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Jes 49,1-6

Der biblische Text, der unsere Gedanken heute leiten soll ist ein so genanntes Gottesknechtslied. Es gibt 5 Gottesknechtslieder. Das bekannteste steht in Jes 52 und wird am Karfreitag gelesen. Fürwahr er trug unsere Schuld .... ist ein bekannter Satz daraus.
Historisch weiß man nicht genau, wer dieser Gottesknecht war: ob es der Prophet selber war, ob es ein Bild für das Volk Israel oder ein ganz anderer Mensch war. Die Figur dieses Gottesknechtes ist eine ganz wichtige und deshalb tauchen dieses Lieder auch in unseren biblischen Texten für die Predigt immer wieder einmal auf.
Gottesknecht – ein alter Begriff, denn Knechte sind aus unserem Bewusstsein entschwunden. Wir wissen was Knechte sind, soviel ländliches Leben ist in uns noch wach. Aber Knechte, das wären sicherlich die anderen gewesen, nicht wir selber.
Knecht: das klingt nach einem Oben und Unten, nach einem, der das Sagen hat und nach einem, der Anordnungen auszuführen hat. Ein kleines Licht ist ein Knecht, der diesen Anordnungen zu folgen hat. So unser Bild von einem Knecht.
Gottes Knecht: was ist da anders? Gibt es ein anderes Bild, das von einem Knecht Gottes gezeichnet werden kann?
Merket auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.
Das klingt aber nicht nach Drecksarbeit, das klingt auch nicht nach Befehlsempfänger, es klingt für mich nach herausragender Stellung. Berufen von Mutterleib an. Er hat meines Namens gedacht. Vor Gott wichtig sein. Für Gott wichtig sein, das lese ich daraus. Das ist schon etwas besonderes und ich denke, der Gottesknecht weiß das auch. Er weiß sich von seinem Gott in den Dienst genommen, angesprochen und beauftragt. Du bist mein Knecht, durch den ich mich verherrlichen will.
Was für ein Auftrag, den dieser Knecht da erhalten hat. Er darf Gott in dieser Welt lebendig machen. Es ist seine Aufgabe, Gottes Wort laut werden zu lassen, auf dass Gott verherrlicht wird. Und das heißt doch so viele wie, dass Gott als gute Kraft des Lebens sichtbar wird.

Gehe hin und tue desgleichen ... das sagte Jesus einmal zu einem Menschen, der nach dem obersten Gebot fragte. Oder er sagt: Folge mir nach.
Ich behaupte: wir Christen sind Knechte Gottes, denn verbunden mit Jesus sind wir in seine Nachfolge gerufen. Durch sein Wort sind wir beauftragt, das weiter zu tragen, was er in begonnen hat. Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Lehret sie halten, alles, was ich befohlen habe. Seid Knechte Gottes heißt das für mich.
Von Christus sind wir berufen, in unserem Leben Knecht Gottes zu sein. Auch durch uns will Gott verherrlicht werden.
Wie kann das geschehen? Dem Gottesknecht wurde ein Mund wie ein scharfes Schwert gegeben. Wie ein Pfeil, der zielsicher trifft, war er, bewahrt durch Gott.
Was haben wir als Diener Christi, um in der Welt Gott und den Menschen zu dienen?
Auch wir haben einen Mund, auch wir können gewiss immer wieder als Pfeil dienen, um für Gott und die Menschen einzutreten.
Manch einer von ihnen wird am Sonntag und Montag den Film Neger, Neger, Schornsteinfeger gesehen haben. Die Geschichte des Kindes einer deutschen und eines Afrikaners. Geboren vor der Nazidiktatur, aufgewachsen im dritten Reich musste er alle negativen Seiten von Rassenhass erleben, ohne jedoch die schrecklichsten Dinge des Naziregimes erdulden zu müssen. Es war ein behutsamer Film, der das Schicksal dieses Mischlingskindes in deutlicher Weise nachgezeichnet hat. In der Figur der Mutter, der Freunde und einiger offizieller Amtsträger, die sich für den Jungen eingesetzt haben, wurde deutlich, was es heißen kann, Gottes Knecht zu sein. Es wurde nicht ausgesprochen in dem Film, es war auch nicht Ziel des Filmes und doch steckt für mich viel davon in der Handlungsweise der Menschen. Für das Recht eines Menschen eintreten. Mutig gegen den Trend aufstehen, Unrecht in Worte zu fassen. Laut zu sagen: das ist falsch, dieses Kind ist Mensch und nicht Neger – darin liegt für mich ganz viel von dem, was ich mir vorstelle unter einem Knecht Gottes. Den Menschen, seine Würde, sein Ansehen, sein Lebensrecht in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns stellen, das ist Leben und Handeln in der Nachfolge Jesu. Dazu müssen wir nicht Mutter oder Vater, guter Freund oder Nachbar sein. Dieses Recht gehört jedem Menschen, wie nah oder fern er uns auch sein mag.
Im Film war zu sehen, wie Menschen dieses Recht mit Füßen tragen, weil sie ihren eigenen Vorteil suchten, weil sie Machtpositionen inne hatten, die sie verteidigen wollten. Es wurden Menschen gezeigt, die als Mitläufer dem Massentrend folgten und so dem Kind entgegenstanden. Wovon lassen wir uns leiten, wenn es darum geht, Menschen zu beurteilen, im Gerede einer Gruppe zu verurteilen? Wonach strebe ich und wer bleibt dabei auf der Strecke? Unser Mund ist oft genug ein scharfes Schwert, ein spitzer Pfeil. Aber für wen? Für Gottes Gnade in dieser Welt oder für unsere menschlichen Eitelkeiten? Gott verherrlichen, für ihn scharfes Schwert und spitzer Pfeil zu sein, das ist keine leichte Aufgabe. Dazu bedarf es einer tiefen Gewissheit, durch Gott selber getragen zu sein. Er hat mich berufen, er hat meines Namens gedacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt, verwahrt in seinem Köcher. Was für schöne Bilder hat der Knecht Gottes hier bereit. Dieser Knecht Gottes weiß: ich bin getragen von Gott, seine Hand hält mich, liegt schützend und bergend über mir.
Was nicht heißt, dass dieser Knecht Gottes nicht darum weiß, dass der Einsatz für Gott mühselig ist.
Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz, wiewohl mein Recht bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott ist.
Wer im Glauben lebt, wer bewusst in der Nachfolge Jesu leben will, der kennt solche Gedanken. Bringt das eigentlich etwas, das ich mich hier einsetze? Macht das überhaupt Sinn? Überall sehe ich Menschen, die so anders leben und dazu auch noch gut? Soll ich mir den Mund verbrennen, es ändert sich doch sowieso nichts?
Ja, wir sollen. Wir sollen es, weil wir in die Nachfolge Jesu gerufen sind, der den Einsatz für die Menschen an erste Stelle gestellt hat. Wenn niemand für den Jungen in dem Film aufgestanden wäre, wenn niemand anders gehandelt hätte, dann wäre dieses Kind in der damaligen Zeit untergegangen, wie viele Millionen Menschen, die viel zu wenige Fürsprecher gehabt haben.
Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen als Christen, nur weil die Menschen sich vermeintlich nicht ändern. Sicher machen wir Christen uns nicht nur Freunde mit dem, was wir sagen oder wie wir handeln in der Welt. Die Reaktionen vieler Muslime auf christliche Äußerungen und Handlungen machen das ja auch deutlich, genauso wie die Gleichgültigkeit vieler Menschen. Aber dennoch bleibt es wichtig, die Botschaft Gottes weiter zu tragen, denn darin kann das Heil bis an die Enden der Erde gelangen.
Das ist zumindest die Hoffnung, die dem Gottesknecht in unserem Bibeltext gemacht wird. Ein Licht für alle Menschen soll er sein und Heil für die Menschen. Dieser Mensch, der sich selber als nutzlos und vergeblich arbeitend erlebt, er wird nicht einfach beiseite geschoben, so wie das oft bei uns Menschen geschieht. Gott geht da seinen ganz eigenen Weg, wenn er deutlich macht, dass das, was in unseren Augen vergeblich und unnütz erscheint, doch etwas ist, was nötig ist. Und es ist nötig, dass wir in einer Gesellschaft, in der die Leistung und die wirtschaftliche Kraft so groß geschrieben wird, etwas anderes gesagt wird. Und das nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern in aller Welt. Die Kraft unseres Menschen liebenden Gottes soll laut werden, in einer Welt der Menschenverachtung, die in Krieg, Gewalt, Terror oder wirtschaftlicher Ausbeutung sichtbar wird. Dagegen stellen wir die Achtung des Menschen, das Lebensrecht aller Menschen, die Wertschätzung eines jeden Menschen. Und das muss laut werden in unseren Dörfern, in unserem Land, in Afghanistan, in Bagdad, in Taiwan und überall auf der Welt. Das Licht für die Heiden, das der Gottesknecht weiter tragen sollte, das ist das Licht für die Menschen unserer heutigen Welt. Jesus sagt: ihr seid das Licht der Welt.
Eine Geschichte zum Schluß:
Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger bestellen. Er versammelte die Weisen seines Landes und rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: "Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache." Die Weisen sagten: "Das ist eine gute Aufgabe."
Der ältere Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. Er dachte sich: "Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen." Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: "Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger." Der Vater antwortete: "Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten."
Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.
Der Vater sagte: "Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen."  Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 472,1-3+6
Psalm Ps 25, 8-15
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, wir sind in deinen Händen von Mutterleib an. Du rufst uns zu dir, auf dass wir deine Güte weiter tragen in die Welt. Wir bitten dich begleite uns durch dein lebendigen Wort, führe du uns in allem, was wir tun. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, in dessen Nachfolge wir leben. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen
Lesung: Mt 15, 21-28
Lied: 346,1-4
Lesung: Jes 49, 1-6
Glaubensbekenntnis
Lied 251,1-3+6
Predigt
Lied: 391,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Unser Gott und Vater, aus dir leben wir und für dich leben wir. Darum bitten wir dich um dein Geleit, stärke uns darin, dein Wort in die Welt zu tragen.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich darum, dass wir einander zugewandt sind als Menschen in unserer Gesellschaft, dass wir aus deiner Barmherzigkeit leben und füreinander einstehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich darum, dass Menschen, die über andere Entscheidungen fälle, dies mit viel Verantwortung und persönlicher Demut tun, um das Leben der Menschen zu fördern. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die ihren Lebensmut verloren haben, die über sich oder andere verzweifelt sind. Stärke sie neu, dass sie erkennen, für dich sind sie bedeutsam. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Schenk uns Gelassenheit, wenn uns das Leben herausfordert und wir nicht mehr wissen, wie wir darauf reagieren können. Lass uns leben aus deiner Stärke. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die in unsern Gemeinden krank danieder liegen, deren Seele beschwert ist, die von Sorgen umgetrieben werden. Sei du ihnen nahe und gib ihnen, was sie nötig haben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Für alle, die von Freude begleitet sind, deren Herz lacht und die fröhlich sind. Erhalte du sie darin und lass diese Freude zum Licht für viele werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
  Sonntag
29.10.2006
Liturgischer
Ablauf
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