Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Gen 8, 18-22

Wir kennen alle die Geschichte von Noah. Das Böse in der Welt wird immer größer, Gott mag es nicht mehr mit ansehen und so will er die Erde mit einer großen Flut überschwemmen. Einer aber, so erzählt die Geschichte, ist gottesfürchtig und bekommt den Auftrag ein Überlebensschiff zu bauen – mitten auf dem Land. Dem Gelächter der Leute preisgegeben, aber erfüllt von Vertrauen zu Gott, baut Noah dieses riesige Schiff, das zum Symbol für Überlebensmöglichkeiten wird. Mit der Arche wird ein Raum des Überlebens geschaffen. Als die Wasser wieder abliefen, bekam auch die Arche wieder Grund unter den Kiel, die Menschen und Tiere konnten einen Neuanfang machen.
Und dann so erzählt die Bibel geschieht das, was wir zu Beginn schon gehört haben. Hören wir es ruhig noch einmal.
So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. 8,21 Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Sintflut – sie ist weit weg und doch sehr nahe. Katrina lässt New Orleans untergehen. Stan richtet gerade großen Schaden und großes Leid in Mittelamerika an. Wirbelstürme bekommen eine neue Bedeutung, sie werden intensiv wahrgenommen. Der Tsunami vor fast einem Jahr ist auch noch nicht in Vergessenheit geraten. Die Urgewalt des Wassers – sie ist zu spüren.
In der Sintflutgeschichte stand Gott dahinter. Er hat die Flut eingesetzt, um dem Bösen ein Ende zu setzen. Heute müssen wir erkennen, dass es nicht Gott ist, der hier am Werke ist. Wir können unsere eigene Verantwortung dafür nicht leugnen, wir müssen die eigene Schuld anerkennen. Immer mehr Wachstum bedeutet immer größere Ausbeutung der Erde. Eingriffe in Regenwälder – um billiges Zuckerrohr, Rindfleisch oder anderes zu produzieren, lässt die Erde vor Ort zu einer schnell beweglichen Masse werden, führt aber auch dazu, dass das Klima sich verändert. Immer höher Energieverbrauch – CO2 –Gase verändern die Atmosphäre, die Erde wird wärmer, die Polkappen schmelzen, weitere Klimaveränderungen stehen an, die noch ganz andere Naturkatastrophen bewirken. Scheinbar hilflos stehen wir davor und wissen doch: es ist des Menschen Hand, die hier im Spiel ist.
Was erzählt uns dazu nun das Ende der Noahgeschichte? Noah verlässt sein Schiff. Er hat diese Zeit der Not überstanden. Die Flut hat ihn beschäftigt, tagelang, wochenlang. Ich könnte mir vorstellen, dass er trotz aller Überlebensmöglichkeit, die ihm gegen wurde, doch auch Angst hatte, ob dieses Unternehmen gut geht. Wie konnte er auch sicher sein, dass die Flut wieder zurückgeht? Wenn man nur den Regen vor Augen hat und die unendliche Weite des Wassers, in dem man nur Versinken kann und keinen rechten Halt findet, dann geht auch manche Hoffnung baden, wie wir so sagen.
Wenn ich dies so sage, dann wird für mich nicht nur die Schuld der Menschen im Blick auf die Schöpfung deutlich, sondern es kommen auch andere Bereiche des Lebens in den Blick. Auf dem Meer schwimmen, wohl in einer Arche sitzen, aber doch die Unsicherheit des Lebens spüren, das ist doch etwas, was unser Leben immer wieder einmal ausmacht. Da kommt Unheil in unser Leben: eine Lebenskrise, Probleme mit dem Partner, eine Krankheit oder der Tod eines nahen Angehörigen. Und meistens ist es so, wie das Sprichwort sagt: ein Unheil kommt selten allein. Zu dem einen kommt das andere noch dazu und wie schnell sind wir dann auf dem Meer in einem Boot, das hin und hergeschaukelt wird. Natürlich gibt es auch Menschen, die da sind, die an der Seite stehen, ein wenig Halt geben. Aber dieses Gefühl, dem allen ausgeliefert zu sein, es selber nicht mehr so richtig in der Hand zu haben, hin- und her geworfen zu sein auf dem Meer von Gefühlen, das erleben wir gewiss immer wieder einmal. Mir zumindest geht es so. (Und gerade ihnen, die sie gerade einen Menschen verloren haben, wird dieses Gefühl vertraut sein. Das bisherige Leben ist nicht mehr, das neue hat noch keine Gestalt. Sie schwimmen dahin, gehen nicht unter, aber das Ziel und die Richtung sind noch nicht klar.)
Und dann gibt es die Erfahrung, dass man langsam wieder Boden unter den Füßen gewinnt. Die Wasser verschwinden, das Land wird langsam sichtbar. Es kehrt wieder ein wenig Ruhe ein ins Leben.
Und nun kommt Gott ins Spiel. Noah aber baute dem Herrn einen Altar. Noah schaut auf sein Leben. Trotz aller Angst, trotz allem Erleben von Not und Elend – er weiß sich durch diese Zeit hindurch von Gott getragen. Während der ganzen Fahrt über die große Flut, war davon nicht die Rede. Natürlich wusste man, dass Noah ein gottesfürchtiger Mensch war. Um dieses Lebens willen wurde ihm die Gnade Gottes zuteil. Aber es wird nichts davon erzählt, dass er auf der wochenlangen Reise Gott um Hilfe angerufen hat.
Wie ist das bei uns? Die einen rufen, klagen, zweifeln an Gott und seiner Güte. Andere sehen Gott weit weg. Wieder andere sind in dieser Zeit so sehr mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt sind, dass sie Gott aus den Augen verlieren. Der ist ja sowieso nicht da, sonst würde es mir nicht so schlecht gehen.
Und danach, wie gehen wir da mit Gott um? Hier wird Gott zumeist vergessen. Ich habe mich selber aus der Situation befreit, habe vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Der Berater hat geholfen oder einfach nur die Zeit, die ins Land gegangen ist.
Für Noah gab es einen Endpunkt der Reise und einen Anfangspunkt des neuen Lebens. Und an diesem Punkt stand zunächst einmal ein Gottesdienst. Noah hat deutlich gemacht: trotz allem, was war, und es war eine schwere Zeit, ich gebe mein Vertrauen zu Gott nicht auf. Ich bin dankbar, dass er mich nicht hat untergehen lassen. Ich durfte in einer Arche Überleben und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich neu anfangen kann.
Wäre das nicht auch für uns ein gutes Beispiel für die Zeiten unseres Lebens? Es gibt so vieles, wo wir dankbar sein können. Es gibt Endpunkte, Anfangspunkte in unserem Leben, in denen wir uns der Liebe Gottes anvertrauen können, in denen wir unsere Dankbarkeit für Begleitung und Führung zum Ausdruck bringen können. Wir müssen ja keine Brandopfer bringen wie Noah, aber die bewusste Hinwendung zu Gott, sich dem tragenden Lebensgrund hingeben, das wäre etwas, was uns helfen könnte, das Leben neu zu sehen, es aus der Rückschau auch tiefer in den Blick zu nehmen. Noah zeigt es uns.
Und die Antwort, die er bekommt ist eine ungeheure Verheißung, die bis heute hin seine Kraft nicht verloren hat. In dieser Verheißung werden zwei Dinge gesagt:
Das erste ist: Gott spricht: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Und das zweite lautet: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Für mich steckt darin ungeheuer viel an Hoffnung, die unser Leben bereichern kann. Fange ich von hinten an: Der Wechsel der Jahreszeiten, das ist der Hinweis darauf, dass Gott das Leben so wie es ist, als gut ansieht. Der Rhythmus des Jahres ist ein guter, ein Zukunft Schaffender Rhythmus. Und das möchte ich auch übertragen auf das Auf und Ab unseres Lebens. Da geht es auch mal hoch mal runter, gute Zeiten werden durch schwierige Zeiten abgelöst. Nur durch das Gute kann ich erkenne, was schlecht ist, nur im Schlechten lerne ich das Gute wieder schätzen. Und das gehört zusammen, beides zusammen macht das Leben aus. Und in all dem sind wir getragen von der Kraft des Lebens, die von Gott ihren Ursprung nimmt. Und diese Kraft ermöglicht es uns, die Tiefen des Lebens zu durchschreiten, als eine Zeit, die nicht von Gott fern ist, sondern die uns durch die Tiefe hindurch zu einem reiferen Leben vor Gott führt. Noah wusste sich nicht verlassen, sondern durch die Erfahrungen nur um so intensiver mit seinem Gott verbunden. Und diese Verheißung dass Gott die Welt nicht untergehen lässt, die lässt uns dann auch auf das Leben schauen und nach Möglichkeiten suchen, dem entgegenzustehen, was diesem Zukunftswillen Gottes entgegensteht. Gott lässt die Erde nicht untergehen, er gibt ihr Zukunft. Darum, Mensch, lass auch du diese Erde nicht untergehen durch dein Tun.
Gott weiß, dass der Mensch nicht nur gutes Tut. Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist Böse von Jugend auf. Das ist eine tragische Wahrheit, die wir nicht gerne hören, aber die uns jeden Tag bewusst wird – und seien wir ehrlich, nicht nur durch die Untaten der Menschen, die uns jeden Tag über die Medien ins Haus gebracht werden. Wir wissen auch von uns selber, wie fehlerhaft, schwach, manchmal auch böse wir sind. Wir sind eben Menschen. Doch wie sagt Gott: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen. Gott weiß um den Menschen, er ist so, wie er ist. Das ist nicht gut, wenn man an das Böse denkt, aber es ist für Gott auch nicht Grund diese Erde und das Leben hier zu verfluchen und zu vernichten. Sein großes Dennoch ist ein Dennoch der Liebe und der Zuwendung zu uns Menschen. Er ist da, er ist als der liebende Gott dem Menschen zugewandt. Und das dürfen wir dankbar annehmen, dort wo wir erkennen, dass das eigene Leben weiter geht, dass es nicht untergeht, auch wenn wir die Hoffnung schon haben sinken lassen. Und wir dürfen auf Grund dieser liebevollen Zuwendung zu uns Menschen und zur Welt eben auch unsere Möglichkeiten ernst nehmen und groß machen, die dazu beitragen, den Fluten des Lebens entgegen zu stehen. Gott will dieser Welt Zukunft geben, das ist sein erklärter Wille. In diesen Willen einzustimmen, das unsere dazu zu tun, der Welt und unserem ganzen persönlichen Leben Zukunft zu geben, das wäre unser Dankopfer, das Gott gnädig ansehen und annehmen wird. Machen wir uns auf, aus der Dankbarkeit gegenüber Gott, die Zukunft nach seinem Willen zu gestalten. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 166, 1-3+5
Psalm Ps 119, 110-118
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 391 – Gebet 3
Lesung: 1. Thess 4, 1-8
Lied: 295,1-4
Lesung: Gen 8, 18--22
Glaubensbekenntnis
Lied: 329,1-3
Predigt
Lied: 331, 1, 5, 9+11
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt
  Sonntag
9. 10. 2005
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote