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1. Samuel 2, 1-2.6-8

Text: 2,1  Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. 2 Es ist niemand heilig wie der HERR,  außer dir ist keiner, und ist kein  Fels, wie unser Gott ist. 3 Laßt euer großes Rühmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke. 5 Die da satt waren, müssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin. 6 Der HERR  tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und  wieder herauf. 7 Der HERR macht arm und macht reich; er  erniedrigt und erhöht.
8 Er  hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.

Das christliche Osterfest ist die Feier der Auferstehung Christi. Die beiden Lesungen des Gottesdienstes (1. Kor 15, 1-11 und Mk 16, 1-8) haben uns davon erzählt. Die Predigt soll dieses Ereignis aufnehmen, soll die Gedanken der Auferstehung weitergeben. Und sie soll das heute tun, indem wir einen Text aus dem Alten Testament bedenken. Das mag für Sie zunächst nichts besonderes sein, denn es kommen ja immer wieder einmal auch Texte des Alten Testamentes in unseren Gottesdiensten dran.
Doch an Ostern ist das schon etwas besonderes. Denn wir müssen ja sehen, dass das Alte Testament den Gedanken der Auferstehung nicht kannte, zumindest nicht so, wie er sich dann im neuen Testament entwickelt hat.
Kann man also überhaupt mit Texten aus dem Alten Testament das Ostergeschehen für uns heute deutlich machen?
Hören wir aber zunächst einmal die Worte, um die es geht. Sie stehen im 1. Samuelisbuch im 2. Kapitel.
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er  erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.
Diese Worte sind ein Danklied eines Menschen, der mitten im Leben stand und - so stelle ich es mir vor - all das erlebt hat und seine eigene Erfahrung nennt, was das Leben an Höhen und Tiefen zu bieten hat. Beide Seiten tauchen in den Worten seines Dankliedes auf, beide Seiten werden so erzählt, dass man deutlich spüren kann, dass dieser Beter nicht einfach so redet, sondern dass Lebenserfahrung seine Gedanken prägen. Um so mehr treffen auch uns diese Worte heute morgen am Ostersonntag.
Am Anfang steht ein großes Gotteslob:
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Befreiungserfahrung steckt dahinter. Die Rahmenerzählung, in die dieser Text gestellt wurde, erzählt von einer Frau, die lange auf ein Kind warten mußte, deshalb auch von vielen angegriffen wurde, denn Unfruchtbarkeit war damals eine Schande und ein Zeichen, dass Gott nicht auf der Seite der Frau war. Sie bekam nun auf Bitten zu Gott hin, ein Kind. Ein wahrhafter Grund zur Freude.
Der Mund, der sich gegen die Feinde aufmacht, lobt Gott für die neue Erfahrung. Die Feinde, das waren nicht Menschen, die diese Frau im sinne gewalttätiger Feindschaft angriffen, sondern die sie persönlich verunglimpften, die ihren Ruf schädigten, die ihre Person schlecht gemacht haben. Es waren Menschen, die auch den Glauben angegriffen haben, die mit dazu beigetragen haben, dass das Vertrauen zu Gott madig gemacht wurde und die Lebensgrundlage in Frage gestellt wurde.
Ich denke, jeder von uns kennt solche "Feinde", solche Menschen, die irgendwie als Gegner zu sehen sind, als Menschen, die das eigene Leben angreifen und bedrohen.
Die Erfahrung des Beters war die, dass diese Menschen letztlich im Unrecht waren, dass Gott am Ende eben doch seine Weg geht, zum Wohl des Menschen, der sich auf ihn verläßt.
Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er  erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.
Das ist in poetischer Form diese Lebenserfahrung des Beters.
Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Diese Worte erinnern stark an das Ostereignis, auch wenn es damit nicht direkt gemeint ist. Und doch möchte ich von diesen Worten her das Osterereignis deuten. Die negative Lebenserfahrung, die er Beter schildert, schildert er im Nachhinein als eine solche, die Gottes Geleit deutlich macht. Es geht gar nicht darum, dass Gott selber in den Tod führt, dass er tötet, wie der Beter es ausdrückt, sondern dass menschliche Weg immer Weg mit Gott sind. Ich denke da an das Kreuz Jesu. Wie sehr begleitet auch uns bis heute hin der Gedanke, dass Gott Jesus auf diesem Weg alleingelassen hat. Das ganze Leiden, die Folterung, die Dornenkrone, die Kreuzigung. Was für ein bedrückender Weg, den der zurücklegen mußte, der doch die Liebe Gottes auf so eindrückliche Weise weitererzählt und lebendig gemacht hat. Der Weg Gottes darin, war nicht zu erkennen und wie gesagt, er ist bis heute für uns schwierig zu verstehen. Doch das Osterfest machte dann für die Jünger und für die Glaubenden deutlich, dass Gott eben doch nicht so fern war, sondern dass dieser Weg ein notwendiger war, um gerade den Weg der Liebe deutlich zu machen, der das neue Leben in einer ganz neuen Gemeinschaft mit Gott begleitet.
Das Kreuz und die Auferstehung Jesu ist so etwas wie das Urbild dieses Weges durch den Tod hindurch ins Leben. Er ist das Urbild für den biologischen Tod genauso wie für den kleinen Tod inmitten unseres Lebens.
Auch da gibt es, wie z.B. bei der vorhin erwähnten Frau ja Erfahrungen, die diesen Weg ganz ähnlich gegangen sind. Der Kreuzweg der Erniedrigung und das neue Leben dank der Geburt. Ich könnte dies für mich persönlich an einigen Stellen des Lebens ebenso ausmachen. Da stand man an einer Stelle, wo alles zusammengebrochen war, alle Hoffnungen, alle Zukunftspläne. Ich habe z.B. keinen Studienplatz in einem technischen Fachbereich nach dem Abi bekommen. Mein Lebensweg änderte sich, mein Berufsziel genauso. Heute bin ich glücklich, dass ich als Pfarrer arbeiten darf. Oder ein anderes Beispiel: als wir uns in auf der letzten Pfarrstelle nicht so wohl gefühlt haben, haben wir Ausschau gehalten. Dann versteiften wir uns auf einen Ort, an den wir dann aber aus ganz formalen Gründen nicht gehen konnten. Welche Enttäuschung lag in dieser Entscheidung, es war, als war erstmal wieder alles abgeschnitten. Heute sind wir hier in den Gemeinden und sich überglücklich darüber.
Das sind nur zwei Beispiele aus meinem Leben, in denen dieser Wandel deutlich wird. Endpunkte des Lebens, Sackgassen, in die man sich verrannt hat. Wer kennt das nicht. Jeder von ihnen könnte davon Geschichten erzählen. Und jeder könnte davon auch Geschichten erzählen, was an der Veränderung des Lebens positiv war, was zum Guten geführt hat, was das Leben verändert hat.
All dies sind keine Auferstehungsgeschichten, auch können diese die Auferstehungsgedanken nicht beweisen. Und doch liegt für mich in diesen Geschichten verborgen, was unser Predigttext und die Ostergeschichten uns weitergeben wollen. Es geht darum, zu erkennen, dass unser Leben an keiner Stelle, an wirklich keiner Stelle ohne Zukunft bleiben muß.
. Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er  erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, daß er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Gott geht den Weg der Menschen mit, er begleitet ihn. Und in ganz persönlicher Deutung des eigenen Lebens können wir es auch so sagen, wie der Beter: Gott hat mich da geführt. Ich sage das sehr vorsichtig, denn dies ist wirklich nur zu sagen als eine ganz persönliche Lebensdeutung, die ich nie auf andere übertragen kann. Aber wo ich vom dem Geschehen von Ostern her lebe und ich mir davon sagen lasse, dass Gott auch über die Grenzen des Lebens hinweg wirksam ist, da kann ich auch die schwierigen Seiten des Lebens als Weg Gottes mit mir deuten. Gott will nicht das Bedrückende in unserem Leben, aber es gibt eben Wege, die müssen so sein, damit wir das Gute erreichen. Wir müssen manchmal Umwege gehen, damit wir das Ziel erreichen, das für uns bestimmt ist, dass wir finden, wonach wir suchen.
Ostern ist für mich das schönste Bild, das diese Lebenserfahrung, aber auch das Vertrauen in die Zuwendung Gottes zu uns Menschen zum Ausdruck bringt. Wie gesagt, die eigenen Lebenserfahrungen können dieses Ereignis nicht bewahrheiten, aber umgekehrt kann das Vertrauen in die Auferstehung und die Überwindung des Leidens und des Todes den Weg in neues Leben ebnen. Ich muß mich nicht verschließen in den dunklen Seiten des Lebens, ich muß das Negative nicht als feststehendes "so ist das nun einmal" hinnehmen, sondern ich darf darauf hoffen, dass Gott andere Weg gehen kann, dass er andere Wege ermöglicht. Die Hoffnung von Ostern ist, dass die Steine auf dem Lebensweg beweglich sind, dass die Gräber des Unabänderlichen geöffnet sind, dass Leben an allen Stellen des Leben möglich ist. Das  muß sicher nicht heißen, dass Lebenssituationen sich äußerlich grundlegend ändern, aber auch das Unabänderliche kann seine Bedrohung verlieren, wenn mir der Blick frei gemacht wird auf das Mögliche, auf das Leben inmitten der Beschränkung. Das Licht von Osten ist so ein Licht, das inmitten der Dunkelheit Lebensmöglichkeiten offenlegt. Wir brauchen dazu aber eben dieses Licht von Ostern, das Licht des Glaubens.
Und wo wir es haben, wo wir es erfahren, da können wir dann auch einstimmen in dieses Danklied aus dem Alten Testament:
Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan alles feindliche meines Lebens, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist. Amen

Gebet des Tages: Allmächtiger gütiger Gott und Vater!
durch die Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus hast du dem Tod die Macht genommen und sagst an allen Enden der Welt das Leben an. Dafür danken wir dir und bitten wir dich: Mach uns bereit diese Botschaft mit offenen Ohren zu hören, nimm allen Kleinglauben und allen Zweifel von uns, laß uns einstimmen in das Osterlob deiner Zeugen: Christus ist erstanden. Auf ihn hoffen wir in Zeit und Ewigkeit. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Abendmahlsgebet:
Wahrhaft würdig und recht ist es, dich zu loben und zu preisen, allmächtiger und barmherziger Gott.
Denn du hast Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder nicht im Tode belassen. Du hast ihn auferweckt und mit ihm all sein Tun neu zur Geltung gebracht. Wir danken dir, daß wir durch die Taufe mit ihm auferweckt sind zu einer lebendigen Hoffnung durch ihn.
Darum wollen wir dich preisen mit allen, die auf Grund der österlichen Botschaft deinen Lobpreis singen. Wir wollen mit einstimmen in diesen Gesang mit dem Lob deiner Herrlichkeit: Großer Gott wir loben dich.
Herr, Jesus Christus. Du lebst. Du bist durch den Tod gegangen, um uns nahe zu sein. Du lebst, um uns zum wahren Leben vor Gott zu führen. So sei du nun nahe in dem lebendigen Zeichen deiner Gegenwart. Sei gegenwärtig in dem Mahl, das du uns hinterlassen hast.
Einsetzungsworte
Ja komm, Herr, Jesus sei du unser Gast. Sei du der, der uns vorangeht in das neue Leben. Führe uns weg vom Tod, führe uns in deine Herrlichkeit. Laß deinen Geist unter uns wirksam sein, in den Zeichen von Brot und Wein. Laß uns darin lebendig spüren: du bist gegenwärtig.
Vaterunser - Christe du Lamm Gottes -
Votum: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Ihr sucht Jesus Christus den Gekreuzigten, er ist nicht im Grab, er geht euch voraus.

Fürbittengebet
Barmherziger Gott. gütiger Vater. Wir loben und preisen dich für das Ereignis dieser Nacht. Wir können nicht hoch genug einschätzen, was du für uns getan hast. Wir können es auch kaum begreifen: du hast den Tod durchbrochen, du hast das Licht des Lebens über jeden Tod in dieser Welt aufleuchten lassen. Dafür sagen wir dir Dank und bringen nun unsere Bitten vor dich:
Wir bitten dich für alle Menschen. die vom Sterben betroffen sind:
für pflegende Angehörige, für Kranke, für Ärzte, Schwestern, Pfleger, für deren Freunde und Nachbarn. Hilf ihnen, die schweren Tage zu tragen, mach sie offen und bereit für das Licht des Lebens, auf dass sie auch den Weg zum Lebensende als fruchtbaren gemeinsamen Weg begreifen. Hilf ihnen nicht abzu-stumpfen, sondern aus der Kraft deiner Güte jeden Menschen liebevoll zu behandeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, deren Leben nicht mehr lebenswert zu sein scheint: für alle Traurigen und Enttäuschen, für alle Verzweifelten, für alle Verlas-senen und übersehenen. Laß sie alle erfahren, daß du, Gott, für sie da bist, daß du für sie Lebenswege bereit hast. Laß sie nicht untergehen in Ihren Gefühlen, laß sie nicht mitten im Leben schon tot sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die von Angst geplagt sind, denen die Angst den Weg ins Leben verstellt: die Angst vor Menschen, die Angst vor sich selbst, die Angst vor dem Leben, die Angst vor neuen Wegen, die Angst vor den eigenen Möglichkeiten, die Angst vor dem Sterben. Laß sie alle teilhaben an deiner Kraft, die durch die Angst hindurchträgt. Laß sie Frieden finden bei dir und Hoffnung, die stärker ist als ihre Angst. Darum rufen wir zu dir: Herr. erbarme dich.
Wir bitten dich aber auch für alle Selbstbewußten, für alle Mutigen und Zuversichtlichen, für die, denen alles zu gelingen scheint, die sich um Anerkennung und Erfolg nicht mühen müssen. Bewahre sie vor Übermut und Leichtsinn, gib Ihnen das nötige Gespür für die Nöte und Ängste der anderen, laß sie erkennen. wo sie Demut nötig haben. Darum rufen wir zu dir: Herr. erbarme dich.
Gütiger Gott. Das Licht deiner Auferstehung leuchtet in die Welt, aber nicht überall kann es das Leid erleichtern, kann es unsere Trauer überwinden, kann es den Tod überwinden. Laß uns dennoch an deinem Licht festhalten. laß es durch uns an viele Stellen der Welt gelangen. Darum rufen wir zu dir: Herr. erbarme dich.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
 Oster-
sonntag
23.4.2000
Liturgischer
Ablauf
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