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Jeremia  7, 1 -11

Der morgige Sonntag trug früher die Überschrift: Gedenktag der Zerstörung Israels, die hat man verändert und nun heißt es: Israelgedenken oder eben schlicht Israelsonntag.

Es ist gut, dass wir Christen wenigstens einmal im Jahr sehr deutlich den Ursprung unseres Glaubens in den Blick nehmen. Unser Glaube ist aus dem jüdischen Glauben hervorgegangen. Jesus Christus war Jude, sein Tod und seine Auferstehung sind eng verknüpft mit der Stadt Jerusalem. Und das wollen wir heute bedenken, während wir gleichzeitig die täglichen Meldungen aus dem Heiligen Land im Hinterkopf haben.

Jerusalem war und ist die Hauptstadt des Heiligen Volkes Israel. Aber genau das macht diese Stadt nicht nur bedeutsam, sondern auch zu einer Stadt der großen Probleme. Als das Volk Israel im 6. Jhd. vor Christus eingenommen wurde, war es für die Eroberer wichtig, die Hauptstadt einzunehmen und auch den Tempel zu zerstören und damit die geistliche Mitte des Volkes Israel, die sich im Tempel zeigte, zu vernichten. Als das Volk aus der Gefangenschaft in Babylonien zurückkehrte, galt es, diesen Tempel wieder aufzubauen, um so wieder ein Zentrum des Glaubens zu haben. Zur Zeit Jesu stand Israel unter der Herrschaft der Römer und 70 nach Christus wurde der Tempel von den Römern wieder zerstört.

Die Juden lebten seitdem ohne den Tempel verstreut in aller Welt, ungeliebt, oft verschmäht, in Deutschland zu Millionen verfolgt, nicht nur in der Nazizeit. In unserem Jahrhundert erst gab es wieder den Staat Israel, nur dass sich inzwischen in der Stadt Jerusalem 3 unterschiedliche Religionen den Tempelberg teilen.

Viele von den Auseinandersetzungen haben eine jahrhunderte lange Geschichte, die wir zum großen Teil von außen kaum nachvollziehen können. Das ist ja auch der Grund, warum wir oft so ratlos davor stehen, wenn wir jeden Tag hören, dass wieder so viele Tote zu beklagen sind.

Ich möchte heute meine Predigtgedanken so gestalten, dass ich die Lesungen für den heutigen Tag, mit einigen Gedanken begleite, denn ich empfinde sie als eine drängendes Werben Gottes gerade in dieser Zeit.

Beginnen wir mit der ersten Lesung: Röm 11, 25-32 Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33):

»Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Paulus erläutert hier das Verhältnis von Juden und Christen. Paulus sieht das Problem, dass Juden und Christen zur Zeit getrennt sind, er selbst war ja einer der Christenverfolger vor seiner Bekehrung. Er sieht jedoch, dass Gott das Heilige Volk nicht alleine lassen wird. Für ihn stellt es sich so dar: Es gab das Heilige Volk, dem Gott sich zugewandt hat, während die so genannten Heiden sich gegen Gott wandten – also ungehorsam waren. Mit Jesus aber hat Gott sich auch den Heiden zugewandt, hat auch sie in seine Gemeinschaft gerufen. Dies führt jetzt zum Ungehorsam des Heiligen Volkes, aber doch mit dem Ziel dass Gott sich letztlich aller Menschen erbarmt. Das bedeutet, dass es in unserem Glauben letztlich keine Trennung von dem Heiligen Volk Israel gibt, sondern dass wir engstens Verbunden sind durch die Barmherzigkeit Gottes.

Ich denke man muss dies immer wieder einmal lebendig vor Augen stellen, um uns daran zu erinnern, gerade angesichts unserer Geschichte und dem, was sich daraus immer wieder auch heute noch an Gedanken entwickelt. Oft genug hört man ja, dass es doch endlich mal gut sein soll mit der ewigen Schuldzuweisungen angesichts der Nazigreuel. Der Israelsonntag aber zeigt uns, dass wir nicht eine fremde religiöse Gruppe verfolgt haben, was schon schlimm genug wäre, nein wir haben gleichsam unsere Schwestern und Brüder im Glauben vernichtet. Darin liegt die besondere Schuld der Christen, die diese Schuld in ihrer Geschichte mit sich tragen. Enge Verbindung mit dem Heiligen Volk Israel gehört in den christlichen Glauben hinein. Und wenn heute Jugendliche wieder zur Judenhaz aufrufen, dann gehört es zur Christenpflicht, sich diesen um des Glaubens willen entgegenzustellen. Und es gehört natürlich auch dazu, dass wir an den Ereignissen in Israel besonderen Anteil nehmen, doch dazu möchte ich nach der nächsten Lesung etwas sagen.

Wir singen nun das Lied  Mir ist Erbarmung widerfahren: 355, 1-3

 

Und als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist. Und er ging in den Tempel und fing an, die Händler auszutreiben, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus sein«; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht. Und er lehrte täglich im Tempel.

Wenn man dies in diesen Tag hört, so möchte man nicht meinen, dass diese Worte vor rund 2000 Jahren geschrieben worden sind. Sie klingen wie eine aktuelle Hineinnahme Jesu in die heutige Zeit. "Wenn du doch erkenntest zu dieser Zeit, was dem Frieden dient!" Was für ein Hilferuf angesichts der vielen Toten, die Jerusalem und die Ortschaften in Israel zu beklagen haben. Als Christen können wir dazu nur sagen, dass Jesus recht hat, wenn er mit seinen Worten versucht hat, die Spirale von Gewalt zu durchbrechen. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr dem Übel nicht widerstreben sollt, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, so biete die andere auch noch dar. Liebet eure Feinde und bitte für die, die euch verfolgen.

Diese Worte klingen immer wieder so weltfremd, so unmöglich und doch beschreiben gerade diese Worte genau das, was wirklich zum Frieden führt. Hat es schon einmal einen Krieg gegeben, der hilfreich war, an dessen Ende ein positives Ziel erreicht wurde, ohne dass eine Unmenge an Opfern zu beklagen war. Gewalt ist keine Lösung und wir vom Christentum geprägten Deutschen müssen alles dafür tun, dass diese Gedanken des Friedens weitergetragen werden. Und dies muss auch immer wieder in den politischen und religiösen Dialog eingebracht werden. Der christliche Friedensgedanke zur Überwindung von Gewalt muss gegenüber allen religiösen und politischen Gruppen durchgehalten werden, sonst werden wir unserem Glauben und unserer christlichen Tradition gegenüber untreu. Jesus hat Friedfertigkeit gepredigt, weil er genau wusste, dass Gewalt nur in den Untergang führt. Und gerade für Israel und Palästina wären diese Gedanken im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig, not-wendend.

Wir singen das Lied Hevenu schalom alechem - wir wünschen Frieden für alle  433

Der eigentliche Predigttext für diesen Gottesdienst steht im Alten Testament beim Propheten Jeremia:

Dies ist das Wort, das vom HERRN geschah zu Jeremia: Tritt ins Tor am Hause des HERRN und predige dort dies Wort und sprich: Höret des HERRN Wort, ihr alle von Juda, die ihr zu diesen Toren eingeht, den HERRN anzubeten!

So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort. Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, so will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben habe.

Aber nun verlaßt ihr euch auf Lügenworte, die zu nichts nütze sind. Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen, - und tut weiter solche Greuel. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der HERR.

Und wieder erlebe ich diese alten Worte als ganz aktuelle Worte, die gerade heute auf dem Tempelberg in Jerusalem verkündet werden sollten.

Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen, - und tut weiter solche Greuel.

Wir hören von den verschiedenen Gruppen in Palästina und Israel. Jeder meint Ansprüche zu haben, zum Teil werden sie religiös begründet, zum Teil politisch und zum Teil sind es schlichte Machtinteressen, die einfach nur religiös untermauert werden. Da werden junge Menschen als lebendige Bomben benutzt, um diese Machtinteressen zu vertreten und versprochen wir ihnen ein Platz im Himmel. Was für ein Denken, was für eine Idiotie, die man da erlebt. Und gerade diese Form von religiöser Ideologie macht die Probleme so schlimm. Das sind fremde Götter, denen da nachgelaufen wird, das hat nichts mit dem Gott der Bibel zu tun, der solches Greuel nicht will. Und dieser Gott will auch keine heuchlerischen Gottesdienste. Nach dem Motto: jetzt wird gebetet, wir fühlen uns in der Hand Gottes und danach schmeißen wir Molotowcocktails für die politische Sache. Es sind Gräuel, die getan werden, das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern es ist eine menschliche Verirrung und Verhärtung, die wir da erleben.

Und das schlimme ist, dass gerade religiöse Führer die Antreiber für so etwas sind. Und das gilt ja auch für die Festnahme der Christen der Hilfsorganisation Shelter Now durch die Taliban. Ein Gott, der den Tod von Menschen will, der ist kein menschenfreundlicher Gott und der kann auch nicht angebetet werden, bei dem kann es keine menschliche Geborgenheit geben, weil diese immer auf Kosten anderer Menschen geht. Das christliche Gottesbild stellt da anderes vor Augen: da gibt es wahrhaft menschliche Geborgenheit, weil Gott selber die Kosten trägt am Kreuz. Und das ist die größte Friedensbotschaft, die es je gab.

Jeremia sagt im Namen Gottes:

Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort. Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel! Sondern bessert euer Leben und euer Tun, dass ihr recht handelt einer gegen den andern und keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen und nicht unschuldiges Blut vergießt an diesem Ort und nicht andern Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, so will ich immer und ewig bei euch wohnen an diesem Ort, in dem Lande, das ich euren Vätern gegeben habe.

Ich verstehe diese Worte so, dass es doch nicht um einen bestimmten Flecken Erde gehen darf in Jerusalem – so sehr Tradition auch eine Rolle spielen mag – sondern dass letztlich das menschliche Miteinander und Füreinander das Entscheidende ist. Darauf sollten wir hin wirken, auch wenn wir persönlich dazu keine direkten Möglichkeiten haben mögen. Aber wir können dafür beten und können für diese Gedanken überall eintreten, wo es nötig und angebracht ist. Gerade wir christlichen Kirchen müssen dies an die erste Stelle unseres Handelns und Denkens stellen, denn dies ist ein Kernpunkt unseres Glaubens und Lebens. Weil wir aus dem Frieden Gottes heraus leben, aus der grundlosen Zuwendung Gottes, so gilt es eben auch dies an die Menschen weiter zu geben. Und der Gedanke der Gewaltlosigkeit, das Vermeiden von unschuldigen Opfern steht dabei an erster Stelle. Dafür einzutreten ist unsere Aufgabe: in Wort und Tat und vor allem im Gebet, wo wir selber wenig tun können. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 290, 1-4+7

Eingangsliturgie - Gebet:
Treuer Gott, in Jesus bist du Mensch geworden, inmitten des jüdischen Volkes zum Heil der Welt. Und du bist deinem Volk, das du erwählt hast, treu geblieben. Aber du hast seine Grenzen auch überschritten, um Menschen aus allen Völkern zu deinem Heiligen Volk zu berufen.

So bitten wir dich, lass uns diese Verbindung sehen und stärken, mache uns offen für die Gemeinschaft, in die du uns damit gestellt hast, auf dass wir dich gemeinsam loben. Das bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Einleitende Worte

Lesung: Röm 11, 25-32

Predigt 1

Lied: 355,1-3

Lesung:Lk 19, 41-47a

Predigt 2

Lied: 433

Lesung: Jer 7,1-11

Predigt 3

Glaubensbekenntnis

Lied: 430, 1-4

Abkündigungen - Fürbittengebet

Gott, wir hören jeden Tag von neuen Toten in Israel und Palästina. Wir begreifen nicht, warum Menschen einander so viel Leid antun. Wir bitten dich um Frieden in diesem Land. Hilf den Menschen aus ihrem Glauben heraus neue Wege zu einer friedvollen Beendigung der Konflikte zu kommen.

Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die verblendet sind in ihren Anschauungen, die ohne Rücksicht auf die Opfer ihre brutalen Handlungen vollbringen, dass sie erkennen, auf welch falschem Weg sie sind.

Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Opfer von Gewalt und Krieg, dass sie nicht von Hass und Rache geschürt werden und neues Leid bringen. Sondern dass ihr Opfer hilft, den Weg zum Frieden zu finden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die sich für den Frieden einsetzen, dass ihre Bemühungen fortsetzen, auch wenn Menschen ihre Anliegen immer wieder zerstören. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten um alle, die sich für die Gemeinschaft von Juden und Christen, von Juden und Muslimen, und die Verbindung von Religionsgemeinschaften einsetzen. Hilf, dass dieser Dialog die Friedensbereitschaft und Menschlichkeit fördert. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

 

Segen

421

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe,
Klein Elbe,
Gustedt
  Israelsonntag
18.8.2001
Liturgischer
Ablauf
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