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Wir kennen alle die Geschichte von Noah. Das Böse in der Welt wird immer
größer, Gott mag es nicht mehr mit ansehen und so will er die Erde mit
einer großen Flut überschwemmen. Einer aber, so erzählt die Geschichte,
ist gottesfürchtig und bekommt den Auftrag ein Überlebensschiff zu bauen
– mitten auf dem Land. Dem Gelächter der Leute preisgegeben, aber
erfüllt von Vertrauen zu Gott, baut Noah dieses riesige Schiff, das zum
Symbol für Überlebensmöglichkeiten wird. Mit der Arche wird ein Raum des
Überlebens geschaffen. Als die Wasser wieder abliefen, bekam auch die
Arche wieder Grund unter den Kiel, die Menschen und Tiere konnten einen
Neuanfang machen.
Und dann so erzählt die Bibel geschieht das, was wir zu Beginn schon
gehört haben. Hören wir es ruhig noch einmal.
So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen
seiner Söhne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles
Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit
seinesgleichen. Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem
reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem
Altar. 8,21 Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem
Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen
willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse
von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da
lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören
Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Sintflut – sie ist weit weg und doch sehr nahe. Katrina lässt New
Orleans untergehen. Stan richtet gerade großen Schaden und großes Leid
in Mittelamerika an. Wirbelstürme bekommen eine neue Bedeutung, sie
werden intensiv wahrgenommen. Der Tsunami vor fast einem Jahr ist auch
noch nicht in Vergessenheit geraten. Die Urgewalt des Wassers – sie ist
zu spüren.
In der Sintflutgeschichte stand Gott dahinter. Er hat die Flut
eingesetzt, um dem Bösen ein Ende zu setzen. Heute müssen wir erkennen,
dass es nicht Gott ist, der hier am Werke ist. Wir können unsere eigene
Verantwortung dafür nicht leugnen, wir müssen die eigene Schuld
anerkennen. Immer mehr Wachstum bedeutet immer größere Ausbeutung der
Erde. Eingriffe in Regenwälder – um billiges Zuckerrohr, Rindfleisch
oder anderes zu produzieren, lässt die Erde vor Ort zu einer schnell
beweglichen Masse werden, führt aber auch dazu, dass das Klima sich
verändert. Immer höher Energieverbrauch – CO2 –Gase verändern die
Atmosphäre, die Erde wird wärmer, die Polkappen schmelzen, weitere
Klimaveränderungen stehen an, die noch ganz andere Naturkatastrophen
bewirken. Scheinbar hilflos stehen wir davor und wissen doch: es ist des
Menschen Hand, die hier im Spiel ist.
Was erzählt uns dazu nun das Ende der Noahgeschichte? Noah verlässt sein
Schiff. Er hat diese Zeit der Not überstanden. Die Flut hat ihn
beschäftigt, tagelang, wochenlang. Ich könnte mir vorstellen, dass er
trotz aller Überlebensmöglichkeit, die ihm gegen wurde, doch auch Angst
hatte, ob dieses Unternehmen gut geht. Wie konnte er auch sicher sein,
dass die Flut wieder zurückgeht? Wenn man nur den Regen vor Augen hat
und die unendliche Weite des Wassers, in dem man nur Versinken kann und
keinen rechten Halt findet, dann geht auch manche Hoffnung baden, wie
wir so sagen.
Wenn ich dies so sage, dann wird für mich nicht nur die Schuld der
Menschen im Blick auf die Schöpfung deutlich, sondern es kommen auch
andere Bereiche des Lebens in den Blick. Auf dem Meer schwimmen, wohl in
einer Arche sitzen, aber doch die Unsicherheit des Lebens spüren, das
ist doch etwas, was unser Leben immer wieder einmal ausmacht. Da kommt
Unheil in unser Leben: eine Lebenskrise, Probleme mit dem Partner, eine
Krankheit oder der Tod eines nahen Angehörigen. Und meistens ist es so,
wie das Sprichwort sagt: ein Unheil kommt selten allein. Zu dem einen
kommt das andere noch dazu und wie schnell sind wir dann auf dem Meer in
einem Boot, das hin und hergeschaukelt wird. Natürlich gibt es auch
Menschen, die da sind, die an der Seite stehen, ein wenig Halt geben.
Aber dieses Gefühl, dem allen ausgeliefert zu sein, es selber nicht mehr
so richtig in der Hand zu haben, hin- und her geworfen zu sein auf dem
Meer von Gefühlen, das erleben wir gewiss immer wieder einmal. Mir
zumindest geht es so. (Und gerade ihnen, die sie gerade einen Menschen
verloren haben, wird dieses Gefühl vertraut sein. Das bisherige Leben
ist nicht mehr, das neue hat noch keine Gestalt. Sie schwimmen dahin,
gehen nicht unter, aber das Ziel und die Richtung sind noch nicht klar.)
Und dann gibt es die Erfahrung, dass man langsam wieder Boden unter den
Füßen gewinnt. Die Wasser verschwinden, das Land wird langsam sichtbar.
Es kehrt wieder ein wenig Ruhe ein ins Leben.
Und nun kommt Gott ins Spiel. Noah aber baute dem Herrn einen Altar.
Noah schaut auf sein Leben. Trotz aller Angst, trotz allem Erleben von
Not und Elend – er weiß sich durch diese Zeit hindurch von Gott
getragen. Während der ganzen Fahrt über die große Flut, war davon nicht
die Rede. Natürlich wusste man, dass Noah ein gottesfürchtiger Mensch
war. Um dieses Lebens willen wurde ihm die Gnade Gottes zuteil. Aber es
wird nichts davon erzählt, dass er auf der wochenlangen Reise Gott um
Hilfe angerufen hat.
Wie ist das bei uns? Die einen rufen, klagen, zweifeln an Gott und
seiner Güte. Andere sehen Gott weit weg. Wieder andere sind in dieser
Zeit so sehr mit ihren eigenen Gedanken und Gefühlen beschäftigt sind,
dass sie Gott aus den Augen verlieren. Der ist ja sowieso nicht da,
sonst würde es mir nicht so schlecht gehen.
Und danach, wie gehen wir da mit Gott um? Hier wird Gott zumeist
vergessen. Ich habe mich selber aus der Situation befreit, habe
vielleicht professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Der Berater hat
geholfen oder einfach nur die Zeit, die ins Land gegangen ist.
Für Noah gab es einen Endpunkt der Reise und einen Anfangspunkt des
neuen Lebens. Und an diesem Punkt stand zunächst einmal ein
Gottesdienst. Noah hat deutlich gemacht: trotz allem, was war, und es
war eine schwere Zeit, ich gebe mein Vertrauen zu Gott nicht auf. Ich
bin dankbar, dass er mich nicht hat untergehen lassen. Ich durfte in
einer Arche Überleben und ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich
neu anfangen kann.
Wäre das nicht auch für uns ein gutes Beispiel für die Zeiten unseres
Lebens? Es gibt so vieles, wo wir dankbar sein können. Es gibt
Endpunkte, Anfangspunkte in unserem Leben, in denen wir uns der Liebe
Gottes anvertrauen können, in denen wir unsere Dankbarkeit für
Begleitung und Führung zum Ausdruck bringen können. Wir müssen ja keine
Brandopfer bringen wie Noah, aber die bewusste Hinwendung zu Gott, sich
dem tragenden Lebensgrund hingeben, das wäre etwas, was uns helfen
könnte, das Leben neu zu sehen, es aus der Rückschau auch tiefer in den
Blick zu nehmen. Noah zeigt es uns.
Und die Antwort, die er bekommt ist eine ungeheure Verheißung, die bis
heute hin seine Kraft nicht verloren hat. In dieser Verheißung werden
zwei Dinge gesagt:
Das erste ist: Gott spricht: Ich will hinfort nicht mehr die Erde
verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des
menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht
mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Und das zweite
lautet: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte,
Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Für mich steckt darin ungeheuer viel an Hoffnung, die unser Leben
bereichern kann. Fange ich von hinten an: Der Wechsel der Jahreszeiten,
das ist der Hinweis darauf, dass Gott das Leben so wie es ist, als gut
ansieht. Der Rhythmus des Jahres ist ein guter, ein Zukunft Schaffender
Rhythmus. Und das möchte ich auch übertragen auf das Auf und Ab unseres
Lebens. Da geht es auch mal hoch mal runter, gute Zeiten werden durch
schwierige Zeiten abgelöst. Nur durch das Gute kann ich erkenne, was
schlecht ist, nur im Schlechten lerne ich das Gute wieder schätzen. Und
das gehört zusammen, beides zusammen macht das Leben aus. Und in all dem
sind wir getragen von der Kraft des Lebens, die von Gott ihren Ursprung
nimmt. Und diese Kraft ermöglicht es uns, die Tiefen des Lebens zu
durchschreiten, als eine Zeit, die nicht von Gott fern ist, sondern die
uns durch die Tiefe hindurch zu einem reiferen Leben vor Gott führt.
Noah wusste sich nicht verlassen, sondern durch die Erfahrungen nur um
so intensiver mit seinem Gott verbunden. Und diese Verheißung dass Gott
die Welt nicht untergehen lässt, die lässt uns dann auch auf das Leben
schauen und nach Möglichkeiten suchen, dem entgegenzustehen, was diesem
Zukunftswillen Gottes entgegensteht. Gott lässt die Erde nicht
untergehen, er gibt ihr Zukunft. Darum, Mensch, lass auch du diese Erde
nicht untergehen durch dein Tun.
Gott weiß, dass der Mensch nicht nur gutes Tut. Das Dichten und Trachten
des menschlichen Herzens ist Böse von Jugend auf. Das ist eine tragische
Wahrheit, die wir nicht gerne hören, aber die uns jeden Tag bewusst wird
– und seien wir ehrlich, nicht nur durch die Untaten der Menschen, die
uns jeden Tag über die Medien ins Haus gebracht werden. Wir wissen auch
von uns selber, wie fehlerhaft, schwach, manchmal auch böse wir sind.
Wir sind eben Menschen. Doch wie sagt Gott: Ich will hinfort nicht mehr
die Erde verfluchen um der Menschen willen. Gott weiß um den Menschen,
er ist so, wie er ist. Das ist nicht gut, wenn man an das Böse denkt,
aber es ist für Gott auch nicht Grund diese Erde und das Leben hier zu
verfluchen und zu vernichten. Sein großes Dennoch ist ein Dennoch der
Liebe und der Zuwendung zu uns Menschen. Er ist da, er ist als der
liebende Gott dem Menschen zugewandt. Und das dürfen wir dankbar
annehmen, dort wo wir erkennen, dass das eigene Leben weiter geht, dass
es nicht untergeht, auch wenn wir die Hoffnung schon haben sinken
lassen. Und wir dürfen auf Grund dieser liebevollen Zuwendung zu uns
Menschen und zur Welt eben auch unsere Möglichkeiten ernst nehmen und
groß machen, die dazu beitragen, den Fluten des Lebens entgegen zu
stehen. Gott will dieser Welt Zukunft geben, das ist sein erklärter
Wille. In diesen Willen einzustimmen, das unsere dazu zu tun, der Welt
und unserem ganzen persönlichen Leben Zukunft zu geben, das wäre unser
Dankopfer, das Gott gnädig ansehen und annehmen wird. Machen wir uns
auf, aus der Dankbarkeit gegenüber Gott, die Zukunft nach seinem Willen
zu gestalten. Amen.
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Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 166, 1-3+5
Psalm Ps 119, 110-118
Eingangsliturgie
Gebet EGb S. 391 – Gebet 3
Lesung: 1. Thess 4, 1-8
Lied: 295,1-4
Lesung: Gen 8, 18--22
Glaubensbekenntnis
Lied: 329,1-3
Predigt
Lied: 331, 1, 5, 9+11
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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