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Wenn es euch gut geht und ihr euch satt essen könnt, dann gebt acht,
dass ihr nicht den Herrn vergesst!
Ein Taufspruch, der eher selten genommen wird, daher auch mein
erstaunter Gesichtsausdruck, als Olaf ihn mir gesagt hat. Das lag aber
auch daran, dass ich diesen Spruch zwar auf meiner Liste habe, aber ihn
noch nie auszulegen hatte. Das erste Gefühl bei diesem Wort ist
zunächst: da ist ein großer Zeigefinger. Gebt acht! – Dass ihr mir ja
nicht über die Straße lauft. Geht mit keinem mit! Wehe wenn, ich euch
erwische. – Das sind die Sätze, die dann so hoch kommen und die dieses
Gefühl des großen Zeigefingers auslösen.
Aber vielleicht kann man den Zeigefinger ja um 90 Grad drehen. Statt so
(Finger nach oben) so (Finger als wirklichen „Zeige-Finger“ darstellen).
Dann wird aus der etwas bedrohlichen Handhaltung etwas ganz anderes.
Schau mal hin, was ich dir zeigen will.
Und dann lohnt es sich, vielleicht auch mal die Sätze drum herum zu
hören: Wenn dich nun der HERR, dein Gott, in das Land bringen wird, von
dem er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, es dir zu
geben - große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser
voller Güter, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du
nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt
hast -, und wenn du nun isst und satt wirst, so gib acht, dass du nicht
den HERRN vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft,
geführt hat, sondern du sollst dem HERRN, deinem Gott, die Ehre geben,
ihm Vertrauen und ihm dienen.
Schau mal hin. Gott sagt: ich gebe dir ein Land, das gefüllt ist mit
guten Gütern. Ich gebe dir ein Land, in dem wächst und gedeiht, was du
selber nicht angepflanzt hast, wovon du einfach profitieren kannst. Das
Paradies ist es nicht gewesen, das Gott hier beschreibt, aber doch ein
reiches und fruchtbares Land, das Gott seinem Volk geben will. Ein Land
in dem Milch und Honig fließen – so heißt es ganz bildhaft. Und wenn du
dort bist, wenn du satt zu essen und zu trinken hast, dann – und hier
der Zeigefinger – dann gib acht, dass du den deinen Gott nicht vergisst.
Seien wir ehrlich und selbstkritisch: wer denkt schon an Gott, wenn es
ihm gut geht. Wenn alles läuft, es keine Probleme gibt, wenn das Leben
easy ist, dann ist der Dank an Gott nicht unbedingt nahe. Das ist keine
Phänomen heutiger Zeit, das weiß auch die Bibel aus der Zeit vor über
2500 Jahren zu berichten. Der Mensch braucht diesen Hinweis, um zu
merken: das Leben ist nicht nur das, was ich mir erarbeite, sondern das
ist an vielen, vielen Stellen Geschenk aus anderer Hand.
Und ich denke, das spürt auch ihr als Eltern im Blick auf Phillip. Das
zweite Kind, das euch geschenkt wurde. Nehme ich mal seinen Taufspruch,
dann steckt da auch für euch etwas drin: euer Leben läuft in guten
Bahnen. Ihr habt euch beide, Beruf und Auskommen, wohnt in wunderbarer
Umgebung, habt den Julian, der neben ein wenig Arbeit ganz viel Freude
bereitet und nun seid ihr auch noch mit einem weiteren, wunderbaren
Geschenk gesegnet worden, dem Phillip. Es ist sozusagen genau so, wie
der biblische Text es beschreibt: ihr lebt in gutem Land und seid auf
einem guten Weg – oder wie es der Text sagt: es geht euch gut und ihr
könnt euch satt essen an Leib und Seele.
Die Taufe am heutigen Tage nun ist Ausdruck dessen, dass ihr Gott dabei
nicht vergesst. Denn die Taufe hat ja ganz viele Aspekte. Einer ist
natürlich, dass wir Phillip in die Gemeinschaft des Glaubens aufnehmen.
Er soll dazu gehören. Ein weiteres ist, dass wir ihn der Obhut unseres
Gottes anvertrauen wollen. Wir möchten als Eltern gewiss sein, dieses
Menschenleben ist eingebunden in den großen Willen Gottes, in seine
liebevolle Begleitung. Ich darf wirklich gewiss sein, dass mein Kind
gehalten ist vom gütigen Gott, wenn es die Taufe empfangen hat. Er hat
es natürlich auch vorher schon gehalten, aber die Taufe macht es noch
einmal sinnenfällig. In diesem Ereignis wird es sichtbar und greifbar,
dass Gott in diesem Leben mitgeht. Wobei ich immer darauf hinweise, dass
die Taufe keine Käseglocke ist, die das Kind vor aller Gefahr schützt.
Das wäre schön, wenn das ginge, aber das vermag die Taufe nicht. Die
Taufe gibt die Gewissheit, dass der Getaufte wirklich aufs engste mit
Gott verbunden und all sein Leben in den gütigen Händen Gottes getragen
ist. Und das ist ein ganz wichtiger Gedanke, der zur Taufe dazu gehört.
Und es gehört zur Taufe, dass wir Eltern unsere Lebenssituation vor
Augen haben. Taufe hat ganz viel mit Dankbarkeit zu tun. Da ist dieses
kleine Kind – ein Produkt zweier liebender Menschen, und doch ganz
Geschöpf und Geschenk Gottes. Ihr bringt mit der Taufe zum Ausdruck,
dass es nicht selbstverständlich ist, so beschenkt zu sein, dass es
nicht selbstverständlich ist, dass man so leben kann, wie ihr lebt. Hier
kommt Dank gegenüber Gott zum Ausdruck, der es euch ermöglicht, so zu
leben, der euch einen Lebensraum bietet, den man wirklich – im Blick auf
die gesamte Erde gesehen – als einen beschreiben kann, in dem Milch und
Honig fließen. Man muss gewiss keine Taufe feiern, um diesen Dank zum
Ausdruck zu bringen, das können und sollten wir auch sonst immer wieder
tun, aber diese Feier ist ein besonders Ereignis im Leben, das uns dies
wieder einmal sehr lebendig vor Augen stellt und deshalb auch teil
dieser Feier ist.
Wenn du nun isst und satt wirst, so gib acht, dass du nicht den HERRN
vergisst, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat,
sondern du sollst dem HERRN, deinem Gott, die Ehre geben, ihm Vertrauen
und ihm dienen.
Gott dem Herrn, die Ehre geben, ihm Vertrauen schenken und ihm dienen,
das ist das, was der Taufe zu Grunde liegt. Wir erkennen an, dass Gott
jemand ist, der über uns steht, der Bedeutung hat, der wichtig ist fürs
Leben. Wir geben ihm nicht die Ehre, weil er ein Position bekleidet, wie
Menschen, die ein bestimmtes Amt inne haben. Nein, wir geben ihm die
Ehre, weil von ihm etwas für unser Leben ausgeht, das uns hilft, das uns
stärkt, das uns in diesem Leben einen festen Stand haben lässt. Wir
schenken ihm Vertrauen, weil wir sehen und hören, dass Gott für uns
Menschen da sein will, dass er uns seine Hilfe anbietet und uns gut
durchs Leben führen kann. Anfang und Ende stehen eben in seiner Hand und
das zu wissen, darauf zu bauen, das ist gut und wichtig. Und daraus
folgt natürlich auch, dass wir uns von ihm etwas sagen lassen, dass wir
unser Leben nach seinem Willen ausrichten, seiner Lebensrichtung folgen
wollen und ihm und den Menschen dienen wollen.
Und das, was uns hier trägt und wichtig ist, das wollen wir weiter geben
an die Kinder, die wir taufen. Und das ist nicht etwas, was nur die
Taufeltern angeht, sondern natürlich uns alle, die wir zur christlichen
Gemeinschaft gehören: denn da kommt jemand zu uns, dem wir verpflichtet
sind, der uns von Gott her anvertraut ist, damit wir ihm den Weg ins
Leben bereiten. Und wir tun das nicht nur, indem wir den Kindern in den
äußeren Dingen des Lebens alles zukommen lassen, was uns möglich ist –
und seien wir mal ehrlich, das ist bei uns sehr viel mehr als wirklich
nötig ist -, sondern es geht auch darum, dass wir unseren Kindern etwas
weiter geben von dem Vertrauen, das uns trägt,
von dem Glauben, der uns erfüllt,
von den Zweifeln, die uns begleiten,
von den Fragen, die wir an Gott und das Leben stellen,
von der Hoffnung, die uns trotz aller Bedrückung auch begleitet.
Lasst es den Kindern gut gehen, so gut, wie es einem jedem möglich ist.
So möchte ich den Taufspruch von Philipp für uns alle verstehen, aber
gebt acht, dass ihr das andere nicht vergesst, dass es auch ganz andere
Bereiche des Lebens gibt, die ebenfalls ihre Bedeutung haben und deren
Vermittlung durch uns und unser Leben geschieht. So gebt weiter, was
euch im Blick auf Gott wichtig ist. Tut das als Eltern, als Paten, als
Angehörige und Freunde. Und auch wir als Gemeinde, als Gemeinschaft der
Christen wollen das tun,. Wir wollen euch helfen, euren Kindern das
mitzugeben, was sie nötig haben für ihr Leben, was sie stärkt und
hoffnungsvoll macht. Wir wollen unsern Glauben in ihr Leben tragen, auf
dass sie Gott, den gütigen und liebenden nicht vergessen. So ist jeder
von uns ein kleiner Stein, der ins Wasser fällt und der dann im Wasser
weite Kreise zieht: Kreise der Hoffnung und der Liebe. Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:
Halleluja (J.Grote)
Psalm 24 EG 712
Eingangsliturgie
Gebet
Gütiger Gott!
Wir sind deine Kinder, durch die Taufe hast du uns dazu gemacht. Darüber
freuen wir uns und sind dankbar dafür. Denn wir vertrauen darauf, dass
wir zu dir gehören.
So hilf uns, im Glauben zu bleiben, aus der Hoffnung zu leben und die
Liebe in die Welt zu tragen, auf dass wir Zeugen der Güte und Ehre sind.
Das bitten wir ...
Lesung: Jak 5, 7-8
Lied 8, 1-6
Taufe
Glaubensbekenntnis
Lied:
Ich bin getauft auf deinen Namen (J. Grote)
Predigt
Lied: Ins Wasser fällt ein Stein EG NsB 603
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gott unser Vater, wir danken dir für deine Nähe zu uns. Wir danken für
unser Leben, das äußerlich gut und reich gesegnet ist, trotzt allem, was
den einen oder anderen bedrückt. Vor allem aber danken wir dir für die
innere Kraft und Stärke, die wir durch deinen Geist empfangen. Lass sie
wirksam sein in uns an jedem Tag.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir beten wir die Eltern von Phillip und alle Eltern, dass sie gute
Begleiter ihrer Kinder sind, dass sie in Nähe und Distanz, durch
Freiheit und Grenzen den Kindern einen guten Weg ins Leben ebnen. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Patengebet
Uns alle nimm in deinen Dienst, Gott, auf dass wir wahrhaftige Zeugen
des Glaubens werden, mit allem Vertrauen und allen Zweifeln und Fragen,
die wir in uns tragen. Lass uns dich nicht vergessen und deine guten
Diener sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Alles, was uns auf der Seele liegt, was an Freude und Bedrückung unser
Herz bewegt, das nimm du, Gott, in deine Hände und führe uns nach deinem
Willen.
Vaterunser
Segen
17, 1-2
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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