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Heute in diesem Gottesdienst werden unsere neuen Konfirmanden vorgestellt,
die am letzten Dienstag ihren Konfirmandenunterricht begonnen haben. Damit
sollt ihr auch ein wenig im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes stehen.
Es wird heute vermutlich euer erster bewußter Gottesdienst sein,
den ihr mitfeiert. Noch ein wenig unsicher, was da so alles geschieht,
unsicher wie das gleich wird, wenn ihr hier vorne steht. Ich denke, der
Konfer ist überhaupt etwas, was man nicht so genau einschätzen
kann. Von den Eltern und Großeltern hört man, was die früher
alles machen mußten. Auswendiglernen noch und nöcher. Lieder,
Psalmen, den kleinen Katechismus von Martin Luther. Und das wurde alles
abgefragt und wehe man konnte es nicht. Die jüngeren werden erzählen,
daß es bei ihnen gar nicht so schlimm war, da war alles schon ein
wenig lockerer. Und die vor euch beim Konfer waren, werden hauptsächlich
von Tirol erzählen, wie toll es da war, daß das viel Spaß
gemacht hat. Der Rest na ja, den haben wir irgendwie hinter uns gebracht.
Der Pastor hat da seinen Kram gemacht, hat sich häufiger mal geärgert,
war manchmal sogar sehr laut geworden. Aber am Schluß steht ja die
Konfirmation und da kann man ja ganz gut absahnen. Also, so wird es wohl
bei den meisten sein, dann lohnt es sich ja irgendwie da hinzugehen, auch
wenn man nicht so genau weiß, was da alles passiert.
Worum es im Konfer gehen soll, das möchte ich euch hier heute
im Gottesdienst sagen. Grundsätzlich einmal möchte ich euch einladen.
Ich möchte euch einladen in diesem Jahr gemeinsamer Arbeit, euer eigenes
Leben näher kennenzulernen. Ich möchte euch einladen, in die
Welt des Glaubens, um das Leben in dieser Welt aus einer ganz bestimmten
Perspektive zu sehen: nämlich aus der Perspektive der Bibel, aus der
Perspektive Jesu und aus der Perspektive Gottes.
Ich weiß, daß dies zunächst einmal nicht gerade attraktiv
ist. Bibel, Jesus und Gott, was soll ich denn damit? Die Erwachsenen meiner
Umgebung kümmern sich doch auch nicht darum, warum sollte ich das
tun? Kirche, das ist doch so etwas wie die Feuerwehr: es ist gut, daß
sie da ist, aber ich nehme sie in der Regel nicht in Anspruch.
Und doch haben eure Eltern zumindest bei fast allen von euch einen
Anfang gemacht: sie haben euch nämlich getauft. Die meisten
von euch waren noch Babys, als eure Eltern diese Entscheidung getroffen
haben. Sie haben gesagt, wir möchten, daß unser Kind mit dem
christlichen Gott, mit Jesus Christus in Verbindung gebracht wird. Und
sie haben versprochen, euch im christlichen Glauben zu erziehen. Mit dem
Konfirmandenunterricht lösen wir als Kirche einen Teil unseres Versprechens
anläßlich der Taufe ein. Wir wollen euch mit dem Glauben bekannt
machen, in dem ihr schon längst seit der Taufe steht.
Ich werde jetzt gleich in Weddingen ein Kind taufen, um auch so einen
Anfang mit diesem Kind zu machen, wie bei euch. Bei der Taufe bekommt man
immer ein Taufwort mit. Ein Wort aus der Bibel, was das Leben begleiten
soll. Dieses Worte möchte ich heute anläßlich eures Beginnes
des Konfirmandenunterrichtes bedenken. Es heißt: Leite mich in deiner
Wahrheit und lehre mich. Denn du bist der Gott, der mir hilft.
Leite mich in deiner Wahrheit, sagt der Beter, der diese Worte einmal
gesprochen hat. Leite mich in deiner Wahrheit, das heißt zunächst
einmal, wir Menschen brauchen eine Leitschnur für unser Leben, wir
brauchen Regeln, damit unser Zusammenleben funktioniert. Als Kinder erleben
wir das oft genug als sehr nervend und blöd: die Eltern verbieten
uns ständig etwas, zumeist etwas, was wir gerne haben möchten,
wo wir meinen, daß wir Spaß haben. Die Eltern aber sehen das
anders. Sie sagen Nein, zumeist weil sie die Kinder schützen wollen.
Verboten werden Dinge, die gefährlich sind, oder die uns nicht gut
tun, oder die eben nicht sein sollen. Kletter nicht auf die Leiter, paß
auf, wenn du über die Straße gehst, sei vorsichtig mit dem Messer.
Das sind so Regeln, Leitschnüre in Gefahren. Oder: mal die Wände
nicht an, hau nicht mit dem Hammer auf den Fernseher, laß das Geschirr
nicht fallen. Das gehört deinem Bruder, das geht dich nichts an. Das
sind Mutters Sachen, daran hast du nichts zu suchen. So lauten die Ermahnungen,
wenn es darum geht, das Miteinander zu regeln. In den allermeisten Fällen
geht es nicht um Schikane, sondern darum, daß wir Menschen lernen,
im Leben zurecht zu kommen, daß wir lernen, mit anderen Menschen
auszukommen, denn wir leben nicht alleine auf dieser Welt.
Dazu braucht es eben Erziehung, dazu braucht es Anleitung und Hilfe
von außen. Ohne dies, wüßten wir im Grunde nicht, wie
wir vernünftig miteinander leben könnten. Leitschnüre sind
wichtig und die gibt es auch bei euch in euren Gruppen: Spielregeln beim
Fußball, beim Straßenhockey, in der Schule, und auch dort,
wo ihr zu dritt oder viert im Zimmer hockt. Da geht es auch nicht an, daß
einer eure CD-Sammlung einfach mit nach Hause nimmt, oder den CD-Player
in Elektronikschrott verwandelt. Die Regel: das gehört dem anderen
und das habe ich zu achten, gilt unter euch, wenn ihr als Freunde zusammen
seid.
Solche Leitschnüre fürs Leben sehen allerdings überall
ein bißchen anders aus. In Familie A darf man bis 10 Uhr aufbleiben,
in Familie B muß der Sohn schon um 9 im Bett sein, wegen der Schule.
In Familie C darf während des Essens munter aufgestanden werden, jeder
beendet das Essen, wann er will, in Familie D gibt es einen gemeinsamen
Anfang und ein gemeinsames Ende. In Familie E darf geraucht werden, in
Familie F gibt es gewaltigen Ärger, wenn die Eltern das mitbekommen.
Und so könnte ich die verschiedensten Dinge aufzählen, wo deutlich
wird, daß Leitschnüre des Lebens von Menschen auch unterschiedlich
gehandhabt werden.
Deshalb sagt der Beter: Leite mich in DEINER Wahrheit. Es gibt für
das menschliche Leben viele Anschauungen, viele Gedanken darüber,
was gut und richtig ist, wie Menschen ihr Leben in dieser Welt verstehen.
Für manche spielt der christliche Glaube dabei eine große Rolle,
für wieder andere ist er dabei völlig unwichtig. Die einen sagen,
Gott ist ein Hirngespinnst der Menschen, die anderen sagen, Gott ist für
mich eine ganz wichtige Kraft im Leben und ich glaube, daß er für
mich da ist.
Leite mich in deiner Wahrheit, das heißt für mich im Blick
auf unseren Konfirmandenunterricht: ich möchte euch mit der Weltsicht
des Glaubens in Kontakt bringen. Ihr sollt erleben, wie die Bibel, wie
Jesus, wie Menschen über Gott denken, wie sie seine Bedeutung für
ihr Leben sehen und es im Leben umsetzen. Ihr müßt das nicht
alles gut und richtig finden, wir wollen darüber sprechen, ihr sollt
eure Meinung dazu sagen. Ich sage euch: vor Kritik und unangenehmen Frage
habe ich keine Angst. Mir ist lieber ihr seid kritisch und befragt mich,
als daß ihr teilnahmslos seid. Ich möchte versuchen euch begreiflich
zu machen, was es heißt, in der Wahrheit Gottes zu leben, in der
Wahrheit dessen, von dem wir glauben, daß er diese Welt und mit ihr
uns gewollt hat. Dafür bitte ich euch, in diesem Jahr offen zu sein.
Ebenso wie für den weiteren Satz, der da sagt: und lehre mich.
Wir können unser Leben nicht meistern und begreifen, wenn wir
nicht auch auf etwas hören. Schwimmen könnt ihr nicht, weil eure
Eltern euch irgendwann ins Wasser geschmissen haben und sie dann gesagt
haben: nun sie mal zu. Schwimmen könnt ihr, weil ihr es gelernt habt
von anderen. Die Bedienung des Computers muß man auch lernen. Da
war jemand, der mir gezeigt hat, so geht es, das sind die ersten Schritte.
Sei es daß es das Hilfsprogramm des PC gemacht hat, oder eben ein
Freund, der es selber schon gelernt hat. Und auch den Umgang mit Menschen
muß man lernen: Sag, Danke und Bitte, so fing es an. Sag guten Tag,
man schaut sich an, wenn man miteinander redet, man hört zu, wenn
der andere etwas sagen will. Man muß lernen, daß man ein Gespräch
nicht mit: du Blödmann beginnt und man muß auch lernen, daß
man sich selber zurücknehmen muß, wenn ein anderer in mein Leben
tritt.
Lehre mich, Gott, heißt also so viel wie: das Wissen um Gott
und darum, wie er das Leben für uns Menschen gedacht hat, das
fällt nicht vom Himmel. Das kommt nicht einfach so in unsere Herzen,
sondern damit muß ich mich beschäftigen, darüber muß
ich nachdenken, das will in mir arbeiten, bis daraus etwas gutes entsteht,
das mein Leben beeinflußt. Wenn der Beter sagt: leite mich in deiner
Wahrheit und Lehre mich, dann erhofft er sich davon Hilfe fürs Leben,
dann erhofft er sich davon ein besseres Verständnis des Lebens. Dazu
möchte ich euch führen und der Konfirmandenunterricht soll seinen
Teil zu dieser Führung und Lehre sein.
Der Vers geht aber noch weiter. Es gibt eine Begründung für
den Satz: Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich. Denn du bist der
Gott, der mir hilft. So sagt der Beter in der Bibel. Gott ist nicht jemand,
der weit ist von den Menschen. Gott, so sagen wir Christen, ist sehr nahe
bei uns. Er ist da für uns Menschen, er ist uns zugewandt. Im Alten
Testament hat Gott sich dem Mose einmal so vorgestellt: Mein Name lautet:
ich bin für euch da. Also nicht weit weg, aber doch nicht einfach
verfügbar ist er, der Gott, der die Welt in seinen Händen hält.
Darum hat Jesus auch den ersten Satz des wohl berühmtesten Gebetes
so formuliert: Vater unser im Himmel. Gott als Vater ganz nah, für
uns da, und doch weit weg, unverfügbar für menschliches Wollen
und Denken.
Dieser Gott gewährt uns Hilfe. Er will, daß wir Menschen
gut auf dieser Welt leben können, daß alle Menschen auf dieser
Welt gut leben können. Er gibt uns Hilfe dazu, z.B. indem er uns zur
Liebe aufruft. Nur Nächstenliebe, zur Feindesliebe. Oder indem er
uns sagt, daß die Armen dieser Welt, die Hilfe derer brauchen, die
von Gott reich beschenkt worden sind. Aber Gott gewährt uns auch Hilfe,
wo wir den schwierigen Seiten des Lebens begegnen. Der Krankheit,
dem Sterben, der Schuld. In all diesen Lebensbereichen bietet er sich an,
ist er da, will uns auf den rechten Weg bringen.
Für uns ist dies nicht immer verständlich, Fragen begleiten
uns gerade in den Problemzeiten des Lebens. Doch gerade dort macht es sich
dann bemerkbar, wie intensiv ich über Gott nachgedacht habe oder wie
sehr ich bereit bin, mich von Gott führen zu lassen.
Und da sind wir ehrlich gesagt alle miteinander hier in der gleichen
Lage, wir sind eigentlich immer Konfirmanden, also solche, die Gott immer
wieder neu suchen, immer wieder neu etwas von ihm erfahren, die immer wieder
neu erleben, wie anders doch Gott ist und ein Leben in seiner Gemeinschaft.
Das ist auch das Schöne des Glaubens. Den kann man nicht in einem
Jahr abhandeln, mit dem hat man das ganze Leben zu tun, mal mehr und mal
weniger.
Ich hoffe, daß ihr Konfirmanden genügend Bereitschaft mitbringt,
euch auf diesen Weg einzulassen, mit allen Fragen, aber auch allen Hoffnungen,
die ihr in euch tragt. Und ich hoffe, daß es mir gelingt, etwas von
dem weiterzugeben, was der Beter in sein Bekenntnis gefaßt hat: Du
bist der Gott, der mir hilft. Mögen wir alle an diesem Bekenntnis
Anteil haben und möge unser aller Glaube sich darin gründen. Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Gebet des Tages:
Gütiger Gott.
In deinem Namen sind wir versammelt. Konfirmanden, die einen bewußten
Anfang für Ihr Gespräch mir dir setzen wollen. eine Taufgesellschaft,
die den Weg mit dir wagen will. Wir, die wir auf dem Weg mit dir sind,
und die dich doch immer wieder neu suchen.
Wir bitten dich, sei du um und bei uns. Heute hier in diesem Gottesdienst
und jeden weiteren Tag unseres Lebens. Laß uns deiner Gegenwart gewiß
werden, auch wenn vieles gegen dich zu sprechen scheint. Mache du deinem
Namen ehre: sei für uns da. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren
Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von
Ewigkeit zu Ewigkeit.
Fürbittengebet:
Vater im Himmel!
Auf dem Weg ins Leben brauchen wir deine Hilfe. Du weißt die
Wege, die gut für uns sind, du weißt, wie du uns aus Sackgassen
herausführen kannst. Darum bitten wir dich sei bei uns, sei um uns.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei dem Täufling, den Eltern und Paten, Freunden und Verwandten.
Begleite sie und gib ihnen genügend Kraft und Phantasie für ihre
Aufgaben an dem Kind. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei den Konfirmanden, die sich auf den Weg machen, dich zu entdecken.
So vieles liegt an ihrem Weg, interessantes, das verlockender ist, einfachere
Weg, als nach dir zu fragen. Hilf uns, zu hören, hilf uns deine Wahrheit
zu erkennen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei den Eltern und allen, die die Konfirmanden begleiten. Laß
ihre Worte und Taten gute Worte und Taten für die Konfirmanden sein,
laß uns gute Vorbilder des Lebens im Glauben sein. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Sei bei uns allen, die wir den Weg des Lebens gehen. Hilf uns die Unwegbarkeiten
zu meistern, hilf uns Steine zu überwinden, Durststrecken zu durchstehen,
hilf uns Vertrauen zu haben an allen Stationen unseres Lebensweges. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich, laß die Wahrheit deiner Güte über
uns allen aufgehen, mach uns bereit zum hören und handeln. Darum rufen
wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
oben
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