Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Jes 55, 1-3b

Es gibt Bibeltexte, die sind schnell zu verstehen, da ist man gleich irgendwie drin. Wir haben eben als Lesung die Geschichte vom königlichen Gastmahl gehört. Da lädt ein Mensch ein zu einem großen Festmahl. Alles ist zubereitet, es fehlen nur noch die Gäste. Der Knecht wird losgeschickt, um den Gästen zu sagen, dass alles vorbereitet ist. Doch er muss dem Hausherrn sagen, dass einer nach dem anderen absagt. Nun gut, wenn diese Gäste nicht wollen, weil sie ihre Dinge für wichtiger empfinden, dann sollen die an meinen Tisch kommen, die zwar auch mit sich selber beschäftigt sind, aber doch ganz anders. Die Armen, die Verkrüppelten, die Blinden und Lahmen, die sollen kommen und am großen Gastmahl teilhaben. Und als noch Platz war, gingen die Knechte noch einmal los, um die, die auf der Straße ihr zu Hause haben, die in dieser Welt keinen rechten Platz haben, noch dazu zu holen.

Jesus erzählt die Geschichte, um deutlich zu machen, welche Menschen Gott im Auge hat. Er will zeigen, welche Menschen ihm am Herzen liegen. Im Wochenspruch dieser Woche wird dies noch einmal anders zum Ausdruck gebracht. Christus spricht: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Der Mensch am Rande ist der Mittelpunkt bei Gott.

Und nun kommt noch ein Text aus dem Alten Testament dazu, Und das ist jetzt so einer, der doch beschwer macht. Am liebsten hätte ich einen anderen gewählt für heute morgen, aber ich habe keinen richtigen gefunden, wo ich innerlich sofort einstimmen konnte und so habe ich gesagt: nun stell dich dieser Aufgabe. Versuche zu verstehen, was der Prophet Jesaja damals den Menschen sagen wollte und was er auch uns heute mitgibt.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.

Zunächst wird man erinnert an die Werbestrategien heutiger Zeit. Ihr habt kein Geld? Bei uns gibt’s alles billig! Wer kein Geld hat, der kann trotzdem kaufen, der Kredit muss erst später zurückgezahlt werden. Geiz ist geil und wo es saubillig ist, da strömen die Menschen hin. Hauptsache man hat, was alle haben.

Aber es geht hier nicht um Wirtschaftswerbung. Der Prophet will auf etwas anders hinaus. Die die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und eßt! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

Der Prophet ist ein Marktschreier und er hat Parolen, die aufmerksam werden lassen, aber er verbindet damit eine ganz eigene Botschaft. Zunächst denkt man an jemanden, der wirklich Wasser austeilt, Milch und Wein verschenkt. Doch wer hat schon etwas zu verschenken. Doch wohl niemand, auch der Prophet nicht. Aber darum geht es auch nicht. Es geht hier um Bilder, die Jesaja benutzt, um seine Botschaft weiter zu tragen. Das Wasser ist Zeichen des wichtigsten Lebensmittels. Ohne Wasser kein Leben. Hier bekommt ihr das, was für euer Leben am allerwichtigsten ist. Hier gibt es Nahrung für die Seele, und auch das, was zu einem fetten und festlichen Leben gehört: Wein und Milch. Es klingen biblische Bilder an: das Wasser macht das trockene Land zum Paradies. Nahrungsmittel in Fülle. Der Wein das Zeichen festlicher Freude und Milch, das Produkt der Tiere, die, wenn man sie hat, ein Stück Reichtum bedeuten. Das Land in dem Milch und Honig fließen, so wurde das gelobte Land genannt, ein Land das Gott seinem Volk gegeben hat, um darin gut zu leben.

Für uns, die wir das alles in Fülle haben, und für die das überhaupt nicht zu einer Festzeit gehört, sondern dies alles völlig normale in den Alltag gehörende Dinge sind, sprechen diese Wort überhaupt nicht an. Doch stellen wir uns einmal vor, diese Worte werden gesagt in den Armutsgebieten in Afrika oder Indien, schon hören wir ganz anders hin. Wenn dort jemand Wasser sagt, dann ist das wirklich ein Himmelsgeschenk. Es ist Zeichen für Hoffnung und Zukunft, ein Zeichen für Überlebensmöglichkeit, für die Möglichkeit dem Leben etwas abzugewinnen. Ihr Armen, die ihr kein Geld habt, kommt und esst. Die Ärmsten werden ernst genommen, sie sollen etwas abbekommen, sie sollen nicht in ihrer Armut liegen bleiben, sondern sie sollen teilhaben am Fest, an Wein und Milch.

In dem, was Jesaja hier sagt, liegen für mich zwei Dinge drin, die eng zusammengehören und doch nicht zusammen passen. Das was uns hier als Bild gesagt wird, ist eines, das sich einmal auf geistlich religiöses Leben bezieht, dann aber gleichzeitig auf ganz reales Leben.

Bleiben wir beim ersten. Warum zählt ihr Geld für das dar, was kein Brot ist und sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr gutes essen und euch am Köstlichen laben. Jesaja ruft die Menschen weg von einem wirtschaftlichen Wohlleben. ER ruft sie weg von einem Wohlleben, welches den Blick auf das Leben verstellt. Er ruft zurück zu Gott, der das Leben bestimmen und ihm Tiefe geben will. Was ist das für ein Leben, das sich nur ausrichtet darauf, die Wirtschaft funktioniert? Was ist das für ein Leben, in dem Entwicklung und Fortschritt das Wichtigste ist? Was ist das für ein Leben, in dem die Ansprüche weniger das gesamte Leben bestimmen? Was ist das für ein Leben, in dem wir immer nur von einem Bedürfnis zum anderen jagen? Es ist eines, das in vielen Bereichen auf Kosten anderer gelebt wird. Es ist eines, das aus dem Blick verliert, dass Leben die Gemeinschaft aller einschließt, und nicht nur auf sich selber bezogen ist.

Ihr gebt Geld für das, was kein Brot ist und den sauren Verdienst für das, was nicht satt macht. Was ist von dem, was wir in unserem Leben haben und tun, wirklich Brot fürs Leben? Was ist es, wo wir zu uns selber sagen können: ja, hier empfange ich das, was wirklich zählt? Was ist das, worin ich mich wirklich wohl fühle und zufrieden auf mein Leben schauen kann? Viele werden mir darin zustimmen, dass das Glück des Lebens nicht darin liegt, äußeres Wohlleben zu haben, sondern darin, zu spüren, dass das eigene Leben hier und jetzt seinen Sinn hat, dass ich etwas tun kann, was für andere Menschen ein Gewinn ist, oder wo andere Menschen meiner Seele etwas gutes getan haben – z.B. durch liebevolle Zuwendung, durch Nähe, durch eine schöne Musik oder ein schönes Kunstwerk, das mich anspricht und beeindruckt, oder in der Berührung mit der Güte Gottes, mit seiner Barmherzigkeit.

Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben!

Auf Gott hören, nach seinem Wort leben, das schenkt dem Leben etwas, was es nicht zu kaufen gibt, was man nicht mit seinem Verdienst erwerben kann, sondern was man sich nur schenken lassen kann. Hierfür will der Prophet Jesaja unsere Ohren und Herzen wieder öffnen. Gott will mit euch einen Bund schließen, er will mit euch zusammen den Weg des Lebens gehen. Dazu ruft uns Jesaja, dahin will er uns bringen mit seinen ungewöhnlichen Worten. Das ist der religiös geprägte Teil.

Doch dieser hat auch eine ganz reale Seite. Denn von Gottes Wort her zu leben, das heißt eben auch den Blickwinkel Gottes einzunehmen. Und das hat viele Konsequenzen für das reale Leben. Die ihr durstig seid, kommt zum Wasser. Das Wasser wird eines der größten politischen Streitpunkte der Zukunft werden. Je mehr Menschen auf dieser Erde leben werden, umso mehr gutes Trinkwasser werden wir brauchen. Doch nicht überall ist es vorhanden. Gott hat diese Erde für alle Menschen geschaffen. Wir sind gefordert, diese Verantwortung wahrzunehmen. Und das nicht nur auf dem G8 Gipfel einiger weniger Politiker, die dann ihre Versprechungen doch nicht einhalten. Auch wir sind gefordert aus dem Glauben heraus, Wege zu suchen, wie wir dieser Verantwortung nachkommen können.

Die ihr kein Geld habt: kommt her, kauft und esst. Lebensmittel verschenken an die Ärmsten der Armen. Es ist ein ganz wichtiger Teil der Überlebensmöglichkeit von Menschen. Doch ist es gut und richtig den Menschen einfach immer nur etwas zu schenken von dem, was wir im Überfluss haben? Wie kann Hilfe für die Armen so gestaltet werden, dass diese Menschen auch in ihrer Würde wahrgenommen werden? Hilfe zur Selbsthilfe, Kleinkredite für die, die Zinserträge eine Bank nur wenig füllen können, Bildung, um selber für sich sorgen zu können. Es gibt viele Möglichkeiten einer würdevollen Hilfe, die die Ärmsten nicht nur zu Objekten unserer Almosen macht, sondern sie als Menschen und Partner sehen, die mit uns durch den Bund Gottes mit den Menschen verbunden sind. Das ist die andere Seite der Globalisierung in der Welt.

Wohin geben wir unser Geld? Ganz privat oder auch politisch? Das ist immer wieder die große Frage. Geben wir es aus für etwas, was letztlich kein Brot ist, was nicht satt macht, was dem Leben nicht dienlich ist? Wirtschaftsunternehmen fragen nach Gewinnen, schieben den Wettbewerb vor, und schaffen immer mehr Arbeitslose oder wollen durch Auslagerung von Produktion in Billigfirmen oder Billigländer den Aktienbesitzern ihre Renditen sichern. Natürlich stehen wir im Wettbewerb und nur gut dastehende Firmen haben auch Arbeit für die Menschen. Aber es geht an vielen Stellen die Menschlichkeit verloren. Es wird nur noch von Arbeitskräften geredet, die dann irgendwann freigesetzt werden. Der Mensch verschwindet immer mehr als geistiges Individuum, das eine unantastbare Würde hat. Der Mensch ohne Arbeit heißt bei uns nur noch der Harz IV-Empfänger.

Gott ruft die Menschen von den Hecken und Zäunen, die Armen, die Lahmen, die Blinden, an seinen Tisch. Er will sie nicht vertrösten durch das Brot der Religion, er will nicht ihre Sehnsucht erfüllen mit frommen Worten, sondern er will, dass sie in ihrer Würde gesehen und wahrgenommen werden. Er will, dass sie in den Mittelpunkt des Lebens gerückt werden. Das wird immer wieder deutlich in den Worten der Bibel. Und so eben auch in diesem, so spröden und nicht sofort zugänglichem Bibeltext. Aber er spricht etwas an, was immer wieder wichtig ist: Wir Menschen müssen immer wieder darauf schauen, worauf wir uns ausrichten: auf Brot, das nicht sättigt oder auf das Brot des Lebens, das Gott uns schenkt. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 166,1-4

Psalm 36

Eingangsliturgie

Gebet EGb 353 Gebet 2

Lesung Mt Lk 14, 16-24

Glaubensbekenntnis

Lied 362,1-4

Predigt

Lied 229,1-3

Abendmahl

Dankbar schauen wir auf die Gaben, die uns schenkst. Brot und Kelch, die Grundlage des Lebens und das Zeichen der ewigen Freude. Du Gott bist für uns da und schenkst uns jeden Tag, was wir brauchen. So wollen wir dir unser Lob singen und deinen Namen preisen.

331,1-2 Großer Gott wir loben dich

Herr, Jesus Christus. Du hast uns zur Gemeinschaft gerufen, du hast uns durch dein Leben vorgelebt, wie wir miteinander umgehen sollen mit den Menschen in der Nähe und der Ferne. So stärke du unser Zusammensein und unser Tun durch deine Gaben, wenn wir uns nun daran erinnern, was du uns hinterlassen hast.

Einsetzungsworte

Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne uns und was du uns gegeben hast. Erfülle uns durch deinen Geist, auf dass wir erneuert und gestärkt unseren Weg ins Leben ziehen können. Verbinde uns mit deiner Liebe und stärke unsere Hoffnungen, die sich ganz auf dich gründen. – Vaterunser

Austeilung – Sendungswort: Kommt her zu mir alle….

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott, du schenkst das Brot des Lebens, aus deinem Wort empfangen wir das Brot für unsere Seele, in Brot und Kelch lässt du uns dieses Brot sogar schmecken. Hab Dank, dass du uns so nahe kommst, dass du uns so erfüllst.

Wir bitten dich, mache uns so gestärkt bereit, dir zu dienen. Hilf uns, unseren Auftrag in der Welt zu sehen, und ihn zu tun.

Wir bitten dich für alle, die Hungern nach Brot und hungern nach deinen guten Worten. Mache uns Menschen fähig, beides zu bekommen.

Wir bitten dich für alle, die Dürsten nach dem Wasser des Überlebens, nach der lebendigen Quelle zur Erquickung der Seele. Mach uns Menschen fähig, dass beides genügend da ist.

Wir bitten für alle, die sich sehnen nach Gerechtigkeit und Frieden, im äußeren Leben, wie im innern. Mach uns Menschen fähig, dass beides spürbar wird.

So binde uns ein in dein Werk, mach du uns zu deinen Werkzeugen. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinem Sohn, dem wir nachfolgen wollen. Amen

Segenslied: Lass uns gehn in die Freude des Lebens J. Grote

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt und
Klein Elbe
  Sonntag
17. 6. 2007
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote