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Sie kennen sicherlich das Lied von Boney M.
By the rivers of Babylon
„Wir saßen an den Flüssen von Babylon und wir weinten, als wir uns an
Jerusalem erinnerten.
Als der Böse uns in die Gefangenschaft schickt, brauchten wir ein Lied.
Doch wie sollen wir ein Gotteslied singen in dem fremden Land.
Lass die Worte in unserem Mund und die Gedanken unseres Herzens zu dir
kommen in dieser Nacht.
Wir saßen an den Flüssen von Babylon und wir weinten, als wir uns an
Jerusalem erinnerten.“
Was war geschehen?
Die Führung des Volkes Israel war schlecht und so gab es auch keinen
Halt mehr im Land. Nebukadnezar, König von Babylonien nahm das Land
Israel ein. Vor allem nahm er Jerusalem ein und brachte die Oberschicht
ins Exil nach Babylonien. Als der Statthalter in Jerusalem einen
Aufstand probte wurde 587 Jerusalem wieder eingenommen und diesmal wurde
auch der Tempel niedergerissen, die Stadtmauer zerstört und viele
Menschen nach Babylonien verschleppt.
Ich denke, Flüchtlingserinnerungen von vor 60 Jahren lassen dieses
Lebensschicksal ein wenig erahnen.
Und nun waren diese Menschen in Babylonien im heutigen Irak und fragten
sich, wie das Leben weiter gehen kann. Sie hatten nichts, außer die
Möglichkeit dort zu leben. Was sie in sich trugen, das war der Glaube an
den Gott der Väter, an den Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks. Doch es gab
keinen Tempel mehr. Zerstört lag das Zentrum ihres Glaubens danieder.
Lag damit nicht auch die Macht Gottes danieder?
Wie können wir ein Gotteslied singen in einem fremden Land? Wie können
wir ein Gotteslied singen, wenn Gott nicht mehr gegenwärtig ist?
Die alte Frage nach Gott im Leid taucht hier wieder auf.
Wie antwortet Gott darauf?
Er lässt seinen Propheten Jeremia einen Brief schreiben und zwar aus
Jerusalem. "So sagt "GOTT" der Gewalten, die Gottheit Israels, zu allen
in der Verbannung, die ich aus Jerusalem in die Verbannung nach Babel
geführt habe: Baut Häuser und wohnt darin! Pflanzt Gärten und verzehrt
ihren Ertrag. Heiratet und bekommt Söhne und Töchter. Verheiratet eure
Söhne und Töchter, so dass auch sie Söhne und Töchter bekommen. Vermehrt
euch dort, werdet nicht weniger. Seid um das Wohl der Stadt, in die ich
euch verbannt habe, besorgt. Betet um ihretwillen zu Gott, denn in ihrem
Wohl liegt auch euer Wohl.
Stellen Sie sich das vor. Sie sind vertrieben, heimatlos, in einem Land,
dessen Sitten und Gebräuche fremd sind. Ein Land in dem die Menschen
völlig anders leben, als Sie das gewohnt sind und waren. Ein Land, in
dem eine völlig andere Religiosität gelebt wird und der eigene Glaube
sehr in Frage gestellt ist.
Und dann kommt dieser Brief. Endlich ein Zeichen aus der Heimat, ein
Zeichen der Hoffnung, aber mit einem Inhalt, der völlig unerwartet ist.
In diesem Brief wird die Lebenssituation ganz neu: die Verbannung nach
Babylonien ist nicht nur eine Strafexpedition des Königs Nebukadnezar,
sondern es ist ein Akt Gottes. Doch es wird nicht gesagt, dass dies eine
Strafe ist, sondern es wird gesagt, dass Gott darin gegenwärtig ist.
Auch die größte Katastrophe ist damit kein gottloser Schicksalsschlag,
sondern auch in ihr erweist sich Gott als der Herr der Welt, der seinem
Volk treu bleibt.
Gott sagt: Jammert nicht über das über euch gekommene Schicksal. Sondern
seht was ist, seht, was ihr jetzt tun könnt. Macht etwas aus dem
jetzigen Leben, akzeptiert die neue Lage. Selbst in dieser Katastrophe
ist Gott am Werk und präsent. Ihr seid dem Schicksal nicht ausgeliefert,
sondern es ist jetzt eine Aufgabe, die es zu gestalten gilt.
Wobei klar gesagt werden muss: Hier wird nicht nach einem Sinn des
Leidens gesucht, was der Mensch oft tut und daran schon ebenso oft
verzweifelt ist. Kein Leid der Welt macht Sinn, kein Leiden ist
sinnvoll! Sondern hier wird versucht, den Menschen in der Gefangenschaft
einen Freiraum zu schaffen, in dem sie in diesem Leid und mit dem, was
sie zu ertragen haben, leben können! Wir scheuen uns heutzutage ja
davor, Gott und Leid zusammenzudenken. Wo das Leben gelingt, wo wir
seinen Segen erfahren, wo es uns gut geht, da macht es uns keine
Schwierigkeiten. In all den anderen Fällen fragen wir uns stattdessen:
Wo war, wo ist Gott? Eine Frage, die sich die Israeliten in Babylonien
vielleicht auch gestellt haben. Und die Jeremia damit beantwortet, dass
er ihnen einen Glauben zumutet, der die Welt auch an ihren dunklen
Seiten nicht ohne Gott denken kann.
Und genau darin liegt für mich die immerwährende Aktualität dieses
prophetischen Wortes an Menschen von vor 2500 Jahren. Denn wir hören
nicht nur von einem geschichtlichen Ereignis, sondern wir nehmen einen
geistlichen Gedanken auf, der für uns alle immer wieder wichtig ist.
Mitten in einer Lebenssituation, die die Menschen sich nicht ausgesucht
haben, die über sie gekommen ist, die sie übermannt hat, kommt etwas ins
Spiel, was die Menschen herausreißt aus dieser Situation. Gott ist am
Werk, er lässt seine geliebten Menschen nicht im Stich. Richte dich ein
– Häuser sollen in Babylon gebaut werden, Ehen geschlossen werden,
Kinder gezeugt. Baut Häuser und pflanzt Gärten, um davon zu leben. Das
sind Hoffnungsbilder, Zukunftsgedanken. Da ist nichts zu hören vom
Bejammern des schlimmen Schicksals, das sie ereilt hat. Nimm die neue
Lebenssituation an. Es ist deine Lebensaufgabe, die jetzt neu auf dich
zu gekommen ist. Die Trennung, die Krankheit, der Abschied, die
geringeren Möglichkeiten, die neue Umgebung, weil es zu Hause nicht mehr
geht ... es gibt eine Vielzahl von Lebensereignissen, die wir mit dieser
Situation am River Babylon in Beziehung setzen können. Nimm diese
Lebenssituation an, mach etwas draus. Lass die Gedanken nicht nach
hinten gehen, so sehr das Herz das auch will. Gott steht schon längst
vor dir und will mit dir nach vorne gehen, um den neuen Lebensschritt
mit dir zu gestalten.
Ich empfinde dies als ein großartige Ermutigung für unser Leben. Ich
weiß, ich kann diese Situation nicht, also muss und will ich sie
annehmen und meinen Weg darin gehen – mit Gott. Glaube heißt hier,
vertrauen, dass Gott auch auf krummen Wegen grade schreibt.
Ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe, spricht Gott, es sind Pläne
des Friedens und nicht des Unglücks; ich will euch Zukunft und Hoffnung
geben. "Wenn ihr mich ruft, wenn ihr kommt und zu mir betet, werde ich
euch hören. "Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja wenn ihr
von ganzem Herzen nach mir fragt, werde ich mich von euch finden lassen.
Ich werde euer Schicksal zum Guten wenden.
Das ist für mich etwas ganz wunderbares, solche Worte zu hören. Eine
festere Zusage als diese kann man doch gar nicht erhalten. Gott hat
Pläne des Friedens für uns und nicht des Unglückes. Was wollen wir
Menschen mehr. Das ist genau das worauf ich mein Vertrauen setzen
möchte: Gott schenkt Zukunft. Die schicksalhafte Lebenssituation ist
nicht das letzte Wort, es gibt immer ein Wort das stärker ist, es ist
das Wort Gottes, das Zukunft hat.
Und das hat er ja auch auf seine Weise gezeigt in dem Lebensweg Jesu.
Der Tod, der eigentlich alles zunichte gemacht hatte, hatte nicht das
letzte Wort. Der Tod war von Gott wohl auch so nicht gewollt, aber
dieser Welt war auch nicht ohne Gott. "Mein Gott, warum hast du mich
verlassen?" hat Jesus am Kreuz gerufen. Und ebenso: "Vater, in deine
Hände befehle ich meinen Geist." In dieser Spanne, zwischen dem Gefühl
der Gottverlassenheit und dem Vertrauen, liegt die Erfahrung, dass
nichts ohne ihn geschieht. Wer sich fallen lassen kann, der weiß, dass
er nie tiefer fällt als in Gottes Hände. Die Auferstehung Jesu macht
dies auf seine Weise deutlich, wenn darin das Wort Gottes lauter wird
als das Wort des Todes.
Und darin liegt die alles übersteigende Hoffnung, die uns Christen eigen
ist, dass wir an keiner Stelle wirklich am Ende sind – denn vor uns ist
immer wieder Gott selber, der selbst am Ende des irdischen Dasein schon
vorausgegangen ist, um uns in die Zukunft zu begleiten.
An den Flüssen von Babylon wurde geweint, und es gibt in jedem Leben
solche Flüsse, an denen die Tränen fließen. Doch ihnen stehen die Worte
Gottes gegenüber: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe,
Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Ich will euch Zukunft und
Hoffnung geben.
Amen.
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Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: Wir schaun hinauf zu den Bergen L 17 (J.Grote)
Psalm 119,101-108 jeder Vers von der Gemeinde beantwortet mit : Dein
Wort sei meines Fußes Leuchte
Eingangsliturgie
Gebet
Gütiger Gott!
Viele gute Worte sind uns von dir überliefert. Durch sie hast du den
Menschen Kraft gegeben für ihre unterschiedlichen Lebenswege. So belebe
auch uns mit deinem stärkenden Wort, triff uns im Herzen und leite uns
auf deinem Wege. Darum bitten wir ...
Lesung: Jer 29, 1-14
Lied: 395,1-3
Lesung Mt 5, 38-48
Glaubensbekenntnis
Lied: 406,1-4
Predigt
Lied 533,1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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