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Ich danke Prediger: Pfarrer Kurt Johann für die Grundideen dieser Predigt. Seine Predigt ist zu finden unter: www.kanzelgruss.de . Der Sonntag Lätare nimmt in der langen Passionszeit eine besondere Stellung ein. Mitten in der Passionszeit, wird er das kleine Ostern genannt, ein Sonntag der Freude mitten in der Passionszeit also, so als ob mitten im Leid Trost, mitten in Verzweiflung Zuversicht in unser Leben käme. Und tatsächlich sind diese trostvollen Worte nicht in guter, schöner, sicherer Zeit geschrieben worden, sondern zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel der Heimat. Aber Trost in Leid zu bringen, und Hoffnung in Verzweiflung, liebe Gemeinde, das wissen wir, ist nicht einfach. Heinz Neger hat einmal das Lied gesungen: Heile, heile Gänschen, es wird bald wieder gut, Das Mäuschen hat ein Schwänzchen, es wird ja wieder gut. Heile, heile Mäusespeck, in hundert Jahr´ ist alles weg. Ein altes Lied, aber es hat so manchem Kind geholfen, als es in Not war – aufgeschlagene Knie, geärgert werden, eine schlechte Note, zerbrochenes Spielzeug. Dabei war es vermutlich nicht der Text, der geholfen hat, sondern die Nähe desjenigen, der es gesungen hat. Bei Mutter oder Vater auf dem Schoss, geborgen in Armen, die einen halten und schützen, da wird der Schmerz kleiner. Das Leben hielt schlimmere Schicksalsschläge bereit, als das aufgeschlagene Knie oder das zertrümmerte Spielzeug und mit Heile, heile Gänschen war es dann nicht mehr getan. Genauso wenig, wie allein die Worte des Jesaja Trost geschaffen haben. Was aber darin zum Ausdruck kam, war die Nähe, die Wärme und die Liebe Gottes, die aus diesen Worten zu den Menschen drangen. Ich habe dich nur einen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ich halte es nun wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser nie mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich auch dir geschworen, nie mehr über dich zu zürnen und dich nicht mehr zu schelten. Denn es mögen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht von dir weichen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Wie mögen diese Worte auf das gefangene Volk gewirkt haben, die schon lange im Exil waren, dass die Erinnerungen immer mehr verblassten? Wir wissen ja selbst. Worte allein trösten und helfen recht wenig, ja manchmal geht es mir so, dass viel zu schnell Worte des Trostes gesprochen werden, dass viel zu wenig darauf eingegangen wird, wie sehr ein Mensch auch leidet, wie sehr ein Mensch auch schwer trägt an mancher Last des Lebens, wie sehr ein Mensch immer wieder Schmerz aus längst erlittenen, scheinbar nie richtig heilenden Wunden empfinden kann. Wie viele Menschen gibt es, für die der Schmerz oder die Trauer ein halbes Leben lang schon dauert? Mit Kopf hoch, das Leben geht weiter! Es muss ja weitergehen! Es wird schon wieder werden! Lass dich nicht unterkriegen!, oder mit ähnlichen lieb gemeinten Worte ist oft wenig getan. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Die Zeit vermag einiges, sie lässt vieles in den Hintergrund treten und manches auch vergessen, nur eines vermag sie ganz bestimmt nicht: Die Wunden zu heilen. Heilung bedarf mehr als nur Zeit. Gehen wir deshalb einen Schritt weiter. Leid und Trauer können Orte größter Gottverlassenheit sein, aber sie sind auch Begegnungsstätten des lebendigen Gottes. Jesaja scheint beides zu kennen. Die Gottverlassenheit kennt er genauso, wie die spürbare und ganz sicher erlebbare Nähe des lebendigen Gottes. Ich habe dich nur einen Augenblick verlassen, schreibt er im Namen Gottes. Wir mögen dazwischenrufen: Nur einen Augenblick? Mir kam es länger vor, fast wie eine Ewigkeit. Aber dies ist eben nur die eine Seite. Die Sätze, die Jesaja hier sagt, sie gehen ja weiter. Jeder Satz, der das Leid und die Verlassenheit vor Augen stellt, endet hoffnungsvoll: ....aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich wieder sammeln,.... aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, ... aber der Bund meiner Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht hinfallen. Wissen Sie, was das für mich bedeutet? Es heißt, wenn einer von uns heute in den Gottesdienst gekommen ist, um Trost zu suchen, dann möge er oder sie bitte zuerst den Zweifel zulassen. Ja, es gibt ihn, den verborgenen Gott, den Gott, den ich nicht mehr sehen, an den ich nicht mehr glauben kann. Wer von uns wollte das ernsthaft in Frage stellen. Und solche Gedanken haben ihr Recht – immer wieder. Daneben aber gibt es auch eine andere Seite. Wer die Gottverlassenheit beschreibt, sollte nicht vergessen nach den Spuren der Bewahrung Gottes in seinem Leben zu suchen. Gottverlassenheit und Gottesnähe gehören ja zusammen. Wie sollte ich die Ferne Gottes so schmerzhaft spüren, wenn ich nicht schon die Nähe Gottes erlebt hätte? Die ältere Generation teilt zum Beispiel die gemeinsame Erfahrung des Krieges, aber sie teilt auch die gemeinsame Erfahrung der Bewahrung. Das Grauen hat ein Ende gefunden. Wir haben es überlebt, wir sind bewahrt geblieben. Meine Generation hat solche zutiefst bedrohlichen und gleichzeitig auch bewahrenden Erfahrungen nicht mehr. Vielleicht tut wir uns deswegen auch manchmal so schwer mit dem Trösten und dem Getröstet werden. Und doch können auch wir inmitten all des Leides dieser Welt und unseres eignen Lebens Erfahrungen machen, die eine andere Sprache sprechen. Wir müssen eben nur bereit dazu sein, neben dem tragischen des Lebens auch das Bewahrende und Hoffnungsschaffende zu sehen. Und wenn das eigene Leben da nichts hergibt, dann muss man seinen Blick auf etwas anderes richten, dann braucht man Worte und Gedanken, die einem diese andere Seite vor Augen stellen. Der wohl wichtigste Blick dabei ist für uns das Kreuz Jesu. Es ist ja das Symbol für uns, in dem diese beiden genannten Seiten des Lebens aufs engste verbunden sind. Wir haben am Donnerstagabend im Kindergottesdienstkreis zusammengesessen und über das Symbol des Kreuzes gesprochen. Wir haben uns an Hand der äußeren Gestaltung von Kreuzen die vielfältige Bedeutung des Kreuzes vor Augen geführt. Es gibt Kreuze, die den Körper des Gekreuzigten tragen und solche ohne einen so genannten Corpus. Es wurde uns sehr schnell deutlich, dass das eine Kreuz uns das Leid der Menschen vor Augen führt, die tiefe Betroffenheit des leidenden Menschen. Das andere Kreuz zeigte uns die Hoffnungsseite dieses Symbols. Der Blick auf das Kreuz macht deutlich: ja ich bin im Leiden. Ich fühle mich, wie an eine Kreuz genagelt, bewegungsunfähig und von der guten Kraft Gottes verlassen. Aber gerade weil Gott da hängt, weil Jesus Christus diesen Weg auf sich genommen hat, darf ich mich doch gleichzeitig von diesem Gott getragen wissen. Das Kreuz wird inmitten meiner Bedrückung so zu einem Haltepunkt des Lebens, das zeigt, dass auch wenn sich in meiner kleinen Lebenswelt sich alles verändert – wenn Berge weichen und Hügel hinfallen – es etwas gibt, das eben nicht zu Grunde geht: Gottes Gnade, seine Hinwendung zu mir, seine Liebe zu mir, sein Wille, mit mir zu gehen, das wird nicht von mir weichen. Der Bund des Friedens, der Wille zur Gemeinschaft, auch wenn wir Gott nicht gerecht werden, sein Wille zur Gemeinschaft unter den Menschen, dieser Bund, diese Verbindung mit Gott wird nicht hinfallen. Und davon spricht das Zentrale Symbol der Christen: das Kreuz. Jesus einen Augenblick verlassen – in unseren Augen mag es sein – doch Gott hat ihn aufgerichtet, hat sein Leben und seine Worte bestätigt und so Hoffnung geschaffen. Auferstehung, die völlige Erneuerung und Veränderung des Vorhergehenden – sie macht das Kreuz zu einer Durchgangsstation, in der Not und Hoffnung eng beieinander liegen. Und das ist letztlich das, was Heilung verschafft in unserem Leben, wenn wir uns in Gottverlassenheit befinden. Das Kreuz ist auch das Kreuz dessen, der nicht darauf festgenagelt blieb, sondern durch die Kraft Gottes einen neuen Weg ins Leben fand. Der uns damit einen Weg eröffnet hat, nicht im Kreuz des Lebens stehen zu bleiben, sondern dem erbarmenden Gott etwas zuzutrauen. Darin spiegelt sich die Osterhoffnung, die heute auch im Raum steht wider. Es gibt kein Dunkel, in dem das Licht Gottes nicht doch sichtbar wird. Am ehesten geschieht dies, wenn wir als lebendige Gemeinschaft füreinander eintreten und festhalten an der Botschaft des für uns da seienden Gottes. Wenn wir uns im Leiden und in der Trauer nicht alleine lassen, sondern unsere Hoffnung weitergeben. Gestärkt dazu werden wir im Heiligen Abendmahl, das wir in diesem Gottesdienst miteinander feiern wollen. Auch darin spiegelt sich das Geschehen von Karfreitag und Ostern wieder und lässt uns daran teilhaben, damit wir daraus die Kraft fürs Leben empfangen. Deinen Tod, o Herr, verkünden wir – so heißt es in der Liturgie. Damit nehmen wir die Seite des Leidens das Gott in Christus trägt in unser Leben hinein. Und deine Auferstehung preisen wir – damit bringen wir zum Ausdruck, dass das Leiden überwunden ist, dass der Tod durch das Leben besiegt ist, dass die Liebe über den Hass gesiegt hat und das dies eben auch für unser Leben gilt. Bis du kommst in Herrlichkeit – Wir leben diese Hoffnung zunächst im Glauben, eben weil die sichtbare Erfahrung eine oft andere Sprache spricht. Aber dieser Glaube lebt von der Wirklichkeit der Nähe Gottes. Wir leben schon jetzt so, als ob die Zukunft, in der Gott alles in allem sein wird, schon jetzt Wirklichkeit ist. Darin liegt die Kraft der Erlösung und der Hoffnung, die Jesaja mit seinen Worten so beschreibt: ....mit großer Barmherzigkeit will ich dich wieder sammeln, .... mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, ... der Bund meiner Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht hinfallen. Das Kreuz steht fest als Zeichen dieser Verheißungen Gottes. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 445,1-4 Psalm: 84, 3-26 Eingangsliturgie 97 – Kyrie von der Gemeinde - Gebet: siehe EGb S. 303 unten Lesung: Jes 54, 7-10 Lied: 86, 1,2,8 Lesung: Joh 12, 20-26 Glaubensbekenntnis Lied: 98, 1-3 Predigt Lied 229, 1-3 Abendmahlsfeier: Teilt das Brot – teilt die Not. Das Brot mit einem Menschen teilen, vor allem dann, wenn es Menschen nicht gut geht, das ist ein Zeichen der lebenschaffenden Gnade Gottes. Er will uns stärken, er gibt uns neue Kraft. Gütiger Gott, dafür danken wir dir. Lass uns in dem Brot, das wir teilen, deine Stärke empfangen, mit der wir unser Leben angehen können. Herr, Jesus Christus. Lass uns teilhaben an deinem Kreuz und deiner Auferstehung, trage mit uns unser Leid und führe uns zu deinem hoffnungsvollen Leben. Darum bitten wir dich, der du uns in Brot und Wein Zeichen der Hoffnung hinterlassen hast. Einsetzungsworte Geheimnis des Glaubens Lied: 189 Heiliger Geist, erfülle uns mit dem Vertrauen auf die Gnade Gottes und auf seinen Frieden. Lass uns von daher leben und hilf uns dies an andere weiterzugeben. Erfülle und verbinde uns durch dieses Mahl mit deiner Barmherzigkeit. Vaterunser Austeilung Sendungswort: Jes 54, 10 Abkündigungen – Fürbittengebet Wir danken dir, gütiger Gott, für die Gaben von Brot und Wein. So wollen wir gestärkt durch dich unseren Weg gehen. Gib du uns dabei Kraft und Ausdauer für ein mutiges Leben, das sich nicht unterkriegen lässt durch bedrückende Erfahrungen. Gib uns einen festen Halt in dir und in dem Kreuz deines Sohnes Jesus Christus. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, denen das gute Wort fehlt, das befreiende Wort deiner Gnade. Nimm uns in den Dienst, auf dass wir es weitersagen, und sende du deine Beten aus, auf dass die Friedensbotschaft die Welt erreicht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die inmitten bedrückender Situationen sind und darin gefangen sind. Lass sie darin nicht untergehen, stell Menschen zur Seite, die Halt geben, gib du selber den Halt, den sie brauchen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für unseren neuen Bischof, dass er durch sein Tun Hoffnung verbreite und dem Leben diene. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für die Menschen in Israel und Palästina, dass der unselige Weg des Hasses und Leidens verlassen wird. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir vertrauen auf dein Wort, warum wollen wir in deiner Gnade und deinem Frieden unsere Wege ziehen. Dir sei Ehre in Ewigkeit. AMen Segen Lied 163 |
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