| Predigt | AT |
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Es sind nur vier Verse, die uns heute vorgelegt werden. Aber es sind ungeheuer spannende Verse, wie ich finde. Man kann diese Geschichte unter sehr vielen Blickwinkeln betrachten und immer bietet sie etwas, das interessant und stärkend ist. Schauen wir zunächst einmal darauf, wo der Text innerhalb der Bibel steht. Die Kapitel 1-11 des 1. Buches Mose bezeichnet man als die Urgeschichte. Die Schöpfung wird erzählt, wir hören von Adam und Eva, vom Sündenfall, von der Sündenflut und der Rettung des Noah und seiner Familie. Und zum Schluss dieser Erzählungen des Urmenschlichen hören wir von dem Wunsch der Menschen immer höher hinaus zu wollen, z.B. beim Turmbau zu Babel. Ein Stammbaum schafft dann den Übergang von der Urgeschichte zum Anfang des Volkes Israel. Gott wagt einen neuen, ganz anderen Anfang. Er wählt einen Menschen aus, um aus ihm das Volk Gottes entstehen zu lassen. Es beginnt die Geschichte des Volkes Israel. Abraham der Urvater dieses Volkes, der Urvater der jüdischen Religion, des jüdisch-christlichen Glaubens, aber wie wir noch hören werden, auch des muslimischen Glauben. In seinem Leben und in seiner Bedeutung ist er aber nicht nur eine Figur der Geschichte des Volkes Israel, sondern eben auch Mensch in Beziehung zu Gott und insofern ist er als Urvater des Glaubens auch Bild der Glaubenserfahrungen von Menschen. Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters. In unserer Erzählung ist dies ein Wort, das Gott an Abraham richtet. Im menschlichen Leben ist dies eine ganz tiefgreifende Lebenserfahrung. Denn dieses Verlassen von Heimat gehört ja zum menschlichen Leben dazu. Es ist ein grundlegender pubertärer Akt, dass wir zu unserem eigenen Leben nur finden, wenn wir das Haus des Vaters, der Mutter verlassen, wenn wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen. Natürlich nehmen wir immer ganz viel mit von dem, was wir zuhause gelernt haben, was uns beeinflusst hat, durch Erziehung und Vorbild. Ja es ist ja auch so, dass das Über-Ich, das uns innerlich begleitet, sehr geprägt ist von der elterlichen Beziehung. Doch je mehr das Über-Ich uns fest hält, desto weniger kann unser eigenes Ich sich entfalten. Geht aus dem Haus deines Vaters - geh deinen eigenen Weg, geh den Weg deines Lebens. Das ist Ermutigung sich in seinem Leben nicht an andere zu klammern, nicht Vorgaben zu erfüllen, sondern nach dem Eigenen zu suchen, nach dem was die Besonderheit und der Individualität des eigenen Ichs ausmacht. Und das können wir nur, wenn wir uns ablösen von dem, was uns festhält, was uns einbezieht in ein anderes Leben. Nur wer da herausgeht, hat die Chance das eigene Ich zu finden. Da zog Abraham aus, wie ihm der Herr gesagt hatte. Ein ganz kurzer Satz, der hier den Anfang des neuen Lebensweges von Abraham und seiner Familie aufzeigt. Ich hätte gerne mehr gehört von den inneren Auseinandersetzungen von Abraham. Er war bereits 75 Jahre alt. Was hat ihn bewegt an diesem Tag, als er diese Worte gehört hatte und dies dann ja auch seiner Familie und der Sippe mitgeteilt hat. Was ging da in ihm vor? Welche Ängste hatte er? welche Selbstzweifel begleiteten ihn? Man vergleicht das ja gerne mit sich selber. Wäre ich einfach gegangen? Wie war das bei ihren Aufbrüchen im Leben? Wie war das, als Sie fest geformte Lebensumstände verlassen mussten, um etwas neues zu beginnen, um das eigene Leben in die Hand zu nehmen? Da gibt es ja ganz verschiedene Erfahrungen im Leben. Der Weg in die Lehre an fremdem Ort. Der brutale Rausschmiss aus der Heimat während des Krieges. Der Weg in den Krieg. Erfahrungen der älteren Generation. Oder die ersten pubertären Ablösungsprozesse. Das erst mal weg von Zuhause für längere Zeit. Die erste eigene Wohnung. Heirat und hineinkommen in eine fremde Lebenswelt. Trennung, Bruch von Beziehung, Neuanfang allein oder mit einem neuen Partner. Es gibt viele solcher Erfahrungen in unserem Leben. Zeiten in denen wir entweder mit Freude und Enthusiasmus in die neue Situation hineingegangen sind, oder mit Angst und Sorge, Befürchtungen und Lebensangst. Auch heute noch gibt es viele Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil Krieg und Tod sie bedroht, weil Hunger und wirtschaftliche Not sie treibt. Und manche machen sich auf, weil sie woanders ein besseres Leben erhoffen. Für einen Weg ins eigene Ich, für den Weg in eine neues Leben braucht man einen guten inneren Halt. Für Abraham war es das unerschütterliche Vertrauen zu Gott, das ihn losmarschieren ließ. Sein Lebensweg war letztlich ein Hoffnungs- und Vertrauensweg, den er gegangen ist. Er hat sich eingelassen auf einen Weg, dessen Ziel er nicht so recht wusste, aber er wusste Gott an seiner Seite. Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. So hat Gott zu ihm gesprochen. Auf dem Weg ins neue Leben konnte Abraham mit dieser Verheißung losziehen. Und wir dürfen diese Verheißung auch auf uns beziehen. Auch wir dürfen uns sagen lassen: ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Das ist übrigens auch ein Vers, der gerne als Taufspruch genommen wird. Darin zeigt sich, dass wir durch unsere Taufe mit dieser Verheißung verbunden sind, auch wenn wir einen anderen Taufspruch haben. Gott will mich segnen auf dem Weg, den ich gehe. Wir war, wie ist das auf meinen Lebenswegen gewesen, wie erlebe ich mich und mein Leben heute? War darin Segen sichtbar? Ich denke, es gibt auf dem Weg unseres Lebens vieles, das wir mit Segen in Verbindung bringen können. Segen im Sinne von: hier ist mir etwas geschenkt worden, hier lag in dem, was ich getan habe, Freude und Erfüllung. Es gab Zeiten oder Momente, da war das, was das Leben ausmachte so viel mehr, als das, was vor Augen war. Am meisten spürt man das, wenn man ein Kind in Händen hält. Im Grunde ist es nicht aussagbar, was da geschieht und was es bedeutet. Man muss es auch nicht Worte fassen, aber man kann es annehmen als ein Stück des Segens Gottes. Ebenso wie gelingende Partnerschaft, gute Arbeitsbedingungen, erfüllte Arbeitszeit, erfüllte Freizeit. Es gibt vieles, worin wir dankbar sein können für das, was uns zukommt, inmitten des eigenen Handelns, worin wir Segen erspüren können. Was aber nicht heißt, dass Segensverheißung bedeutet, dass das Leben eine gute, gradlinige Spur hinterlässt. Auch hier hilft der Blick auf das Leben des Abraham. Frei nach Xavier Naidoo muss man wohl sagen: dieser Weg war steinig und schwer. Durch persönliche Angst gab er zweimal seine Frau als seine Schwester aus, die dadurch von fremden Herrschern sexuell bedrängt wurde. Auf dem Weg musste sich die Sippe trennen. Seinem Neffe Lot überließ er die fruchtbareren Gegenden, er selber nahm die trockeneren Gebiete. Familiäre Trennung musste überwunden werden, wirtschaftliche Nachteile in Kauf genommen werden. Auch von kriegerischen Auseinandersetzungen war Abraham nicht verschont. So musste er seinen Neffen Lot aus einer Gefangenschaft einiger Könige befreien. Das größte Problem des Abraham war die Kinderlosigkeit, die das Paar begleitete. Gerade Kinder waren Zeichen des Segens Gottes. Wer keine Kinder hat, hat keinen Segen, so dachten die Menschen damals. Am Anfang wird Abraham eine große Nachkommenschaft verheißen. Doch es tat sich diesbezüglich gar nichts. Ich denke, das war für Abraham eine große Anfechtung das zu erleben. Für Sarah war es eine ungeheure Bedrückung. Die Zeiten waren anders, so schlug Sarah vor, dass Abraham ein Kind mit ihrer Magd haben solle. Um die Nachkommenschaft zu sichern, ging Abraham darauf ein. Hagar wurde schwanger und sie bekam einen Sohn Ismael. Nicht nur dass diese Sohn für Sarah eine tiefe Kränkung war, es gab natürlich den nun offenen Streit zwischen den beiden Frauen. Hagar fühlte sich Sarah überlegen. Keine Familiensituation, die von Harmonie geprägt war. Noch einmal geschah es, dass Boten Gottes zu Abraham kamen, die Nachkommenschaft verheißen haben. Sarah lacht sich hinter der Zeltwand kaputt, weil sie diesen Unsinn nicht mehr hören, geschweige denn glauben kann. Und doch erfüllten sich die Worte die Gott am Anfang gesagt hatte: Abraham und Sarah werden nachkommen haben. Isaak wird geboren. Welch ein Segen. Doch gleichzeitig trübt sich das Leben auch. Denn Ismael und Hagar sind nun im Wege. Die Kinder und die Frauen sind sich nicht grün. Hagar muss gehen und mir ihr Ismael. Sie werden in die Wüste geschickt, bewahrt durch Gottes Handeln. Aus der Nachkommenschaft Ismaels wird das Volk der Araber, die bis heute hin diesen Streit und diese Ablehnung in sich tragen. Der Vertrauensweg des Abraham nimmt seinen Höhepunkt in der Versuchung des Abraham. Er soll Gott seinen Sohn opfern. Gottesbindung steht gegen Sohnesbindung. Eine grausame Vertrauensgeschichte, die da erzählt wird, wenn Abraham mit dem Opferholz auf dem Rücken den Weg zum Opferplatz mit seinem Sohn geht. Das Kind wird natürlich nicht geopfert, weil Gott keine Menschen- und schon gar keine Kindesopfer will. Diesen Lebensweg des Abraham können Sie in der Bibel nachlesen, ab Kapitel 12 des 1. Buches Mose. Kein Leben voller Höhepunkt, kein Leben voller Freude und eitel Sonnenschein. Ein vermutlich ganz normales Leben damaliger Zeit: mit Ängsten und Sorgen, mit Versuchungen und Verwirrungen, mit Zank und Streit, mit Hass und Liebe, mit allem, was menschliches Leben an Auf und Ab so haben kann. Ich find‘s gut, dass es so ein Leben ist. Das ganz normale Leben des Abraham. Und doch ist es ein Vorbild des Glaubenslebens, ein Vorbild des Vertrauens zu Gott. Es zeigt mir, Lass dich ein auf den Weg, den Gott für dich bereit hat. Lass dich ein auf das Leben, das dir entgegenkommt. Es wird kein rosiger Weg sein, kein unumstrittenes Leben. Du wirst an viele schwierige Punkte kommen, manche Umwege machen, manch harte Entscheidung treffen und doch es ist ein vom Segen Gottes begleitetes und erfülltes Leben. Und darauf kommt es an. Segen wird auch in den Tiefen sichtbar, Segen blitzt in der Normalität auf, auch wenn er in den Hochzeiten des Lebens sicher einfacher zu entdecken ist. Abraham macht Mut zum Leben, er macht Mut zu neuen Aufbrüchen, er macht Mut, den Weg weiter zu gehen und Gott die Zukunft anzuvertrauen. Gott will dich segnen. Und du sollst ein Segen sein, hörte Abraham. Ich finde er ist allein dadurch segensreich gewesen, dass er uns sein Gottvertrauen in der Normalität des Lebens gezeigt hat. Darin liegt die Kraft für einen jeden von uns. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 288,1-5 Psalm 73 Eingangsliturgie Gebet
Vater im Himmel, du bist der Gott, der mitgeht. Jeden Schritt, den wir
tun, kennst du. So bitten wir dich: Mache uns Mut für die Wege, die du
uns führst. Hilf uns, das alte hinter uns zu lassen und dem Neuen
getrost entgegen zu gehen. Wissend und vertrauend,
Lied 369,1-3+7 Glaubensbekenntnis
Lied 311,1-3 Fürbittengebet
Vater im Himmel, Du willst uns segnen und wir sollen ein Segen sein. Vaterunser Segenslied Gott segne dich und begleite dich (Jürgen Grote) Segen 163
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