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Jeremia  31, 31-34

Wir haben heute in den Lesungen schon einiges gehört darüber, welch unterschiedliche Bünde Gott schon mit den Menschen geschlossen hat. Nach der großen Sintflut, die man eigentlich die große Sündenflut nennen müßte, hat Gott mit Noah einen Bund geschlossen, in dem er den Weltenlauf garantiert und eine enge Verbindung zwischen Mensch, Getier und Gott schafft. Der Regenbogen diente als Zeichen für diesen Bund Gottes mit Noah. In der zweiten Lesung hörten wir von dem Bund zwischen Abraham und Gott: dem Erzvater Abraham, aus dem das Volk Gottes hervorging, wird eine großen Nachkommenschaft verheißen. Und der Bund, der dem Abraham und seinen Nachkommen gilt, lautet: ich bin dein Gott und der Gott deiner Nachkommen. Land und Zukunft will Gott geben. Und die Beschneidung soll das Zeichen dieses Bundes sein.
Ich könnte noch von mehr Bundesschlüssen berich-ten, die Gott mit den Menschen geschlossen hat, vor allem natürlich auch von dem Bund den Gott mit Mose geschlossen hat, in dem er Mose und dem Volk Gottes wieder verspricht: ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein. Zum Zeichen dieses Bundes hat er Mose dann die zehn Gebote gegeben, die die Menschen in ihrer Verantwortung vor Gott und in der Verantwortung füreinander anspricht.
Aber nicht nur das Alte Testament kennt den Bundesschluß zwischen Gott und Mensch, auch im Neuen Testament gibt es einen Bund, den Gott mit uns Menschen schließt: ich meine hier Taufe und Abendmahl. Das sind zwar zwei verschiedene Sakramente unserer Kirche, doch sie wollen beide denselben Bund ausdrücken, den Neuen Bund, den Gott geschlossen hat im Tod und Auferstehen Jesus Christi. Es ist die Zusage Gottes: ich stehe zu euch und bin für euch da.
Soweit die Aussagen Gottes. Aber wie ist das denn mit uns und unserem Verhalten gegenüber den Bünden, die Gott mit uns geschlossen hat. Haben wir sie denn immer gehalten? Sind sie von uns Menschen aus immer durchgehalten worden?
Wie steht es mit dem ersten Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott; und wie Luther dann weiter ausgelegt hat: wir sollen Gott fürchten, lie-ben, ehren und vertrauen. Sind wir wirklich Gottes Volk, ein Volk, das Gott und sein Wort und seine Weisung in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt?
Wenn wir zu uns ehrlich sind, so müssen wir uns wohl eingestehen, daß Gottes Bund mit uns in unserem Leben oft nur eine untergeordnete Rolle spielt, oder wir meinen Gottes Bund hat für viele Lebensbereiche keine Bedeutung. Ich sehe das in vielen Ereignissen der Weltgeschichte, die im Grunde gegen Gottes Bund mit uns stehen. Z.B. in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Bund oder genauer die Verbindung christlicher Kirchen mit dem menschenverachtenden System der Nationalsozialisten war ein Bund, der gegen Gott stand. Und es gibt noch andere, gerade kirchliche Ereignisse zu nennen, die falsche Bünd-nisse aufzeigen: dazu gehört sicher der Kolon-ialismus und die christlichen Kreuzzüge, die so viel menschliches Unheil angerichtet haben, Unheil im Namen Jesu Christi. Und im Mittelal-ter die so enge Verbindung von mittelalterli-chem Staat und Kirche, in der die Sache des Glaubens den politischen Machtinteressen unter-geordnet wurden. Aber auch heute noch gibt es in der Politik Bündnisse, die gegen Gottes Bund mit dem Menschen stehen. Jede Verbindung mit menschenverachtenden Staaten und seien die noch so groß und bedeutsam, unterstützt das menschenverachtende Handeln, auf das in entsprechenden Begegnungen viel zu wenig hingewiesen wird.
Aber auch im persönlichen Bereich gibt es immer wieder Verbindungen, die wir ver-letzen. Am deutlichsten wird mir dies immer bei der Ehe, die wir ja auch den Bund der Ehe nennen. Wie sehr werde ich immer wieder der Verantwortung für den Partner nicht gerecht, und im Blick auf die Kinder und die Verantworung für diese kommt man noch ins Grübeln, ob ich dem Bund vor Gott gerecht werde. Werde ich überhaupt dem Gottes Bund mit mir gerecht? Wie kann ich denn im Großen und Kleinen Gottes Anspruch Genüge tun, ihm wirklich zurückgeben. was er mir schenkt?
Gerade, wenn wir über Gottes Bund mit uns Menschen nachdenken, dann werden wir uns sehr schnell bewußt, wie sehr wir im täglichen Leben Gott untreu werden und ihm gegenüber auch schuldig werden. Der Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat, dieser Bund wird von uns immer wieder gebrochen, wir werden Gott auf vielfältige Weise untreu.
Und Gott, wie reagiert er auf unseren Bundesbruch? Unser Predigttext gibt uns hierüber Auskunft; er steht bei Jeremia im 31. Kapitel:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der
Bund sein, den ich mit dem hause Israel schlie-ßen will nach dieser Zeit, spricht der Herr. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: Erkenne den Herrn, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der Herr, denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Wie auch wir, so ist auch das Alte Volk Israel immer wieder von Gottes Weisungen abgewichen, es ist eigene Wege gegangen, hat sich falschen Göttern und falschen politischen Bündnissen zugewandt. Gott hatte sicherlich allen Grund seinem Volk den Rücken zu kehren, sie mit ihrem Leben allein zu lassen.
Doch Gott läßt sein Volk nicht allein, sein Bund mit Abraham und Noah hat ewigen Bestand. So sehr der Mensch auch untreu ist, so sehr bleibt aber Gott den Menschen treu. Gott will einen neuen Bund schließen, er will der Abkehr von ihm nicht gedenken, Missetaten sollen Ver-gebung finden, an die Untreue gegenüber Gott, das meint das Wort Sünde, soll nicht mehr gedacht werden. Und das Gesetz wird in Herzen und Sinne geschrieben werden; und das heißt, es füllt den Ganzen Menschen aus, Denken und Handeln sollen von Gottes Wille ausgefüllt sein. So soll der neue Bund aussehen.
Unsere Frage angesichts dieses Textes ist nur: hat sich dieser Bund denn erfüllt? Vor gut 2500 Jahren sind diese Worte gesagt worden, aber können wir erkennen, daß Gottes Gesetz in unser Herz geschrieben ist und sich dann auto-matisch auch in all unserem Handeln nieder-schlägt? Ich kann das weder in meinem Leben noch im Leben anderer Menschen, und seien sie auch noch so christlich geprägt, erkennen. Untreue gegenüber Gott ist auch heute noch die Regel. Aber sind damit die Worte Gottes nicht hinfällig? Sie haben doch keinerlei Bedeutung mehr? Wir könnten sie doch ad acta legen?
Nein, das brauchen wir nicht. Wir Christen sprechen davon, daß in Jesus Christus der Neue Bund geschlossen worden ist, im Abendmahl hören wir es in den Einsetzungsworten: dieser Kelch ist der neue Bund geschlossen durch mein Blut, das für euch Vergossen wurde zur Vergebung der Sünden. Dies hat Gott versprochen: Vergebung der Sünden, Vergebung unserer Misse-taten und unserer Untreue. Und darin hat sich Gottes Verheißung erfüllt. Und wenn sich auch die andere Verheißung Gottes, daß sein Gesetz in unser Herz geschrieben wird, noch nicht erfüllt hat, so dürfen wir dennoch darauf vertrauen, daß Gottes Vergebung uns gewiß ist. Um Jesu Christi willen rechnet er uns unsere Schuld nicht an. Das wird uns von Gott her in jeder Taufe und in jedem Abendmahl zugespro-chen. Darauf dürfen wir uns verlassen und das ist das, was Gott bis heute hin tut und will.
Das heißt aber nicht, daß wir nun fleißig immer so weiter leben können und dürfen, wie es uns gefällt, denn uns wird ja immer alles vergeben. Dies ist völlig falsch verstanden. Gott hält uns die Treue auch durch unsere Schuld hin-durch, damit auch wir untereinander immer wie-der aufeinander zugehen können, füreinander da sein können und unser Leben im Sinne Gottes fuhren können. Das meint Luther auch, wenn er in der Erklärung zur Taufe sagt: Der Bund der Taufe bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten; und wiederum täglich soll herauskommen und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebe. Gottes Zuspruch der Vergebung ist die ständige Erneuerung seines Bundes mit uns Menschen, damit wir immer wieder neu von ihm her leben und lieben können und damit wir seinem Bund entsprechen können. Wir sind nur gefordert weiterzugeben, was wir von ihm empfangen haben. Gebe Gott uns durch seinen Geist die Kraft und die Hilfe dies zu leben. Amen.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
  Exaudi 4.6.2000
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