| Predigt | AT |
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Wir werden heute hineingeführt in eine Auseinandersetzung des religiösen Lebens etwa 860 vor Christus. Es war die Zeit, da das Gottesvolk Israel sich schon sehr in der Welt eingerichtet hat. Es war nicht mehr die kleine Gruppe des Anfanges, die sich unter der Führung des Mose ganz ihrem Gott anvertraut hatte, sondern es war ein großes Volk geworden, das in seinen politischen Strukturen ganz wie die umliegenden Völker war, und das im Lande nicht nur ihren Gottesglauben lebte, sondern sich den religiösen Praktiken des Landes immer mehr anschloss. Diese religiösen Praktiken waren davon geprägt, dass man den sogenannten Baalen opferte. Ein Baal war ein Fruchtbarkeitsgott, und für alle möglichen Bereiche gab es einen solchen Baal. Für die Fruchtbarkeit des Landes, der Tiere, der Menschen und für viele andere Situationen gab es einen Baal. Oftmals wurde diese Baale dann auch noch in Statuen oder Gebilden dargestellt und angebetet, es gab die verschiedensten Riten, die diese Art des religiösen Lebens begleiteten. Der damalige König und seine Frau unterstützen diese Praktiken sehr, vermutlich aus sehr eigennützigen Gründen. Zu dieser Zeit kam es dann auch dazu, dass Isebel, die Frau des Königs Ahab, die Priester und Propheten des Gottes Israels umbringen ließ. Nur durch das hilfreiche Verstecken von ca. 100 Propheten konnten diese überleben. Zu diesen Propheten gehörte auch Elia, von dem wir in der alttestamentlichen Lesung gehört haben. Elia war ein Prophet, der vor allem gegen den Baalskult des Königs und seiner Frau gepredigt hat. Immer wieder hat er dieses Tun angeprangert, hat darauf aufmerksam gemacht, dass Gott ein eifernder Gott ist. Jedoch nicht im Sinne von eifersüchtig, sondern im Sinne von eifernd das Wohl von uns Menschen, das Wohl seines Volkes suchend. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir, wie es in den zehn Geboten heißt, meint ja genau dies: dass Gott uns alles geben kann und will und dass wir nicht Götzen nachlaufen, die uns nichts zu geben haben. Das Volk wieder zu diesem Gott zurückzurufen, das war der Auftrag und die Aufgabe des Propheten Elia. In einer sehr spektakulären Aktion, die uns ein Kapitel vor unserem Predigttext berichtet wird, stellt Elia die Kraft Gottes in für uns sehr ungewöhnlicher Weise dar. Es sollten zwei Stiere auf je einen Holzhaufen gelegt werden und dann sollten die Baalspriester ihre Baale anbeten, um das Feuer unter ihrem Stier zu entfachen. Dies klappte nicht. Dann bat Elia seinen Gott um ein Feuer und siehe das Feuer entfachte und der Holzhaufen samt Stier wurde vom Feuer verzehrt. Mit dieser Machttat erwies sich der Gott Elias als mächtiger und die Baalspriester wurden getötet. Man sollte dies wissen, um die Erzählung des Predigttextes besser verstehen zu können. Dass Elia die Baalspriester umgebracht hat, trug ihm natürlich den Zorn der Isebel ein, die dem Elia den Tod androhte. Nun beginnt ein sehr einsamer Weg des Elia. Gestern noch steht Gott auf seiner Seite, gestern noch spürt er die ganze Kraft dieses Gottes, gestern noch kann er viele Menschen von der Kraft dieses Gottes überzeugen, und heute steht sein Leben auf dem Spiel. War es das alles wert? Kann es richtig sein, dass nun der Tod vor seinen Augen steht, wo er sich doch so für Gott eingesetzt hat? Hier wird die ganze Angst und Not eines Menschen spürbar, der mit seinem Lebensschicksal nicht mehr klar kommt. Er ist in eine Situation hineingekommen, die sein Leben völlig aus der Bahn wirft. Das mag uns sehr ungewöhnlich erscheinen nach diesem großen Erfolg, den Elia noch einen Tag vorher feiern konnte. Müsste er nicht völlig gestärkt sein, innerlich voll der Kraft Gottes und des Vertrauens, dass dieser Gott ihn hier nicht alleine lässt? Würden wir das nicht von uns erwarten, dass wir nach einem solchen Erlebnis der Gottesnähe und Gotteskraft lange davon zehren können? Ich habe den Eindruck, wir Christen, vor allem aber wir Pastoren reden häufig so, als ob dies so sein müsste. Gute Erfahrungen müssten langanhaltende gute Gefühle, müssten langanhaltendes Vertrauen in uns bewirken. Und wenn das nicht so ist, dann stimmt etwas nicht mit dem Vertrauen, mit dem Glauben an Gott. Diese Geschichte von Elia zeigt mir etwas ganz anderes. Wohl hat er auf der einen Seite einen großen Sieg für den Gott Israels errungen. Dessen Kraft wurde für die Menschen deutlich sichtbar und das war ein großartiges Erlebnis und sicher eine großartige Erfahrung. Aber gleich danach wird auch sehr deutlich, dass wir damit Gott nicht in der Hand haben, dass wir Gott nicht auf unsere Seite zwingen können, dass wir nicht bestimmen können, wann und wo Gott ist und wirkt. Der so eifrige und mit Gott mit eifernde Prophet steht plötzlich ganz alleine da, vom Tod bedroht und scheinbar völlig haltlos. Auch er, der so großartiges hat bewirken können, muss erfahren, dass Gottes Wirken nicht an uns Menschen hängt, sondern dass Gott ganz frei ist in seinem Handeln und Wirken in der Welt und vor allem in unserem Innersten. Elia geht es so, dass er jetzt nur noch Angst hat, Angst um sein Leben. Diese Angst löst in ihm sehr dunkle Gedanken aus, er wird - wie wir heute sagen würden - depressiv. Elia flieht zunächst, lässt dann sogar seine Diener zurück. Er will keine menschliche Begleitung mehr, er will keine Hilfe mehr. Er geht in die Wüste, er geht an den Ort, wo es kein richtiges Leben gibt, nur die Einsamkeit, nur noch sich selber. Er hat keinen Lebensmut mehr. Er legt sich unter einen Wachholderstrauch und will sterben. Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter. Und nachdem er dies gesagt hat, legt er sich schlafen. Ich verstehe diese Stelle nicht nur als den Wunsch zu sterben, auch wenn der Text dies sehr deutlich vor Augen stellt. Elia mag diesen Wunsch wirklich haben, er ist kraftlos, voller Angst und ohne klare Perspektive, wie es weitergehen soll mit seinem Gott und dem auserwählten Volk. Doch Elia vergräbt sich dabei nicht in sich selber, sondern in dem kurzen Satz: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele, steckt auch noch etwas ganz anderes drin. Elia gibt seine Seele nun ganz in die Hände Gottes, er gibt sich selber in die Hände Gottes. Sicher nicht so, wie wir uns das oft wünschen für uns selber, dass wir es kraftvoll und mutig tun und dann zielstrebig nach vorne gehen. Es geht auch so, dass man in tiefer Verzweifelung und Traurigkeit dies tun kann, als letzten Schritt, als den letzten Akt der Hoffnung. Nimm, du Gott, meine Seele, nimm mein Leben in deine Hand. Damit gibt Elia sich ganz aus der Hand, mit einem solchen Satz geben wir uns ganz aus der Hand. Das ist vielleicht auch so etwas wie ein Tod, weil wir unser Leben nicht mehr selber aktiv gestalten. Aber gerade dort wird ja Gott aktiv. Dort wo wir mit unserem Leben, mit unseren Möglichkeiten am Ende sind, da will Gott neu Raum schaffen, da will er Neues ermöglichen. Das deutet sich gerade in dieser Geschichte vom Elia sehr schön an. Elia will sterben, er gibt sich ganz aus der Hand und gibt damit Gott den Raum, dieses Leben neu zu beleben. Steh auf und iß, so sagt ein Engel zu ihm. Brot und Wasser stehen bereit. Nachdem er sich wieder schlafen gelegt hat, wird er wieder geweckt und aufgefordert: Steh auf und iß. Von Gott kommt etwas auf ihn zu, von Gott geht neues aus. Brot und Wasser, die Urelemente des Überlebens von uns Menschen bietet Gott hier an. Wir werden hier an unsere christliche Tradition erinnert: die Taufe und das Abendmahl. Auch sie sind ja die Zeichen des Neuanfanges mit Gott. Die Taufe am Anfang des Lebens, das Hineingenommen-werden in diese Urkraft Gottes, in die Gemeinschaft mit Christus, in den hinein wir sterben, unser Leben aufgeben, um mit ihm zu leben, wie es Paulus sagt. So wie auch Elia sich aufgibt, stirbt, um sich von Gott mit neuem Leben beschenken zu lassen. Und so ist das ja auch im Abendmahl. Das Brot erinnert an den Leib Jesu Christi, an seine Person, der Kelch an sein Blut, an sein Sterben und seinen Tod. Aber dieser Tod ist der Anfang des neuen Lebens, das wir dank seiner Auferstehung auch für uns erhoffen dürfen. Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Unser christliches Leben ist ein solches, das einen weiten Weg beschreibt, einen Weg, der davon lebt und begleitet ist, dass wir immer wieder diese Ermutigung Gottes hören und annehmen: steh auf und iss. Lass dir von mir geben, was du brauchst, was für die nächsten Schritte wichtig ist. Gerade das Abendmahl trägt dazu viel bei, es ist die Speise der christlichen Wegzehrung. Mit einer solchen Wegzehrung geht Elia dann los hin zum Gottesberg, wo er Gott neu begegnen will. Vierzig Tage und vierzig Nächte durch die Wüste. 40 Tage in der Wüste, das ist eine symbolische Tages und Ortsangabe. Es ist unter anderem ein Symbol für die Zeit von Unglück und Tod, von Bedrückung und Einsamkeit. Das bleibt Elia nicht erspart, da muss er hindurch auf dem Weg zum Gottesberg, bis er Gott wieder begegnet. Hier aber macht Elia dann noch einmal eine ganz neue Glaubenserfahrung. Zu Beginn habe ich davon erzählt, wie Gott sehr machtvoll den Stier als Opfertier mit Feuer verzehrt hat. Ein großartiger Machterweis, der ja dann auch zur Verfolgung des Elia geführt hat. Die nächste Gottesbegegnung war das genaue Gegenteil. Nicht der Sturm, der Berge zerreißt, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer war Gott zu finden, sondern im Stillen, sanften Sausen, in der Stimme des dürren Schweigens, da steht ihm Gott gegenüber. Gerade in dieser Spannung der Erzählung: das stumme Schweigen auf der einen Seite und das verzehrende Feuer auf der anderen Seite, wird mir deutlich, wie wenig wir Menschen Gott einordnen und festmachen dürfen und können. Gott ist in seinem Handeln ganz frei. Er begegnet heute so und morgen ganz anders. Wir können ihn nicht an bestimmten Erfahrungen festmachen, die nach außen hin für alle sichtbar sind. Wir können ihn nicht nur in Machttaten suchen und erfahren, er ist so frei, dass er genauso in der Ohnmacht und im Schweigen sichtbar wird. Elia hat dies vor der Höhle auf dem Gottesberg sehr deutlich gespürt. Wir Christen können dies am leidenden Christus erkennen. Die Ohnmacht des Kreuzes, das Schweigen angesichts des Kreuzes, die scheinbare Ferne angesichts von Leid, das ist die Stimme des dürren Schweigens, da steht Gott gegenüber, das ist die Sprache der Zuwendung zu uns Menschen. Darin liegt die Freiheit des Handelns Gottes, die aber nicht eine willkürliche Freiheit ist, die macht, was sie will, sondern die in allem von der Zuwendung zum Menschen geprägt ist. So sehr Elia und mit ihm auch Jesus die Nähe Gottes vermisst hat, so sehr war er doch ganz dicht dabei und hat aus dem Tod heraus neues Leben ermöglicht. Mag Gott darin auch oft verborgen sein und bleiben, Elia und Jesus bezeugen uns jeder auf seine Weise, dass Gott sich zeigt, in der Macht und in der Ohnmacht. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 165,1,2,4,8 Psalm: 34, 16-23 Eingangsliturgie - Gebet: Gott, du bist ein freundlicher Herr und nennst den glücklich, der sein Vertrauen auf dich setzt. Wir bitten dich: Errette uns aus aller unserer Furcht, und lass dein Lob immer in unserem Munde sein, dass es die Elenden hören und sich freuen.. Darum bitten wir durch Jesus Christus... Lesung: 1 Kön. 19, 1-8 Lied: 365,1-3 Von Gott will ich nicht lassen Lesung: 1. Kön 19, 9-13a Glaubensbekenntnis Lied: 593, 1+2 Harre meine Seele Predigt 369, 1-3+7 Abkündigungen Fürbittengebet: Gütiger Gott, wir bitten dich für alle, die von Trauer und Lebensangst erfüllt sind, dass sie aus deiner Hand Hilfe erfahren, das sie Brot und Wasser zum Leben empfangen – in welcher Form auch immer. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die dich suchen. Dass sie nicht Ausschau halten nur nach den mächtigen Taten, sondern dass sie auch Ohren haben, die leisen Töne des Lebens zu hören, um dich darin wahrzunehmen. So bitten wir dich, lass dich sehen in unserem Leben und im Leben aller, die nach dir suchen und dich brauchen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die krank danieder liegen. Sei du ihnen nahe, lass sie deine Gegenwart spüren, auf dass sie vertrauensvoll ihren Weg gehen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Für alle, die des Lebens müde sind, lass deinen Engel sehen, der Hoffnung schenkt, der Zeichen gibt, dass es einen Weg mit dir gibt. Führe sie zu guten Erfahrungen mit dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn unseren Herrn, mit dessen Worten wir gemeinsam sprechen: Vaterunser Segen 163 Unsern Ausgang segne Gott |
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