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Eine tolle Geschichte, die wir da eben gehört haben, diese
Geschichte vom brennenden Dornbusch. Wären wir jetzt im Physikunterricht,
müssten wir die Unmöglichkeit eines solchen Phänomens feststellen. Aber
glücklicherweise sind wir nicht im Physikunterricht, sondern in einem
Gottesdienst. Und da gehen wir anders an solche Geschichten heran. Wir
fragen nämlich, was wird da erzählt von Gott und den Menschen, was für
Begegnungen ereignen sich da und welche Bedeutung hat das für uns.
Wir kennen ihn den Mose. Er war Kind einer Hebräerin in Ägypten. Es war
die Zeit als die Herrscher vergessen hatten, dass das Überleben des Volkes
von einem Hebräer gesichert wurde, von Joseph, dem Sohn des Jakob, der mit
seiner Traumdeuterei Krisenbewältigung betrieben hat. Tja nur als das in
Vergessenheit geraten ist, da wurde aus den gern gesehenen Hebräern, ein
Gruppe von Ausländern, die man unterdrückt und ausgebeutet hat. Sklaven
und Frondienste mussten sie machen. Ihre Vermehrung solle dadurch gestoppt
werden, dass die Söhne umgebracht werden sollten. Mose wurde in dem
Schilfkörbchen gerettet, kam ausgerechnet an den Hof des Pharao und wuchs
dort auf.
Er wird sich als Ägypter gefühlt haben, wird mit ägyptisch-religiösen
Gedanken aufgewachsen sein.
Und nun, so wird erzählt, ging er bei seinem Schwiegervater seiner ganz
normalen Arbeit nach. Er arbeitete als Schafhirte in der Gegend von Midian.
Und dort begegnet er Gott.
Wie muss für uns eine Gottesbegegnung aussehen? Im Grunde erwarten wir
etwas ganz großartiges. Gottesbegegnung, das muss ein Ereignis sein, das
überwältigend ist. Hier aber wird uns gezeigt, im Alltag des Lebens, im
Alltag der Arbeit, in einer ganz normalen Situation ereignet sich diese
Gottesbegegnung. Für mich heißt das, gleich was ich auch tue, gleich was
so geschieht, ich muss darauf gefasst sein, dass Gott sich meiner
bemächtigt. Das muss nicht spektakulär sein, auch wenn hier bei Mose noch
etwas spektakuläres geschieht, worauf ich gleich noch eingehen werde. In
der Normalität des Lebens, in den einfachen Begebenheiten des Lebens ist
es möglich, dass Gott in ganz besonderer Weise auf uns zukommt.
Für mich sind das Situationen, die eine tiefe Wirkung haben.
Lebenssituationen, die in aller Alltäglichkeit aber dann doch aus dem
Alltäglichen herausfallen, die eine tiefe Bedeutsamkeit entfalten, ja die
eine Tiefendimension meines Lebens ansprechen.
Und der Engel des Herrn erschien ihm in einem brennenden Dornbusch. Und er
sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Wie
gesagt physikalisch falsch, aber geistlich ein wunderbares Bild, das hier
die Bibel prägt. Inmitten einer vermeintlichen Nichtigkeit, einer zudem
noch sehr dornigen Sache, brennt das Feuer Gottes. Es gibt in meinem Leben
einige Ereignisse, die ich schon mit diesem Dornbuch in Verbindung bringen
kann. Ereignisse, die im Grunde nicht besonderes in sich tragen, aber
deren Bedeutsamkeit für mich immer lebendig bleibt. Es ist gleichsam so,
dass die Erinnerung daran ist wie ein Feuer, das nicht verlöscht. Das, war
dort angesprochen hat, das gilt auch nach langer Zeit noch, das verliert
seine Kraft nicht, das bleibt erhalten. So wie auch in dem brennenden
Dornbusch das Feuer bleibt und auch der Dornbusch davon nicht versengt.
Das sind Worte, die gesagt worden sind, Begegnungen, die mehr waren als
nur ein Gespräch am Rande, Bilder und Eindrücke, die sich tief im Innern
festgemacht haben und immer wieder brennend mit einem reden.
Gottesbegegnungen in ganz persönlichem Gewand.
Mose geht hin, will diesen Busch näher betrachten. Und dann wird er
angesprochen, angesprochen mit Namen. Und Mose antwortet: hier bin ich.
Ich bin angesprochen, ich bin gemeint. Ich ganz persönlich weiß mich
angesprochen von einer Kraft, die höher ist als ich selber. Gott spricht
uns an mit Namen. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu
mir. Das steht über uns, aber es braucht auch Ereignisse, Erfahrungen, die
dies lebendig machen. Gott will mit uns ganz persönlich etwas zu tun
haben, will uns für sich und seine Welt haben. In der Taufe wird uns das
ganz persönlich zugesprochen, nur wissen wir oft genug davon nichts, weil
wir es nicht selber erlebt haben, weil diese so persönliche Ansprache
nicht in unser Bewusstsein gerückt ist. Aber dort wo wir im Tiefsten
angesprochen sind, da spüren wir es deutlich, dass Gott uns meint, dass er
uns anredet, dass er auf uns ganz persönlich zukommt.
In einem zweiten Schritt stellt sich Gott nun vor. Er macht dem ägyptisch
geprägten Mann deutlich: du stehst vor dem Gott, der deine Väter begleitet
hat. Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.
Mose wird mit seiner Glaubensherkunft konfrontiert, mit der Geschichte des
Volkes Gottes, dem er entstammt. ER wird konfrontiert mit einem Gott, der
die Erzväter begleitet hat.
Der Gott Abrahams: das ist der Gott, der Abraham auf den Weg geschickt hat
in eine neues Land und der dem Abraham eine Verheißung gegeben hat: du
wirst Nachkommen haben, so viel wie Sterne am Himmel. Und Abraham hat Gott
vertraut, hat sich auf den Weg gemacht und auch einen Sohn geschenkt
bekommen.
Diesen Sohn sollte Abraham opfern. Doch Gott geht dazwischen, lässt es am
Ende nicht so weit kommen. Zwei Söhne hat Issak: Jakob und Esau. Jakob
erschleicht sich das Erstgeburtsrecht und wird dann sozusagen Erzvater
einer Sippe von 12 Kindern, die als die 12 Stämme Israels angesehen
werden. Jakob ist auch der, der durch die Arbeit seines Sohnes in Ägypten
das Überleben seines Volkes sichern konnte, indem er in einer großen
Hungersnot in Ägypten Hilfe und Aufnahme fand.
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist ein Gott der diese Väter, ihre
Familien und die damit zusammenlebenden Menschen in seine Obhut genommen
hat. Er geht mit ihnen mit, ist da, begleitet und führt auf seine Weise
und nicht immer den gradlinigen Weg.
So ist Gott, so war er und so wird er sein. Ein präsenter, begleitender,
auch fordernder, herausfordernder Gott, der aber letztlich das Wohl seines
Volkes nie aus dem Auge verliert.
Und so ja auch bei Mose: er spricht: Ich habe das Elend meines Volks in
Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre
Leiden erkannt. Und ich bin hernieder gefahren, dass ich sie errette aus
der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und
weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt. Weil denn nun das
Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not
gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich
zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.
Gott lässt die Not seines Volkes nicht gleichgültig. ER ist der
mitleidende Gott. Ein Gott der sich anrühren lässt von der Not der
Menschen, die so wichtig sind und am Herzen liegen.
Aber er geht sozusagen nicht selber los und führt die Menschen heraus,
sondern er bedient sich eines Menschen, eines einfachen, vermutlich nicht
unbedingt sehr gebildeten Menschen.
Gott spricht an, wen er will, wann er will und für Vorhaben, die für ihn
wichtig sind.
Wer bin ich schon, dass ich das tun kann? fragt Mose. Wer bin ich schon,
dass ich so etwas vermag? Wer sind wir schon, dass wir vielleicht davon
ausgehen könnten, dass Gott mit uns redet, uns brauchen könnte.
Wie gut, dass in der Geschichte des Volkes Gottes immer wieder solche
Menschen auftreten, die eben nicht eine besondere Stellung haben, die in
besonderer Weise hervorstechen, sondern in ihre Einfachheit und
Schlichtheit, ja ihrem eigenen Unvermögen angenommen werden und auf den
Weg geschickt werden. Gott braucht nicht nur die Mutigen und Starken, die
Helden oder die im Rampenlicht stehenden, die Beredten und Gescheiten,
nein er braucht einen jeden von uns, mit seinen kleinen, bescheidenen
Möglichkeiten. Uns als Menschen will er haben, für die kleinen und großen
Aufträge des Lebens, so wie wir sind, mit den Schwächen und Fehlern. Mose
übrigens war jemand, der, als er die Not seiner Landsleute gesehen hat,
sogar einen Ägypter erschlagen hat. Und dennoch hielt Gott an ihm fest.
Das ist gewiss kein Freibrief für einen Mord, aber ein Zeichen dafür, dass
Gottesbegegnung und Beauftragung durch Gott, um die es ja heute geht,
nicht daran hängt, ob wir geistig-moralisch in Ordnung sind. Gott spricht
uns an, braucht uns für sich und seine Welt, an der Stelle und mit den
Möglichkeiten, die er uns gegeben hat.
Mose fragt noch nach dem Namen Gottes, um etwas in der Hand zu haben, was
er weiter geben kann.
Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche
zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! und sie mir sagen
werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?
Gott sprach zu Mose: Ich werde für euch da sein. Und sprach: So sollst du
zu den Israeliten sagen: Der Gott, der für euch da sein will, der hat mich
zu euch gesandt.
Aus Zeitmangel kann
der Schluss hier i.A. nicht veröffentlich werden. Ziel: Der im Alltag
begegnende Gott ist ein für uns da seiender Gott.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 443, 1-4
Psalm 97
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, wir stehen vor dir dir mit unserem ganzen Leben,
manchmal strahlend in unserem Vertrauen zu dir,
manchmal düster und kalt wie ein erloschenes Feuer
manchmal zweifelnd und zögern,
manchmal bedrückt und voller Sorgen.
Aber deine Liebe umgibt und in all dem, sie hat Bestand, jetzt und alle
Zeit.
So bitten wir dich, lass diese Liebe in uns leuchten, schenke mit ihr
Kraft und Mut für unser Leben. Das bitten wir durch Jesus Christus ....
Lesung 2. Kor 4, 6-10
Lied: 73,1-5
Lesung 2. Mose 3, 1-14
Glaubensbekenntnis
Lied: 66,1-4
Predigt
Lied 331,1,3,8,11
Abkündigungen
Fürbittengebet
Lasst uns im Frieden zum Herrn beten:
Um ein waches Gewissen, um Vergebung unserer Schuld und ein offenes,
ruhiges Herz lasst uns bitten: Herr, erbarme dich.
Um Verständnis für unsere Mitmenschen, um Hilfsbereitschaft und um Mut,
die Wahrheit zu sagen, lasst uns bitten: Herr …
Um die Fähigkeit, allen Menschen so zu begegnen, dass sie auch durch uns
Gottes Liebe erfahren, lasst uns bitten: Herr …
Für unsere Kirche, für die ganze Christenheit, dass sie über alles
Trennende hinweg eins werde im Glauben und im Tun, lasst uns bitten: Herr
…
Für unser Volk und alle Völker der Welt, dass sich Gerechtigkeit
durchsetze und Friede werde, wo Krieg ist, lasst uns bitten: Herr …
Für die Menschen in Not und Bedrängnis, für die Hungernden, dass ihnen
geholfen werde, lasst uns bitten: Herr …
Herr, bleibe bei uns mit deinem Wort und mit den Gaben deiner Güte. Darum
bitten wir dich im Glauben an Jesus Christus mit dessen Worten wir
gemeinsam beten:
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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