| Predigt |
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Höre! Wenn sie dies so hören, werden Sie vermutlich in die Kindheit versetzt. Der gestrenge Ton der Eltern oder einer anderen Autoritätsperson klingt da mit durch. Es verheißt auch leider meist nichts Gutes, wenn man in solch einem Tod angesprochen wird. Es ist etwas Ernstes, was hier auf einen zukommt. Entweder man hat etwas verbrochen und nun muss man die Konsequenzen ziehen oder es ist etwas sehr eindringliches, was einem da gesagt wird, etwas, was wirklich wichtig ist. Ich denke, in letzterem Sinne ist der Text gemeint, der uns am heutigen Morgen zur Auslegung aufgegeben ist. "Höre, Israel ..." Höre, du Volk Gottes. Mit diesen Worten beginnt das jüdische Glaubensbekenntnis. Es ist anders als unser christliches Glaubensbekenntnis. In unserem sind grundlegende Glaubensgedanken zusammengefasst, auf die sich die Christen der ersten Jahrhunderte verständigt haben und die bis heute gesprochen werden, um sich dieser Grundlage immer wieder neu zu versichern. (In der Taufe heute haben wir sie z.B. gesprochen, um deutlich zu machen, was uns verbindet und welcher Glaube es ist, in den hinein wir Sarah nehmen.) Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Genauer müsste man sagen: der Herr ist einzig. Der Herr, das ist in der deutschen Übersetzung die Übertragung des Gottesnamens Jahwe, der aber von den Juden so heilig gehalten wird, dass er nicht ausgesprochen wird, sondern in das Wort Herr gefasst wird. Jahwe ist unser Gott. Damals war das wichtig dies zu betonen in einer Welt, die voller Götter war. Das Land Kanaan war für seine Vielgötterei berühmt, für alles und jedes hatte man einen Gott. Die jüdische Religion setzte sich davon ab und sagte: es gibt nur einen Gott, den Gott Jahwe, der als Schöpfer dieser Welt gegenübersteht. Es ist der Gott, der Abraham auf seinem Weg ins gelobte Land begleitet hat, es ist der Gott, der Mose half, das unterdrückte Volk in eine neue Freiheit zu führen. Es ist der Gott, der von sich sagte: mein Name ist: ich bin für euch da. Und dieser eine Gott ist der Lebenshalt für das Volk Gottes, das sich von diesem Gott angesprochen und auserwählt weiß. Höre Israel, höre du Volk Gottes, dieser Gott ist unser Gott, dieser Gott allein, er ist einzig. Neben ihm gibt es keine Götter – auch wenn der Mensch auf dieser Welt so manch anderes vergöttert und das nicht nur 2000 Jahre vor der Zeitrechnung, sondern auch 2000 Jahre danach. Gott ist einzig, nichts hat daneben die Kraft und die Macht Gott zu sein, auch wenn wir Menschen so manches zum Gott machen, in dem wir es in den Mittelpunkt der Welt und des Lebens stellen: sei es so etwas benales wie den Fußball, der religiöse Züge hat, oder wie es gestern in der Zeitung als Überschrift stand: die neue Religion heißt Gesundheit. In Diktaturen werden die Führer wie Götter behandelt, in der Marktwirtschaft ist es der Gewinn, das Wirtschaftswachstum, was manchmal unkritisch vergöttert und angebetet wird. Woran dein Herz hängt, was dich im Leben fest und gefangen hält, das ist dein Gott, hat Luther einmal gesagt. Und da gibt es vieles, woran wir Menschen uns im Leben festhalten, wo wir meinen, dass wir ohne es nicht auskommen. Dagegen macht die Bibel deutlich, all das, was du da vergötterst, das hilft dir nicht in deinem Leben. Wirklich Hilfe erfährst du nur von dem einen Gott, dem Schöpfer und Befreier, der dir mit seinem Wort den Weg im Leben erleichtern will. In den sechst Anweisungen, die benannt werden, wird deutlich, wie diese Hilfe aussehen kann. 1. "Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Die erste Aufforderung ist sicher jene, die uns am meisten herausfordert. Denn sie besagt, dass neben diesem Gott nichts anderes treten soll, das ihm seinen Platz in unserem Leben streitig machen könnte. Das ist im Grunde genommen gar nicht so schwer. Wer sich schon einmal verliebt hat, ahnt, was gemeint ist. Egal, was man denkt, was man gerade tut oder gerade sagt, der bzw. die, den oder die man liebt, ist irgendwie immer dabei. Es vergeht kein Moment, in dem er oder sie Anteil an unserem Leben hat. Man denkt nicht mehr im Ich oder Du, sondern im Wir. Und dieses Hochgefühl dürfen wir auch mit unserem Gott haben. Die Frage ist nur: Lieben wir unseren Gott? Es mag wohl eine Beziehung da sein, ich glaube an Gott, Herr Pastor. Wie oft höre ich den Satz. Aber wo wird dies sichtbar im allgemeinen Leben? Wo wird deutlich, dass die Liebe zu Gott uns bestimmt? Ich meine, wer jemanden liebt, dem muss doch das, was dieser Person wichtig und kostbar ist, heilig sein - und damit entsprechend umgehen! Und was tun wir Menschen? Wir beuten diesen Planeten aus, fische die Ozeane leer, jagen eine Tierart nach der anderen zu Tode, plündern die Schätze der Erde und nehme sie den eigenen Kindern und hinterlassen ihnen eine ausgeplünderte und verseuchte Welt. Und auch wenn es bei uns friedlich zugeht, so muss man doch sehen, dass an Gott glaubende Menschen aufeinander losgehen und sich tot schlagen. Kann das ein Leben sein, das aus der Liebe zum Schöpfer und Erretter heraus lebt? Was haben wir für einen Gott vor Augen, das wir in dieser Weise in der Welt handeln, auch als getaufte Christen? Von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all unserer Kraft sollen wir diese Liebesbeziehung leben, sagt die Bibel. Und sie sagt das nicht, weil wir uns seine Liebe dadurch verdienen, sondern umgekehrt, weil Gott uns Menschen mit ganzem Herzen, mit seinem tiefsten Innern und mit all seiner Kraft zugewandt ist, deshalb ist es doch nur recht und billig, dass auch wir ihm diese Zuwendung angedeihen lassen, dass wir uns von ihm leiten lassen in unserem Leben, in dem was wir tun und lassen, was wir reden und handeln. Höre Israel, es gibt nur diesen einen Gott. Wenn du dich von ihm abwendest, kannst du nichts gewinnen, du kannst nur verlieren. Zeigt der Zustand der Welt nicht, wie sehr wir ein Leben bräuchten, das mehr an dem ausgerichtet ist, was Gott für das Leben in der Welt gewollt hat? Die Liebe zu Gott könnte vieles frei setzen, was hilfreich ist für diese Welt. Nur sind da leider immer wieder andere Kräfte, die an uns ziehen und zerren und die wir für wichtiger erachten, als die Worte, die uns da vom lebendigen Gott überliefert sind. Aber genau deshalb erinnert das Glaubensbekenntnis des Alten Bundes auch uns an daran, diese Gottesbeziehung lebendig zu halten. Darum auch die verschiedenen Anweisungen, die damit verbunden sind. Die zweite lautet: "Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen." Der Glaube ist eine Herzensangelegenheit. Viele versuchen mit der Vernunft Gott zu begegnen, ihm dann auch sein Existensrecht zu nehmen. Nur geht dies an dem vorbei, was den Glauben ausmacht. Der Glaube steht der Vernunft gegenüber, was nicht heißt, dass er dadurch unvernünftig wird. Doch die Vernunft, unser Denken und Handeln wird durch den Glauben verändert. Wenn ich Gott als Gegenüber sehe, wird die Welt eine andere. Die Naturgesetze bleiben, die können und müssen wir nicht in Frage stellen, aber wie wir damit umgehen, wie wir mit den Möglichkeiten umgehen, die wir als Menschen haben, das liegt daran, was mein Herz bestimmt. Ist es das rücksichtslose menschliche Streben oder ist es die Verantwortung vor dem, der dies geschaffen hat und für die Zukunft bestimmt hat. Sehr ich die Welt nur aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel oder sehe ich sie aus der Sicht dessen, der mich liebt und den ich liebe und dessen Blick mir wichtig ist? Gerade im Umgang mit der Schöpfung ist hier vieles zu entdecken, wo es nicht um den Gegensatz von Glaube und Vernunft geht, sondern um die Frage: was bestimmt in meinem Herzen mein Handeln?
Die dritte Anweisung lautet: "Du sollst diese Worte, die ich dir heute gebiete, deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst." Ein mühseliges Unterfangen, wenn man diese Worte wortwörtlich nimmt. Niemand redet ununterbrochen von Gott und seinem Willen für die Welt. Aber eines ist gewiss richtig, wenn Menschen sagen, dass wir viel zu wenig von dem reden, was uns im Herzen bewegt und was wir glauben in dieser Welt. Der Glaube wird gerne als Privatsache abgetan, als etwas, das andere nichts angeht. Ich würde sagen, dahinter steckt auch das Problem, dass wir die Sprachfähigkeit dafür verloren haben. Wir reden wenig über den Glauben, weil wir unsicher sind, eben weil wir es nicht gelehrt haben, das in Worte zu fassen, was im Herzen ist, was uns da berührt und zutiefst angeht. Wenn wir heute hier die Taufe eines Kindes feiern, dann ist das auch eine Aufforderung, unseren Glauben weiter zu geben in Wort und Taten. Natürlich ist das schwer und es gibt ja auch Fragen von Kindern, die einen lahm legen und auch den Pastor in große Schwierigkeiten bringen. Doch wenn wir nicht über den Glauben reden, wenn wir nicht weitersagen, was uns im Herzen wichtig ist, dann verändert sich auch nichts. Glaube ist keine Privatsache, er ist öffentlich wirksam. Darum ist es gut, wenn wir im Hauptgottesdienst taufen. Wir alle tragen da unsere Verantwortung. wir alle sind gemeint, wenn es heißt: gib deinen Glauben an die Kinder weiter. Zeige ihnen, was wichtig ist im Leben. Darin liegt für mich das, was in dem Psalmwort heißt: Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Wir sind diese Engel, die mit ihren Worten, Gedanken, mit ihrem Vorbild anderen etwas an die Hand geben, wodurch sie behütet die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebensweges gegen können. Geben wir diese Verantwortung nicht an die Flügelwesen ab, wir alle sind da angesprochen. Höre Israel, höre Volk Gottes.
Die letzten drei Anweisungen seinen auch noch kurz angesprochen: "Und du sollst diese Worte, die ich dir heute gebiete, binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore." Es gibt in der jüdischen Religion wirklich solche Dinge, die man um die Hand bindet, als Gebetsschmuck zwischen den Augen und auch hängt in einer frommen jüdischen Wohnung in der Nähe der Haustür eine kleine Schriftrolle mit den Geboten Gottes. Doch ich möchte dies nicht so wörtlich, sondern mehr bildlich verstehen. Binden, merken, schreiben - das sind Tätigkeiten, die etwas mit Verbindlichkeit zu tun haben. So wie Gott sich an uns gebunden hat, so sollen auch wir uns an ihn binden und zu ihm halten. Das hat etwas mit Treue zu tun. Treue verbindet. Treue schafft Verbindlichkeit, sie führt zur Verlässlichkeit. Gott soll sich auf uns verlassen können ... so wie wir uns auf ihn verlassen dürfen. Lass es dir gesagt sein: Der eine Gott ist für dich da. Das halte dir immer vor Augen. Nimm es dir zu Herzen und richte danach dein Leben aus. Das ist das, was uns mit dem alten Glaubensbekenntnis vor Augen geführt wird. Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 501,1-4 Wie lieblich ist der Maien Psalm Eingangsliturgie Gebet Barmherziger, gütiger Gott! Du bist für uns Menschen da, du stehst und zur Seite und willst unser Gott sein. Dafür danken wir dir und bitten dich, lass uns dies nicht aus den Augen verlieren, sondern hilf uns aus der Gemeinschaft zu dir zu leben. Das bitten wir im Namen Jesu, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lesung: 1. Joh 4, 16b-21 Lied: 613,1-3 Lesung: 5. Mose 6, 4-9 Glaubensbekenntnis Lied: 124,1-4 Nun bitten wir den Heiligen Geist Predigt Lied 352,1-3+6 Alles ist an Gottes Segen Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott und Vater! Viele Stimmen reden auf uns ein, viele wollen das Sagen über uns haben. Wir bitten dich, öffne uns die Ohren für deine Stimme, dass wir hören was gut ist für unser Leben und diese Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die dich lieben, dass sie auf ihrem Weg erkennen, wie sehr sie begleitet sind. Lass sie nicht in die Irre gehen und ermutige sie zu einem bewussten Leben mit dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir beten für alle, die es schwer haben mit dir, die kein Vertrauen haben können, dass ihnen Menschen begegnen, die ihnen zeigen können, wie gut ein Leben im Vertrauen auf dich ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir beten für alle, die in den vielen Stimmen des Lebens unterzugehen drohen. Lass dich hören und führe sie zu dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir beten für diejenigen, die in dieser Welt auf der Schattenseite leben müssen, hilf, dass inmitten ihres Dunkels dein Licht aufleuchte. Nimm dazu dein geliebtes Volk in den Dienst, führe uns dazu deine Botschaft lebendig in die Welt zu tragen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für uns Christen, dass wir uns mutig zu dir bekennen und nach deinem Wort leben, auf dass die Kinder dieser Welt hoffnungsvoll nach vorne schauen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser Segen 163
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