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5. Mose 6, 11b-12a

Wenn es euch gut geht und ihr euch satt essen könnt, dann gebt acht, dass ihr nicht den Herrn vergesst!
Ein Taufspruch, der eher selten genommen wird, daher auch mein erstaunter Gesichtsausdruck, als Olaf ihn mir gesagt hat. Das lag aber auch daran, dass ich diesen Spruch zwar auf meiner Liste habe, aber ihn noch nie auszulegen hatte. Das erste Gefühl bei diesem Wort ist zunächst: da ist ein großer Zeigefinger. Gebt acht! – Dass ihr mir ja nicht über die Straße lauft. Geht mit keinem mit! Wehe wenn, ich euch erwische. – Das sind die Sätze, die dann so hoch kommen und die dieses Gefühl des großen Zeigefingers auslösen.
Aber vielleicht kann man den Zeigefinger ja um 90 Grad drehen. Statt so (Finger nach oben) so (Finger als wirklichen „Zeige-Finger“ darstellen). Dann wird aus der etwas bedrohlichen Handhaltung etwas ganz anderes. Schau mal hin, was ich dir zeigen will.
Und dann lohnt es sich, vielleicht auch mal die Sätze drum herum zu hören: Wenn dich nun der HERR, dein Gott, in das Land bringen wird, von dem er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, es dir zu geben - große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser voller Güter, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast -, und wenn du nun isst und satt wirst, so gib acht, dass du nicht den HERRN vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, sondern du sollst dem HERRN, deinem Gott, die Ehre geben, ihm Vertrauen und ihm dienen.
Schau mal hin. Gott sagt: ich gebe dir ein Land, das gefüllt ist mit guten Gütern. Ich gebe dir ein Land, in dem wächst und gedeiht, was du selber nicht angepflanzt hast, wovon du einfach profitieren kannst. Das Paradies ist es nicht gewesen, das Gott hier beschreibt, aber doch ein reiches und fruchtbares Land, das Gott seinem Volk geben will. Ein Land in dem Milch und Honig fließen – so heißt es ganz bildhaft. Und wenn du dort bist, wenn du satt zu essen und zu trinken hast, dann – und hier der Zeigefinger – dann gib acht, dass du den deinen Gott nicht vergisst. Seien wir ehrlich und selbstkritisch: wer denkt schon an Gott, wenn es ihm gut geht. Wenn alles läuft, es keine Probleme gibt, wenn das Leben easy ist, dann ist der Dank an Gott nicht unbedingt nahe. Das ist keine Phänomen heutiger Zeit, das weiß auch die Bibel aus der Zeit vor über 2500 Jahren zu berichten. Der Mensch braucht diesen Hinweis, um zu merken: das Leben ist nicht nur das, was ich mir erarbeite, sondern das ist an vielen, vielen Stellen Geschenk aus anderer Hand.
Und ich denke, das spürt auch ihr als Eltern im Blick auf Phillip. Das zweite Kind, das euch geschenkt wurde. Nehme ich mal seinen Taufspruch, dann steckt da auch für euch etwas drin: euer Leben läuft in guten Bahnen. Ihr habt euch beide, Beruf und Auskommen, wohnt in wunderbarer Umgebung, habt den Julian, der neben ein wenig Arbeit ganz viel Freude bereitet und nun seid ihr auch noch mit einem weiteren, wunderbaren Geschenk gesegnet worden, dem Phillip. Es ist sozusagen genau so, wie der biblische Text es beschreibt: ihr lebt in gutem Land und seid auf einem guten Weg – oder wie es der Text sagt: es geht euch gut und ihr könnt euch satt essen an Leib und Seele.
Die Taufe am heutigen Tage nun ist Ausdruck dessen, dass ihr Gott dabei nicht vergesst. Denn die Taufe hat ja ganz viele Aspekte. Einer ist natürlich, dass wir Phillip in die Gemeinschaft des Glaubens aufnehmen. Er soll dazu gehören. Ein weiteres ist, dass wir ihn der Obhut unseres Gottes anvertrauen wollen. Wir möchten als Eltern gewiss sein, dieses Menschenleben ist eingebunden in den großen Willen Gottes, in seine liebevolle Begleitung. Ich darf wirklich gewiss sein, dass mein Kind gehalten ist vom gütigen Gott, wenn es die Taufe empfangen hat. Er hat es natürlich auch vorher schon gehalten, aber die Taufe macht es noch einmal sinnenfällig. In diesem Ereignis wird es sichtbar und greifbar, dass Gott in diesem Leben mitgeht. Wobei ich immer darauf hinweise, dass die Taufe keine Käseglocke ist, die das Kind vor aller Gefahr schützt. Das wäre schön, wenn das ginge, aber das vermag die Taufe nicht. Die Taufe gibt die Gewissheit, dass der Getaufte wirklich aufs engste mit Gott verbunden und all sein Leben in den gütigen Händen Gottes getragen ist. Und das ist ein ganz wichtiger Gedanke, der zur Taufe dazu gehört.
Und es gehört zur Taufe, dass wir Eltern unsere Lebenssituation vor Augen haben. Taufe hat ganz viel mit Dankbarkeit zu tun. Da ist dieses kleine Kind – ein Produkt zweier liebender Menschen, und doch ganz Geschöpf und Geschenk Gottes. Ihr bringt mit der Taufe zum Ausdruck, dass es nicht selbstverständlich ist, so beschenkt zu sein, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man so leben kann, wie ihr lebt. Hier kommt Dank gegenüber Gott zum Ausdruck, der es euch ermöglicht, so zu leben, der euch einen Lebensraum bietet, den man wirklich – im Blick auf die gesamte Erde gesehen – als einen beschreiben kann, in dem Milch und Honig fließen. Man muss gewiss keine Taufe feiern, um diesen Dank zum Ausdruck zu bringen, das können und sollten wir auch sonst immer wieder tun, aber diese Feier ist ein besonders Ereignis im Leben, das uns dies wieder einmal sehr lebendig vor Augen stellt und deshalb auch teil dieser Feier ist.
Wenn du nun isst und satt wirst, so gib acht, dass du nicht den HERRN vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, sondern du sollst dem HERRN, deinem Gott, die Ehre geben, ihm Vertrauen und ihm dienen.
Gott dem Herrn, die Ehre geben, ihm Vertrauen schenken und ihm dienen, das ist das, was der Taufe zu Grunde liegt. Wir erkennen an, dass Gott jemand ist, der über uns steht, der Bedeutung hat, der wichtig ist fürs Leben. Wir geben ihm nicht die Ehre, weil er ein Position bekleidet, wie Menschen, die ein bestimmtes Amt inne haben. Nein, wir geben ihm die Ehre, weil von ihm etwas für unser Leben ausgeht, das uns hilft, das uns stärkt, das uns in diesem Leben einen festen Stand haben lässt. Wir schenken ihm Vertrauen, weil wir sehen und hören, dass Gott für uns Menschen da sein will, dass er uns seine Hilfe anbietet und uns gut durchs Leben führen kann. Anfang und Ende stehen eben in seiner Hand und das zu wissen, darauf zu bauen, das ist gut und wichtig. Und daraus folgt natürlich auch, dass wir uns von ihm etwas sagen lassen, dass wir unser Leben nach seinem Willen ausrichten, seiner Lebensrichtung folgen wollen und ihm und den Menschen dienen wollen.
Und das, was uns hier trägt und wichtig ist, das wollen wir weiter geben an die Kinder, die wir taufen. Und das ist nicht etwas, was nur die Taufeltern angeht, sondern natürlich uns alle, die wir zur christlichen Gemeinschaft gehören: denn da kommt jemand zu uns, dem wir verpflichtet sind, der uns von Gott her anvertraut ist, damit wir ihm den Weg ins Leben bereiten. Und wir tun das nicht nur, indem wir den Kindern in den äußeren Dingen des Lebens alles zukommen lassen, was uns möglich ist – und seien wir mal ehrlich, das ist bei uns sehr viel mehr als wirklich nötig ist -, sondern es geht auch darum, dass wir unseren Kindern etwas weiter geben von dem Vertrauen, das uns trägt,
von dem Glauben, der uns erfüllt,
von den Zweifeln, die uns begleiten,
von den Fragen, die wir an Gott und das Leben stellen,
von der Hoffnung, die uns trotz aller Bedrückung auch begleitet.
Lasst es den Kindern gut gehen, so gut, wie es einem jedem möglich ist. So möchte ich den Taufspruch von Philipp für uns alle verstehen, aber gebt acht, dass ihr das andere nicht vergesst, dass es auch ganz andere Bereiche des Lebens gibt, die ebenfalls ihre Bedeutung haben und deren Vermittlung durch uns und unser Leben geschieht. So gebt weiter, was euch im Blick auf Gott wichtig ist. Tut das als Eltern, als Paten, als Angehörige und Freunde. Und auch wir als Gemeinde, als Gemeinschaft der Christen wollen das tun,. Wir wollen euch helfen, euren Kindern das mitzugeben, was sie nötig haben für ihr Leben, was sie stärkt und hoffnungsvoll macht. Wir wollen unsern Glauben in ihr Leben tragen, auf dass sie Gott, den gütigen und liebenden nicht vergessen. So ist jeder von uns ein kleiner Stein, der ins Wasser fällt und der dann im Wasser weite Kreise zieht: Kreise der Hoffnung und der Liebe. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Halleluja (J.Grote)
Psalm 24 EG 712
Eingangsliturgie
Gebet
Gütiger Gott!
Wir sind deine Kinder, durch die Taufe hast du uns dazu gemacht. Darüber freuen wir uns und sind dankbar dafür. Denn wir vertrauen darauf, dass wir zu dir gehören.
So hilf uns, im Glauben zu bleiben, aus der Hoffnung zu leben und die Liebe in die Welt zu tragen, auf dass wir Zeugen der Güte und Ehre sind. Das bitten wir ...
Lesung: Jak 5, 7-8
Lied 8, 1-6
Taufe
Glaubensbekenntnis
Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen (J. Grote)
Predigt
Lied: Ins Wasser fällt ein Stein EG NsB 603
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gott unser Vater, wir danken dir für deine Nähe zu uns. Wir danken für unser Leben, das äußerlich gut und reich gesegnet ist, trotzt allem, was den einen oder anderen bedrückt. Vor allem aber danken wir dir für die innere Kraft und Stärke, die wir durch deinen Geist empfangen. Lass sie wirksam sein in uns an jedem Tag.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir beten wir die Eltern von Phillip und alle Eltern, dass sie gute Begleiter ihrer Kinder sind, dass sie in Nähe und Distanz, durch Freiheit und Grenzen den Kindern einen guten Weg ins Leben ebnen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Patengebet

Uns alle nimm in deinen Dienst, Gott, auf dass wir wahrhaftige Zeugen des Glaubens werden, mit allem Vertrauen und allen Zweifeln und Fragen, die wir in uns tragen. Lass uns dich nicht vergessen und deine guten Diener sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Alles, was uns auf der Seele liegt, was an Freude und Bedrückung unser Herz bewegt, das nimm du, Gott, in deine Hände und führe uns nach deinem Willen.
Vaterunser
Segen
17, 1-2
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
  Sonntag
4.12. 2005
Liturgischer
Ablauf
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