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Vorbemerkung:
Dieser Predigtentwurf ist ein Rollenspiel. Ort der Verkündigung sollte
entweder ein erhöhter Ort sein (Leiter) oder die Kanzel sollte mit einer
"Holzwand" (aus Pappe) zugestellt werden, um die Arche anzudeuten. Den
Talar sollte man ausziehen, stattdessen eine Verkleidung haben
(Orientalisch oder auch mit Prinz Heinrich Mütze)
Ich soll raus hier, raus aus der Arche zusammen mit der Familie, zusammen
mit den Tieren. Wie sehr haben wir uns danach gesehnt: 40 Tage, 40 Nächte
nur Regen. Und nicht nur so ein paar Tropfen. Sintflutartige Regenfälle
gab es, da blieb nichts trocken, reißende Flüsse, überschwemmte Gebiete,
Wassermassen, wie ihr sie euch kaum vorstellen könnt. Nur in unserer Arche
waren wir sicher, es regnete durch, klar, aber wir schwammen, wir hatten
Glück, Gott hat uns gerettet: mich, meine Familie, die Tiere und auch ein
paar Pflanzen, die wir mitgenommen hatten. Alles andere ist untergegangen.
Untergegangen in den Wassern.
Warum diese Wasser kamen, fragt ihr, warum überhaupt diese Zerstörung? Ich
glaub, es lag an uns. Nicht allein an unsrer Familie, sondern an uns
Menschen allen. Was war die Welt schön, paradiesisch schön. Der Mensch
mitten drin, wie in einem reichen Garten, Der Mensch, Mittelpunkt der
Schöpfung, verantwortliches Geschöpf, ausgestattet mit allen
Möglichkeiten, diese Welt weiter zu gestalten.
Und dann: dann kam der erste Fehler, die Sache mit dem Apfel. Na, sie
wissen schon, als der Wunsch noch größer zu sein, möglichst so zu sein wie
Gott den Menschen überkam und Gottes Gebote wieder einmal nur als lästiges
Hindernis gesehen wurde. Der Mensch wollte der Größte sein. Und als es
herauskam, da hieß es dann: ich bin doch nicht schuld, die da ist Schuld:
Adam schiebt’s auf Eva, Eva auf die Schlage. Kennen Sie auch, oder?
Hinterher will’s immer keiner gewesen sein.
Na ja, da war es aus mit dem Paradies. Das harte Leben war nun angesagt.
Schwielen bei der Arbeit, Schmerz bei der Geburt, vor dem Erfolg steht der
Schweiß. Man gut dass die beiden noch den Schutzmantel von Gott bekommen
haben, sonst wären sie an der Kälte in der Welt wohl erfroren. Leider hat
das Leben der Eltern kein Stück als Hilfe gedient, ganz im Gegenteil. Die
Kinder, Kain und Abel haben das Unrecht in der Welt nur noch weiter
getrieben. Neid erfasste den einen und wie wird dieser Neid in der Regel
ausgelebt: durch Mord und Totschlag. Schlagen sie ihre Zeitung auf, dann
wissen sie, dass sich daran bis heute nichts geändert hat.
Aber Gott ließ Gnade walten mit dem Mörder, schützte ihn sogar, aber
dennoch; Mord und Totschlag griffen um sich. Das hat Gott so nicht
gewollt: und siehe es war sehr gut, hat er am Ende Schöpfung gesagt. Aber
der Mensch meinte es besser zu können, aber das ging ja wohl daneben. Das
Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist nur böse immerdar. Das
war das traurige Resümee, das Gott gezogen hat. Das ist der Fluch, der
mitten im Segen deutlich wird: ausgestattet mit den größten Möglichkeiten
wurde der Mensch, zum Segen der Welt sollte er leben, doch sein Handeln
wurde zum Fluch. Das Unecht, das Leid, die Verlogenheit, all das
überschwemmt die Welt, das waren die eigentlichen Regen der damaligen
Zeit. Dieser Regen hat die Welt vernichtet und tut das ja bis heute. Wir
meinen, an vielen Stellen Segensreich zu wirken, meinen es gut, aber es
wird böse in unseren Händen, der Fluch wird an vielen Stellen sichtbar.
Wenn ich hier oben auf meiner Arche sitze, dann wird mir das sehr
deutlich. Und auch wenn ich darüber wegschwimmen konnte, ich denke, auch
ich tue mein Scherflein dazu bei, dass dieser Regen weiter fällt.
Ja, und nun soll ich aussteigen. Aussteigen aus der Arche, aussteigen aus
diesem sicheren Ort, wo wir über die Sündenflut hinweggeschaukelt sind,
einigermaßen sicher vor dem drohenden Untergang. Rausgehen aus der Arche,
und wo gehe ich hinein, was für eine Welt erwartet mich? Die Arche, das
ist doch ein Stück Paradies gewesen, und jetzt soll ich meine Füße wieder
auf diese Welt setzen? Was ich da vor mir sehe, das ist doch an den
meisten Stellen nur Elend, Zerstörung, Zeichen des Unterganges,
hoffnungsloses Durcheinander. Soll ich mich da hineinbegeben? Sollte ich
nicht in meiner Arche bleiben, ruhig mein Leben zu Ende bringen, in
Eintracht mit mir, meiner Familie, den Geschöpfen und vor allem mit meinem
Gott?
Aber gerade der sagt mir ja: geh raus aus der Arche! Ist das nicht wie am
Anfang, bei der Geburt: du musst jetzt raus aus dem Paradies, raus aus der
Geborgenheit, raus aus der unmittelbaren, menschlichen Verbundenheit und
Wärme. Rein in eine Welt, die so ganz anders ist.
Wenn ich ehrlich bin, ich möchte eigentlich hier sitzen bleiben, ich
möchte bleiben, wo ich bin, hier im Paradies meiner Arche. - Aber ich
weiß, es geht nicht. Ich muss hier raus. Es gibt kein Paradies mehr, auch
nicht in einer Arche. Ich muss hier raus in die Welt, die vor mir liegt,
so elend und zerstört sie auch ist. Das ist die Welt, die uns gegeben ist,
auf ihr sollen, auf ihr dürfen wir leben.
So sehr ich hier bleiben möchte in der Arche, ich verlasse sie nicht ohne
Hoffnung. Da ist nicht nur Fluch in dieser Welt, da liegt nicht nur Fluch
über menschlichem Handeln, da liegt auch Segen, da liegen auch
Möglichkeiten. Was hat Gott doch gesagt: Ich will die Erde nicht mehr
verfluchen um der Menschen willen; auch wenn ich weiß, das Dichten und
Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Aber ich will
nicht mehr schlagen, alles was da lebt, wie ich es getan habe. Solange die
Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und
Winter, Tag und Nacht.
Das ist etwas, das Gott gesagt hat, das ist ein Wort des Schöpfers. Gott
hat seine Schöpfung untergehen sehen, ja untergehen lassen, weil er dem
Menschen Freiheit in die Hand gegeben hat, die der Mensch ausgenutzt hat.
Aber diese Welt hat einen Neuanfang bekommen, einen realistischen
Neuanfang, der aus uns Menschen keine Wunderwesen macht, sondern der uns
ansieht wie wir sind: Menschen, die nicht Gott selber sind, deren Gedanken
nur allzumenschlich und oft genug böse sind. Aber diese Menschen werden
Gott nicht mehr dazu bringen seine Schöpfung noch einmal untergehen zu
lassen.
Wenn ich Gott hier richtig verstehe, dann heißt das doch: die Welt ist so
sehr in Gottes Hand, dass der Mensch sie nicht aus dieser bringen kann.
Die Welt hat eine Zukunft! Solange es die Erde gibt, solange Gott will,
dass diese Erde inmitten des großen Universums existiert, so lange wird
Gottes Segenswirken die Welt begleiten. Nicht im paradiesischen Zustand,
aber doch so, dass wir Menschen Hoffnung auf Leben haben können. Gott hat
sich nicht abgewendet von dieser Welt.
Wir können nicht länger in unserer Arche leben, wo wir uns geschützt und
geborgen gewusst haben bei Gott. Diese Zeit ist zu Ende, und das ist
sicher auch gut so. Wir dürfen leben in der Welt, die so wie sie ist von
Gott gewollt ist.
(Herabsteigen von der Leiter / Kanzel)
Ich verlasse nun gerne meine Arche, auch wenn ich vor mir die Not der
Welt, das Elend der Menschen und der Natur sehe. Es sind die Schäden der
Sintflut, die wir Menschen verursacht haben, mit denen wir weiterleben
müssen. Aber für mich trägt die Verheißung Gottes mehr als meine
Untergangsstimmung: solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und
Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Mit diesen
Gedanken kann ich leben, kann ich nach vorne schauen. Mit diesen Worten
brauche ich keine Angst zu haben um mich, um die Familie, um die Menschen
in dieser Welt. Denn ich weiß, Gottes Segen liegt über dieser Welt: er
liegt über der Arbeit, die wir tun, über Saat und Ernte. Der Segen liegt
über dem Wechsel von Frost und Hitze; er liegt über den Zeiten des Leben,
wo wir frieren, wo uns die Kälte des Lebens ergreift und wir unbeweglich
und starr sind angesichts dessen, was uns die Lebenswärme nimmt. Dem aber
steht gegenüber, dass Gott auch Wärme zu geben hat, dass nach dem Frost
auch wieder Hitze kommt, auch wenn wir das mitten in der Kälte des oft
nicht sehen. Dem Winter folgt der Sommer, der Nacht, dem Dunkel folgt der
Tag, folgt das Licht.
Darin liegt der Segen Gottes, und dieser Segen ist stärker als jeder
Fluch. Das Dichten und Trachten des Menschen mag böse sein von Jugend auf,
jeder von uns erlebt das, jeden Tag, der Fluch des menschlichen Handelns
mag auch an jedem Tag deutlich vor Augen stehen, aber der Segen Gottes ist
stärker, er setzt sich durch und er wird sich immer wieder durchsetzen.
Die Zerstörungskraft des Menschen ist nicht größer als die Heilungskraft
Gottes. Das ist der Grund warum ich rausgehe aus meiner Arche, warum ich
hineingehe in die Welt, die so wenig paradiesisch ist. Es ist die Weit,
die Gott für uns Menschen will und diese Welt will ich mit Gottes Hilfe
gestalten. Und wenn Gott die Welt nicht fallen lässt, warum soll ich sie
dann fallen lassen, warum soll ich mich daraus zurückziehen? Was uns von
Gott und damit vom Segen getrennt hat, das ist untergegangen im Wasser der
Sintflut. Wir sind nicht dem Untergang geweiht, sondern dem Leben, Und ich
sehe ihn schon lange vor mir, den Regenbogen, dieses Zeichen am Himmel,
das uns daran erinnert, dass wir auch inmitten von bösen Zeiten auf den
Segen Gottes bauen können, ja dass wir diesen Segen auch weitergeben
können. Suchen wir also nicht nach einer Arche, sondern gehen wir in die
Welt, an den Ort, wo Gott uns braucht, um seinen Segen für andere lebendig
zu machen. Ich werde sicher noch manches mal von meiner Arche träumen und
mir manches mal wünschen, sie wäre noch da. Aber ich bereue keinen
Schritt. Denn wirklich leben kann ich nur draußen.
Und nun an die Arbeit: Gottes Welt soll sich entwickeln. Gott befohlen
liebe Leut. (Amen)
(Abgang)
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: NsB 632
Psalm 119, 101-108
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung: Hoheslied 8, 6b-7
Lied: 295,1-4
Lesung 1. Mose 8, 18-22
Glaubensbekenntnis
Lied: NsB 639, 1-3+5+6
Predigt
Lied: NsB 596, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet - EG 825
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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