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1. Mose 12, 1-4

Es war schon einige Zeit her, dass das Begräbnis des alten Erzvaters Abraham gewesen war, als die beiden Viehhirten David und Schalif wieder einmal im Abendlicht beieinander gesessen haben und dann miteinander ins Gespräch kamen.
Schade ist's, dass er nun tot ist, sagte nach einer längeren Gesprächspause David zu Schalif.
Was meinst du? fragte Schalif nach, der mit seinen Gedanken ganz woanders war.
Ich sagte, schade ist's, dass er tot ist.
Wer?
Na Abraham. wer denn sonst.
Ach so. Ja da hast du recht, das ist wirklich schade. Es war schon ein guter Sippenführer, der alte Abraham. Wenn er auch ein wenig wunderlich war, vor allem was seinen Glauben anging. Da hab ich ja schon manchmal gedacht, ob er es nicht ein bisschen übertreibt. Kannst du dich noch daran erinnern, damals als er plötzlich alle seine Leute zusammengerufen hat?
Aber sicher kann ich das, antwortete David. Ich war zwar noch ein Kind, aber das war doch der Anfang unseres neuen Lebens und das vergisst man nicht. Als er uns alle zusammengerufen hatte, damals vor der Stadt Haran. Er stellt sich vor uns hin und ruft ganz laut: Liebe Freunde, wir werden morgen aufbrechen, um in ein anderes Land zu ziehen, in ein Land, das Gott uns geben wird.
Ja, und dann entstand natürlich große Unruhe. Alle fragten sich, was denn nun in Abram gefahren ist. Wir waren doch an einem guten Weideplatz. Unser Vieh hatte zu essen, wir hatten auch gut zu essen, unsere Versorgung war gesichert. Und die Stadt Haran war auch dicht bei unserem Weideplatz. Es ging uns allen rund um gut. Nur eins, eins das war wirklich schade, Abram und Sarah hatten keine Kinder. Es war schon traurig mit anzusehen. Beide wünschten sich so sehr Kinder, aber Sarah konnte nun mal keine bekommen. Da war das natürlich auch problematisch mit der Altersversorgung, und auch für uns als Sippe, wie sollten wir zusammenbleiben, wenn keine Nachkommen da gewesen wären. Es hätte sicherlich böse Kämpfe gegeben.
Und deshalb war es ja auch so ungewöhnlich, unterbrach ihn Schalif, als er uns dann berichtete, was ihn zu dem Entschluss trieb, wegzugehen. Ich seh ihn noch richtig vor mir, wie er da mit erhobenen Händen um Ruhe bat und dann ganz ruhig sagte: Freunde, ihr sollt auch wissen, was mich zu diesem Entschluss getrieben hat. Gott, der Herr, hat zu mir gesprochen und gesagt: "Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde."
Es war ganz still, als er das gesagt hatte, keiner traute sich so recht ein Wort zu sagen. Bis dann doch die ersten Stimmen sich regten hinter uns und ganz leise sagten: "Abram soll zu einem großen Volk werden. Wie denn? Der hat doch keine Kinder, und er und Sarah sind doch schon längst viel zu alt, das mag ja ein schöner Wunschtraum von Abram gewesen sein. Aber man muss doch ein wenig realistisch bleiben. Nur auf so ein Wort hin das schöne Leben hier aufgeben, mal ehrlich, wer will das denn von uns? Ja, überhaupt, Abram, rief plötzlich einer sehr laut, wer sagt dir denn, dass die Stimme, die du gehört hast, wirklich Gottes Stimme war, vielleicht hast du ja auch nur geträumt. Wo ist denn dein Gott? Vielleicht kann er auch uns das mal sagen.
Und dann erhob sich mein Vater, der mit Abram immer sehr gut ausgekommen ist und sagte: lieber Abram, meinst du wirklich, dass deine Entscheidung richtig ist? Sieh mal, dein Glaube in allen Ehren, aber wir müssen doch einmal ganz realistisch an die Sache herangehen: wir sind Nomaden, wir sind angewiesen darauf, dass wir guten Weiden haben, damit unser Vieh etwas zu fressen hat, und damit auch wir einigermaßen leben können. Die Suche von Nahrung ist unsere Lebensgrundlage. Und hier leben wir doch, so wie wir leben gar nicht schlecht. Jeder hat hier seine Aufgabe, jeder hat hier sein Tun und sein Auskommen, was brauchen wir denn dann noch mehr. Sollen wir uns denn wirklich jetzt so ins Ungewisse begeben, sollen wir jetzt ziellos hinter irgendwelchen Worten hinterherlaufen, die du als Gottesworte zu hören glaubst. Wir laufen doch in die Irre, wenn wir uns auf so etwas verlassen. Ich verlasse mich lieber auf das, was ich sehe und was ich anfassen kann, dann weiß ich, was ich hab. Und es ist ja auch schon gesagt worden: Woher weißt du denn so genau, dass Gott mit dir geredet hat, woher weißt du, dass der Weg, den wir gehen werden ein guter Weg wird? Hier wissen wir, dass es uns gut geht. Hier leben wir sicher unter Freunden. Wenn wir woanders hingehen, leben wir unter Feinden, sicher können wir dann nicht mehr sein. Ich für mein Teil bin dagegen, dass wir gehen!
Viele haben dann meinem Vater zugestimmt, auch sie wollten nicht wegziehen, sie wollten nicht anders leben, nur weil Gott dem Abram eine so merkwürdige Verheißung gegeben hat. Das war ihnen viel zu unsicher. Ich war ja damals noch zu klein, um das beurteilen zu können, aber wenn ich heute so darüber nachdenke, ich glaube, ich wäre damals auch dagegen gewesen. Wir hatten doch alles, was brauchten wir noch anderes.
Da unterbrach ihn David und sagte: Ja wir hatten alles, aber eins, denke ich, das fehlte uns, und das haben wir erst durch Abram gelernt: wirkliches Gottvertrauen. Ich kann das für mich wenigstens so sagen. Damals wäre ich sicherlich auch dagegen gewesen, unser damaliges Leben zu verändern, und ein neues Leben anzufangen. Aber heute ... Es weiß ja niemand, was Abraham gedacht hat und was für Überlegungen er angestellt hat. Er hat ja zu allem geschwiegen und hat es uns auch freigestellt, ob wir mitkommen wollen oder nicht. Ich bin fest davon überzeugt, Abraham konnte damals gar nicht anders. Er war so davon überzeugt, dass Gott ihn angesprochen hat, dass Gott ihm diese große Verheißung gemacht hat, da hat er gar nicht anders gekonnt, als Gottes Weisung zu folgen. Wir haben damals gefragt, war das überhaupt Gottes Stimme, und selbst, die, die das nicht angezweifelt haben, haben dann aber doch gefragt, ob es richtig ist, diesen Weg zu gehen? Wie dein Vater: Müssen wir nicht realistisch sein? hat er gefragt. Abrahams Gott vertrauen, das war uns eigentlich zu unsicher. Allein auf Gottes Wort hin neue Lebenswege zu gehen, das war uns eigentlich zu ungewiss, da wollte man lieber so weiterleben wie bisher. Bei Abraham war das ganz anders. Weil er so von Gott überzeugt war, weil er davon überzeugt war, dass Gottes Wort gilt, auch wenn er es im ersten Moment nicht nachprüfen konnte, deshalb hat er sich darauf eingelassen, weil er Vertrauen hatte in Gottes Wort und sich eben nicht nur auf sich selbst verlassen hat. Deshalb hat er für sich und dann ja auch unsere ganze Sippe ein neues Leben angefangen.
Ja, sagte dann Schalif, ich glaube das stimmt mit dem Gottvertrauen. Abraham hat nur auf Gottes Wort hin sein Leben geändert, er hat nur auf das Wort der Verheißung hin einen ganz neuen Weg eingeschlagen, ohne eigentlich genau zu wissen, worauf alles hinauslaufen würde. Er hat dem Wort vertraut, dass Gott ihn segnen wird, er hat darauf vertraut, dass Gott seine Wege begleitet und zum Guten führt.
Obwohl man ja im Nachhinein sagen muss, es war nach außen hin nicht immer ein gutes Leben: neben guten Zeiten, mit gutem Lebensunterhalt und anwachsendem Reichtum, gab es auch schwierige Zeiten, erinnere dich nur an die Hungersnot, wo wir nach Ägypten mussten, oder an die kriegerischen Auseinandersetzungen als Lot, der Neffe des Abraham, aus Sodom und Gomorrah — entführt wurde oder als wir Lot und seine Familie dann später aus Sodom und Gomorra herausholen mussten. Oder erinnere dich daran, wie Abraham meinte, er müsse seinen Sohn Isaak opfern, und er in seinem Gottvertrauen dies auch tun wollte, bis Gott selber ihn von diesem Ansinnen zurückgehalten hat. Nein ehrlich einfach war das wirklich nicht. Aber darauf hat Abraham gar nicht gesehen. Er hat in all den schwierigen Lagen seinen Glauben nicht verloren, immer wieder war er bereit, Gott recht zu geben, seiner Verheißung für sein Leben zu glauben. Und so war er immer dankbar für alles, was er aus Gottes Hand empfangen hatte. Er hat Gottes Segen in seinem Leben immer wahrgenommen und hat dann aus dieser Dankbarkeit heraus auch an vielen Orten einen Altar aufgestellt. Diese Dankbarkeit hat mir auch immer imponiert. Ich gehe über vieles hinweg, wofür ich eigentlich dankbar sein könnte. Abraham hatte immer ein Gespür dafür, wo er Gottes segensreiches Wirken empfangen hat und er hat das dann auch gezeigt. Ich glaube, das hing mit seinem tiefen Gottvertrauen zusammen.
Nach einer längeren Pause ergriff David wieder das Wort: Weißt du, Schalif, wenn ich so darüber nachdenke, was Abraham von der Verheißung Gottes gesagt hat, dass aus Abraham ein großes Volk werden soll, ich glaube, das war gar nicht so sehr auf die leibliche Nachkommenschaft des Abraham gemünzt. Darauf kam es gar nicht an. Ich denke, das ist viel mehr auf die geistliche Nachkommenschaft ausgerichtet. Abraham ist doch für uns alle irgendwie ein Vater im Glauben und wir sind seine Söhne, wenn auch wir ein solches Gottvertrauen entwickeln, wenn wir solch ein Bewusstsein für Gottes Segen in unserem Leben entwickeln und auch seine Dankbarkeit gegenüber Gott leben würden. Darin liegt doch die Verheißung für uns alle. Und selbst wenn es schwer ist, diesen Vater und seinen Glauben zu erreichen, ein Vorbild für unseren Glauben ist er doch für uns allemal. Oder? Amen. Und der Friede Gottes ....

 

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied:288,1-5
Psalm
Eingangsliturgie
Gebet
Vater im Himmel, du bist der Gott, der mitgeht. Jeden Schritt, den wir tun, kennst du. So bitten wir dich: Mache uns Mut für die Wege, die du uns führst. Hilf uns, das alte hinter uns zu lassen und dem Neuen getrost entgegen zu gehen. Wissend und vertrauend,
dass du uns nicht verlässt. Das bitten wir dich, der du von Ewigkeit zu Ewigkeit mit deinem Sohn und dem Hl. Geist
lebst und unsere Welt regierst.
Lesung
Lied 369,1-3+7
Lesung 1 Mose 12, 1-4a
Glaubensbekenntnis
Lied 311,1-3
Predigt
Lied 395, 1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vater im Himmel, Du willst uns segnen und wir sollen ein Segen sein.
Lass uns diese Aufgabe immer wieder neu sehen im Vertrauen auf deine Güte. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten, dich lass uns segensreich wirken, wo Menschen nicht miteinander klar kommen. Hilf uns, Gegensätze zu überwinden und das Miteinander zu fördern. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, für die Menschen im Nahen Osten. Wieder sprechen die Waffen statt die Menschen. Wir gedenken der Opfer dieser Gewalt und all derer die in Angst und Sorge um sich und ihre Angehörigen sind. Führe du die Menschen auf den Weg zum Frieden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen in unseren Ortschaften, die in Not sind, die unter Bedrückungen leiden. Hilf ihnen, darin nicht unter zu gehen. Hilf uns ihnen beizustehen und lass dadurch dein liebevolles Angesicht über diesen Menschen leuchten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Uns öffne die Augen für dein segensreiches Wirken, lass uns erkennen, wie sehr du uns jeden Tag aufs Neue begleitest in unserem Leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und 
Klein Elbe
Samstag 15. 7. 2006
Liturgischer
Ablauf
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