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2. Mose 19, 1-6a

Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenlang, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der HERR rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.

Wir feiern heute den 10. Sonntag nach Trinitatis. Dieser Sonntag ist dem Gedenken Israels gewidmet und heißt auch Israelsonntag. Sehr bewusst haben die Christen, die dies in die Predigtreihe eingebracht haben, dies getan, denn es geht darum, dass wir Christen unsere geistliche Geschichte nicht vergessen. Die Geschichte Gottes mit den Menschen begann nicht erst mit Jesus, sondern es gibt eine lange Geschichte davor, in die wir mit eingebunden sind und die uns als Christen ebenso angeht. Unsere Bibel besteht deshalb ja auch aus 2 Testamenten. Und wenn auch nicht alles aus dem Alten Testament nach Christus seine Bedeutung behalten hat, so ist dieses Glaubenszeugnis doch für uns Christen Teil unseres Glaubens.
Die Geschichte des Volkes, in das Jesus hineingeboren wurde, dessen Teil er war, ist auch unsere Geschichte. Und insofern gibt es diesen Sonntag des Israelsgedenkens.
Wenn wir heute des Volkes Israel gedenken, so tun wir das sicher alle mit sehr gemischten Gefühlen. Vor Augen steht uns der Terror im Lande, die vielen Toten. Jeden Tag neue Schreckensmeldungen: Selbstmordattentäter der Palästinenser sprechen sich und unschuldige Israelis in die Luft, Männer, Frauen und Kinder kommen grausam zu Tode. Und auf jeden Selbstmordanschlag kommt ein neuer Vergeltungsschlag, der weitere Todesopfer fordert, wie immer in solchen Fällen überwiegend Unschuldige. Wir hören diese Nachrichten und schütteln den Kopf. Immer wieder dieselben Gedanken: muss das sein. Müssen die Menschen immer wieder mit Gewalt versuchen, ihre Probleme zu lösen?
Und vielfach verstehen wir gar nicht mehr, was hinter all diesem Gegeneinander steht. Es ist gewiss von Anfang an eine sehr problematisches Unterfangen gewesen, was da in der Mitte des letzten Jahrhunderts entschieden wurde, dass man das Volk Israel dort in Palästina nach jahrhundertelanger Abwesenheit wieder angesiedelt hat. Eingeständigkeit musste gewahrt bleiben in der arabisch-muslimischen Umwelt. Die Beziehungen zum Westen waren den Nachbarn immer suspekt und hinzu kam eine Siedlungspolitik, die den palästinensischen Nachbarn immer mehr Land und vor allem wichtiges wasserreiches Land weggenommen hat. Während die Israelis ihre Gärten mit gutem Wasser bewässerten, müssen Palästinenser mit schlechter Wasserqualität sehen, dass sie überhaupt ein wenig Trinkwasser erhalten. Und inzwischen ist es soweit, dass Grenzanlagen zwischen den israelischen und palästinensischen Gebieten errichtete werden, die noch schlimmer sind, als die der innerdeutschen Grenze. Das kann nur weiteren Hass schüren und das bedeutet in einer Region, deren Emotionalität ganz anders ist als unsere, dass das Gegeneinander nicht weniger, sondern noch viel stärker wird, dass gegenseitiger Hass und Gewalt geschürt werden und eine Befriedung der Gegend in weite ferne rückt.
Und nun hören wie heute diese Sätze aus der Bibel, die den zweiten Anfang des Volkes Israel ausmachen. Aus der Fremde, aus Ägypten hat Gott dieses Volk, dass ihm so wichtig ist, herausgeholt. Zurück in die Heimat, in die Abraham das Volk geführt hat, soll es nun gehen unter der Führung des Mose. Gott erinnert an die seine Führung: ich habe euch getragen auf Adlerflügeln, so wird es bildhaft ausgedrückt. Das Volk, das geführt von Mose durch die Wüste zieht, steht voll und ganz unter dem Schutz Gottes, es hat dies durch die Befreiung erfahren dürfen.
Und nun erwartet Gott auch eine Antwort: Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.
Die Geschichte des Volkes Israel zeigt, dass die Antwort des Volkes Israel immer wieder eine andere war. Treue zu Gott wechselte sich ab mit Untreue und Abkehr von Gott. Und die politischen Verhältnisse, die geistlich damit in Beziehung gesetzt wurden, führt dann auch dazu, dass das Land in die Hände von Besatzern kam und das Volk Israel ins Exil musste. Ihre Hauptstadt Jerusalem wurde mehrfach zerstört.
Doch Gott hielt an seinem Wort fest, behielt und behält als auserwähltes Volk eine Sonderstellung.
Doch gerade das, was wir heute aus der Bibel hören, macht deutlich, dass sich aus dieser Sonderstellung eigentlich kein Sonderverhalten ergibt.
Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein.
Die ganze Erde ist mein. Das heißt doch, dass der Gott Israels seinem Volk nicht das Recht gibt, seine Sonderstellung herauszukehren, sie auszunutzen für eigene Zwecke. Die Erde, was darauf ist, die Menschen, die darin Leben, sie stehen alle unter der Güte Gottes. Auch dies gehört zu dem Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat. Und aus christlicher Sicht gesehen, hat Jesus dies ja auch besonders deutlich gemacht, dass Erwählung nicht heißt, dass Gott nur bestimmte Menschen annimmt, sondern dass alle Menschen ihm am Herzen liegen.
Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein, so heißt es weiter. Auch das zeigt die besondere Stellung des Volkes Israel. Von diesem Volk soll etwas ausgehen, das die Erwählung auch nach außen hin deutlich macht, aber nicht im Sinne eines eigensüchtigen Beharrens auf bestimmten politischen Positionen, die dann mit Gewalt durchgesetzt werden. Sondern, so verstehe ich diesen Abschnitt der Bibel, doch so, dass Gott als Eigentümer der Welt, als Maßstab des Umganges miteinander sichtbar wird. In Königreich von Priestern sehe ich nicht so, dass nun jeder geistliche Funktion im Tempel hat, sondern dass in dem Tun der Menschen, sich die Bindung an Gott und sein Wort widerspiegelt. Das Heilige Volk sein, bedeutet nicht, einfach nur zu sagen, wir sind erwählt von Gott, also haben wir eine Sonderstellung, die von anderen zu respektieren ist. Nein, es muss so lauten: wir haben eine Sonderstellung, aber die zieht auch eine ganz besondere Verantwortung für uns nach sich. Wir haben in unserem Leben diesen Gott lebendig darzustellen, in unserem Leben und Wirken soll dieser Gott sichtbar werden, mit all dem, was er uns Menschen an hilfreichem mitgegeben hat.
Dazu gehört auch der Anfang unseres Textes, die Erinnerung an die Rettung aus Ägypten. An vielen Stellen des Alten Testamentes wird daran erinnert, dass Israel auch Fremdling war und dass deshalb der Fremdling eine besondere Stellung genießt. Er soll keine Unterdrückung erfahren, ihm soll Hilfe wiederfahren und gute Behandlung. Dies ist in der augenblicklichen Geschichte des Landes ganz gewiss nicht zu sehen. Da geht es nur um Wahrung der eigenen Interessen, die bis aufs Blut verteidigt werden. Eigentlich müsste die Erinnerung an die eigene Geschichte des Volkes Israel ganz andere Resultate hervorbringen, wenn man daran denkt, dass gerade dieser Auszug aus Ägypten zu einem der Bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse der jüdischen Religion gehört.
Natürlich wird daran deutlich, dass religiöse Gedanken im politischen Denken kaum eine Rolle spielen. Und es ist sicher auch schwierig ein Land von der Religion her zu leiten. Das kann auch ganz furchtbare Züge bekommen, wie wir aus Afghanistan wissen. Aber gerade am Beispiel Israels wird deutlich, wie sehr religiöses Denken von den Wurzeln der eigenen Geschichte her auch dazu führen könnte, ein anderes Handeln hervorzubringen.
Und darin liegt für mich überhaupt die Bedeutung des heutigen Bibeltextes, den wir hier bedenken. Wenn Gott hier sagt: "Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein." dann geht es hier ja nicht vornehmlich nur um Erinnerung an die Geschichte des Volkes Israel, sondern darum, dass auch wir als Christen, die in der Nachfolge des Volkes Israel als Heiliges Volk dastehen, dass wir aus der Gottesgeschichte und unserer Lebensgeschichte lernen, dass wir daraus Konsequenzen ziehen, die in die Richtung gehen, dass an uns deutlich wird, dass dieser Gott im alltäglichen Leben seine Bedeutung hat. Am Beispiel Israel haben wir das eben in großen politischen Bezügen bedacht. Aber es wird daran auch deutlich, dass Gott einen jeden einzelnen von uns anspricht darauf, ob wir in dem Bund mit ihm sein und leben wollen. Ein Volk von Priestern und Heiligen sollen wir sein. Auch Luther hat ja davon gesprochen, dass wir als Getaufte Priester sind: er sprach von Priestertum aller Gläubigen. Das bedeutet für ihn, dass wir alle mit daran beteiligt sind, die Wirklichkeit Gottes in der Welt dazustellen, dass wir mit unserem Glauben, unseren Vertrauen auf Gott, der Welt ein anderes Gesicht geben. Indem wir die Erfahrungen des Glaubens, so wie sie in der Bibel beschrieben sind, umsetzen im Alltag, im Umgang miteinander, in unseren täglichen Entscheidungen, leben wir als heiliges Volk. Nicht dass wir dadurch etwas besseres sind, aber wir arbeiten dadurch mit unseren Möglichkeiten daran, dass Gottes Reich ein wenig sichtbarer wird, wenn die Menschen gute Lebensmöglichkeiten haben, in denen deutlich wird, sie sind als Eigentum Gottes hier in dieser Welt willkommen und wichtig.
Wir werden in diesem Bemühen gewiss nicht alles richtig machen, es gibt auch im Glauben oft verschiedene Wege. Aber letztlich ist allein wichtig, ob wir uns in unserem Leben Gott stellen, als jemandem, von dem wir wissen, dass er für uns da ist, dass er für die anderen da ist und dass wir für das Lebensrecht aller eintreten.
So geht das Israelgedenken auch weit über die allgemeine politische Lage oder die schlichte religiöse Verbindung zu den Christen hinaus. Das Israelgedenken ist das Gedenken des ewigen Bundes, den Gott mit den Menschen geschlossen hat und den Christus gekräftigt hat. Ein Bund von dem wir leben und der für die Menschen sichtbar werden soll. Und wenn wir die Veränderungen der politischen Ereignisse in Israel und Palästina in unseren Gedanken und Gebeten bedenken, dann sollten wir diesen Gedanken eben auch auf uns selber beziehen und unser Leben davon bestimmen lassen. Amen.

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Liturgischer Ablauf


Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 445,1-2+4+5
Psalm 74 i.A.
Eingangsliturgie - Gebet:
Herr der Welt, du hast dir das Volk Israel zum Eigentum erwählt, du hast ihm deine Weisungen zum Leben gegeben und begleitest seinen Welt in tiefem Erbarmen. Du hast es erwählt, deinen Willen unter den Völkern zu bezeugen bis auf den heutigen Tag. Dafür wollen wir dir danken. auch dafür dass du diese Erwählung weitergeführt hast in Jesus Christus, so dass auch wir an diesem Bund teilhaben dürfen und uns dein Volk nennen dürfen. So hilf uns allen Juden und Christen deinen Willen in dieser Welt sichtbar zu machen, auf dass deine Güte überall lebendig wird. Das bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Jer 31, 34 (276 im Lektionar)
Lied: 290,1-3
Lesung: Lk 19, 41-48
Glaubensbekenntnis
Lied: 538 1-3
Predigt
Lied: 433
Abkündigungen - Fürbittengebet
Barmherziger Vater!
Wir bitten für das Volk Israel, das es sich immer wieder als dein geheiligtes Volk versteht und daraus ihr Leben gestaltet. Lass es aus den Hoffnungen leben, die du ihnen gegeben hast, lass sie deinen Willen erfüllen im Leben.
Und so beten wir vor allem für das Land Israel und seine politischen Führer, dass sie den Frieden suchen, die Gewalt verhindern, Hass beiseitelegen und die Gemeinschaft des Lebens suchen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir beten für die Menschen in Palästina, für die Menschen, die Selbstmordattentate planen und durchführen, dass sie Wege finden, aus dieser Einbahnstraße herauszufinden. Lass Gewalt nicht weiter eskalieren, hilf zu Gedanken von Frieden und Versöhnung in den Köpfen von Politikern und Führern politischer Gruppen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns Christen, dass wir das Schicksal unserer jüdischen und moslemischen Brüdern und Schwestern nicht aus den Augen verlieren. Dass wir uns betreffen lassen, von den täglichen Schreckensnachrichten und dass wir das Unsere tun, um den Unfrieden zu überwinden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns, die wir mit Gott verbunden leben, dass wir unser Leben von ihm her gestalten. Möge in unserem Leben sichtbar werden, dass Gottes Güte uns begleitet. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Persönliches Gebet in der Stille
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und  Gustedt und
Klein Elbe
10.n.Trin - Israelsonntag
 4. 8.
.2002
Liturgischer
Ablauf
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