| Predigt | AT |
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Jeder von uns kennt das Wort Halleluja. Wir haben es in diesem Gottesdienst gesungen, und oft genug schon im Gottesdienst gehört. Was es richtig bedeutet, da bekämen wir jetzt vielleicht etwas Schwierigkeiten, das zu sagen, aber irgendwie hat es wohl mit Lob zu tun. Wir loben damit Gott. So ungefähr jedenfalls würde es vermutlich beschrieben werden, würden wir danach gefragt. Halleluja besteht im Grunde aus zwei zusammengesetzten Worte: hallel und der Abkürzung ja für Jahwe, dem Namen des Gottes Israel. Hallel heißt so viele wie: loben, jauchzen, jubeln, meistens geht es eben darum: Gott zu loben und zu preisen. Nun taucht dieses Wort auch in dem Sinne auf, dass man sich selber lobe und preise, oder anders gesagt: sich rühmt. Man rühmt sich einer bestimmten Fähigkeit, eines bestimmten Verhaltens oder auch bestimmter äußerer Gegebenheiten: mein Haus, mein Boot, mein Auto, wir kennen das aus der Werbung. Rein sprachlich also gehören im hebräischen loben, gelobt werden, sich selber rühmen zusammen. Heute nun wird dieses Sich-Rühmen von unserem vorgeschlagenen Predigttext in Frage gestellt. So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. Der Ruhm von Menschen ist ein sehr vergängliches Gut. Heute noch stehen da Leute im Rampenlicht, werden von den Medien und den Menschen hofiert. Der Ruhm verschafft Ansehen, steigert das Selbstbewußtsein und läßt einen gut dastehen. Und dann gibt es immer auch andere, die sich im Licht dieses Ruhmes ebenfalls sonnen, um auch ihren Teil des Ruhmes abzubekommen. Und wie oft steigt Menschen dies zu Kopf, sie glauben sie könnten sich alles erlauben, könnten auf Grund des Ruhmes und des Ansehens alles tun, ohne Rücksicht auf das, was damit vielleicht auch angerichtet wird. Jede Zeit hat da Menschen und Beispiele dafür, zur Zeit ist es leider unser Bundepräsident, der da im Focus ist. Ganz schnell aber kann es gehen, dass dieser Ruhm auch zu Ende ist. Im Showbusiness ist das immer wieder zu sehen, im Sport ganz ähnlich. Wer heute Ansehen hat, kann morgen schon wieder in der Versenkung verschwunden sein. Ruhm selber hat an sich nichts verwerfliches, aber doch eben etwas sehr angreifbares, etwas sehr zerbrechliches. Ruhm ist daher nicht das, was uns Menschen ausmacht, was uns Menschen im Leben trägt. Ruhm mag etwas sehr schönes sein, wer mag nicht gerne angesehen sein, aber wer sein Leben darauf stützt, der wird auch erleben, wie schmerzhaft der Fall ist. Das wäre so der Blick auf den Ruhm an sich. Nun heißt es in unserem Text: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Eigentlich sind Reichtum, Stärke oder Weisheit schon Dinge, derer man sich rühmen kann. Weisheit, Kenntnis, Wissen, das sind keine verwerflichen Dinge. Sie sind nötig in unserem Leben und wir sind darauf angewiesen, dass Menschen Weisheit besitzen, um uns für unsere Entscheidungen Hilfe zu geben, um für uns notwendige Dinge zu entwickeln, das Leben für die Menschen zu erleichtern. Auch Stärke ist wichtig für uns Menschen. Nicht nur körperliche Stärke, sondern auch innere Stärke. Sie hilft uns, dem Leben entgegenzustehen, die bedrückenden Seiten des Lebens annehmen zu können, andern darin auch etwas zu bieten. Reichtum, so relativ dieser Begriff auch ist, Reichtum ist eine gute Hilfe zum Leben, sowohl im privaten Leben, als auch natürlich im gesellschaftlichen Leben, denn ein reiches Land bietet mehr und bessere Lebensmöglichkeiten als ein armes Land. Reichtum an sich ist also auch nicht etwas verwerfliches. Wenn das so ist, was klagt Gott durch den Propheten Jeremia dann an? Was will mit diesen kritischen Gedanken zum Ausdruck gebracht werden? Gott klagt hier nicht die Weisheit, die Stärke und den Reichtum als etwas Falsches an, sondern das Sich Rühmen der Menschen, die sich damit brüsten, die sich damit in den Vordergrund spielen und auf ihre eigene Weisheit, ihre persönliche Stärke und ihren individuellen Reichtum ihr Leben bauen. Dies stellt Gott in Frage, dazu sagt er, dass wir Menschen uns solchen Ruhmes enthalten sollen. Denn Ruhm, der in dieser Weise nach außen tritt, ist ein allein selbstbezogener Ruhm, der oft genug nur sich selber im Blick hat. Wer sich denn rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. Hierin kommt der zentrale Unterschied sehr deutlich zur Sprache. Der Ruhm des Menschen besteht - kurz gesagt - in der Klugheit des Glaubens. Gott kennen, das heißt für das alte Testament nicht ein intellektuelles Kennen, kein angelerntes Wissen, sondern das Wort das dort benutzt wird, beschreibt ein zutiefst inniges Vertrautsein mit dem anderen, ein enges Verbundensein mit Gott. Rühme dich dieser Verbundenheit, lobe die Klugheit deines Glaubens, denn darin wird wahrhaft menschliches Leben sichtbar. Die Klugheit des Glaubens vertraut auf Gott, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden. Diese drei Worte gehören zu den zentralen Worten des Alten Testamentes. Sie beschreiben das grundlegende Verhältnis Gottes zu uns Menschen und in ihnen wird ein Verhalten offengelegt, das uns Menschen als solche auszeichnet, die von Gott her leben, die seinem Willen entsprechen und die damit das Leben dieser Welt im Sinne Gottes gestalten. Barmherzigkeit: im hebräischen heißt dieses Wort: chäsäd und meint: Huld, Liebe, Gnade, Güte, Freundlichkeit, Barmherzigkeit im Sinne von: beim Herzen des anderen sein. Dabei geht es nicht um ein Gefühl in Gott, oder im Leben des Glaubenden. Sondern es geht um das tiefe Zugewandtsein zum anderen. Es ist tätige Liebe, von der hier die Rede ist, es ist eine Gnade, die das Wohl des anderen im Auge hat, eine Güte, die dem anderen wohl tut, eine Freundlichkeit, die nicht innerlich bleibt, sondern äußerlich sichtbar wird. Barmherzigkeit faßt die Zielrichtung dieses Wortes für uns insofern zusammen, als dass es hierbei nun in keinster Weise um uns selber geht, sondern wirklich um das Gegenüber, um den anderen, dem die Barmherzigkeit widerfahren soll. Beim Herzen des anderen sein, das ist Barmherzigkeit, die Gott übt, von der wir selber leben, derer wir uns rühmen können und sollen und die uns dazu treibt, diese Barmherzigkeit auch weiterzugeben, sie zu üben, wo immer es nötig ist. Und eine solche Barmherzigkeit ist meilenweit davon entfernt zu sagen: ich bin großartig, sondern sie stellt den anderen in Mittelpunkt und sagt: du bist wer, darum verdienst du meine Zuwendung. Ganz ähnlich sieht das mit dem Begriff: Gerechtigkeit aus. Gerechtigkeit ist ja für uns von dem Gedanken geprägt: jeder bekommt das gleiche, für jeden ist gleich viel da. Oder es werden Strafe und Schuld in ein richtiges Verhältnis gesetzt. Gerechtigkeit, gerechtes Handeln ist im Alten Testament ein Wort mit viel größerer Bedeutung. Ein alttestamentlicher Theologe hat einmal gesagt: Gerechtigkeit kann man ohne weiteres als den höchsten Lebenswert bezeichnen, als das, worauf alles Leben, wenn es in Ordnung ist, ruht. Gerechtigkeit ist der Maßstab nicht nur für das Verhältnis des Menschen zu Gott, sondern auch für das Verhältnis der Menschen untereinander bis hin zu der belanglosesten Streiterei, ja auch für das Verhältnis des Menschen zu den Tieren und zu seiner naturhaften Umwelt. (von Rad, AT Theol. I S. 382) Dahinter steht, dass Gerechtigkeit kein statischer Begriff ist, keine ideelle Norm, an der alles zu messen ist, sondern Gerechtigkeit meint immer das Gemeinschaftsverhältnis, in dem man sich zu bewähren hat. Der Mensch lebt nie allein, sondern er lebt in Gemeinschaftsbezügen: zu Gott, zu Menschen, zu Tieren, zur Natur. Und das jeweilige Verhalten ist dann gerecht, also von Gerechtigkeit geprägt, wenn dieses Gemeinschaftsverhältnis stimmig ist. Dabei geht es um ein sogenanntes „gemeinschaftstreues“ Verhalten. Lebe ich in Einklang mit der Natur, oder ist mein Handeln gegen die Natur, das ist die heutige Frage des Umweltschutzes. Gerechtigkeit leben heißt, sein eigenes Verhalten so zu gestalten, dass die Gemeinschaft von Mensch und Natur nicht gestört wird. Gerechtigkeit unter Menschen. Ein ganz schwieriges Thema. Einmal global: der große Unterschied zwischen Armen und Reichen Ländern ist immer wieder etwas, was die Frage nach gerechtigkeit aufwirft. Kann es richtig sein, dass wenige Reiche die Ressourcen der ganzen Welt für sich beanspruchen? Ist es gerecht, wenn wertvolles Land für die Einheimischen genutzt wird, um Platz für Rinder und damit für die Ham-Burger der Reichen zu schaffen, oder für Mais, der dann in Energie umgewandelt wird? Aber die Frage nach Gemeinschaftstreue wird auch bei uns gestellt: in der Europafrage und der gegenseitigen Hilfe, wenn Probleme auftauchen? In der Wirtschaftskrise, wenn der Staat für die Schulden aufkommen soll, aber die Gewinne bei den Banken bleiben. Und es geht hin bis in die Unterstützung der Menschen, die bei uns keine Arbeit finden und dann von Hartz IV oder Sozialhilfe leben, und den Unmut derer hervorrufen, die Arbeiten und nicht viel mehr zum Leben haben. Überall geht es um die Gemeinschaft und um mein Denken und Verhalten angesichts dieser Gemeinschaft. Gerechtigkeit üben, heißt der jeweiligen Gemeinschaftssituation gerecht werden, heißt dem jeweiligen Menschen in seiner Situation gerecht zu werden, sein Lebensrecht, seinen Lebenswillen zu sehen. Recht und Gerechtigkeit, die Gott von uns erwartet und die als rühmendes Handeln die Klugheit des Glaubens ausmacht, ist also niemals ein ichbezogenes Recht, ist keine ichbezogene Gerechtigkeit, sondern der Vollzug der Verantwortung des Miteinanders von Mensch und Mensch, von Mensch und Natur und von Mensch und Gott. Und darin liegt der Ruhm, dessen wir uns rühmen können, dass nicht einzelne im Glanz dastehen, sondern dass - wenn überhaupt - Gott im Glanz des Ruhmes dasteht, als der HERR, als der, der das Leben aller im Blick hat. Und zwar so im Blick hat, dass er in Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit dem Menschen entgegenkommt, ihm gibt, was für ihn nötig ist, und ihm damit eine Lebensgrundlage gibt, die den Menschen nicht wanken läßt. Selbstruhm bringt ins Wanken, die Klugheit des Glaubens gibt festen Grund unter den Füßen. Darum weißt uns Gott darauf hin: wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 450,1-4 Psalm 31,20-25 Eingangsliturgie Gebet Lesung Jer 9, 22-23 Lied: 409, 1-4 Lesung Mt 20, 1-16a Glaubensbekenntnis Lied 612 Predigt Lied 420 Abkündigungen Fürbittengebet
Guter Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns die weise macht,
Entscheidungen zu treffen, die dem Leben dienen. Hilf uns in deiner Weisheit zu leben, dein Recht aufzurichten, deine Gerechtigkeit weiter zu tragen und deine Barmherzigkeit lebendig zu halten. Gib dazu deinen Heiligen Geist. Vaterunser Segen 163 Abk: Godi: GE GU Veranst.: Sen GU, Sen GE, Konfer, |
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