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Es war schon einige Zeit her, dass das Begräbnis des alten Erzvaters
Abraham gewesen war, als die beiden Viehhirten David und Schalif wieder
einmal im Abendlicht beieinander gesessen haben und dann miteinander ins
Gespräch kamen.
Schade ist's, dass er nun tot ist, sagte nach einer längeren
Gesprächspause David zu Schalif.
Was meinst du? fragte Schalif nach, der mit seinen Gedanken ganz
woanders war.
Ich sagte, schade ist's, dass er tot ist.
Wer?
Na Abraham. wer denn sonst.
Ach so. Ja da hast du recht, das ist wirklich schade. Es war schon ein
guter Sippenführer, der alte Abraham. Wenn er auch ein wenig wunderlich
war, vor allem was seinen Glauben anging. Da hab ich ja schon manchmal
gedacht, ob er es nicht ein bisschen übertreibt. Kannst du dich noch
daran erinnern, damals als er plötzlich alle seine Leute zusammengerufen
hat?
Aber sicher kann ich das, antwortete David. Ich war zwar noch ein Kind,
aber das war doch der Anfang unseres neuen Lebens und das vergisst man
nicht. Als er uns alle zusammengerufen hatte, damals vor der Stadt Haran.
Er stellt sich vor uns hin und ruft ganz laut: Liebe Freunde, wir werden
morgen aufbrechen, um in ein anderes Land zu ziehen, in ein Land, das
Gott uns geben wird.
Ja, und dann entstand natürlich große Unruhe. Alle fragten sich, was
denn nun in Abram gefahren ist. Wir waren doch an einem guten
Weideplatz. Unser Vieh hatte zu essen, wir hatten auch gut zu essen,
unsere Versorgung war gesichert. Und die Stadt Haran war auch dicht bei
unserem Weideplatz. Es ging uns allen rund um gut. Nur eins, eins das
war wirklich schade, Abram und Sarah hatten keine Kinder. Es war schon
traurig mit anzusehen. Beide wünschten sich so sehr Kinder, aber Sarah
konnte nun mal keine bekommen. Da war das natürlich auch problematisch
mit der Altersversorgung, und auch für uns als Sippe, wie sollten wir
zusammenbleiben, wenn keine Nachkommen da gewesen wären. Es hätte
sicherlich böse Kämpfe gegeben.
Und deshalb war es ja auch so ungewöhnlich, unterbrach ihn Schalif, als
er uns dann berichtete, was ihn zu dem Entschluss trieb, wegzugehen. Ich
seh ihn noch richtig vor mir, wie er da mit erhobenen Händen um Ruhe bat
und dann ganz ruhig sagte: Freunde, ihr sollt auch wissen, was mich zu
diesem Entschluss getrieben hat. Gott, der Herr, hat zu mir gesprochen
und gesagt: "Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und
aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich
will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen
großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die
dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen
gesegnet werden alle Geschlechter der Erde."
Es war ganz still, als er das gesagt hatte, keiner traute sich so recht
ein Wort zu sagen. Bis dann doch die ersten Stimmen sich regten hinter
uns und ganz leise sagten: "Abram soll zu einem großen Volk werden. Wie
denn? Der hat doch keine Kinder, und er und Sarah sind doch schon längst
viel zu alt, das mag ja ein schöner Wunschtraum von Abram gewesen sein.
Aber man muss doch ein wenig realistisch bleiben. Nur auf so ein Wort
hin das schöne Leben hier aufgeben, mal ehrlich, wer will das denn von
uns? Ja, überhaupt, Abram, rief plötzlich einer sehr laut, wer sagt dir
denn, dass die Stimme, die du gehört hast, wirklich Gottes Stimme war,
vielleicht hast du ja auch nur geträumt. Wo ist denn dein Gott?
Vielleicht kann er auch uns das mal sagen.
Und dann erhob sich mein Vater, der mit Abram immer sehr gut ausgekommen
ist und sagte: lieber Abram, meinst du wirklich, dass deine Entscheidung
richtig ist? Sieh mal, dein Glaube in allen Ehren, aber wir müssen doch
einmal ganz realistisch an die Sache herangehen: wir sind Nomaden, wir
sind angewiesen darauf, dass wir guten Weiden haben, damit unser Vieh
etwas zu fressen hat, und damit auch wir einigermaßen leben können. Die
Suche von Nahrung ist unsere Lebensgrundlage. Und hier leben wir doch,
so wie wir leben gar nicht schlecht. Jeder hat hier seine Aufgabe, jeder
hat hier sein Tun und sein Auskommen, was brauchen wir denn dann noch
mehr. Sollen wir uns denn wirklich jetzt so ins Ungewisse begeben,
sollen wir jetzt ziellos hinter irgendwelchen Worten hinterherlaufen,
die du als Gottesworte zu hören glaubst. Wir laufen doch in die Irre,
wenn wir uns auf so etwas verlassen. Ich verlasse mich lieber auf das,
was ich sehe und was ich anfassen kann, dann weiß ich, was ich hab. Und
es ist ja auch schon gesagt worden: Woher weißt du denn so genau, dass
Gott mit dir geredet hat, woher weißt du, dass der Weg, den wir gehen
werden ein guter Weg wird? Hier wissen wir, dass es uns gut geht. Hier
leben wir sicher unter Freunden. Wenn wir woanders hingehen, leben wir
unter Feinden, sicher können wir dann nicht mehr sein. Ich für mein Teil
bin dagegen, dass wir gehen!
Viele haben dann meinem Vater zugestimmt, auch sie wollten nicht
wegziehen, sie wollten nicht anders leben, nur weil Gott dem Abram eine
so merkwürdige Verheißung gegeben hat. Das war ihnen viel zu unsicher.
Ich war ja damals noch zu klein, um das beurteilen zu können, aber wenn
ich heute so darüber nachdenke, ich glaube, ich wäre damals auch dagegen
gewesen. Wir hatten doch alles, was brauchten wir noch anderes.
Da unterbrach ihn David und sagte: Ja wir hatten alles, aber eins, denke
ich, das fehlte uns, und das haben wir erst durch Abram gelernt:
wirkliches Gottvertrauen. Ich kann das für mich wenigstens so sagen.
Damals wäre ich sicherlich auch dagegen gewesen, unser damaliges Leben
zu verändern, und ein neues Leben anzufangen. Aber heute ... Es weiß ja
niemand, was Abraham gedacht hat und was für Überlegungen er angestellt
hat. Er hat ja zu allem geschwiegen und hat es uns auch freigestellt, ob
wir mitkommen wollen oder nicht. Ich bin fest davon überzeugt, Abraham
konnte damals gar nicht anders. Er war so davon überzeugt, dass Gott ihn
angesprochen hat, dass Gott ihm diese große Verheißung gemacht hat, da
hat er gar nicht anders gekonnt, als Gottes Weisung zu folgen. Wir haben
damals gefragt, war das überhaupt Gottes Stimme, und selbst, die, die
das nicht angezweifelt haben, haben dann aber doch gefragt, ob es
richtig ist, diesen Weg zu gehen? Wie dein Vater: Müssen wir nicht
realistisch sein? hat er gefragt. Abrahams Gott vertrauen, das war uns
eigentlich zu unsicher. Allein auf Gottes Wort hin neue Lebenswege zu
gehen, das war uns eigentlich zu ungewiss, da wollte man lieber so
weiterleben wie bisher. Bei Abraham war das ganz anders. Weil er so von
Gott überzeugt war, weil er davon überzeugt war, dass Gottes Wort gilt,
auch wenn er es im ersten Moment nicht nachprüfen konnte, deshalb hat er
sich darauf eingelassen, weil er Vertrauen hatte in Gottes Wort und sich
eben nicht nur auf sich selbst verlassen hat. Deshalb hat er für sich
und dann ja auch unsere ganze Sippe ein neues Leben angefangen.
Ja, sagte dann Schalif, ich glaube das stimmt mit dem Gottvertrauen.
Abraham hat nur auf Gottes Wort hin sein Leben geändert, er hat nur auf
das Wort der Verheißung hin einen ganz neuen Weg eingeschlagen, ohne
eigentlich genau zu wissen, worauf alles hinauslaufen würde. Er hat dem
Wort vertraut, dass Gott ihn segnen wird, er hat darauf vertraut, dass
Gott seine Wege begleitet und zum Guten führt.
Obwohl man ja im Nachhinein sagen muss, es war nach außen hin nicht
immer ein gutes Leben: neben guten Zeiten, mit gutem Lebensunterhalt und
anwachsendem Reichtum, gab es auch schwierige Zeiten, erinnere dich nur
an die Hungersnot, wo wir nach Ägypten mussten, oder an die
kriegerischen Auseinandersetzungen als Lot, der Neffe des Abraham, aus
Sodom und Gomorrah — entführt wurde oder als wir Lot und seine Familie
dann später aus Sodom und Gomorra herausholen mussten. Oder erinnere
dich daran, wie Abraham meinte, er müsse seinen Sohn Isaak opfern, und
er in seinem Gottvertrauen dies auch tun wollte, bis Gott selber ihn von
diesem Ansinnen zurückgehalten hat. Nein ehrlich einfach war das
wirklich nicht. Aber darauf hat Abraham gar nicht gesehen. Er hat in all
den schwierigen Lagen seinen Glauben nicht verloren, immer wieder war er
bereit, Gott recht zu geben, seiner Verheißung für sein Leben zu
glauben. Und so war er immer dankbar für alles, was er aus Gottes Hand
empfangen hatte. Er hat Gottes Segen in seinem Leben immer wahrgenommen
und hat dann aus dieser Dankbarkeit heraus auch an vielen Orten einen
Altar aufgestellt. Diese Dankbarkeit hat mir auch immer imponiert. Ich
gehe über vieles hinweg, wofür ich eigentlich dankbar sein könnte.
Abraham hatte immer ein Gespür dafür, wo er Gottes segensreiches Wirken
empfangen hat und er hat das dann auch gezeigt. Ich glaube, das hing mit
seinem tiefen Gottvertrauen zusammen.
Nach einer längeren Pause ergriff David wieder das Wort: Weißt du,
Schalif, wenn ich so darüber nachdenke, was Abraham von der Verheißung
Gottes gesagt hat, dass aus Abraham ein großes Volk werden soll, ich
glaube, das war gar nicht so sehr auf die leibliche Nachkommenschaft des
Abraham gemünzt. Darauf kam es gar nicht an. Ich denke, das ist viel
mehr auf die geistliche Nachkommenschaft ausgerichtet. Abraham ist doch
für uns alle irgendwie ein Vater im Glauben und wir sind seine Söhne,
wenn auch wir ein solches Gottvertrauen entwickeln, wenn wir solch ein
Bewusstsein für Gottes Segen in unserem Leben entwickeln und auch seine
Dankbarkeit gegenüber Gott leben würden. Darin liegt doch die Verheißung
für uns alle. Und selbst wenn es schwer ist, diesen Vater und seinen
Glauben zu erreichen, ein Vorbild für unseren Glauben ist er doch für
uns allemal. Oder?
Amen. Und der Friede Gottes ....
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:288,1-5
Psalm
Eingangsliturgie
Gebet
Vater im Himmel, du bist der Gott, der mitgeht. Jeden Schritt, den wir
tun, kennst du. So bitten wir dich: Mache uns Mut für die Wege, die du
uns führst. Hilf uns, das alte hinter uns zu lassen und dem Neuen
getrost entgegen zu gehen. Wissend und vertrauend,
dass du uns nicht verlässt. Das bitten wir dich, der du von Ewigkeit zu
Ewigkeit mit deinem Sohn und dem Hl. Geist
lebst und unsere Welt regierst.
Lesung
Lied 369,1-3+7
Lesung 1 Mose 12, 1-4a
Glaubensbekenntnis
Lied 311,1-3
Predigt
Lied 395, 1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel, Du willst uns segnen und wir sollen ein Segen sein.
Lass uns diese Aufgabe immer wieder neu sehen im Vertrauen auf deine
Güte. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten, dich lass uns segensreich wirken, wo Menschen nicht
miteinander klar kommen. Hilf uns, Gegensätze zu überwinden und das
Miteinander zu fördern. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, für die Menschen im Nahen Osten. Wieder sprechen die
Waffen statt die Menschen. Wir gedenken der Opfer dieser Gewalt und all
derer die in Angst und Sorge um sich und ihre Angehörigen sind. Führe du
die Menschen auf den Weg zum Frieden. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen in unseren Ortschaften, die in Not
sind, die unter Bedrückungen leiden. Hilf ihnen, darin nicht unter zu
gehen. Hilf uns ihnen beizustehen und lass dadurch dein liebevolles
Angesicht über diesen Menschen leuchten. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Uns öffne die Augen für dein segensreiches Wirken, lass uns erkennen,
wie sehr du uns jeden Tag aufs Neue begleitest in unserem Leben. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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