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Psalm 25,5

Heute in diesem Gottesdienst werden unsere neuen Konfirmanden vorgestellt, die am letzten Dienstag ihren Konfirmandenunterricht begonnen haben. Damit sollt ihr auch ein wenig im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes stehen.
Es wird heute vermutlich euer erster bewußter Gottesdienst sein, den ihr mitfeiert. Noch ein wenig unsicher, was da so alles geschieht, unsicher wie das gleich wird, wenn ihr hier vorne steht. Ich denke, der Konfer ist überhaupt etwas, was man nicht so genau einschätzen kann. Von den Eltern und Großeltern hört man, was die früher alles machen mußten. Auswendiglernen noch und nöcher. Lieder, Psalmen, den kleinen Katechismus von Martin Luther. Und das wurde alles abgefragt und wehe man konnte es nicht. Die jüngeren werden erzählen, daß es bei ihnen gar nicht so schlimm war, da war alles schon ein wenig lockerer. Und die vor euch beim Konfer waren, werden hauptsächlich von Tirol erzählen, wie toll es da war, daß das viel Spaß gemacht hat. Der Rest na ja, den haben wir irgendwie hinter uns gebracht. Der Pastor hat da seinen Kram gemacht, hat sich häufiger mal geärgert, war manchmal sogar sehr laut geworden. Aber am Schluß steht ja die Konfirmation und da kann man ja ganz gut absahnen. Also, so wird es wohl bei den meisten sein, dann lohnt es sich ja irgendwie da hinzugehen, auch wenn man nicht so genau weiß, was da alles passiert.
Worum es im Konfer gehen soll, das möchte ich euch hier heute im Gottesdienst sagen. Grundsätzlich einmal möchte ich euch einladen. Ich möchte euch einladen in diesem Jahr gemeinsamer Arbeit, euer eigenes Leben näher kennenzulernen. Ich möchte euch einladen, in die Welt des Glaubens, um das Leben in dieser Welt aus einer ganz bestimmten Perspektive zu sehen: nämlich aus der Perspektive der Bibel, aus der Perspektive Jesu und aus der Perspektive Gottes.
Ich weiß, daß dies zunächst einmal nicht gerade attraktiv ist. Bibel, Jesus und Gott, was soll ich denn damit? Die Erwachsenen meiner Umgebung kümmern sich doch auch nicht darum, warum sollte ich das tun? Kirche, das ist doch so etwas wie die Feuerwehr: es ist gut, daß sie da ist, aber ich nehme sie in der Regel nicht in Anspruch. 
Und doch haben eure Eltern zumindest bei fast allen von euch einen Anfang gemacht:  sie haben euch nämlich getauft. Die meisten von euch waren noch Babys, als eure Eltern diese Entscheidung getroffen haben. Sie haben gesagt, wir möchten, daß unser Kind mit dem christlichen Gott, mit Jesus Christus in Verbindung gebracht wird. Und sie haben versprochen, euch im christlichen Glauben zu erziehen. Mit dem Konfirmandenunterricht lösen wir als Kirche einen Teil unseres Versprechens anläßlich der Taufe ein. Wir wollen euch mit dem Glauben bekannt machen, in dem ihr schon längst seit der Taufe steht.
Ich werde jetzt gleich in Weddingen ein Kind taufen, um auch so einen Anfang mit diesem Kind zu machen, wie bei euch. Bei der Taufe bekommt man immer ein Taufwort mit. Ein Wort aus der Bibel, was das Leben begleiten soll. Dieses Worte möchte ich heute anläßlich eures Beginnes des Konfirmandenunterrichtes bedenken. Es heißt: Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. Denn du bist der Gott, der mir hilft.
Leite mich in deiner Wahrheit, sagt der Beter, der diese Worte einmal gesprochen hat. Leite mich in deiner Wahrheit, das heißt zunächst einmal, wir Menschen brauchen eine Leitschnur für unser Leben, wir brauchen Regeln, damit unser Zusammenleben funktioniert. Als Kinder erleben wir das oft genug als sehr nervend und blöd: die Eltern verbieten uns ständig etwas, zumeist etwas, was wir gerne haben möchten, wo wir meinen, daß wir Spaß haben. Die Eltern aber sehen das anders. Sie sagen Nein, zumeist weil sie die Kinder schützen wollen. Verboten werden Dinge, die gefährlich sind, oder die uns nicht gut tun, oder die eben nicht sein sollen. Kletter nicht auf die Leiter, paß auf, wenn du über die Straße gehst, sei vorsichtig mit dem Messer. Das sind so Regeln, Leitschnüre in Gefahren. Oder: mal die Wände nicht an, hau nicht mit dem Hammer auf den Fernseher, laß das Geschirr nicht fallen. Das gehört deinem Bruder, das geht dich nichts an. Das sind Mutters Sachen, daran hast du nichts zu suchen. So lauten die Ermahnungen, wenn es darum geht, das Miteinander zu regeln. In den allermeisten Fällen geht es nicht um Schikane, sondern darum, daß wir Menschen lernen, im Leben zurecht zu kommen, daß wir lernen, mit anderen Menschen auszukommen, denn wir leben nicht alleine auf dieser Welt.  
Dazu braucht es eben Erziehung, dazu braucht es Anleitung und Hilfe von außen. Ohne dies, wüßten wir im Grunde nicht, wie wir vernünftig miteinander leben könnten. Leitschnüre sind wichtig und die gibt es auch bei euch in euren Gruppen: Spielregeln beim Fußball, beim Straßenhockey, in der Schule, und auch dort, wo ihr zu dritt oder viert im Zimmer hockt. Da geht es auch nicht an, daß einer eure CD-Sammlung einfach mit nach Hause nimmt, oder den CD-Player in Elektronikschrott verwandelt. Die Regel: das gehört dem anderen und das habe ich zu achten, gilt unter euch, wenn ihr als Freunde zusammen seid.
Solche Leitschnüre fürs Leben sehen allerdings überall ein bißchen anders aus. In Familie A darf man bis 10 Uhr aufbleiben, in Familie B muß der Sohn schon um 9 im Bett sein, wegen der Schule. In Familie C darf während des Essens munter aufgestanden werden, jeder beendet das Essen, wann er will, in Familie D gibt es einen gemeinsamen Anfang und ein gemeinsames Ende. In Familie E darf geraucht werden, in Familie F gibt es gewaltigen Ärger, wenn die Eltern das mitbekommen. Und so könnte ich die verschiedensten Dinge aufzählen, wo deutlich wird, daß Leitschnüre des Lebens von Menschen auch unterschiedlich gehandhabt werden. 
Deshalb sagt der Beter: Leite mich in DEINER Wahrheit. Es gibt für das menschliche Leben viele Anschauungen, viele Gedanken darüber, was gut und richtig ist, wie Menschen ihr Leben in dieser Welt verstehen. Für manche spielt der christliche Glaube dabei eine große Rolle, für wieder andere ist er dabei völlig unwichtig. Die einen sagen, Gott ist ein Hirngespinnst der Menschen, die anderen sagen, Gott ist für mich eine ganz wichtige Kraft im Leben und ich glaube, daß er für mich da ist.
Leite mich in deiner Wahrheit, das heißt für mich im Blick auf unseren Konfirmandenunterricht: ich möchte euch mit der Weltsicht des Glaubens in Kontakt bringen. Ihr sollt erleben, wie die Bibel, wie Jesus, wie Menschen über Gott denken, wie sie seine Bedeutung für ihr Leben sehen und es im Leben umsetzen. Ihr müßt das nicht alles gut und richtig finden, wir wollen darüber sprechen, ihr sollt eure Meinung dazu sagen. Ich sage euch: vor Kritik und unangenehmen Frage habe ich keine Angst. Mir ist lieber ihr seid kritisch und befragt mich, als daß ihr teilnahmslos seid. Ich möchte versuchen euch begreiflich zu machen, was es heißt, in der Wahrheit Gottes zu leben, in der Wahrheit dessen, von dem wir glauben, daß er diese Welt und mit ihr uns gewollt hat. Dafür bitte ich euch, in diesem Jahr offen zu sein. Ebenso wie für den weiteren Satz, der da sagt: und lehre mich. 
Wir können unser Leben nicht meistern und begreifen, wenn wir nicht auch auf etwas hören. Schwimmen könnt ihr nicht, weil eure Eltern euch irgendwann ins Wasser geschmissen haben und sie dann gesagt haben: nun sie mal zu. Schwimmen könnt ihr, weil ihr es gelernt habt von anderen. Die Bedienung des Computers muß man auch lernen. Da war jemand, der mir gezeigt hat, so geht es, das sind die ersten Schritte. Sei es daß es das Hilfsprogramm des PC gemacht hat, oder eben ein Freund, der es selber schon gelernt hat. Und auch den Umgang mit Menschen muß man lernen: Sag, Danke und Bitte, so fing es an. Sag guten Tag, man schaut sich an, wenn man miteinander redet, man hört zu, wenn der andere etwas sagen will. Man muß lernen, daß man ein Gespräch nicht mit: du Blödmann beginnt und man muß auch lernen, daß man sich selber zurücknehmen muß, wenn ein anderer in mein Leben tritt.
Lehre mich, Gott, heißt also so viel wie: das Wissen um Gott und darum, wie er das Leben für uns Menschen gedacht hat,  das fällt nicht vom Himmel. Das kommt nicht einfach so in unsere Herzen, sondern damit muß ich mich beschäftigen, darüber muß ich nachdenken, das will in mir arbeiten, bis daraus etwas gutes entsteht, das mein Leben beeinflußt. Wenn der Beter sagt: leite mich in deiner Wahrheit und Lehre mich, dann erhofft er sich davon Hilfe fürs Leben, dann erhofft er sich davon ein besseres Verständnis des Lebens. Dazu möchte ich euch führen und der Konfirmandenunterricht soll seinen Teil zu dieser Führung und Lehre sein. 
Der Vers geht aber noch weiter. Es gibt eine Begründung für den Satz: Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. Denn du bist der Gott, der mir hilft. So sagt der Beter in der Bibel. Gott ist nicht jemand, der weit ist von den Menschen. Gott, so sagen wir Christen, ist sehr nahe bei uns. Er ist da für uns Menschen, er ist uns zugewandt. Im Alten Testament hat Gott sich dem Mose einmal so vorgestellt: Mein Name lautet: ich bin für euch da. Also nicht weit weg, aber doch nicht einfach verfügbar ist er, der Gott, der die Welt in seinen Händen hält. Darum hat Jesus auch den ersten Satz des wohl berühmtesten Gebetes so formuliert: Vater unser im Himmel. Gott als Vater ganz nah, für uns da, und doch weit weg, unverfügbar für menschliches Wollen und Denken.
Dieser Gott gewährt uns Hilfe. Er will, daß wir Menschen gut auf dieser Welt leben können, daß alle Menschen auf dieser Welt gut leben können. Er gibt uns Hilfe dazu, z.B. indem er uns zur Liebe aufruft. Nur Nächstenliebe, zur Feindesliebe. Oder indem er uns sagt, daß die Armen dieser Welt, die Hilfe derer brauchen, die von Gott reich beschenkt worden sind. Aber Gott gewährt uns auch Hilfe, wo wir den schwierigen Seiten des Lebens  begegnen. Der Krankheit, dem Sterben, der Schuld. In all diesen Lebensbereichen bietet er sich an, ist er da, will uns auf den rechten Weg bringen.
Für uns ist dies nicht immer verständlich, Fragen begleiten uns gerade in den Problemzeiten des Lebens. Doch gerade dort macht es sich dann bemerkbar, wie intensiv ich über Gott nachgedacht habe oder wie sehr ich bereit bin, mich von Gott führen zu lassen.
Und da sind wir ehrlich gesagt alle miteinander hier in der gleichen Lage, wir sind eigentlich immer Konfirmanden, also solche, die Gott immer wieder neu suchen, immer wieder neu etwas von ihm erfahren, die immer wieder neu erleben, wie anders doch Gott ist und ein Leben in seiner Gemeinschaft. Das ist auch das Schöne des Glaubens. Den kann man nicht in einem Jahr abhandeln, mit dem hat man das ganze Leben zu tun, mal mehr und mal weniger.
Ich hoffe, daß ihr Konfirmanden genügend Bereitschaft mitbringt, euch auf diesen Weg einzulassen, mit allen Fragen, aber auch allen Hoffnungen, die ihr in euch tragt. Und ich hoffe, daß es mir gelingt, etwas von dem weiterzugeben, was der Beter in sein Bekenntnis gefaßt hat: Du bist der Gott, der mir hilft. Mögen wir alle an diesem Bekenntnis Anteil haben und möge unser aller Glaube sich darin gründen. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Gebet des Tages:
Gütiger Gott.
In deinem Namen sind wir versammelt. Konfirmanden, die einen bewußten Anfang für Ihr Gespräch mir dir setzen wollen. eine Taufgesellschaft, die den Weg mit dir wagen will. Wir, die wir auf dem Weg mit dir sind, und die dich doch immer wieder neu suchen.
Wir bitten dich, sei du um und bei uns. Heute hier in diesem Gottesdienst und jeden weiteren Tag unseres Lebens. Laß uns deiner Gegenwart gewiß werden, auch wenn vieles gegen dich zu sprechen scheint. Mache du deinem Namen ehre: sei für uns da. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Fürbittengebet:
Vater im Himmel!
Auf dem Weg ins Leben brauchen wir deine Hilfe. Du weißt die Wege, die gut für uns sind, du weißt, wie du uns aus Sackgassen herausführen kannst. Darum bitten wir dich sei bei uns, sei um uns. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei dem Täufling, den Eltern und Paten, Freunden und Verwandten.  Begleite sie und gib ihnen genügend Kraft und Phantasie für ihre Aufgaben an dem Kind. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei den Konfirmanden, die sich auf den Weg machen, dich zu entdecken. So vieles liegt an ihrem Weg, interessantes, das verlockender ist, einfachere Weg, als nach dir zu fragen. Hilf uns, zu hören, hilf uns deine Wahrheit zu erkennen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei den Eltern und allen, die die Konfirmanden begleiten. Laß ihre Worte und Taten gute Worte und Taten für die Konfirmanden sein, laß uns gute Vorbilder des Lebens im Glauben sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei uns allen, die wir den Weg des Lebens gehen. Hilf uns die Unwegbarkeiten zu meistern, hilf uns Steine zu überwinden, Durststrecken zu durchstehen, hilf uns Vertrauen zu haben an allen Stationen unseres Lebensweges. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, laß die Wahrheit deiner Güte über uns allen aufgehen, mach uns bereit zum hören und handeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser

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Die Predigt wurde gehalten in
Immenrode
  Rogate - Vorstellungs-
gottesdienst der neuen Konfirmanden
17.05.1998
Liturgischer
Ablauf
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