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Wir haben heute in den Lesungen schon einiges gehört darüber,
welch unterschiedliche Bünde Gott schon mit den Menschen geschlossen
hat. Nach der großen Sintflut, die man eigentlich die große
Sündenflut nennen müßte, hat Gott mit Noah einen Bund geschlossen,
in dem er den Weltenlauf garantiert und eine enge Verbindung zwischen Mensch,
Getier und Gott schafft. Der Regenbogen diente als Zeichen für diesen
Bund Gottes mit Noah. In der zweiten Lesung hörten wir von dem Bund
zwischen Abraham und Gott: dem Erzvater Abraham, aus dem das Volk Gottes
hervorging, wird eine großen Nachkommenschaft verheißen. Und
der Bund, der dem Abraham und seinen Nachkommen gilt, lautet: ich bin dein
Gott und der Gott deiner Nachkommen. Land und Zukunft will Gott geben.
Und die Beschneidung soll das Zeichen dieses Bundes sein.
Ich könnte noch von mehr Bundesschlüssen berich-ten, die
Gott mit den Menschen geschlossen hat, vor allem natürlich auch von
dem Bund den Gott mit Mose geschlossen hat, in dem er Mose und dem Volk
Gottes wieder verspricht: ich will euer Gott sein und ihr sollt mein Volk
sein. Zum Zeichen dieses Bundes hat er Mose dann die zehn Gebote gegeben,
die die Menschen in ihrer Verantwortung vor Gott und in der Verantwortung
füreinander anspricht.
Aber nicht nur das Alte Testament kennt den Bundesschluß zwischen
Gott und Mensch, auch im Neuen Testament gibt es einen Bund, den Gott mit
uns Menschen schließt: ich meine hier Taufe und Abendmahl. Das sind
zwar zwei verschiedene Sakramente unserer Kirche, doch sie wollen beide
denselben Bund ausdrücken, den Neuen Bund, den Gott geschlossen hat
im Tod und Auferstehen Jesus Christi. Es ist die Zusage Gottes: ich stehe
zu euch und bin für euch da.
Soweit die Aussagen Gottes. Aber wie ist das denn mit uns und unserem
Verhalten gegenüber den Bünden, die Gott mit uns geschlossen
hat. Haben wir sie denn immer gehalten? Sind sie von uns Menschen aus immer
durchgehalten worden?
Wie steht es mit dem ersten Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott; und
wie Luther dann weiter ausgelegt hat: wir sollen Gott fürchten, lie-ben,
ehren und vertrauen. Sind wir wirklich Gottes Volk, ein Volk, das Gott
und sein Wort und seine Weisung in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt?
Wenn wir zu uns ehrlich sind, so müssen wir uns wohl eingestehen,
daß Gottes Bund mit uns in unserem Leben oft nur eine untergeordnete
Rolle spielt, oder wir meinen Gottes Bund hat für viele Lebensbereiche
keine Bedeutung. Ich sehe das in vielen Ereignissen der Weltgeschichte,
die im Grunde gegen Gottes Bund mit uns stehen. Z.B. in der Zeit des Nationalsozialismus.
Der Bund oder genauer die Verbindung christlicher Kirchen mit dem menschenverachtenden
System der Nationalsozialisten war ein Bund, der gegen Gott stand. Und
es gibt noch andere, gerade kirchliche Ereignisse zu nennen, die falsche
Bünd-nisse aufzeigen: dazu gehört sicher der Kolon-ialismus und
die christlichen Kreuzzüge, die so viel menschliches Unheil angerichtet
haben, Unheil im Namen Jesu Christi. Und im Mittelal-ter die so enge Verbindung
von mittelalterli-chem Staat und Kirche, in der die Sache des Glaubens
den politischen Machtinteressen unter-geordnet wurden. Aber auch heute
noch gibt es in der Politik Bündnisse, die gegen Gottes Bund mit dem
Menschen stehen. Jede Verbindung mit menschenverachtenden Staaten und seien
die noch so groß und bedeutsam, unterstützt das menschenverachtende
Handeln, auf das in entsprechenden Begegnungen viel zu wenig hingewiesen
wird.
Aber auch im persönlichen Bereich gibt es immer wieder Verbindungen,
die wir ver-letzen. Am deutlichsten wird mir dies immer bei der Ehe, die
wir ja auch den Bund der Ehe nennen. Wie sehr werde ich immer wieder der
Verantwortung für den Partner nicht gerecht, und im Blick auf die
Kinder und die Verantworung für diese kommt man noch ins Grübeln,
ob ich dem Bund vor Gott gerecht werde. Werde ich überhaupt dem Gottes
Bund mit mir gerecht? Wie kann ich denn im Großen und Kleinen Gottes
Anspruch Genüge tun, ihm wirklich zurückgeben. was er mir schenkt?
Gerade, wenn wir über Gottes Bund mit uns Menschen nachdenken,
dann werden wir uns sehr schnell bewußt, wie sehr wir im täglichen
Leben Gott untreu werden und ihm gegenüber auch schuldig werden. Der
Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat, dieser Bund wird von uns
immer wieder gebrochen, wir werden Gott auf vielfältige Weise untreu.
Und Gott, wie reagiert er auf unseren Bundesbruch? Unser Predigttext
gibt uns hierüber Auskunft; er steht bei Jeremia im 31. Kapitel:
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause
Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie
der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich
sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein
Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht
der Herr; sondern das soll der
Bund sein, den ich mit dem hause Israel schlie-ßen will nach
dieser Zeit, spricht der Herr. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und
in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr
Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren
und sagen: Erkenne den Herrn, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide,
klein und groß, spricht der Herr, denn ich will ihnen ihre Missetat
vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
Wie auch wir, so ist auch das Alte Volk Israel immer wieder von Gottes
Weisungen abgewichen, es ist eigene Wege gegangen, hat sich falschen Göttern
und falschen politischen Bündnissen zugewandt. Gott hatte sicherlich
allen Grund seinem Volk den Rücken zu kehren, sie mit ihrem Leben
allein zu lassen.
Doch Gott läßt sein Volk nicht allein, sein Bund mit Abraham
und Noah hat ewigen Bestand. So sehr der Mensch auch untreu ist, so sehr
bleibt aber Gott den Menschen treu. Gott will einen neuen Bund schließen,
er will der Abkehr von ihm nicht gedenken, Missetaten sollen Ver-gebung
finden, an die Untreue gegenüber Gott, das meint das Wort Sünde,
soll nicht mehr gedacht werden. Und das Gesetz wird in Herzen und Sinne
geschrieben werden; und das heißt, es füllt den Ganzen Menschen
aus, Denken und Handeln sollen von Gottes Wille ausgefüllt sein. So
soll der neue Bund aussehen.
Unsere Frage angesichts dieses Textes ist nur: hat sich dieser Bund
denn erfüllt? Vor gut 2500 Jahren sind diese Worte gesagt worden,
aber können wir erkennen, daß Gottes Gesetz in unser Herz geschrieben
ist und sich dann auto-matisch auch in all unserem Handeln nieder-schlägt?
Ich kann das weder in meinem Leben noch im Leben anderer Menschen, und
seien sie auch noch so christlich geprägt, erkennen. Untreue gegenüber
Gott ist auch heute noch die Regel. Aber sind damit die Worte Gottes nicht
hinfällig? Sie haben doch keinerlei Bedeutung mehr? Wir könnten
sie doch ad acta legen?
Nein, das brauchen wir nicht. Wir Christen sprechen davon, daß
in Jesus Christus der Neue Bund geschlossen worden ist, im Abendmahl hören
wir es in den Einsetzungsworten: dieser Kelch ist der neue Bund geschlossen
durch mein Blut, das für euch Vergossen wurde zur Vergebung der Sünden.
Dies hat Gott versprochen: Vergebung der Sünden, Vergebung unserer
Misse-taten und unserer Untreue. Und darin hat sich Gottes Verheißung
erfüllt. Und wenn sich auch die andere Verheißung Gottes, daß
sein Gesetz in unser Herz geschrieben wird, noch nicht erfüllt hat,
so dürfen wir dennoch darauf vertrauen, daß Gottes Vergebung
uns gewiß ist. Um Jesu Christi willen rechnet er uns unsere Schuld
nicht an. Das wird uns von Gott her in jeder Taufe und in jedem Abendmahl
zugespro-chen. Darauf dürfen wir uns verlassen und das ist das, was
Gott bis heute hin tut und will.
Das heißt aber nicht, daß wir nun fleißig immer so
weiter leben können und dürfen, wie es uns gefällt, denn
uns wird ja immer alles vergeben. Dies ist völlig falsch verstanden.
Gott hält uns die Treue auch durch unsere Schuld hin-durch, damit
auch wir untereinander immer wie-der aufeinander zugehen können, füreinander
da sein können und unser Leben im Sinne Gottes fuhren können.
Das meint Luther auch, wenn er in der Erklärung zur Taufe sagt: Der
Bund der Taufe bedeutet, daß der alte Adam in uns durch tägliche
Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden
und bösen Lüsten; und wiederum täglich soll herauskommen
und auferstehen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor
Gott ewiglich lebe. Gottes Zuspruch der Vergebung ist die ständige
Erneuerung seines Bundes mit uns Menschen, damit wir immer wieder neu von
ihm her leben und lieben können und damit wir seinem Bund entsprechen
können. Wir sind nur gefordert weiterzugeben, was wir von ihm empfangen
haben. Gebe Gott uns durch seinen Geist die Kraft und die Hilfe dies zu
leben. Amen.
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Die
Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe |
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Exaudi
4.6.2000 |
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