir und deinem Halt in ihrem Leben. Dass sich dich finden und erkennen lernen als einen dem Menschen zugeneigten Gott. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die in religiösen Riten versuchen, einen Weg zu dir zu finden. Schenke ihnen in der Besinnung auf sich selber deinen Geist und führe sie in die Verantwortung für den nächsten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die sich in ihrem Bemühen um Veränderung als Scheiternde erleben. Schenke ihnen die Gewissheit, dass Du ihnen dennoch zur Seite bist.  Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Für alle, die sich der Aktion 7 Wochen ohne anschließen, bitten wir dich um deinen guten Segen. Lass Sie gute Veränderungen erleben und Erfahrungen machen, die die Welt liebevoller und friedvoller machen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen
Lied 163

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt
Estomihi
10.2.2002
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote