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Hiob 28

Wir feiern heute einen Gottesdienst, in dem die Bergleute im Mittelpunkt stehen sollen. Die Bergmannskameradschaft hat mit viel Fleiß ein Chronik erstellt, die heute vorgestellt werden soll. Und es ist eine wunderbare Ausstellung in unserem Ausstellungsraum entstanden, die uns in die Welt des Bergbaues hier in der Gegend hinein führt. Die Schachtanlage Haverlahwiese war für viele Menschen hier in der Gegend ein wichtiger Arbeitgeber. Gerade auch nach dem Krieg fanden dort Menschen Arbeit, Lohn und Brot für ihre Familien.

Nun kann man sich fragen, warum wir heute diesen Gottesdienst, speziell für diese Berufsgruppe feiern, oder anders gefragt, warum die Bergleute so verbunden sind und ihr Anliegen nun auch mit einem Gottesdienst verbinden wollen?

Ich denke, dass es mit dem Bergbau schon etwas besonderes auf sich hat - und zwar in zweierlei Hinsicht.

Zum ersten ist der Bergbau ein Motor des Fortschrittes gewesen. Ob nun über Tage oder unter Tage, der Bergbau hat dem Menschen Materialien an die Hand gegeben, die die Weiterentwicklung des menschlichen Lebens vorangetrieben haben. Metalle wurden aus der Erde geholt, entsprechend behandelt und so wurden Geräte geschaffen, die dem Menschen dienten. Nicht immer zum Guten, denn auch Waffen wurden daraus geschaffen, die Menschen gegen Menschen einsetzten. Kohle wurde aus der Erde geholt und so eine Möglichkeit geschaffen Wärme und Energie größeren Ausmaßes zu nutzen und so menschliche Entwicklung voranzutreiben. Ohne Bergbau also kein Fortschritt.

Und das ist bis heute so, wenn man an die heute umstrittenen Seiten des Bergbaues in unserer Gegend denkt, an Schacht Konrad, den wir mit Atommüll verbinden. Die Nutzung der Bergbauerfahrung kann uns helfen, die Lasten der Kernenergie zu tragen, auch wenn damit Risiken verbunden. Aber die Auseinandersetzung damit gehört sicher an eine andere Stelle. Bergbau hilft hier auf jeden Fall, Wege zu finden, um damit umzugehen.

Das andere, was hier zu nennen wäre, das ist die Gemeinschaft der Bergleute. Ich denke, es ist ein Beruf, der Menschen sehr eng aneinander bindet, denn jeder weiß, wir sind aufeinander angewiesen. Mit dem Einfahren in den Schacht begeben sich die Menschen in eine andere Welt, ein Welt der Enge, der Unsicherheit. In früheren Jahrhunderten noch viel mehr als im heutigen Bergbau. Aber jeder weiß: ich begebe mich in ein Gebiet, in dem ich mich nicht so frei bewegen kann, wie über Tage. Ich begebe mich in ein gefährliches Gebiet, in dem auch Unheil droht. Und die Menschen, die mit mir zusammen da unten sind, das sind die einzigen Menschen, die ich jetzt habe. Das schweißt zusammen, bindet Menschen aneinander und führt dazu, dass eine ganz eigene Gemeinschaft entsteht. Das heißt nicht, dass da unten eitel Sonnenschein herrscht, da wird sicher auch mal derbe gestritten, und gleichzeitig gilt das Füreinandereinstehen doch in besonderer Weise.

Fortschritt und Menschlichkeit, das sind zwei Stichworte, die ich auch für den biblischen Text in Anspruch nehmen möchte, den wir heute gehört haben. Es ist eine der beiden biblischen Erwähnungen des Bergbaues. In der anderen geht es nur darum, dass die Römer die im spanischen Bergbau beschäftigen, überwältigt haben.

Hiob beschreibt in seinen Worten den Bergbau als eine bedeutsame menschliche Leistung. Die Natur selber bringt dieser Weise nicht ähnliches hervor. Das ist menschliche Kulturleistung, der Natur ihre Schätze abzugewinnen. Gleichzeitig aber stellt er auch die Frage, ob darin Weisheit und Einsicht liegen. Dahinter steht die Frage, ob der Mensch mit seinen eigenen Möglichkeiten, durch sein Tun und Voranschreiten in Technik und Arbeit etwas finden kann, was diese Welt zusammenhält und ihr im Tiefsten dienen kann. Und da antwortet Hiob, dass dies nicht möglich ist, sondern, dass Weisheit und Einsicht etwas ist, das von Gott her kommt und nicht aus dem menschlichen Tun. Wobei eben Weisheit nicht mit Wissen zu verwechseln ist, sondern mit Weisheit ist gemeint, dass man in seinem Herzen gewiss und getragen ist und eine Lebensgrundlage hat, auf der das Leben der Welt und in der Welt menschliche Förderung erfährt.

Vielleicht kann die Arbeit des Bergmannes uns in die Dimensionen dieser von Gott geschenkten Weisheit hineinführen, in dem wir einiges dieser Arbeit gleichnishaft deuten.

Der Bergmann begibt sich in ein dunkles Gebiet. Er weiß nicht, was vor ihm liegt. Er geht bekannte Stollen jeden Tag wieder, aber wenn es darum geht, die Wege weiterzutreiben, so ist das immer ein Wagnis, ein Weg ins Unbekannte. Mag es auch in unserem Leben nicht immer so dunkel sein, doch dieser Weg ins Unbekannte liegt doch auch immer vor uns. Wir wissen nicht, was der nächste Tag bringt, was die nächste Stunde bringt. Wir können es ahnen, wir planen es auch, aber was wirklich wird, das wissen wir nicht. Aber wir müssen gehen, so wie der Bergmann seinen Stollen voranzutreiben hat, vor allem auch dann, wenn es um uns herum so dunkel ist.

Weisheit, das wäre für mich an dieser Stelle, das Vertrauen, das ich nicht in mich und meine Fähigkeiten setzte, sondern in Gott der mich in dieses unbekannte Gebiet begleiten wird. Ich bin auf meinem Weg ins Unbekannte, auf meinem Weg in diesem Dunkel nicht allein, ich gehe meinen Weg mit einem Gott, der mich auf diesem Weg auch führt und trägt, wo ich alleine es nicht mehr schaffe.

Der Weg nach vorne war für die Bergleute immer etwas gefährliches, aber auch etwas, worüber sie nachdachten, um sich und andere nicht zu gefährden. Der nächste Schritt nach vorne musste überlegt werden, es müssen Sicherheitsmaßnahmen überdacht werden, damit Menschen nicht zu schaden kommen. Für mich liegt auch darin etwas von der Weisheit Gottes. Gott führt uns dazu, unser Leben und Handeln zu überdenken. Nicht der Trieb jetzt einen bestimmten Weg zu gehen, koste er was es wolle, darf entscheidend sein. sondern es gilt, die Konsequenzen zu bedenken. Ein Loch in die Erde bohren, Sprengstoff rein und anzünden, so einfach geht es eben nicht. Die Verantwortung für die Mitmenschen, für die Kameraden im Schacht gilt es zu bedenken. Bevor so ein Weg beschritten wird, wird alles Menschen Mögliche bedacht, um Gefahren zu vermeiden. Tun wir das in unserm alltäglichen Leben? Machen wir uns Gedanken darüber, was unser Tun anrichtet im Kleinen und im Großen? Oder schauen wir nur auf das, was jetzt gerade vor uns liegt, wenn wir den Weg weitergehen wollen? Weisheit Gottes heißt: Ehrfurcht vor dem Herrn, so sagt es Hiob, und Einsicht ist das Meiden des Bösen. Ehrfurcht vor dem Herrn, das ist die Ehrfurcht vor der Schöpfung, Ehrfurcht vor dem Leben, das aus Gottes Hand kommt. Auch der Bergbau hat dies in verschiedenster Weise sicher nicht immer so ernst genommen. Bergbau zerstört auch Natur, macht Lebensräume zunichte, zerstört auch ganz bewusst Menschenleben, wenn ich daran denke, wie viele Kinder in Bergwerken jetzt heute wieder arbeiten müssen und manch einer dabei auch zu Tode kommt.

Ehrfurcht vor dem Leben, das heißt, dass auch wir in unserem Alltag, in unserem beruflichen wie privaten Tun und Lassen bedenken, wie und ob es dem Menschen, den Tieren, der Natur schadet. Der Bergmann weiß, dass falsches Tun großen Schaden anrichten kann, so dass es eben darauf ankommt, dies zu verhindern. Die Weisheit Gottes führt uns dazu, dass wir dies frei tun können, ohne dass wir dabei Schaden nehmen. Wir müssen nicht unsere eigenen Gedanken durchsetzen, denn Gott weist uns den Weg zum Leben und nicht wir selber.

Als ein weiteres Gleichnis für unser Leben mögen die vielen Stollen in einem Bergwerk dienen. Es ist oft eine unüberschaubare Menge von Gängen und Wegen. Ein Bergmann kennt sich mit der Zeit in seinem Stollen aus und findet den Weg, das ist klar. Aber gerade beim Erstellen der Stollen müssen oftmals Wege gegangen werden, in denen man nicht weiterkam, wo man aufhören musste, wo man umkehren musste. Die Gänge unseres Lebens sind oft ähnlich unübersichtlich, wie die Stollen eine Bergwerkes. Die Erinnerung des eigenen Lebens wird da viele Wege zeigen, die dem unübersichtlichen Labyrinth eines Bergwerkes ähneln. Lange gerade Strecken ohne irgendetwas besonderes. Dann immer wieder mal davon abgehend kleine Seitenwege. Versuche des Neuen, abgebrochen, gescheitert, die Lust verloren. Und mancher Gang ist auch zugeschüttet, da kommt man nicht mehr ran, oder er ist eingestürzt ohne eigenes Zutun. Das sind die Gänge an die wir nicht so gerne erinnert werden wollen. Wege die begleitet sind von den negativen Ereignissen unseres Lebens. Gänge der Schuld, des Versagens, der Erniedrigung und uns sonst noch einfallen mag. Aber es sind die Gänge unseres Lebens, die zu unserem Leben dazugehören. Es sind die Gänge, die Gott mit uns gegangen ist und wo er es uns möglich macht, wieder herauszukommen, sie zuzuschütten, und sie anzunehmen als einen Teil meines Lebens, in dem ich aber nicht festgehalten werden, sondern von dem ich mich auch wieder entfernen darf. Und auch das gehört zu dieser Weisheit Gottes und zur Einsicht, das Böse zu meiden: Das Leben geht nicht nur auf dem Hauptstollen entlang, da gibt es vieles andere daneben, mit dem wir leben müssen und das zu uns dazu gehört. Aber er lässt uns damit auch leben und will uns darin zu dem Ort führen , der unser Leben erfüllt.

Doch wie kommt man dahin?, könnte man jetzt fragen. Auch dazu kann ein Utensil der Bergleute uns helfen. Ich meine das Grubenlicht. Es sitzt auf dem Kopf und lässt die Hände frei sein. Es scheint nach vorne und gibt damit eine Spur an, der der Bergmann folgt. Auch dies Verstehe ich als eine Art Gleichnis. Die Hände sind frei, offen dafür, die Arbeit - Bild für das Leben – anzugehen. Sie halten sich nicht fest an einer Lampe, die dann sozusagen für das eigene Licht stehen würde, mit dem man die Welt beleuchtet. Nein, das Licht, das vor uns her scheint, ist uns aufgesetzt, es ist nicht unser eigenes, sondern ein fremdes Licht. Aber eines das uns den Weg weist. Als Christ sage ich: die Taufe setzt uns ein Licht auf, mit dem wir den Weg unseres Lebens beleuchten können. Wir können mit diesem Licht die Schätze des Lebens entdecken, können von diesem Licht her, den Weg finden, der uns an die Schätze des Lebens oder zum Licht des Lebens führt. Jesus Christus ist dieses Licht, das uns führt in unserem Leben. In seinem Licht gilt es, das vor uns liegende zu sehen, es anzunehmen oder zu verwerfen, gilt es unsere Wege zu gehen. Wir gehen dabei sicher auch mal die genannten Irrwege, auch als Christen, auch unter dem Licht Christi, aber dieses Licht lässt es uns auch erkennen und entdecken und den Weg zurückfinden. Und wir kommen mit diesem Licht auch aus den dunklen Stollen des Lebens wieder heraus, es führt uns auf den Weg zum Licht des Lebens.

Und damit sind wir auf dem wohl befreiendsten Weg des Bergmannes, den Weg aus dem Dunkel zum Licht. Glück auf – sagt der Bergmann und meint damit, dass er die Sonne wieder sehen möge. Und jeder, der schon einmal in einem Schacht war, der weiß, wie befreiend es ist, die Sonne wieder zu sehen. Die Bergleute der vorelektrischen Zeit werden dies noch intensiver erlebt haben.

Ich möchte sagen, dass auch die Furcht des Herrn, also die Anerkenntnis Gottes und das Sicheinlassen auf diesen Gott ein solch befreiendes Ereignis sein kann. Sich Gott anvertrauen, sich seinem Wort stellen, ihn darin fürchten und lieben, wie Luther im kleinen Katechismus sagt, das ist der Weg, der uns Menschen aus dem Dunkel zum Licht führt und damit zu einer Weisheit und Einsicht, die weiter greift als alle anderen menschlichen Weisheiten und Einsichten. In diesem Sinne wünsche ich uns allein ein "Glück auf" – auf zum Licht des Lebens, das uns zu Gott führt. Amen.

  oben

Liturgische Hinweise

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: Wenn wir im dunklen Schachte fahren Mel. Ich bin getauft

Psalm

Eingangsliturgie - Gebet:

Gott, unser Vater!

Du hast uns in deiner Hand und wir fallen nie aus dieser. Mögen wir auch an den dunkelsten Orten des Lebens und der Welt sein, du bist da und lässt uns nicht allein. Dafür sagen wir dir Dank und hoffen auf dich. So bitten wir dich, lass dieses Vertrauen in uns stark sein, erfülle uns damit an jedem Tag unseres Lebens. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der die Tiefen des Lebens für uns und mit uns durchschritten hat und der nun mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lesung: Hiob 28

Lied: Chorgesang

Glaubensbekenntnis

Lied:638,1-4

Predigt

Lied: 638,5-8

Abkündigungen mit Gedenken der Verstorbenen

Fürbittengebet

Vater im Himmel,

wir legen unsere Gedanken, Sorgen und Freude in deine Hände, auf dass du daraus macht, was dir gefällt.

So bitten wir für alle Bergleute in unserem Land, dass sie in ihrer Arbeit Erfüllung finden, dass Schaden von ihnen fern gehalten wird, dass ihre Arbeit zum Wohle der Menschen geschieht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir beten für alle Bergleute, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen, für die Kinder, die ihr Leben für den Profit opfern müssen, für Väter, die ohne Sicherheiten in die Gruben geschickt werden und nicht wissen, ob sie das Tageslicht wiedersehen, dass sich ihre Arbeitsbedingungen ändern und menschenwürdiger werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Familien, die von der dunklen Seite des Bergbaues betroffen sind, dass sie Hilfe und Zuspruch finden, dass ihr Überleben gesichert ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir beten für alle, die für die Arbeit im Bergbau verantwortlich sind, Eigentümer, Verwalter, Vorarbeiter, dass sie den Menschen und sein Wohl an erste Stelle setzen und nicht eigensüchtige Interessen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir beten für uns alle, dass wir in unserem Tun und Lassen die Weisheit Gottes und die Einsicht, das Böse zu meiden, zum bestimmenden Element unseres Lebens werden lassen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

MGV

Übergabe der Chronik - Grußworte

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe

1.9.2001

Liturgischer
Ablauf
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