Predigt

AT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

 Gen 3, 1-19

Wer kennt sie nicht diese Geschichte vom so genannten Sündenfall. Sie ist Teil der Urgeschichte der Menschheit. Wobei wir das Wort Urgeschichte anders verstehen müssen, als wir das allgemein tun. Urgeschichte, da denken wir an Mammuts, an Neandertaler oder Dinosaurier. Aber das ist damit nicht gemeint, auch wenn es um den vermeintlichen Anfang der Menschheit geht. Urgeschichte ist im Blick auf die Bibel keine Zeitangabe, sondern in diesem Fall eine so genannte Seinsaussage. Urgeschichte meint: so ist der Mensch von Anfang an, so ist er, so lebt er, so müssen wir ihn sehen und annehmen.
Wie ist der Mensch, wenn wir diese Geschichte betrachten, wie sind wir und unsere Mitmenschen um uns herum.
Zuerst einmal sind wir Menschen neugierig. Wir lassen uns ansprechen und wir lassen uns und unser Leben in Frage stellen. Die Schlange in unserer Geschichte, ein sehr altes Symbol für die Verführbarkeit des Menschen, stellt geschickte Fragen und macht so den Menschen neugierig. Sollte Gott gesagt haben, ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? So generell hatte Gott das natürlich nicht gesagt. Die Früchte im Garten dienten dazu, dass Adam und Eva überleben können. Eva antwortet daher, dass sie von allen Bäumen essen dürfen, nur eben nicht von den Früchten inmitten des Gartens, damit sie nicht sterben. Eva macht deutlich, dass sie sehr genau weiß, was sie darf und was sie nicht darf. Der Mensch ist einer, der Grenzen bekommen hat, der auch schon im Paradies nicht tun und lassen darf, was er will. Welch ein seit Jahrtausenden in der Biblischen Welt erzählte Wahrheit. Der Mensch, der Anfang der Schöpfung, bzw. die Krone der Schöpfung, ist kein grenzenloses Wesen. Das ist eine der grundlegenden Wahrheiten der Bibel, die für uns sehr bedeutsam sind. Einschränkungen, Grenzen gehören zum Menschsein dazu. Kindern wird dies sehr früh beigebracht und es ist auch nötig, damit das menschliche Leben auch gelingen kann. Grenzen sind nichts artfremdes, sondern etwas zutiefst Nötiges für den Menschen und das eben von Anfang an. Das menschliche Leben kann nur gelingen, wenn Grenzen da sind, wenn Grenzen gesetzt werden. Und wir spüren das an allen Stellen des Lebens, wie wichtig dies ist. Und so eben auch schon im Paradies.
Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er nicht auch den Drang hätte, Grenzen zu überschreiten. Die Schlagen sagt: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon eßt, werden eure Augen aufgetan und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Die Versuchung ist da. Die Versuchung stellt das vorgegebene Wort in Frage. Sollte das wirklich so sein? Sollte richtig sein, was uns da gesagt ist, was uns als richtig vorgegeben wurde? Diese Infragestellung des bisher geglaubten ist doch eigentlich der Motor menschlicher Entwicklung. Schon bei der Erfindung des Rades hat jemand gesagt: es kann doch nicht nur so sein wie jetzt, es muss doch etwas geben, dass es einfacher macht. Oder im menschlichen Bereich: ist es denn richtig, was die alten uns sagen, oder muss man nicht die Grenzen überschreiten, um etwas neues zu entdecken und weiterzukommen. Königliche Autorität muss in Frage gestellt werden, um zur Demokratie zu kommen. Elterliche Vorgaben müssen in Frage gestellt werden, um eigene Erfahrungen zu machen. Grenzen müssen überschritten werden, um neue Räume des Lebens zu entdecken. Die Versuchung ist der Motor des Lebens. Diese Versuchung gehört zum menschlichen Leben dazu, sie ist Teil dieses Lebens und ohne sie wäre es kein menschliches Leben. Das erzählt uns die Urgeschichte als die Geschichte des: so ist der Mensch.
Hinter dieser Versuchung, so macht die Geschichte sehr deutlich, steht auch immer wieder der Gedanke, ihr werdet sein wie Gott. Ich denke, die größten Versuchungen der Menschheit haben immer etwas damit zu tun, dass dahinter der Gedanke steht, dass man sein will, wie Gott. Dass man Macht haben möchte, dass man teilhaben möchte an der Schöpferkraft Gottes. Die Erfindung der Kernspaltung: was war das für eine Beherrschung der Naturgewalten, welche Macht verbirgt sich dahinter. Oder wenn ich an die heutige Genforschung denke, bis hin in das Klonen von Tieren oder Menschen. Welcher Hunger nach sein wie Gott steckt da auch drin, selbst wenn dies nicht ausgesprochen wird. Die Versuchung ist groß, der Wunsch noch größer, sich selber an die Stelle von Gott zu setzen, ihn zu entmachten. Gerade die Naturwissenschaft hat diese Entmachtung ja an vielen Stellen versucht, nach dem Motto: seht, wir haben entdeckt, wie es funktioniert, wir brauchen Gott nicht, bzw. Gott existiert doch gar nicht. Daneben gibt es auch andere Naturwissenschaftler, die sagen: je mehr ich entdecke, desto weniger weiß ich. Je mehr ich entdecke, desto mehr wird deutlich, dass ein schöpferischer Gott am Werke ist.
Der Mensch überschreitet die ihm gesetzten Grenzen, der Apfel wird gegessen. Und nun ist es passiert. Das Leben ist nicht mehr wie vorher. Adam und Eva verändern sich. Sie spüren ihre Nacktheit. Hier geht es nicht so sehr um ein äußerliches Nacktsein, sondern darum, dass der Mensch nun bloßgestellt ist. Er weiß jetzt, was er getan hat, gut und böse vermag er zu unterscheiden. Das Gewissen ist geweckt und damit aber auch das Wissen, ich habe etwas falsch gemacht.
Ich habe gesagt, dass das Überschreiten von Grenzen zum Menschsein dazugehört. Und genauso gehört die Schuld dazu, die in diesem Überschreiten von Grenzen liegt. Es ist gut und wichtig zu wissen, was gut ist, aber gleichzeitig wird darin eben auch deutlich, was böse ist. Und ich werde ansprechbar darauf, ich kann mich nicht verstecken, sondern die aufgeladene Schuld ist auch offenbar.
Adam, wo bist du? Das ist die Frage nach dem Menschen, in seiner ganzen Nacktheit vor Gott. Mensch wo bist du, Mensch, warum versteckst du dich? Aber vor Gott können wir uns nicht verstecken. DA hilft kein Busch unter den wir kriechen können.
Adam, wo bist du?, das ist die Frage nach der ganz persönlichen Verantwortung im Leben. Wie wird sie wahrgenommen von Adam, von dem Menschen schlechthin?
Na, so, wie wir es alle in der Regel tun, vom Kindergarten an bis hin ins hohe Alter. Ich wars nicht, es war der andere. Das übliche und typische Verschiebespiel: Die Frau hat mir den Apfel gegeben. Ich habe damit eigentlich gar nichts zu tun. Und die Frau sagt: Die Schlange hat mich betrogen. Ich habe damit nichts zu tun, die Schlage ist Schuld. Sie kennen dieses Spiel sicherlich alle. Ich erlebe es jeden Tag an meiner Tochter: ich habe keine Schuld, der Stuhl, die Brille, der Luftballon alle haben Schuld, nur sie nicht. So sind wir Menschen. Das Verschiebespiel der Schuld, wir haben es alle gut drauf. Ich konnte doch gar nicht anders, ich musste doch so handeln. Sei es im Krieg, weil andere es befehlen und ich sonst Konsequenzen zu befürchten hätte, oder eben weil es nötig war, um Leid abzuwenden.
Um so bedeutsamer ist mir diese alte Sündenfallgeschichte. Denn sie macht deutlich: Mensch, du kannst deiner Schuld nicht entfliehen. Die wirst zur Verantwortung gerufen. Adam, wo bist du? Diese Frage wird jedem von uns gestellt. Die Schuld, die ein Mensch auf sich lädt, z.B. wenn er Gewalt einsetzt, kann niemand abschieben, es ist das verantwortliche Handeln des jeweiligen Menschen, ob er das will oder nicht. Wir sind für unser Tun verantwortlich, wir müssen die Konsequenzen tragen. Der Mensch weiß, was gut und böse ist. Und selbst dort, wo er es nicht weiß, aber hinterher erkennt, muss er die Konsequenzen tragen, muss Schuld anerkennt werden. Weder Adam, noch Eva, noch die Schlage können sich herausreden, sie alle werden auf ihre Schuld angesprochen und müssen die Folgen daraus tragen. Ob sie wollen oder nicht. Das Verschiebespiel klappt nicht, es wird von Gott nicht akzeptiert.
Allerdings heißt dies nun auch nicht, dass der Mensch verdammt wird. Die Mühsal des Lebens, das Schwere im Leben gilt es zu tragen als Mensch. Aber die Drohung, ihr werdet sterben, da hatte die Schlange in gewisser Weise recht, ist nur bedingt eingetreten. Der Tod kam zwar auch über Adam und Eva, er ist teil des natürlichen, menschlichen Lebens. Aber der Tod ist nicht die direkte Strafe für das Vergehen. Ja man muss sogar sagen, dass Gott den Menschen auch trotz seiner Schuld, leben läßt und auch schützt. Gott machte Adam und Eva Röcke von Fellen. Er gibt ihnen einen Schutzraum, in dem sie vor den Menschen nicht mehr bloß dastehen. Das ist ein Stück Vergebung. Mit Jesus am Kreuz ist diese Vergebung noch einen Schritt weiter gegangen. Die Schuld trägt nun er, wir dürfen wirklich befreit leben. Das ist eine wirklich gute Botschaft, das ist Evangelium. Aber eben auch nur dort, wo wir dem Ruf Gottes: Mensch, wo bist du? Antworten, antworten mit dem Vertrauen zum vergebenden Gott. Schuld und Schuldeingeständnis gehören zur Vergebung. Adam und Eva mussten dies schmerzhaft einsehen und ich denke, jeder, der einmal Schuld auf sich geladen hat, weiß wie schmerzhaft dies ist. Aber wo wir sie anerkennen können, wo wir sie vor Gott aussprechen können, da werden wir auch die Befreiung erfahren. Nicht von den Folgen der Schuld, die Mühsal des Lebens bleibt, aber die Lebensbedrohung wird genommen von Gott selber.
So ist der Mensch und so ist Gott. Es ist gut, dass es solche alten Geschichten gibt, du uns helfen uns zu verstehen, die uns Perspektiven geben, unser Leben in der Verantwortung vor Gott wahrzunehmen, dem Gott, der uns in allen Lebenslagen zugewandt ist. Amen.

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 447,1-3+6+7
Psalm 91 EG 736
Eingangsliturgie
Gebet des Tages:
Herr, Gott, himmlischer Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, dass er dich Macht des Bösen überwinde. Darum bitten wir dich: Bewahre du uns in aller Anfechtung auf dass wir in seiner Nachfolge den Versuchungen des Lebens widerstehen und sie durch sein Wort überwinden. Das bitten wir durch ihn, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist, lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: Mt 4, 1-11
Lied: 362, 1-4
Lesung: 1. Mose 3, 1-19
Glaubensbekenntnis
Lied 347, 1-6
Predigt
Lied 229,1-3
Abendmahlsgebet:
Wir Menschen sind so, wir wollen oft ohne Gott leben, lieber eigene Ideen verwirklichen, nicht fragen müssen, sich nicht einschränken lassen. Oft genug kommen wir dabei ab vom Weg, verstricken uns in immer verschlungenere Weg von Schuld und Gegeneinander.
Gott lässt uns darin nicht allein. Er gibt uns die Chance immer wieder neu anzufangen. Er will verändern, will uns verändern. Er tut das, indem er auf uns zukommt, mit Worten und in seinen Sakramenten, in den er uns hautnah entgegenkommt.
So wollen wir ihn zu uns kommen lassen, dass er uns sein heilenden und vergebendes zusprechen kann. Wir wollen ihn zu uns kommen lassen in der Feier des Abendmahles, das Jesus uns als Mahl der Versöhnung hinterlassen hat.
Einsetzungsworte
Ja, komm Herr, Jesu, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hast. Vergib uns, wo wir schuldig wurden, verändere unsere Gedanken und Taten zum Guten, lass deinen Geist der Liebe in uns wirksam sein.
Vaterunser
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Barmherziger Vater!
Wir danken dir für die Gaben von Brot und Saft. Mögen Sie uns stärken für unser alltägliches Leben.
Wir bitten dich, für alle Menschen, die unter ihrer Schuld zu leiden haben. lass sie Menschen finden, denen gegenüber sie es offen aussprechen können und so auch vor dir bekennen können. Gib den Mut, die Fehler im Leben anzuschauen, statt sie beiseite zu schieben.
Wir bitten für alle, die unter den Folgen der Fehler anderer zu leiden haben, die ohne Schuld nun große Lasten zu tragen haben. lass sie nicht bitter werden, sondern schenke ihnen Hoffnung für ihr Leben.
Wir bitten dich für uns alle. lass uns nach deinem Wort leben und handeln, lass uns dazu beitragen, dass diese Welt dein liebendes und vergebendes Gesicht erkennt.
Das bitten wir dich, der du wirkst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt
  Sonntag
13. 2. 2005
Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote