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Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Mit Steinen kennt sich eure Familie. Es ist noch nicht so lange her,
dass Euer Haus fertig geworden ist und gegenüber wird auch fleißig
gebaut. Mauern wurden hochgezogen, Räume abgeteilt, Lebensbereiche
geschaffen. Wohnraum, Schutzraum, Lebensraum.
Es wird der Lebensraum für Max. In den Mauern, die ihn umgeben, findet
sein derzeitiges Leben statt. Und seine Eltern und Großeltern haben in
den Mauern Bereiche geschaffen, diese kleine Lebenswelt dann doch immer
wieder auch zu verlassen. Durch die Türen kann man neue Lebensräume
erschließen. Im Augenblick nur mit Hilfe der Erwachsenen, in kurzer Zeit
dann mit der Sorge der Erwachsenen und dann ist man als Eltern manchmal
auch froh, wenn die Mauern kurzzeitig verlassen werden.
Die Mauern, die Max jetzt erlebt sind gute und wichtige Mauern, in denen
er behütet wachsen und reifen kann. Sie bieten den Schutzraum, den das
Leben braucht, in denen man die Sicherheit gewinnen kann, die man
braucht, wenn man die Mauern irgendwann verlässt. Ihr gebt dem Kind
darin mit, was ihr gut und wichtig haltet für das Leben.
Und hier befinden wir uns in der Kirche, innerhalb der Kirchenmauern,
die ja auch sprichwörtlich sind. Die Kirche ist das Symbol des
geistlichen Raumes, in dem wir leben und von Gottes Kraft umgeben sind.
Natürlich geschieht unser ganzes Leben vor Gott, und die allermeiste
Zeit außerhalb dieser Mauern, aber in ihnen ist die bergende Kraft
Gottes doch intensiver zu spüren, es ist eben der Ort, an dem die
Gegenwart Gottes besonders gefeiert wird. Und so versuchen wir hier die
Gewissheit zu stärken, dass wir bei Gott eine Zuflucht haben. Gott ist
meine Burg, wo fassen es einige Psalmen in Worte.
Steine, Mauern haben, unter diesem Aspekt gesehen, also etwas sehr
wohltuendes. Es sind schützende Mauern, die uns umgeben, in denen wir
unser ganz persönliches Leben gestalten können. Die Taufe führt uns
hinein in diese Mauern der Geborgenheit bei Gott. "Ich werde bleiben im
Hause des Herrn immerdar." so heißt es im letzten Vers des 23. Psalmes.
Taufe, das ist die äußerlich sichtbare Aufnahme in die Mauern des Hauses
Gottes, in dem wir unser Leben verbringen dürfen, in denen wir uns
geborgen und geschützt wissen dürfen, in dem wir die uns anvertrauten
Menschen geborgen und geschützt wissen dürfen.
Nun wissen wir aber auch, dass Mauern nicht nur diese Symbolkraft haben.
Mauern erzählen auch von etwas anderem. Mauern sind oft genug auch
Grenzen, die nicht zu überwinden sind. Wir kennen das von der
innerdeutschen Grenze, die es - gottlob - nicht mehr gibt. Mauern sind
trennende Bauwerke, die Verbindung und Verbundenheit zunichte machen.
Und es gibt auch Menschen, die Mauern um sich aufrichten, um andere
Menschen nicht an sich heranzulassen. Sie sollen die Verletzlichkeit der
eigenen Person schützen, aber sie verhindern auch, dass man wirklich mit
dem, was man ist, zum anderen gelangen kann.
Ja und dann gibt es die Mauern, die jeder von uns immer wieder man vor
Augen hat. Mauern, die die Grenzen eines Weges aufzeigen, auf dem man
nicht mehr weiterkommt. Da hat man sich in seinem Leben verrannt, ist in
eine Sackgasse gekommen, an deren Ende diese Mauer steht, die den Weg
versperrt. Nicht mehr Schutzraum, sondern Hindernis, Begrenzung,
Endstation sind dann die Begriffe, die diese Lebenssituation
beschreiben.
Ich habe ihnen ein Bild mitgebracht, das das sehr eindrücklich macht.
Da ist ein junger Mensch, der traurig vor einer Mauer sitzt. Er kann
sich wohl an sie anlehnen, aber vor ihm liegen nur Mauern. Das Leben
scheint ihm nichts zu bieten, da ist nichts worauf er sich freuen kann.
Und der Weg durch die Mauern des Lebens, er sieht wenig hoffnungsvoll
aus. Und auch die anderen auf dem Bild. Sie laufen den Weg durch das
Labyrinth und nach jeder Ecke geht der Blick wieder auf eine Mauer zu.
Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Erfurter Schüler sich auch vor
solche Mauern gestellt sah, als er seine Zukunft vor Augen hatte, als
ihm deutlich war, dass er ohne diesen Schulabschluss nichts ist.
Unüberwindbar erscheinen uns oft genug die Mauern, die unserem
Lebenslauf plötzlich im Weg stehen.
Aber da ist doch Leben auf dem Bild. Im Hintergrund sind doch Bäume zu
sehen. Aber wie soll der Mensch sie sehen, der vor der Mauer steht, und
nicht unseren Blick von oben hat?
Mit meinem Gott kann ich Mauern überspringen. So lautet der Taufspruch
vom Max. Ein sehr ermutigendes Wort, das Euch beide gleich angesprochen
hat und das ihr Eurem Sohn mit auf den Weg geben wollt.
Was bedeutet dieses Wort angesichts des Bildes und angesichts des bisher
Gehörten?
Mit meinem Gott - so beginnt der Taufspruch. Zunächst einmal steckt
dahinter, dass ich Gott als etwas in meinem Leben sehe, das zu mir
gehört. Gott als ein Gegenüber ansehe, das für mich und mein Leben von
Bedeutung ist. Das heißt: Gott ist nicht nur einfach ein etwas, das da
ist, eine irgendwie vorhandene Macht, sondern er ist jemand, den wir uns
vertraut machen müssen, der zu unserem Gott werden muss. Die Taufe ist
der Anfang: von Seiten Gottes ist es die unverbrüchliche Zusage: Du bist
mir wichtig. Du bist in meinem Herzen und ich bin für dich da. Von
Seiten des Menschen ist die Taufe das Versprechen: wir wollen dir, Max,
diesen Gott nahe bringen. Als Eltern und Paten, die mit ihrem ganz
persönlichen Vertrauen zu Gott, diesen Gott als ein gutes Gegenüber
deutlich machen. Wir als Christen, die mit unserem Vorbild zeigen, was
Glaube im Leben bedeutet. Wir als Kirche, die Angebote macht, diesen
Gott näher kennen zu lernen. Die Taufe ist der Anfang. Der Weg aber,
dass Gott zu meinem Gott wird, geht dann weiter. Die Beziehung muss
wachsen, durch Nähe und Distanz, durch Zuwendung und Abkehr reift die
Beziehung und bleibt dadurch lebendig. Mein Gott gewinnt dadurch viele
Seiten, die in meinem Leben Platz haben und die ihre Bedeutung gewinnen
fürs Leben.
Und wenn dieser Gott zu meinem Gott geworden ist, dann ist das MIT
meinem Gott ganz automatisch vorhanden. Du bist meine Burg und mein
Fels, der Herr ist mein Hirte, das heißt, ich lebe MIT diesem Gott, er
begleitet und trägt mein Leben und führt mich auf seiner Straße.
Seine Straße heißt allerdings nicht, Gradlinigkeit, immer freie Bahn,
klare Zielvorgaben. Die Straße des Lebens führt eben auch auf Mauern zu,
an denen man so manches mal verzweifeln möchte. Aber da war doch was? Da
war und ist doch dieser Gott, der Zukunft und Leben versprochen hat? Mit
diesem, meinem Gott kann ich diese Mauern überspringen. Wenn wir noch
einmal das Bild anschauen - wir schauen von oben auf die Situation. Der
Junge kann nur unten die Mauern sehen - wir haben die Möglichkeit
darüber weg zu sehen. Wir schauen von oben, das heißt doch, wir nehmen
die Perspektive Gottes ein, der eben nicht nur die ganz persönliche
Lebenssicht des einzelnen Menschen vor Augen hat, sondern der weit
darüber hinausblickt. Den Blickwinkel meines Gottes einnehmen, heißt
über die Mauern, über die Grenzen des Lebens hinwegschauen, es heißt,
Wege entdecken, die ich selber so nie gesehen hätte, das heißt, das
Leben eben nicht an der Mauer enden zu lassen, sondern mit meinem Gott
diese Mauern überspringen. Es heißt, diese Mauern nicht zulassen, weil
dahinter etwas ist, was mein Leben bereichert, auch wenn der Weg dahin
mühsam sein mag.
Mit Gott Mauern überspringen, das kann auch heißen: Mauern einreißen,
weil sie trennen, was nicht getrennt werden soll. Es kann heißen, die
Mauern, die Menschen untereinander aufgebaut haben, einzureißen, weil
sie Gott nicht entsprechen: die Mauern des Hasses, des Neides, der
Gewalt, der Ungerechtigkeit und was uns alles noch einfallen mag, wo
Mauern aufgebaut werden, die es einzureißen gilt.
Mit meinem Gott kann ich das. Mit meinem Gott empfange ich eine Kraft,
die stärker ist, als meine eigene, kleine menschliche Kraft. In der
Taufe werden wir mit einer solchen Kraft begabt, wir empfangen Gottes
heiligen Geist und auf den können wir bauen, wenn wir vor den Mauern
unseres Lebens stehen. Mit meinem Gott habe ich alle Möglichkeiten. Und
mancher Sprung über die Mauer macht dann auch deutlich, dass wir nicht
nur ein Hindernis überwunden haben, sondern in einen Raum kommen, dessen
Mauern uns sehr angenehm und hilfreich sind, in denen wir spüren, dass
die Grenzen, die uns da aufgezeigt werden, gute und hilfreiche Grenzen
Gottes sind, der uns so Geborgenheit und Lebensraum für alle schafft.
Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen - das wünschen wir als
Lebensgefühl heute an erster Stelle dem Max, aber ebenso auch uns allen,
die wir ihn begleiten - aus der Nähe oder aus der Ferne. Mit einem
solchen Lebensgefühl kann einen nichts schrecken und seien die Mauern
des Lebens aus unserer Sicht noch so unüberwindbar. Helfen dazu möge
euch dieser Stein. Es ist der erste Taufstein, den ein Täufling
mitnehmen darf. Amen

oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Begrüßung
503 - Geh aus mein Herz ...
Psalm 23
Eingangsliturgie - Gebet:
Vater im Himmel!
In den Mauern der Kirche sind wir zusammen. Wir bitten um dein Geleit für ein
Kind und für uns und unser Leben. So lass uns in dir geborgen sein, getragen
durch deine Gegenwart, die du all denen fest zugesagt hast, die die Taufe
empfangen haben und denen du deinen Geist geschenkt hast. So lass uns dies neu
erkennen und im Vertrauen auf dich unser Leben angehen. Das bitten wir ....
Lesung: 2. Sam 22 i.A.
Segne dieses Kind
Taufe
Wasser vom Himmel
Predigt
Herr, deine Liebe
Fürbittengebet
Herr, unser Gott!
Wir beten zu dir, weil du offene Ohren für uns hast, weil du weißt, was für uns
gut ist. So höre unsere Bitten und tue nach deinem Willen.
Wir beten für den Täufling, dass er mit dir sein Leben gestalten kann und die
Mauern des Lebens zu überspringen lernt.
Wir beten für die Eltern, dass sie phantasievolle Begleiter des Lebens sind, die
ihrem Kind Hoffnung und Vertrauen zu dir mitgeben.
Wir beten für die Paten, dass sie in guter Verbundenheit mit Max leben werden
und dass sie offenen Gegenüber für ihn sein können.
Wir beten für die Verwandten, dass sie eine liebevolle Umgebung für die Kinder
schaffen und ihre Liebe in Wort und Tat ankommt.
Wir beten für uns als Kirche, dass wir das Leben der Menschen schützen und
fördern mit unserem Reden und Handeln.
Wir beten für alle, die vor Mauern stehen und nicht weiter wissen, dass sie sich
deiner erinnern und neue Hoffnung empfangen.
Wir beten für alle, die Mauern um sich aufbauen, weil sie sich innerlich
schützen müssen. Gib ihnen deine Kraft, dass sie fähig werden sich anzunehmen
und belastenden ertragen.
Wir beten für alle Menschen, die Mauern von Gewalt und Hass um sich aufgebaut
haben, dass sie denen Gehör schenken, die diese Mauern einreißen wollen, um der
Menschlichkeit Bahn zu brechen.
Alles, was uns persönlich auf dem Herzen liegt, fassen wir zusammen im Gebet
unseres Herrn Jesus Christus:
Vaterunser
171, 1-4
Segen
Amen.
oben
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